Forum: Gesundheit
Mäkel-Kinder: Nein, meinen Brokkoli ess ich nicht!
Corbis

Sie gehen zum Frühyoga, lernen im Kindergarten Englisch und essen Gurkensalat - aber nur ohne Dill. Der Individualisierungsehrgeiz vieler Eltern verwandelt ihre Kinder in Mäkel-Monster, die man am liebsten zu einem Monat kalten Spinat verurteilen möchte. Wenn sie ihn nur äßen.

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TeaRex 07.01.2013, 19:29
50. Kompromiss

Man kann sich ja auch in der Mitte treffen. Bei uns durfte früher jedes von uns drei Kindern *ein* Hauptgericht haben, was es nicht aß, in meinem Fall waren das Heringe in Sahnesoße, die ich heute übrigens recht gern esse. Aber dann gab's eben nur Kartoffeln mit Quark oder ein simples Käsebrot stattdessen, und alles andere musste gegessen werden - leider z.B. auch Senfeier, iiiiih. Mit diesem Kompromiss konnten wir letztlich alle ganz gut leben.

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Tjoffke 07.01.2013, 19:29
51. Gesunder Menschenverstand schadet nicht

Zitat von daniel79
Mein Sohn ist fast drei, solange ich ihm sein Essen vorsetze und portioniere, muss er es auch nicht essen, wenn er es nicht will. Sobald er aber anfängt sich seine Portionen selber auf den Teller zu laden, wird die Devise lauten "was auf den Teller kommt, wird auch gegessen". Schließlich kann man vorher auch erstmal probieren. Ich habe festgestellt, dass das Essverhalten bei Kleinkindern sehr stark schwank. Mal lieben sie Erbsen, mal wieder nicht. So ist das eben. Solange man verantwortungsvoll mit dem Essen umgeht und nicht immer die Hälfte wegschmeisst, ist das alles halb so wild.
Sehe ich alles genauso. Unser Anderthalbjähriger hatte eine mehrmonatige "Anti-Joghurt-Phase", nachdem er in den ersten Monaten nach der Diversifizierung zunächst das Zeugs wie ein Wilder in sich reinspachtelte. Inzwischen mag er es wieder. Außerdem gibt es bei einigen Lebensmitteln auch kurzfristigere Schwankungen. Man sollte sich davon die Suppe nicht versalzen lassen. Manchmal muss man eben leider die Hälfte wegwerfen, nur sollte es eben nicht immer so sein.

Auch mit der Menge sehe ich es wie sie: solange man die Portion vorsetzt, darf man das Kind natürlich nicht nötigen, gegen seinen Willen alles leerzuessen. Aber wer einmal alt genug ist, sich selbst aufzutun, der kann und muss auch schnell lernen, lieber zweimal zu nehmen als etwas übrigzulassen, das dann in den Müll muss. Das tut keinem weh.

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chrblum 07.01.2013, 19:30
52. Jeder quält sich selbst so gut er kann

Zitat von stefbar_
Das können Sie dann mal einer Mutter ins Gesicht sagen, die nach 8/9 Stunden Arbeit nach Hause kommt und essen für 2 oder 3 Kinder zubereitet und dann am besten für jedes Kind noch extra Gemüse machen soll...
Ehrliche Antwort? Selber schuld. Verstehen Sie es doch endlich: das Gemüse WOLLEN sie nicht. Lassen Sie es weg. Schälen Sie stattdessen eine Karotte, geht viel schneller. Kohlrabi sind auch lecker als Rohkost, das essen alle Kinder, die ich kenne. Alles mit Bitterstoffen dagegen nicht.

Pommes und Bratkartoffeln sind übrigens sehr gesund für Kinder, weil sehr bekömmlich. Viel bekömmlicher als Salzkartoffeln, und obendrein energiereicher. Ketchup enthält Vitamine, viele Mineralien und Lycopin, alles sehr nützlich für den Körper. Beides ist gut durcherhitzt, was viele Stoffe zerstört, die Kindern nicht bekommen. Und Proteste gibt es garantiert auch nicht. Was also hält Sie davon ab, genau das 1x pro Woche zu servieren? Ist schnell gemacht... dazu ein paar Frikadellen, die man (siehe unten) en masse zubereitet.

Sie werden es nicht schaffen, sich an ihrer Mutter zu rächen, indem Sie Ihren Kindern Essen aufzwingen, das sie nicht wollen. :-) Sie rauben nur sich und Ihren Kindern den letzten Nerv. Grünfutter braucht kein Mensch, vieles davon können wir nicht mal gescheit verdauen. Salat zum Beispiel ist komplett wertlos, wir sind doch keine Rindviecher, da können wir auch gleich Gras fressen! Wer es mag soll es mit Appetit essen; ich mag es und esse es mit Appetit.

Leiden Ihre Kinder unter irgendeinem ernährungsbedingten Mangel oder an einer Stoffwechselkrankheit? Wenn nein gibt es kaum einen Grund, sich selbst damit zu quälen, ihnen vermeintlich gesundes Essen vorzusetzen, das irgendeinem ach so tollen Ernährungsideal entspricht. Das ist genauso unnütz wie Schulbücher unters Kopfkissen zu legen -- davon wird man nicht schlau, und vom Vorsetzen wird es noch nicht gegessen.

Bei uns wird immer in großen Portionen vorgekocht und kleine Mengen eingefroren -- nicht fertige Essen, sondern Komponenten. Ich mache nicht drei Schnitzel, sondern 20, und nicht ein bisschen Hackfleischsoße, sondern von 1,5 Kilo Hackfleisch. Das spart viel Zeit und kommt gut an.

Zitat von stefbar_
Sicherlich kann man Kindern die Wahl lassen aber Kinder müssen auch erzogen werden und können im Alter von 6-10 noch nicht vollständig allein entscheiden was es zu essen gibt. Zumal auch die Kinder nicht alleine am Tisch sitzen.
Das ist ein Grundirrtum. Gerade kleine Kinder wissen sehr genau was gut für sie ist. Das zeigen Studien immer wieder.



... schreibt ein Vater, der neben seinem Beruf auch noch Hausmann ist.

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Whitejack 07.01.2013, 19:33
53.

Zitat von Rainer Helmbrecht
Man weiss oftmals erst viel später was gut für einen ist. Ich bin mit Hunger groß geworden, die Frage war nicht, was gibt es zu essen, sondern, ob es etwas zu essen gibt. Nicht, dass ich jeden Fraß mit Begeisterung gegessen hätte, aber ich hatte nie ein Problem mit einem Essen. Der Spruch Hunger ist der beste Koch, enthält eine tiefe Wahrheit. Zusätzlich ist das rum mäkeln ein Zeichen, dass es uns zu gut geht.
Natürlich, die Nachkriegs-Hungerzeit war die beste Zeit der Welt! Immer erstaunlich, diese dummen Menschen, die doch tatsächlich nicht hungern und darben wollen, wo es doch sooo gut für sie ist...

Wie wäre es mit noch ein bisschen mehr dieser Logik? Wer regelmäßig unter der Brücke schläft, für den ist eine Strohmatratze himmlisches Liegevergnügen. Wer immer für die Dusche zum Brunnen laufen und mit dem Eimer das Wasser hoch holen musste, der wird sich nie über zu kaltes Wasser aus der Dusche beschweren.

Jaja, die Somalier und Äthiopier wissen noch zu leben...


Übrigens, was den Artikel anbetrifft: Wenn die Jugendlichen so wählerisch sind, dann ist es das Beste, wenn sie einfach selbst kochen lernen. Ist auch fürs Leben nützlich. Ich kenne nur wenige Leute, die sich als Erwachsene freiwillig Dinge zubereiten, die sie gar nicht mögen. Also warum sich einen unpassenden Geschmack andressieren?

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herrgottmargott 07.01.2013, 19:40
54. Cooler Artikel

Ich musste mehrfach laut schmunzeln...:-)
Wir haben es mittlerweile aufgegeben, unsere Kinder zum Essen von in unseren Augen schmackhaften Nahrungsmitteln zu bewegen. Sie essen Obst, Brot, Nudeln und natürlich auch Süßigkeiten (diese möglichst in Maßen). Alles andere wird schon noch kommen, es sei denn wir versauen es, indem wir das Essen durch Schimpfen, Drohen oder Zwang immer mehr verteufeln.

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legastheniker 07.01.2013, 19:45
55. pilze

da kindererziehung wohl jeder an seinen eigenen versuchen sollte hier nur ein (mein) beispiel.
bei uns war die regel mann durfte auf eine sache im essen verzichten (rauspulen) waren bei mir immer pilze die ich heute gern esse. somit gab es immer ein kompromiss zwischen müssen und eigener meinung. wer mehr als das eine rauspuhlte verzichtete damit auf den nachtisch. das lies uns dann auch die möglichkeit nochmal nachzuprüfen ob etwas wirklich sooooo übel schmeckt um dafür den nachtisch aufzugeben.
ich hoffe das ich das gleiche prinziep auf meine kinder anwenden kann da ich nicht soviel davon halte ein kind hier selbst entscheiden zu lassen.

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Rainer Helmbrecht 07.01.2013, 19:45
56.

Zitat von Alania
........ An alle Spinatverfechter: Spinat mit Kartoffeln und Ei kriegen Sie kaum in Kinder rein. Findet meine auch nicht toll (genauso wenig, wie ich *bähhh*). Aber die Spinatsoße vom Inder (Palak Paneer) schaufelt sie wie ein Scheunendrescher in sich rein (*mhhh lecker*). Es kommt also auf die Zubereitungsart an.
Wir haben keine Kinder, aber sei's drum, ich glaube, dass es kein Tier gibt, welches nicht von den Eltern lernt, was essbar ist. Nur Menscheneltern glauben, dass Kinder da einen eigenen Geschmack entwickeln. Mein Vater aß gerne Roquefort Käse, der ja etwas scharf ist, da hat mein Vater mir erklärt, das ist nix für Kinder. Weil ich gerne Erwachsen wirken wollte, war das für mich der Antrieb, das auch zu mögen.

Dafür bist Du zu jung, zu klein oder Ähnliches, mein Bruder war 5 Jahre älter und der konnte sowas alles.

MfG. Rainer

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chrblum 07.01.2013, 20:01
57.

Zitat von Rainer Helmbrecht
Wir haben keine Kinder, aber sei's drum, ich glaube, dass es kein Tier gibt, welches nicht von den Eltern lernt, was essbar ist.
Kinder lernen von ihren Eltern, was nicht essbar ist. Aus dem essbaren Sortiment wählen sie dann das aus, was die Stoffe enthält, die sie gerade brauchen, und ihnen gut bekommt. Das "schmeckt" ihnen dann gerade (daher die Schwankungen in ihren Essvorlieben). So funktioniert das bei allen Menschen, die sich noch keine Essmarotten antrainiert haben.

Die Analogien zum Tierreich gehen daneben, weil die Rahmenbedingungen andere sind. Tiere haben keine Supermärkte und keine Kühlschränke. Wir haben keinen Mangel, es gibt also keinen Grund, sich so zu verhalten und Nahrung nur deshalb zu essen, weil sie eben verfügbar ist und andere nicht.

Zitat von Rainer Helmbrecht
Mein Vater aß gerne Roquefort Käse, der ja etwas scharf ist, da hat mein Vater mir erklärt, das ist nix für Kinder. Weil ich gerne Erwachsen wirken wollte, war das für mich der Antrieb, das auch zu mögen. Dafür bist Du zu jung, zu klein oder Ähnliches, mein Bruder war 5 Jahre älter und der konnte sowas alles.
So lernen Kinder und Jugendliche das Rauchen und das Saufen, aber keine gesunde Ernährung. (Bitte nicht persönlich nehmen, ist nicht persönlich gemeint. Aber die Analogie zwängt sich auf.)

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rosenkatharina 07.01.2013, 20:02
58. Hausgemachter Tischkrieg.

Der SPIEGEL selbst hat dazu vor ein, zwei Jahren einen wunderbaren Artikel veröffentlicht, der auch online erschienen ist. Titel "Essstörungen bei Kleinkindern": Es gibt genau eine Regel, die auch in diesem Artikel steht, die dem ganzen Brimbamborium ein Ende setzt: "Die Eltern bestimmen wann und was es gibt. Das Kind bestimmt wieviel es ist." Aber was anderes gibt es dann eben auch nicht, dann muss das Kind halt bis zur nächsten Mahlzeit warten. Ganz einfach. In Zeiten in denen Mütter mit Dosen voller Apfelschnitzen und Dinkelkeksen quer über den Spielplatz hinterherlaufen, sollte das nicht so das Problem für das Kind sein. Zumal das Kind ja auch permanent eine Trinkflasche gereicht kriegt. Also ist das Überleben gesichert. Den zitierten Satz haben wir bei uns zu Hause schon angewendet bevor der Artikel erschienen ist, einfach weil wir keine Lust auf Hampeleien haben. So grundverschieden unsere Kinder auch sind, eines haben sie gemeinsam: sie essen, was auf den Tisch kommt - und es schmeckt ihnen mal mehr und mal weniger gut.

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asentreu 07.01.2013, 20:02
59. Strenge muss sein!

In meiner Schwiegerfamilie sind die beiden jüngeren Geschwister (19 und 21) meines Mannes obermäkelig! Es ist nicht zum Aushalten, dabei sind sie erwachsen. Ich wollte mal für die Kochen: Kässpatzen aber nur ohne Käse und Zwiebeln, Lasagne aber ohne Käse und Tomatensauce, Erbseneintopf iieeh, Kartoffelsalat aber ohne Mayo und Eier... Am Ende hat doch die Schwiegermutter gekocht Kapps durcheinander, mir schmeckt es nicht, aber ich habe es aus Höflichkeit gegessen!

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