Forum: Gesundheit
Narkose: Tod nach Zahn-OP
DPA

Ein Strafverfahren in Augsburg wirft ein Licht auf erschreckende Zustände bei ambulanten Narkosen in Praxen. Eine Patientin fiel ins Koma und starb. Experten beklagen mangelnde Kontrollen.

henkeltopf 25.11.2014, 17:17
1.

Eine Zahn-Implantation im Mund-, Kiefer-, Gesichtsbereich ist mit nichten ein "großer Eingriff". So etwas wird in 95% der Fälle ambulant unter lokaler Betäubung am Zahnarztstuhl gemacht. Deshalb ist eine künstliche Beatmung m.M. nach auch nicht indiziert. Wer sich für den Luxus einer Behandlung unter Vollnarkose entscheidet, muss die üblichen Risiken tragen, so tragisch dies dann leider auch in dem Fall geendet ist. Ein Todesfall in vier Jahren reicht dann aber wieder für ein Ärzte-Bashing Artikel aus. Und "Billig-Billig" will in erster Linie doch der Patient, nicht der Zahnarzt, wie hier behauptet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
deegeecee 25.11.2014, 17:45
2.

Zitat von henkeltopf
Eine Zahn-Implantation im Mund-, Kiefer-, Gesichtsbereich ist mit nichten ein "großer Eingriff". So etwas wird in 95% der Fälle ambulant unter lokaler Betäubung am Zahnarztstuhl gemacht.
Das Setzen der Implantate ist eigentlich gar nichts... viel wahrscheinlicher ging es hier um das Ziehen. Das kann schon ein "Gewaltakt" sein... dem will man doch als Patient gar nicht ohne jegliche Kontrolle ausgeliefert sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
paps 25.11.2014, 18:12
3. Ambulante Narkosen

Ambulante Narkosen sind, entgegen der Meinung einiger Chefs, in der Hand von qualifizierten Fachärzten eine sehr sichere Angelegenheit. In diesem Falle liegt ein Down-Syndrom vor, hier übernehmen sogar die Kassen die Kosten. Also nix mit Billigheimer. Die Frage ist, war das ein niedergelassener Anaesthesist, oder ein Honorararzt von irgendwo?
Im Falle einer Vollnarkose wird immer beatmet, alles andere ist grosser Quatsch, da beim Zahnarzt in der Regel auch relaxiert wird, dh. der Patient kann gar nicht selber atmen.
Eine 46-jährige mit Trisomie 21 ist in jedem Fall eine Herausforderung, da es häufig auch Probleme an inneren Organen gibt.
Im Übrigen müssen die Zahnarztnarkosen nach GOÄ abgerechnet werden, und da kostet die erste Stunde ca. 350 Euro mit Medikamenten. Anaesthesisten die deutlich weniger nehmen und trotzdem Geld verdienen sparen also. Wo, kann sich jeder selbst denken.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
uwe4321 26.11.2014, 08:28
4. beim Implantate setzen

kann eine Vollnarkose auch ungünstig sein. Im Unterkiefer kann eine "zu lange" Implantatschraube den Mandibularkanal stören, was man als Patient auch bei lokaler Anästhesie spürt. In dem Fall wird der Zahnarzt eine etwas kürzere Schraube auswählen. Bei Vollnarkose gibt es diese Rückmeldung naturgemäß nicht.
...ich würde mir aber auch nicht mehrere Implantate in einer Sitzung setzen lassen wollen - mit oder ohne Vollnarkose.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
zahnkaufmann 26.11.2014, 10:21
5.

Das Problem ist wohl, daß oft unnötige Vollnarkosen verabreicht werden. Weil die Zeit um mit den Patienten vorher über deren Ängste zu sprechen -damit die ohne Vollnarkose klarkommen- nicht bezahlt werden würde.

Vollnarkose dürfte nur in Spezialpraxen durchgeführt werden(fester Anforderungskatalog)

Außerdem müßte ein Notfallplan Vorschrift werden: Wer hat dann Was zu tun? Wer ruft den Notarzt und wer bleibt beim Patienten?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
knurpel 26.11.2014, 10:29
6. ambulante Vollnarkose

Ich würde niemals eine Vollnarkose ambulant durchführen lassen. Ich arbeite auf einer Intensivstation. Eine Patientin, die in einer Praxis einen kleinen gynäkologischen Eingriff hat vornehmen lassen, hatte in diesem sogenannten "Aufwachraum", ohne Monitoring und ohne anwesende Schwester/Arzt, einen Atemstillstand. Wie lange? Konnte keiner sagen, die Schwester hat sie beim "Reinschauen" blitzeblau vorgefunden. Reanimation war erfolgreich, aber die Folgen.... Nunja.
Nach diesem Erlebnis rate ich JEDEM davon ab, selbst einen kleinen Eingriff in einer Praxis unter Vollnarkose durchführen zu lassen!
Aber jedem nach seinem Gusto.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hoffinho 26.11.2014, 21:13
7. @knurpel

das kann man so nicht stehen lassen. Grundsätzlich ist ambulantes Operieren in D eine sichere Sache. Im Normalfall gerät man an sehr erfahrene Anästhesisten- im Gegensatz zum Krankenhaus. Dort gibt es eher mal unerfahrene oder der Sprache nicht mächtige Ärzte. Auch der Hintergrund Krankenhaus schützt nicht immer vor möglichen Problemen. Fakt ist aber wirklich, dass Zahnärzte die Preise bei Selbstzahler- Narkosen drücken, um nicht ihre Patienten zu verlieren. Dass sie selber ein Vielfaches abrechnen- kommt noch hinzu. Selbst die Abrechnung nach GOÄ ist eigentlich billig.

Beitrag melden Antworten / Zitieren