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Neue Gesetze: Regierung will mehr Landärzte und schnellere Facharzttermine
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Auf einen Termin beim Facharzt warten gesetzlich Versicherte oft ewig: Das will die Regierung mit zwei neuen Erlassen künftig ändern. Außerdem sollen Mediziner mit finanziellen Anreizen aufs Land gelockt werden.

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OlafKoeln 17.12.2014, 15:51
1. Mehr Landärzte?

Der Vorsatz ist ja schön - nur wie will man das erreichen? Der Verdienst der Landärzte müßte drastisch steigen, um den Standort und den Aufwand (Hausbeuche über Land etc.) attraktiv zu machen. Aber ob das alleine hilft? Ein Problem ist z.B. das heute nicht mehr so viel "vertikal" geheiratet wird. D.h. der Landarzt hat jemanden geheiratet (Krankenschwester, Sekretärin etc.) und die hat dann selbstverständlich in der Praxis mitgearbeitet. Das kommt heute immer weniger vor. Im Bekanntenkreis die ÄrzteInnen sind mit JuristInnen, IngenieurInnen etc. verheiratet. Die bräuchten auf dem Land auch eine adäquate Beschäftigung.

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zefixnochamoi 17.12.2014, 16:18
2. Regresse

Solange das Regressrisiko besteht, wird das Problem bestehen bleiben. Ein Landarzt muss ggf auch teuerste Medikamente Spezialmedikamente verordnen, weil sonst keiner da ist, der es macht. Damit hat er ein am Fachgruppendurchschnitt gemessen unwirtschaftliches Verordungsverhalten und bekommt einen Regreß nach dem anderen aufgebrummt. Und die vielgerühmten Praxisbesonderheiten interessieren dabei niemanden. Fünfstellige Regreßsummen sind schnell erreicht. Und das für eine Flatrate von 30 ? im Quartal?

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gedankenträger 17.12.2014, 16:25
3. Der vieldiskutierte Verdienst

der Landärzte ist mittlerweile gar nicht mehr so schlecht, wird ja auch immer wieder verbessert. Das sollte der Ehrlichkeit halber doch bitte auch immer erwähnt werden.
Das Problem liegt 1. eher in ihrer geringen Anzahl und damit der Überlastung des einzelnen, sprich einer sehr hohen Anzahl von Patienten je Versorgungsgebiet.
2. Ist es dazu für viele insbesondere auch junge Ärzte einfach unattraktiv auf dem Lande zu wohnen, da Infrastrukturen fehlen, die in der Stadt / Stadtnähe durchaus vorhanden sind. Wenn man also Landleben und Landärzte will sollte politisch umfänglicher gedacht werden. Das Honorar ist es sicher nicht allein.

Der Lösungsvorschlag der ambulanten Behandlung in den Krankenhäusern ist allerdings einfach albern - was denken die Herren Politiker denn, wo dort bitte die Kapazitäten herkommen sollen?

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aquaglas 17.12.2014, 16:36
4. Endlich Termine ...

Ich begrüße die Einrichtung einer zentralen Stelle für Terminvergabe. Momentan ist das eine Tortur jemanden zu finden wenn es Akut ist und man keinen "angestammten" Arzt dafür hat.
Typische Aussagen am Telefon: "Termine haben wir erst in 4 Monaten wieder", "Wir nehmen keine Patienten aus Ihrem Ortsteil", "Ihr Kind war schon mal bei dem anderen Kinderzt in Behandlung, das nehmen wir nicht", "Wir haben Aufnahmestopp". Und das im angeblich überversorgten Rhein-Main Gebiet. Ich (+Familie) war im letzten halben Jahr 3x in Krankenhäusern zur ambulanten Behandlung, weil wir nirgendwo einen Termin bekommen haben. Und ich fühle mich schlecht dabei, weil die Ärzte im Krankenhaus eigentlich etwas besseres zu tun haben als sich um Dinge zu kümmern die ihre deutlich besser bezahlten niedergelassenen Kollegen tun sollten.

Die einzigen Ärzte mit Service-Charakter sind Zahnärzte. Die müssen jedoch um Patienten buhlen, weil da vieles selbst gezahlt werden muss.

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colombiano 17.12.2014, 16:54
5. Das mit der ambulanten Behandlung in Krankenhäusern...

...kann man getrost vergessen, wenn man fünf Stunden mit starken Hüftschmerzen auf Behandlung wartet, aber nicht von einem Facharzt der Orthopädie behandelt wird sondern vielleicht von einem Assistenzarzt der Fachrichtung Gynäkologie und dann schließlich mit einer Packung Ibuprofen nach Hause geschickt wird. Es sollten für Akutfälle extra entsprechende Fachzentren (also: Orthopädie, Pneumologie etc.) eingerichtet werden, die vor allem an Wochenenden rund um die Uhr mit einer genügenden Anzahl von Medizinern besetzt sind und wo man fachkompetent behandelt wird, ohne stundenlang warten zu müssen.

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lachina 17.12.2014, 17:07
6.

"Gute medizinische Versorgung darf auch in Zukunft keine Frage des Wohnorts sein", erklärte dazu Gröhe.
gute medizinische Versorgung IST schon länger eine Frage des Wohnortes. Natürlich ist die Versorgung besser, wenn man nahe einer Uniklinik oder in einer Großstadt lebt, das ist doch normal. Ärzte, die ihre Grenzen kennen, überweisen einen durchaus dorthin.

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heinrich-wilhelm 17.12.2014, 17:23
7. Plattes Land

Attraktiv wird eine Praxis auf dem Land, wenn die Ehefrau evtl Reiterin ist, der Resthof zum Landleben einlädt, die Kinder mit öffentlichemn Verkehrsmitteln die fortbildenden Schulen erreichen können und der Bereitschaftsdienst familienfreundlich geregelt ist. Hilfreich wäre auch eine KV , die den Niederlassungswilligen den Start zB Vermietung einer Praxis erleichtert, um das finanz. Risiko einer derartigen Niederlassung zu mindern. Und die Bevölkerung bereit ist ihre Ärztin/ Arzt auf Händen zu tragen, denn nicht zu vergessen 2/3 des med. Nachwuchses sind weiblich und deren Lebensentwurf beinhaltet halt mehr als allzeit bereit zu seinTag und Nacht. Ein Ausweg könnte ein aktiv gefördertes MVZ ( Mediz. Versorg. Zentrum)sein, mit Kollegen auch anderer Fachrichtung, das einerseits auch das kommunikative Bedürfnis der Kolleginnen/gen befriedigt und anderseits auch den Termindruck, fachärztl. untersucht zu werden ( in den Städten)mindert. Ideen gebe es genug ,nur wollen muss man es !

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goethestrasse 17.12.2014, 17:55
8. Zum Praktikum..

..nicht nur in die Kliniken sondern auch aufs Land. Dann lernen viele dessen Vorzüge kennen. Hauptproblem bleiben aber die unüberschaubaren Belastungen der Allgemeinmediziner. Deshalb sollte jeder Absolvent der Studiums auch eine Mindestzeit in einer Allgemeinpraxis verbringen

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MutzurLücke 17.12.2014, 18:19
9. Ein MVZ für 1.500 Leute?

Zitat von heinrich-wilhelm
... Ein Ausweg könnte ein aktiv gefördertes MVZ ( Mediz. Versorg. Zentrum)sein, mit Kollegen auch anderer Fachrichtung, das einerseits auch das kommunikative Bedürfnis der Kolleginnen/gen befriedigt und anderseits auch den Termindruck, fachärztl. untersucht zu werden ( in den Städten)mindert. Ideen gebe es genug ,nur wollen muss man es !
Das Problem mit der Besetzung der Landarztstellen ist doch gerade, dass die Einzugsgebiete nicht dicht genug besiedelt sind, um derartige Betriebsstrukturen zu tragen. Der Sinn der Landarztpraxis soll ja gerade sein, dass die hausärztliche Versorgung sich nicht irgendwo im nächsten Hauptort anhäuft, sondern da ist, wo man sie braucht.

Natürlich wären MVZ als außerurbane Garanten einer (einigermaßen) wohnortnahen fachärztlichen Versorung keine schlechte Idee. Aber das ist nicht der Bereich, auf den die jetzige Initiative abzielt. Da geht es um Hausärzte, die absichtlich breit, aber dünn gestreut werden sollen.

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