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Molekulare Krebstherapie: "Den Tumor gezielt angreifen"
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Etwa eine halbe Million Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Krebs - viele hoffen seit Kurzem auf eine molekulare Tumortherapie. Der Arzt Benedikt Westphalen erklärt, wem sie helfen kann.

Bernd.Brincken 04.02.2019, 23:43
1.

Diese großartigen Entdeckungen erhöhen also die Chance, die letzten Wochen des Lebens im Krankenhaus zwischen Maschinen und Ärzten zu erleben.
Das sind ja schöne Aussichten.

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CancunMM 05.02.2019, 14:26
2.

Zitat von Bernd.Brincken
Diese großartigen Entdeckungen erhöhen also die Chance, die letzten Wochen des Lebens im Krankenhaus zwischen Maschinen und Ärzten zu erleben. Das sind ja schöne Aussichten.
Was ist Ihr Problem ? Sie können ja gerne für sich entscheiden keine Chemotherapie in Anspruch zu nehmen, aber Andere dürfen schon noch selbst entscheiden, oder ? Glauben Sie nicht auch, dass mancher an seinem Leben hängt ? Und es geht dann nicht um ein paar Wochen, sondern oft eben auch um mehrere Monate oder 1-2 Jährchen. Und da kann dann auf einmal die Großmutter doch noch die Geburt Ihres Enkels oder die Einschulung erleben.
Und gerade um unnütze Chemotherapien zu verhindern ist die molekulare Onkologie so wichtig. Wir wissen heute z.B. bei bestimmten Brustkrebsarten, dass es keinen Sinn macht eine Chemotherapie anzuschließen, bei anderen eben schon.
Wichtig ist die Aufklärung des Patienten und dass er entscheiden kann. Egal in welche Richtung.

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Bernd.Brincken 05.02.2019, 19:39
3.

Zitat von CancunMM
Was ist Ihr Problem ? Sie können ja gerne für sich entscheiden keine Chemotherapie in Anspruch zu nehmen, aber Andere dürfen schon noch selbst entscheiden, oder?
Aus der Erfahrung in der Verwandtschaft kann ich keinen Vorteil darin erkennen, einem Menschen mit einer unheilbaren Krebserkrankung unter Durchhalteparolen noch die letzten Wochen zur Qual zu machen.
Dahinter stehen wirtschaftliche Interessen, und es fehlt aktuell leider auch an einer Instanz, die über diese systematisch-organisatorischen Mechanismen aufklärt und im Beratungsprozess ein Gegengewicht bildet.

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CancunMM 06.02.2019, 10:01
4.

Zitat von Bernd.Brincken
Aus der Erfahrung in der Verwandtschaft kann ich keinen Vorteil darin erkennen, einem Menschen mit einer unheilbaren Krebserkrankung unter Durchhalteparolen noch die letzten Wochen zur Qual zu machen. Dahinter stehen wirtschaftliche Interessen, und es fehlt aktuell leider auch an einer Instanz, die über diese systematisch-organisatorischen Mechanismen aufklärt und im Beratungsprozess ein Gegengewicht bildet.
Bei allem Respekt, aber eine Erfahrung aus der Verwandschaft lässt nun wirklich keine Rückschlüsse auf die Allgemeinheit zu. Häufig lässt sich vom Patienten gar nicht unterscheiden ob die Verschlechterung von der Krebserkrankung oder von der Chemotherapie herrühren. Leider wissen wir vorher auch nicht immer wie der Patient die Chemotherapie verträgt. Mein Vater hatte ein Doppelkarzinom der Dickdarms und hat damals auch eine Chemotherapie gebraucht. Er hat leider auch Nebenwirkungen mit Krämpfen entwickelt, aber er ist jetzt seit über 8 Jahren tumorfrei. Er hat die Geburt seines 3. Enkelkindes erlebt, die Einschulung seines 2. Enkelkindes und ist froh, dass er noch lebt. Ich kann Ihnen von vielen Patienten berichten, die ohne die Chemotherapie schon tot wären. Natürlich ist die Einleitung einer Therapie immer eine individuelle Entscheidung, die der Patient nur treffen kann , wenn er aufgeklärt ist. Aber ich kenne keinen Arzt, der eine Chemotherapie aus finanziellen Gründen anfängt. es entscheiden meistens angestellte Ärzte in Tumorbaords über die Chemotherapie.Ich habe vor solch einer Entscheidung noch nie ans Geld gedacht. Aber wahrscheinlich passt das besser zu den Verschwörungstheorien vom korrupten medizinisch-pharmazeutichen Komplex.

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Bernd.Brincken 07.02.2019, 15:18
5.

Zitat von CancunMM
Ich kann Ihnen von vielen Patienten berichten, die ohne die Chemotherapie schon tot wären.
Wie können Sie das wissen?
In den USA zum Beispiel wird Chemotherapie oft erst angewendet, wenn nach einer OP wieder neue Metastasen auftraten; und nicht vorbeugend wie meist in Deutschland.
Die Nebenwirkungen der Chemotherapien (Zellgifte) sind Ihnen sicher bekannt, stehen auch im Beipackzettel - u.a. sind sie oft karzinogen, erhöhen also die Wahrscheinlichkeit für neue Krebserkrankungen in der Zukunft.
Der erste Krebs wird dann gerne nach z.B. 5 Jahren für "besiegt" erklärt. Eine später auftretende Krebserkrankung wird dann als tragischer Zufall gedeutet. Den Beipackzettel von damals hat niemand mehr auf dem Radar.
Also, wieviele der ihnen bekannten Patienten wurden durch frühere Chemotherapien geschädigt?
Der Fall in der Verwandtschaft war ein Gehirntumor von der Art, dass durch Chemotherapie (statistisch) nur eine Lebensverlängerung um einige Wochen erwartet werden konnte. Gleichwohl wurde bis zum letzten Atemzug unter Durchhalteparolen Chemotherapie empfohlen.
Mein Angebot, dafür wirtschaftliche Motive anzunehmen, stellt insofern eine Brücke dar - welche Motive würden Sie dagegensetzen?

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janett_sperling 07.02.2019, 15:42
6. Wer kann tatsächlich profitieren?

Es klingt im Interview kurz an, dass die Kosten für Medikamente, die in der entsprechenden Indikation nicht zugelassen sind, nicht so ohne weiteres von der GKV übernommen werden. Durch neue Testungsmethoden lassen sich besondere genetische Eigenheiten von Tumorzellen diagnostizieren, die zu weiteren Behandlungsoptionen führen (können). Was aus meiner Sicht ein enormer medizinischer Gewinn ist. Nur werden solche Tests nicht flächendeckend eingesetzt (zu teuer) und selbst wenn es brauchbare Testergebnisse gibt, heißt das nicht zwangsläufig, dass Patienten davon profitieren. Da es ein langwieriger Prozess ist, eine Kostenübernahme der Krankenkassen zu bekommen, wenn man ihn denn überhaupt erhält, weil es sich oft um "offlabel use" handelt und entsprechende Daten in der relevanten Indikation fehlen. Diese Zeit und die Kraft, den „Kampf“ mit der GKV/ dem MDK aufzunehmen, haben viele Patienten nicht (mehr). Und das ist ein Schande unseres Gesundheitssystems und da bedarf es ganz grundsätzlicher Veränderungsprozesse.

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borstigerwolf 11.02.2019, 16:26
7. Das Problem werden die Kosten sein

Auf molekularer Ebene ist jeder Tumor ein Individuum. Jede einzelne Tumorzelle ist ein hochkomplexe molekularer Mechanismus, und in der Lage Ausweichstrategien zu entwickeln um der Toxizität einer Therapie auszuweichen Unsere derzeitige, schon sehr gute, Histopatholgie ist dieser Komplexität eines noch nicht genug angepasst. Wir sind noch immer in der Situation eines Besuchers im Louvre, der die Bilder nach der vorherrschenden Farbe klassifiziert. Das geht bereits heute, und mehr noch in Zukunft sicher besser, aber auch erheblich teurer. Der nächste Schritt wäre dann, ein sehr spezifisches, individuell zugeschnittenes Immuntherapeutikum für jeden einzelnen Patienten herzustellen. Die Kosten dafür werden exorbitant hoch sein. Wer kann das noch bezahlen? Wer soll entscheiden wer eine solche Therapie bekommt?

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