Forum: Gesundheit
Neues Organspendegesetz: Sieben Gründe für einen Spendeausweis
dapd

Heute tritt die neue Regelung für die Organspende in Kraft: Jeder Versicherte wird von seiner Krankenkasse aufgefordert, einen Spendeausweis auszufüllen. Sieben subjektive Argumente, warum man es tun sollte.

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Hafenschiff 01.11.2012, 10:49
70.

Zitat von Moridin
Mich überrascht es immer wieder, wie unkritisch die Praxis der Organspende akzeptiert wird. Wenn ein Organ eines Menschen versagt, ohne das er nicht mehr weiterleben kann, ist das ein ziemlich guter Zeitpunkt für ihn, zu sterben. Sich stattdessen der Organe andere Menschen zu bedienen, hat etwas verunreinigendes bis kanibalisches, was mir grundsätzlich falsch erscheint. Ein Mensch sollte wissen, wann sein Leben zu Ende ist - dieses ewige Hinauszögern des Todes unter allen Umständen hat keinen größeren Nutzen als es Kosten verursacht.
Einfaches Gedankenspiel:
Stellen Sie sich vor, Ihre Ehefrau, Ihre kleine Tochter oder Ihr kleiner Sohn erkranken an irgendwas oder haben einen Unfall, weshalb sie dann auf eine passende Organspende angewiesen sind.
Und Sie sitzen dann im Krankenhaus am Bett Ihrer Tochter oder Ihres Sohnes und sagen dem Kind eiskalt ins Gesicht "Ich bin gegen Organspende und ich verbiete den Ärzten, Dir ein Organ zu transplantieren. Das Hinauszögern deines Todes hat keinen Nutzen, sondern verursacht nur Kosten. Du musst jetzt sterben!"?

Und falls Sie jetzt "Ja" sagen, hoffe ich, dass Sie Ihren Kindern bereits mitgeteilt haben. Und falls Sie keine Kinder oder Ehefrau haben ... fragen Sie sich mal, warum.

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Blindleistungsträger 01.11.2012, 10:49
71. Was stimmt nicht an diesem Bild?

Zitat von kritischerleser50
Meine Idee, die Bereitschaft zu Organspenden zu erhöhen: Personen, die eine Organspendeausweis haben, kommen in dem Moment, falls sie selber ein Organ brauchen, automatisch auf der Warteliste vor die Personen, die keinen haben. Denn es kann ja nach meiner Meinung kaum richtig sein, selber nicht zum Spenden von Organen bereit zu sein, aber im eigenen Krankheitsfall eines zu beanspruchen.
Antwort: Das Wort "beanspruchen".

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sagichned 01.11.2012, 10:49
72. statistisch gesehen...

Wenn ich in kaltes Wasser die linke Hand tue und in kochendes Wasser die rechte, dann geht es mir statistisch gesehen gut.

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Marcus_XXL 01.11.2012, 10:50
73. Grundsätzlich gerne aber

der Begriff "Hirntot" mach mir erhebliche Kopfzerbrechen. Er bedeutet doch wohl nicht, dass mein Herz nicht mehr schlägt oder das mein Kreislauf zusammengebrochen ist. Alle Nervenbahnen werden also noch versorgt und das Blut fließt durch meine Adern und versorgt meine Organe und Muskeln. Mir werden also -vom Hirn mal ausgenommen- aus meinem lebenden Körper Organe rausgeschnitten! Wer sagt mir denn, dass ich davon definitiv nichts mehr spüre? Ich habe Berichte gelesen, dass der Organspender fixiert werden muss, weil er sonst so stark "zucken" würde, dass eine Entnahme nicht möglich wäre. Warum zuckt er, wenn er nichts spürt? Wirklich nur Reflexe? Woher kommen diese, wenn das Gehirn doch angeblich nicht mehr funktioniert? Sorry, mir ist das alles etwas zu unsicher und noch mehr verunsichert mich, dass man in kaum einem Artikel auf diese Fragen eingeht. Warum denn nicht?

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spot_an 01.11.2012, 10:52
74.

Zitat von Lexington67
Friedliche Loslösung der Seele? Wie muss ich mir das vorstellen? Etwa himmlische Heerscharen die zu Harfenklängen einen Jubelchor anstimmen? Kann man das beobachten? und wie sieht die unfriedliche Loslösung aus? Fragen über Fragen...
Ja, so ähnlich können Sie sich das vorstellen. Ich habe meiner Mutter die Hand gehalten, als ihre Seele den Körper verließ. Ich habe den kurzen Todeskampf miterlebt und das entspannte und glückliche Lächeln in ihrem Gesicht gesehen, als dieser vorüber war. Zwei meiner Schwestern, beide dem Sprirituellen und Religiösen zutiefst abgeneigt, waren ebenfalls anwesend und zutiefst ergriffen von dem, was sich abspielte.
Ich habe seitdem keine Angst mehr vor dem Tod, zumindest nicht einem friedlichen und ungestörten Tod.

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DenkenSieSelbst 01.11.2012, 10:53
75. Warum irritiert mich eigentlich...

... die ganze Diskussion?
Ich kann mich erinnern, wie auch beim Spiegel vor Jahren diskutiert wurde, dass es doch unverantwortlich sein kann, wenn eine Familie ein weiteres Kind bekommt, damit es im Ernstfall einem anderen Kind der Familie als "Ersatzteillager" dienen könne.
Abgesehen davon, dass ich dies nicht verwerflich finde, denn man muss das Kind ja nicht mit dieser - sicher für das Kind ernüchternden - Wahrheit konfrontieren, finde ich sehr interessant, dass wir nun alle zu Ersatzteillagern erklärt werden.

Ich kann auch die Argumentationen für eine Organspende gut verstehen und sehe auch die Problematik ein. Für mich wäre es auch überhaupt kein Thema in einem Testament festzuhalten, dass meine Organe nach meinem Tod innerhalb meiner Familie an bedürftige Familienmitglieder oder Freunde transplantiert werden dürfen.
Was mich aber anwidert, ist die durch die aktuellen Skandale bewiesene Befürchtung, dass es hier wieder nur um ein großes Geschäft geht.

Ich werde meine Organe nicht kostenlos zur Verfügung stellen, solange Ärzte und andere Aasgeier sich daran eine goldene Nase verdienen.
Es widert mich an, dass ich (bzw. meine Familie) nicht den geringsten Gegenwert erhalten, während sich ein Aasgeier eine goldene Nase verdient. Und Nein - es ist mir eben NICHT egal, ob der Mensch auf Platz 20 dem auf Platz 1 vorgezogen wird! Genau in diesem Moment ist Leben nämlich KÄUFLICH! Es ist mir nicht egal, wenn der arme Junge auf Platz 1 der Warteliste jämmerlich verrecken muss, weil ein reicher Geldsack auf Platz 20 mit dem Geldbündel winkt!

Hier wären staatliche Regularien DRINGEND notwendig! Stattdessen versucht man uns zu überreden! Ich werde bei den ganzen "Aufklärungskampagnen" das dumme Gefühl nicht los, dass uns auch wieder nur die halbe Wahrheit gesagt wird! Ich muss mir immer wieder die Frage stellen: Was ist eigentlich das Ziel dieser Kampagne? Ach ja, mehr Spender! Also werden die Schattenseiten schöngeredet, verniedlicht, verschleiert oder ganz verschwiegen.

Ich habe bisher nicht den Eindruck, dass in diesem Punkt (und in vielen, vielen anderen Punkten ebenfalls) aufrichtig und offen kommuniziert wird. Solange das so bleibt, bin ich für solche Themen nicht zu gewinnen.

Ich erwarte Taten:
- Ärzte, die mit Organen handeln, gehören lebenslang aus ihrem Beruf entfernt
- Der Spender bzw. seine Familie muss eine angemessene Gegenleistung erhalten
- Organspender müssen bei Bedürftigkeit bevorzugt behandelt werden (die Einwilligung zur Organspende muss mindestens 5Jahre durchgehend bestehen)
- Privatpatienten dürfen Kassenpatienten nicht vorgezogen werden (Auch hier gibt es sicher die Lippenbekenntnisse, dass alles mit rechten Dingen zu ginge, aber ich werde den Verdacht nicht los, dass die Skandale der Vergangenen Monate begünstigte Privatpatienten betreffen).
- Maximale Transparenz: Bedürftigenlisten müssen anonymisiert jederzeit von jedem einsehbar sein, die Vergabe muss ebenfalls transparent sein (nur so kann Missbrauch entgegengewirkt werden)

Worthülsen könnt Ihr Euch also sparen. Erst wenn diese oder vergleichbare Taten umgesetzt sind, können wir nochmal darüber reden...

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peakoilnow 01.11.2012, 10:53
76. Mein Sterben gehört mir!

Ich möchte eigentlich selber sterben, dem eigenen Rhythmus dabei folgen - wenn das Ende kommt, soll es von selber kommen und zur richtigen Zeit.
Deshalb kann ich mir eine Organspende - anders als in jüngeren Jahren - heute nicht mehr vorstellen. "Hirn-tot" scheint mir nur halb tot. Dass ich in meinem Bewusstsein qua Hirntod keine Wahrnehmungen mehr habe, mag ja sein. Doch in den anderen Teilen meines Körpers ist zu diesem Zeitpunkt noch Leben anwesend. Durch das Ausweiden meines noch lebendigen Körpers nach Eintritt des Hirntods wird mein Sterben fremdgesteuert.
Das Sterben ist wie die Geburt ein ganz intimer, persönlicher Prozess am Rande meines Lebens, vielleicht der Übergang in eine andere Sphäre.
Dieser Moment gehört mir, mögen auch andere auf meine Leber warten.

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blickkontakt 01.11.2012, 10:55
77. Nein danke!

Solange es keine Möglichkeit gibt, bestimmte Empfängergruppen wie Politiker oder Bonusbanker auszuschließen, lautet meine Antwort klar: NEIN! Ich werde mit Sicherheit keine Organe spenden, um damit das Leben eines Wulffs, Schäubles oder Ackermanns zu verlängern. Irgendwo hat alles seine Grenzen...

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semaphil 01.11.2012, 10:56
78. ein orwellscher Meilenstein

Zunächst mal ist grundsätzlich eine Neuregelung des Organspendekomplexes erforderlich gewesen - allein schon wegen der erweiterten Möglichkeiten, Organe zu verpflanzen.

Doch was tut unsere Gesellschaft in diesem Fall? Sie fördert die Organverpflanzungsindustrie. Wie macht man das? Man baut einen Bedarf auf, der möglichst nicht hinterfragt werden soll.

Zitat von sysop
..stirbt alle acht Stunden ein Mensch in Deutschland, den ein Spenderorgan hätte retten können. ..
Häufig anders formuliert lautet der Befund: Auf eine Niere warten Patienten durchschnittlich 6 - 8 Jahre ( Anfang 2005 ) - siehe Wikipedia.
Da möchte man rufen: Das geht doch nicht, da muß man doch etwas tun!

Und gesagt, getan. Das Recht auf Leben auf Kosten der noch Untoten, aber schon dem Tod geweihten, geht allemal vor. Wir erleben so, daß das Leben an seinen beiden Enden massiv von denen, die sich in er vermeintlichen Mitte dieses Prozesses befinden, annektiert wird. Am Beginn steht die Hoffnung, ein Leben nach meinen Vorstellungen und Idealen zu schaffen, schon weit vor dem Ende steht die Annektion des noch in Teilen funktionsfähigen Körpers für den Überlebenspool der Zahlungskräftigen. Der Zeitpunkt ist absehbar, an dem sich die vorgeburtlichen Designer mit den präletalen Abwrackern in der Mitte treffen und so das gesamte Leben im Interesse einiger Weniger steuern und verwerten.
Die große Keule der Befürworter dieser Entwicklung ist die eigene Angst, selbst einmal nur mittels Organspende gerettet werden zu können, oder zusehen zu müssen, wie nahe Verwandte - möglicherweise ein eigenes Kind - sterben müssen, weil man ihnen nicht helfen kann. Dieser Keule ist kaum etwas entgegenzusetzen, wenn man nicht durch Zugehörigkeit zu einer konservativen Glaubensgemeinschaft gefestigt ist.

Der Organspendeausweis kommt mit massiver Unterstützung der Medien und der Kassen unters Volk, wird aber auch in diesem Fall nicht wie gewünscht wirken, weil diese Gesellschaft ihren Konsens schon lange verspielt hat. Man wird massive Vorteile in der Jetztzeit bieten müssen, damit eine signifikante Anzahl von Spendern den eigenen Körper der gesellschaftlichen Verwertung freiwillig übereignet.

Ein vertrauenswürdiges Organspendeverfahren ist m.E. nur möglich in einer solidarischen Gesellschaft, die sich ihrer Integration und ihres Wertes für alle Mitglieder bewusst ist. Unmöglich scheint es mir in der Desintegrationsspirale zu sein, in der wir uns heute befinden. Wir erleben die zersetzende Wirkung der Abkoppelung unserer "Eliten" - sichtbar an der weit geöffneten Wohlstandsschere, an der kalten Entdemokratisierung im nationalen und EU-Umfeld, an der fehlgeleiteteten Finanzpolitik, die der Bürger mit ohnmächtiger Wut hinnehmen muß, da ihm schlicht jede Einflußmöglichkeit verwert ist.
Für wen und für welches höhere Ziel sollte und könnte ich heute meine Organe freigeben?

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Hafenschiff 01.11.2012, 10:56
79.

Zitat von lerche 100
als ich mich vor längerer Zeit mit dem Thema Organspendeausweis beschäftigt hatte, wollte ich mich in die Gruppe der Spendewilligen einreihen, allerdings sollten meine Organe nur denjenigen zur Verfügung stehen, die selber einen Organspendeausweis besitzen. Leider ist dies nicht zulässig, somit falle ich als potenzieller Spender aus.
Ihre Meinung, dass diejenigen, die selbst einen Spenderausweis haben, im Falle des Falles unbedingt bevorzugt werden sollten, teile ich voll und ganz. Aber Ihre Lösung, dann eben kein Spender mehr zu sein, ist in dieser Hinsicht ziemlich widersprüchlich. Denn laut Ihrer eigenen Meinung fallen Sie da ja jetzt nicht nur als Spender aus, sondern auch als Empfänger. Haben Sie das in Ihrer hoffentlich vorhandenen Patientenverfügung auch so festgelegt (also dass Sie selbst keine Organe empfangen wollen, weil Sie auch kein Spender sind)? Oder sind Sie selbst jetzt auch zu jemandem geworden, der zwar - aus welchen Gründen auch immer - zwar selbst nicht spenden will, aber im Falle des Falles doch eins bekommt, weil er dem nicht im Vorfeld generell widersprochen und das auch dokumentiert hat?

Soll keine Kritik sein, sondern nur ein Denkanstoß.

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