Forum: Gesundheit
Nahostkonflikt und medizinische Erstversorgung : Israels rasende Rettungssanitäter
Tobias Zuttmann

Ein Netzwerk aus Freiwilligen in Israel rettet täglich Menschenleben - und zwar in Rekord-Tempo. Dabei spielt weder die Religion der Verletzten noch die der Helfenden eine Rolle.

Gaztelupe 02.09.2019, 17:53
1.

In Bnei Brak im Nordosten Tel Avivs wurde mir vor ein paar Jahren mal so einer vorgestellt. Wie orthodox der war, lässt sich schwer sagen, fromm war er auf jeden Fall, das verriet nicht nur die Kippa auf seinem Kopf, ich meinte, eine Mischung aus Demut und Entschlossenheit aus seinen Gesten und seiner Art zu sprechen lesen zu können.

Nicht ohne Stolz, aber routiniert zeigte er seinen Motoroller mit allem Pipapo inklusive Defibrillator und schilderte seinen Alltag als Rettungssanitäter. Mir ist so etwas immer leicht unheimlich, vor allem, wenn jemand eine Arbeit so nah am Tod schildert, als würde er einer interessierten Kundschaft die Brotsorten im Regal eines gut sortierten Bäckers erklären: Was wann passiere, wie lange er durchschnittlich unterwegs sei, wie er mit diesen und jenen Verletzungen umgehe, welches Gesamtsortiment an Rettungsmaßnahmen er und seine Kollegen so zu bieten hätten.

Mir bleibt dann meist nichts anderes als still zu bewundern, denn ich könnte das nicht.

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odenkirchener 02.09.2019, 19:23
2.

Vielleicht seine Art mit solchen Dingen umzugehen.

In NL gibt es doch ähnliche Massnahmen. Allerdings eher ein Level darunter. Ersthelfer, statt Rettungssanitäter. Lobenswert.

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ede_wolf 03.09.2019, 07:15
3. Firstresponder

In der Schweiz (ich meine gelesen zu haben auch in Deutschland?) gibt es verbreitet Firstresponder-Organisationen. In meinem Wohnort läuft das unter der Organisation der Feierwehr. Freiwillige überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder des Notarztes. Da die ersten paar Minuten oft über alles entscheiden, ist der praktische Nutzen dieses sozialen Engagements sehr gross. Auf der anderen Seite ist auch die persönliche Belastung hoch - wenn man als „Amateur“ täglich gegen den Tod kämpft, geht das nicht ohne ein gewisses Mass an Energie für die Bewältigung.

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three-horses 03.09.2019, 12:58
4.

Zitat von ede_wolf
In der Schweiz (ich meine gelesen zu haben auch in Deutschland?) gibt es verbreitet Firstresponder-Organisationen. In meinem Wohnort läuft das unter der Organisation der Feierwehr. Freiwillige überbrücken die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes oder des Notarztes. Da die ersten paar Minuten oft über alles entscheiden, ist der praktische Nutzen dieses sozialen Engagements sehr gross. Auf der anderen Seite ist auch die persönliche Belastung hoch - wenn man als „Amateur“ täglich gegen den Tod kämpft, geht das nicht ohne ein gewisses Mass an Energie für die Bewältigung.
Kenne auch so einige die sich gerne angagieren. Es war in den Jahren vor 90 eine Ehre, nun wird es zu Pflicht. Seitens der Diener, eher der Herscher, kommt nichts mehr aus der Ecke. Auch die Merkel übertrug 2015 alles auf diese Schulter. Immerhin gab es dafür hin und da, ein "Eiserne Kreuz" in Blech. Aber der Staat mit seiner Verwaltung ist richtg mit der Ansicht, die Helfer tun es für sich oder einem der unter Umständen der Staat niicht finanziel über das Wasser hält und damit echt nutzlos ist.

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chiefseattle 03.09.2019, 13:21
5. Funktioniert der Service

... auch in den von Israel besetzten Gebieten?

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odenkirchener 03.09.2019, 19:43
6. dreiPferde

Bin kein Freund von Merkel, aber noch liegt die Zeit im städtischen Bereich bei 8 Minuten, dann ist der Rettungswagen/Feuerwehr da.

Sicher, bei vielen medizinischen Notfällen zählen aber eben die ersten Minuten. Da sind 8 Minuten eine Ewigkeit. Nur, man kann einfach nicht an jeder Kreuzung, jedem Autobahnkreuz ein RTW hinstellen. Einfach mal einen Erst-Helfer-Kurs buchen. Und Tip zur Beruhigung, ein Erst-Helfer fragt nicht als Erstes nach Parteibuch oder ID.

GottSeiDank ist es aber nicht jedesmal ein Kampf um Leben&Tod.

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ede_wolf 03.09.2019, 20:48
7. Wieso Merkel?

Zweierlei. Ich bin bei uns(in der Schweiz) bei der Feuerwehr tätig. Auch für uns gilt: 9 Minuten nach der Alarmierung sind wir mit einer kompletten Einsatzformation am Schadensplatz.

Ich habe aber als (ziviler) Ersthelfer auch schon 45 Minuten auf das Eintreffen der Sanitäter gewartet. Das war keine Reanimation, aber über die laufenden Motoren hinweg den Atem des Bewusstlosen zu überwachen war durchaus anstrengend.

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