Forum: Gesundheit
Mediziner Grönemeyer: "Uns fehlt der Respekt vor der Kreatur"
Corbis

Der Mediziner Dietrich Grönemeyer tingelt als Wanderprediger für die Volksgesundheit durch die Talkshows. Jetzt will er die Deutschen besseres Essen lehren. Im Interview erzählt er, was ihn an Ernährung fasziniert - und warum er beinahe Vegetarier ist.

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niska 27.06.2012, 12:10
70.

Zitat von ElisR.
Das sehe ich anders: Ihm fehlt der Respekt = die Rücksichtnahme und Mitgefühl gegenüber Tieren, die vom zivilisieren Mensch als Nahrungsmittel produziert und gemetzelt werden, nicht. Deshalb stimme ich Ihnen in dem Punkt zu: Das "uns" stimmt nicht.
Hier ging es mir in erster linie um das nervige Verbrüderungsgelaber der Mediziner. Warum muss man alles immer mit 'wir' und 'uns' formulieren, wenn man sich selbst eigentlich gar nicht meint?
Zitat von ElisR.
Wann haben Sie das erste Mal ein (Wirbel-?)Tier getötet? Und warum? Aus Hunger? Was haben Sie dabei empfunden? Hatten Sie Mitleid mit dem Tier als es vor Angst schrie und sich vor Schmerzen krümmte? Hatten Sie so etwas wie eine Tötungshemmung? Und was brachte Ihnen das, was Sie "nötigen Respekt" (was immer Sie darunter verstehen) nennen?
So viele Fragen: 8; zum essen; Trauer-Furcht-Stolz; nichts davon mitbekommen-streicheln und zack; wie gesagt eine gewisse undefinierbare Angst; probieren Sie es selbst, man wird ein bewussterer Mensch.
Zitat von ElisR.
Was hat das Verzichten der Tierproduktion und des Schlachtens mit Vermenschlichung und Überhebung von Tieren zu tun?
Weil meistens das moralisierende Argument mit dem fühlenden Wesen kommt. Und den Kindern wird nur noch beigebracht, dass die Tiere niedlich sind. Dabei sind sie auch lecker.
Zitat von ElisR.
Ist es nicht der tierproduzierene/ tierbenutzende ... Mensch, der sich überhebt?
Zu recht. Jeder erhebt sich über seine Beute. Egal ob Schwein oder Spargel.
Zitat von ElisR.
Das "Dinkelgrützeschlabbern" entspricht der Natur des Menschen, das Fleischfressen nicht! Haben Sie Reißzähne?
Sie scheinen ja gar keine mehr zu haben. Ich habe das Gebiss eines Omnivoren, das beinhaltet sog. Eckzähne zum 'Reissen'. Schneidezähne zum 'Schneiden' und Backenzähne zum 'Kauen'.
Zitat von ElisR.
Aha. Warum geht es denn nicht ohne diesem Zeug? Mal darüber nachgedacht? Der "Dinkelgrützeschlabberer" kommt ohne aus. Respekt.
Es geht doch mit und ohne. Schonmal darüber nachgedacht?

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taubenvergifter 27.06.2012, 12:29
71. ....

Zitat von niska
Hier ging es mir in erster linie um das nervige Verbrüderungsgelaber der Mediziner. Warum muss man alles immer mit 'wir' und 'uns' formulieren, wenn man sich selbst eigentlich gar nicht meint? So viele Fragen: 8; zum essen; Trauer-Furcht-Stolz; nichts davon mitbekommen-streicheln und zack; wie gesagt eine gewisse undefinierbare Angst; probieren Sie es selbst, man wird ein bewussterer Mensch. Weil meistens das moralisierende Argument mit dem fühlenden Wesen kommt. Und den Kindern wird nur noch beigebracht, dass die Tiere niedlich sind. Dabei sind sie auch lecker. Zu recht. Jeder erhebt sich über seine Beute. Egal ob Schwein oder Spargel. Sie scheinen ja gar keine mehr zu haben. Ich habe das Gebiss eines Omnivoren, das beinhaltet sog. Eckzähne zum 'Reissen'. Schneidezähne zum 'Schneiden' und Backenzähne zum 'Kauen'. Es geht doch mit und ohne. Schonmal darüber nachgedacht?
Es wäre interessant, mal zu beobachten, wie ein völlig auf die naturgegebenen Mittel reduzierter Mitteleuropäer versucht, einen Hasen zu fangen und diesen (sofern er es schafft, einen vorm Hungertod zu fangen) zu verpeisen.

Die wenigsten würden irgendetwas in die Finger kriegen, würden irgendetwas rausbeißen können oder das Fell abziehen. Und wenn doch, würden sie verzweifelt nach den erwarteten und einigermaßen zu kauenden Bratwürsten und Cevapcicis im Meister Lampe suchen.

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taubenvergifter 27.06.2012, 12:34
72.

Zitat von niska
Damit lassen Sie aber dann den nötigen Respekt vor den Tieren fehlen. Ich gönne niemandem Gammelfleischberge, am wenigsten den Tieren. Wenn man sie schon schlachtet sollte man sie wenigstens so komplett wie möglich sinnvoll verwerten.
Sie sind so selbstlos...

Wenn mich und meine Familie jemand von Geburt an einsperren, quälen, mästen würde, fände ich es nicht sonderlich respektvoll, wenn man mich am Ende auch noch verpeisen würde. Im Gegenteil, Ich würde hoffen, dass die Peiniger an meinem Fleisch ersticken würden. Ich würde hoffen, dass diese Maschinerie endlich aufhört.

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TheBear 27.06.2012, 12:38
73. Daneben

Zitat von taubenvergifter
Da ist meine Erfahrung eine andere. Fleisch zu garen dauert i.d.R. recht lange. Wenn man dies weglässt, spart man Zeit und wenn man Fleisch durch Sojaprodukte, Tofu, Getreidesachen ersetzt, dann dauert dies i.d.R. nicht länger. Man braucht halt ein bisschen Übung, aber das Gilt für die Fleischzubereitung ja in nicht geringerem Maße ebenso.
Wenn man das Fleisch in den Ofen schiebt mag es zwar lange dauern, aber der Arbeitsaufwand ist geringer...

Bevor man aber, und das ist ja auch die Idee des Artikels, als Oekoschwein hinstellt, sollte man immer "fair" sein und die Gesamtschädlichkeit der Person (oder der Familie) betrachten.

Der Hauptgrundsatz sollte aer immer sein: Nichts übertreiben.

Ich halte Veganer für genauso daneben, wie jemanden, der jeden Tag 300 g Fleisch in sich hineinfrisst.

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taubenvergifter 27.06.2012, 13:04
74. schön wär´s

Zitat von thebear
Wenn man das Fleisch in den Ofen schiebt mag es zwar lange dauern, aber der Arbeitsaufwand ist geringer... Bevor man aber, und das ist ja auch die Idee des Artikels, als Oekoschwein hinstellt, sollte man immer "fair" sein und die Gesamtschädlichkeit der Person (oder der Familie) betrachten. Der Hauptgrundsatz sollte aer immer sein: Nichts übertreiben. Ich halte Veganer für genauso daneben, wie jemanden, der jeden Tag 300 g Fleisch in sich hineinfrisst.
das mit dem "nicht übertreiben". Gerade in Mitteleuropa verbrauchen wir so viele Ressourcen (Tierfabriken samt der dafür notwendigen Ressourcen gehören dazu), dass wir mehrere Planeten bräuchten, damit der Rest der Weltbevölkerung den gleichen Lebensstil pflegen könnte. Spätestens da wird doch klar, dass dieses "nicht übertreiben" weit verfehlt wird. Die 300 Gramm pro Tag mögen Sie zu viel finden, es ist aber der Durchschnitt.

Ich stelle auch niemanden als Ökoschwein hin, mir ist der CO2-Ausstoß als Kriterium für das nicht-essen von Tieren nicht in den Sinn gekommen. Ich finde es schlichtweg inzwischen pervers, wenn ich mir vorstelle, ich müsste in ein totes Tier beißen. Aber da hat die Fleischindustrie ganze Arbeit geleistet. Das Fleisch hat inzwischen so wenig mit dem Tier zu tun, dass es vielen leicht fällt, den Kindern grinsende Mortadella vorzusetzen.

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M. Michaelis 27.06.2012, 13:09
75.

Zitat von taubenvergifter
Der Erste Punkt kann nur gelten, wenn Ihnen die Gründe der Vegetarier nicht einleuchten.
Da es sich um keine objektiven Gründe handelt ist das auch nicht relevant.

Zitat von taubenvergifter
Und wer vernünftig an das Thema Ernährung rangeht, dem sollten in der jüngeren Vergangenheit doch einige Gründe geliefert worden sein, Tierfleisch nicht so unreflektiert als gutes "Lebensmittel" zu preisen.
Jede Ernährungsweise die bestimmte Nahrungsmittel ausschliesst ist unvernünftig.

Wer sich möglichst breit ernährt und ein übermass bestimmter Substanzen meidet kann nichts falsch machen.

Falsch ist jegliche Form von Ernährungsdogma das bestimmte Nahrung als per se gut oder schlecht deklariert.

Moralisten haben bei dem Thema überhaupt nichts sinnvolles beizutragen, es möge jeder mit seiner Fasson zu essen selig werden.

In der Natur ist es völlig normal dass Tiere als Nahrungsressource dienen. Es ist daher völlig unsinnig den Menschen davon auszunehmen.

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taubenvergifter 27.06.2012, 14:15
76. .

Zitat von M. Michaelis
Da es sich um keine objektiven Gründe handelt ist das auch nicht relevant. Jede Ernährungsweise die bestimmte Nahrungsmittel ausschliesst ist unvernünftig. Wer sich .....
Eigentlich erübrigt sich ein Statement, weil ich Ihre Gedankengänge, die bei den Vegetarier-"Feinden" (bewusst in "", da überspitzt) recht häufig vorkommen, nie nachvollziehen werden kann.

Warum wird im Bereich Ernährung das Verhalten des Menschen immer am Verhalten der Tiere ausgerichtet (wobei ihnen schon bewusst sein sollte, dass Gorillas (z.T.), Büffel und Elefanten z.b. gut ohne Fleisch gedeihen)? Vom Aas wie wir Menschen ernähren sich i.d.R. nicht die kräftigsten Vertreter der Tierwelt. In der Tierwelt/Wildnis sind ganz andere Verhaltensweisen üblich, die wir nun auch nicht in einer "zivilisierten" Menschenwelt für wünschenswert erachten und da würde jemand, der in anderen Bereichen "bestialisch" handelt auch nicht mit der Begründung "ist im Dschungel doch nicht anders" weit kommen.

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niska 27.06.2012, 15:06
77.

Zitat von taubenvergifter
Eigentlich erübrigt sich ein Statement, weil ich Ihre Gedankengänge, die bei den Vegetarier-"Feinden" (bewusst in "", da überspitzt) recht häufig vorkommen, nie nachvollziehen werden kann. Warum wird im Bereich Ernährung das Verhalten des Menschen immer am Verhalten der Tiere ausgerichtet (wobei ihnen schon bewusst sein sollte, dass Gorillas (z.T.), Büffel und Elefanten z.b. gut ohne Fleisch gedeihen)? Vom Aas wie wir Menschen ernähren sich i.d.R. nicht die kräftigsten Vertreter der Tierwelt. In der Tierwelt/Wildnis sind ganz andere Verhaltensweisen üblich, die wir nun auch nicht in einer "zivilisierten" Menschenwelt für wünschenswert erachten und da würde jemand, der in anderen Bereichen "bestialisch" handelt auch nicht mit der Begründung "ist im Dschungel doch nicht anders" weit kommen.
Also mir kommt es so vor, als seien gerade wir Allesfresser-Menschen die kräftigsten Vertreter der Tierwelt. Was Verbreitung und Dominanz über alle anderen Arten und den Planeten, also evolutionären Erfolg, angeht.

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tzahal 27.06.2012, 15:13
78. Wir leben in einer anderen Welt

Erst sobald jeder für sich Getreide anbauen, jagen, fischen, angeln - und schlachten muß, ist "unser Respekt" im Nullkommanichts wieder da, Respekt kommt vom eigenem Blut, Schweiß und Tränen - oder von intellektueller Vorstellungskraft und der Fähigkeit zu Empathie...

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linlaluna 27.06.2012, 15:37
79. Dito @niska

Das sehe ich auch so - ich kann einen Fisch angeln, töten, ausnehmen und dann auch essen - das können die meisten nicht, weil es eklig ist. Ich verstehe diese Logik nicht, entweder ich kann die Produktion eines Lebensmittels vertreten oder ich esse es nicht. Diese Verdrängung ist in Deutschland alltäglich - war da nicht vor einiger Zeit die Sterneköchin die Kinder eine Schlachtung gezeigt hat und danach dafür massivst kritisiert wurde? Der Respekt vor den Lebewesen fehlt, egal ob es um die Schlachtung oder um die Verwertung geht. In D essen wir fast nur Hühnerbrust und der Rest vom Huhn wird nach Afrika verkauft - aber solange die richtige Einstellung fehlt ändert sich ein gar nichts.

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