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Missionarische Veganer: Der Irrglaube
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Noch dürfen Menschen fast alles essen, was sie möchten. Doch viele Veganer scheint genau das zu plagen, klagt unser Autor Arno Frank. Warum sonst sollten sie Andersdenkende mit missionarischem Eifer verfolgen?

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Herr Knigge 04.08.2018, 12:20
1. Sehr schwieriges Gebiet!

Wo anfangen und wo aufhören? Eigentlich sollte man Fruktarier sein - nur was bereits am Boden liegt, darf verzehrt werden. Das wäre konsequent - und gleichzeitig der Gipfel der Unvernunft, weil das Leben nur noch aus Nahrungssuche bestehen würde. Diese komische Idee eine willkürliche Grenze zwischen mobilen Lebewesen (Tiere) und immobilen Lebewesen (Pflanzen) zu ziehen ist jedenfalls wieder einmal typisch. Ich sehe da jedenfalls keinen grossen Unterschied. Wir sind nun einmal Alles-Fresser, genau wie viele andere Tiere - die einen ernähren sich nur vom immobilen Lebewesen, die anderen nur von mobilen und manche von beidem. Aus meiner Sicht kann man nur versuchen zu reduzieren, Verschwendung zu vermeiden, gut produziert zu kaufen - da setzt der Geldbeutel der Verschwendung dann eh die Grenzen. Geschrieben von einem Flexitarier (wo ist das Wort eigentlich im Artikel?) mit fleischfressender Katze (die konnte ich leider nicht verhindern).

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FrankZimmermann 04.08.2018, 12:24
2. Andersrum wird ein Schuh draus

Lustigerweise ist es meistens aber genau andersrum, da wird der Grillabend mit möglichst viel FLEISCH zu einer spirituellen Messe hochstilisiert (siehe auch u.a. Edeka-Werbung) und jedem Vegetarier erzählt, wie toll doch FLEISCH ist. Da geht der missionarische Eifer deutlich stärker vom Fleischesser aus. Aber bei den meisten Vegetarieren/Veganern bekommt man es ja häufig gar nicht mit, daß sie Vegetarier/Veganer sind, da sie das für sich entscheiden haben und alle anderen damit in Ruhe lassen. Die aggressiven Veganer sind da eher die Ausnahme (und zahlenmäßig den aggressiven Fleischessern deutlich unterlegen).

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hup 04.08.2018, 12:27
3. Wirklich ein Problem?

Es mag sie geben, die Missionare, und dann fallen sie gleich so unangenehm auf, dass man das gut im Gedächntis behält, aber die Wahrheit ist: Das ist nur eine kleine extreme Minderheit wie es sie überall gibt.
Die meisten Veganer - und alle die ich unter meinen Freunden habe - und das sind nicht wenige, sind alles andere als missionarisch und akzeptieren sogar wenn sie Auswärts oder bei Freunden essen, dass ein Essen mal nur vegetarisch ist und nicht komplett vegan, ohne darum ein grosses Gewese zu machen. Wenn sie es selbst kontrollieren können essen sie natürlich Vegan.

Ich glaube die meisten nicht-veganer projezieren ihr schlechtes Gewissen bezüglich der Umweltbelastung und der tatsächlichen moralischen Fragwürdigkeit des Fleisch essens (vor allem wenn nicht bio) auf die Veganen und hassen sie, selbst wenn sie nicht aktiv missionieren, denn sie erinnern Fleischesser immer an ihr potenzielles moralisches Defizit. Und diese Negativität, dieses Defizitäre dreht man dann um und wirft Veganen vor, dass sie es dauernd einem selbst vorwerfen - auch wenn sie es gar nicht wirklich tun.

Ach ja: Ich esse Fleisch, und ich habe ein ziemlich utilitaristisches Verhältnis zu Nutztieren (wenn ich auch will, dass sie artgerecht gehalten und nicht von der Wiege zur Wursttheke gefoltert werden um Profit zu machen). Wenn man das offen vertritt, dann wird es auch oft akzeptiert vom veganen Gegenüber, bzw. zumindest selten auf einem persönlichen Level diskutiert.

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blauerapfel 04.08.2018, 12:35
4. Jain sind Jain, Hindu sind Hindu

Jain sind keine Hindu.
Jainismus, Buddhismus und Hinduismus sind vergleichbar mit Christentum, Judentum und Islam: alle drei haben eine gemeinsame Wurzel, sind aber eigenständige Religionen.

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michael_gumnor 04.08.2018, 12:40
5. Veganismus ist eine Lebensweise

Guten Tag! Es freut mich, dass in ihren drei Artikeln zum Thema Veganismus eine Entwicklung in Richtung besseres Verständnis zu entdecken ist. Der erste Artikel mit der Kita war unterirdisch, der mittlere auch nicht so gut, aber in dem letzten, aktuellen, den ich jetzt grade kommentiere, kommen wir Veganer ja fast gut weg. Nur ist es keine Religion oder so etwas ähnliches, es ist eine Lebensweise. Man glaubt auch nicht, man weiß, dass man Gutes tut. Bei mir ist es so, dass die Lebensmittel, seit sie vegan sind, zu mir sprechen. Sie erklären mir die Welt aus der Sicht der Pflanzen, der Tiere und eben der Welt selbst. Ich bin vereint mit allen Lebewesen. Ich bin eins mit der Welt und dem Universum. Ich bin ein neuer, besserer Mensch geworden, seitdem ich vegan lebe. Ich kann es nur jedem empfehlen. Ich selber habe eine Transformation erlebt. Etwas hat die Gewalt über mein Bewusstsein übernommen und mich mit Zwang in diese Richtung gelenkt, in der ich jetzt lebe. Im Moment spüre ich wie die Pflanzen, die ich verspeist habe, mir mein Leben diktieren. Sie, die Pflanzen, sind Teil einer Ökodiktatur durch den Planeten. Der Planet ist auch ein Lebewesen. Er leidet etwas unter den Menschen und will sie in eine bessere Richtung lenken. Der Kapitalismus wird abgelöst werden durch ein neues Vegansystem. Die Rettung wird kommen. Man muss nur etwas warten. Es ist schade, dass in der Zwischenzeit Milliarden Tiere sterben müssen. Aber ich bin auch nur einer mit allem verbundener Mensch. Das alles ist kein Glaube, den man anderen aufzwingen will, sondern das Wissen über einen besseren Lebensstil. Man ist so wütend, weil man die Tiere nicht leiden und sterben sehen kann. Man ist die Tiere. Wir sind sie und wir spüren ihr Leiden ganz konkret selbst.

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corag. 04.08.2018, 12:43
6. Studie

Zitat von hup
Es mag sie geben, die Missionare, und dann fallen sie gleich so unangenehm auf, dass man das gut im Gedächntis behält, aber die Wahrheit ist: Das ist nur eine kleine extreme Minderheit wie es sie überall gibt. Die meisten Veganer - und alle die ich unter meinen Freunden habe - und das sind nicht wenige, sind alles andere als missionarisch und akzeptieren sogar wenn sie Auswärts oder bei Freunden essen, dass ein Essen mal nur vegetarisch ist und nicht komplett vegan, ohne darum ein grosses Gewese zu machen. Wenn sie es selbst kontrollieren können essen sie natürlich Vegan. Ich glaube die meisten nicht-veganer projezieren ihr schlechtes Gewissen bezüglich der Umweltbelastung und der tatsächlichen moralischen Fragwürdigkeit des Fleisch essens (vor allem wenn nicht bio) auf die Veganen und hassen sie, selbst wenn sie nicht aktiv missionieren, denn sie erinnern Fleischesser immer an ihr potenzielles moralisches Defizit. Und diese Negativität, dieses Defizitäre dreht man dann um und wirft Veganen vor, dass sie es dauernd einem selbst vorwerfen - auch wenn sie es gar nicht wirklich tun. Ach ja: Ich esse Fleisch, und ich habe ein ziemlich utilitaristisches Verhältnis zu Nutztieren (wenn ich auch will, dass sie artgerecht gehalten und nicht von der Wiege zur Wursttheke gefoltert werden um Profit zu machen). Wenn man das offen vertritt, dann wird es auch oft akzeptiert vom veganen Gegenüber, bzw. zumindest selten auf einem persönlichen Level diskutiert.
Dazu gibt es eine gute Studie der Standford University
https://www.sueddeutsche.de/wissen/psychologie-und-ernaehrung-warum-fleischesser-vegetarier-anfeinden-1.1274443

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SunnyWeather 04.08.2018, 12:53
7.

Zitat von FrankZimmermann
Lustigerweise ist es meistens aber genau andersrum, da wird der Grillabend mit möglichst viel FLEISCH zu einer spirituellen Messe hochstilisiert (siehe auch u.a. Edeka-Werbung) und jedem Vegetarier erzählt, wie toll doch FLEISCH ist. Da geht der missionarische Eifer deutlich stärker vom Fleischesser aus. Aber bei den meisten Vegetarieren/Veganern bekommt man es ja häufig gar nicht mit, daß sie Vegetarier/Veganer sind, da sie das für sich entscheiden haben und alle anderen damit in Ruhe lassen. Die aggressiven Veganer sind da eher die Ausnahme (und zahlenmäßig den aggressiven Fleischessern deutlich unterlegen).
Es ist halt einfach, auf Minderheiten rumzuhacken und denen zu erzählen, was die alles falsch machen. Radikale Fleischesser erlebe ich sehr häufig, radikale Veganer-Fehlanzeige.

Beispiel: Meine Frau feiert mit der Familie ihren Geburtstag und hat ein vegetarisches Menu im Restaurant bestellt. Ihr Bruder bestellt auf ihre Kosten für sich und die Kinder Fleischgerichte. Daran ist natürlich meine Frau schuld-ist ja eine Spassbremse.

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dborrmann 04.08.2018, 12:56
8. Buddhistisch betrachtet (Mahayāna)

Im Lankavatara-Sura, achtes Kapitel, wird das Essen von allem, was atmet abgeraten. Das ist ein interessanter Aspekt, da die Atmung, Aufnahme von O2 und Abgabe von CO2, dem animalischen Leben eigen ist, Planzen aber mittels Chlorophyl das Gegenteil tun. Damit wäre eine vegane Lebensweise ganz im Sinne eines Mahayāna-Buddhisten, der dem Lankavatara-Sutra folgt.

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christof.schroeter 04.08.2018, 13:02
9. Wahrnehmungsstörung / Missionierungseifer

Also ich kann mich nicht erinnern, je von irgendeinem Veganer belästigt worden zu sein. Aber ständig Artikel, die sich über missionarische Veganer ereifern. Die Mehrheit der Fleischesser ist sicher fanatisch, aber die Mehrheit der Fanatiker isst - nach meiner Wahrnehmung - Fleisch.

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