Forum: Gesundheit
Oberster Kassenzahnarzt Deutschlands: "Wir haben die Parodontitis nicht im Griff"
Corbis

Wolfgang Eßer wurde gerade zum obersten Kassenzahnarzt Deutschlands gewählt. Im Interview kritisiert der Mediziner den harten Wettbewerb um Patienten und erklärt, wie er die grassierende Parodontitis bekämpfen will.

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klugscheißer2011 19.11.2013, 17:56
1. Alles umsonst?

Zitat von sysop
Wolfgang Eßer wurde gerade zum obersten Kassenzahnarzt Deutschlands gewählt. Im Interview kritisiert der Mediziner den harten Wettbewerb um Patienten und erklärt, wie er die grassierende Parodontitis bekämpfen will.
Da kämpft Deutschlands Zahnpasta-Industrie nun seit Jahrzehnten mit Millionen-Werbebudgets um mehr Zahngesundheitsbewusstsein und dann sowas....
Aber was ich mich frage: was ist eigentlich aus der guten alten "Parodontose" geworden, gegen die man sich früher Colgate und Blendamet in die Gusche schmierte?
Wurde die am Ende besiegt oder ist sie einfach zur Parodontitis mutiert. Oder nimmt man den neueren Begriff nur, weil er schlimmer klingt? Oder gibt es beide gebasuo wenig wie den Lochfrass, den man mit Calgon in den Griff bekommt? Oder verwechsle ich da jetzt was?

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hh4 19.11.2013, 18:32
2.

@klugscheisser

Parodontose ist, wenn das Zahnfleisch eines Zahnes oder einiger Zähne zurückgeht.
Parodontitis ist es, wenn das Zahnschleisch im gesamten Mundraum zurückgeht und verschwindet. Ist der Vorgang der Parodontitis abgeschlossen, fallen sämtliche Zähne aus. ;-)

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Newspeak 19.11.2013, 18:34
3. ...

[i] Wir haben die Karies im Griff. [\i]

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung bekommt im Laufe des Lebens Karies. Aber ein Zahnarztfunktionär behauptet, man habe das im Griff. Das wäre ungefähr so, als würde man sagen, wir haben den Krebs im Griff. Lächerlich.

In Wahrheit können die Zahnärzte auf sehr hohem Niveau reparieren und Schadensbegrenzung vornehmen. Immerhin. Aber Karies und Paradontose können sie weder verhindern, noch heilen, jedenfalls auf die Masse bezogen. Stattdessen schiebt man die Schuld dem Patienten zu, der grundsätzlich immer zu wenig selber tut, egal wie oft man sich die Zähne putzt. Oder man verdient sich dumm und dämlich mit Zahnreinigungen. Wenn man so prophylaktisch denkt, wieso zahlt das nicht die Kasse grundsätzlich? Wieso ist die Zahnsteinentfernung keine Standardleistung mehr?

Die Regeln für die Mundhygiene ändern sich dabei außerdem so oft, wie solche für Diäten. Mal soll man diese Putztechnik verwenden (kreisende Bewegungen, bloß nicht schrubben), dann wieder ist das zu lasch oder falsch oder sonstwie problematisch. Mal sollte man sofort nach dem Essen putzen, heute vielleicht doch lieber nicht, weil man evtl. erst den Zahnschmelz wegputzt. Es gibt tausende Verhaltensregeln von denen sich die Hälfte widerspricht und von denen ebensoviel einfach nur Behauptungen sind, ohne wissenschaftlich fundierte Studienlage. Es ist im Grunde ein Armutszeugnis ohnegleichen. Kein anderer Arzt könnte mit diesem Stand zufrieden sein. Daß, was man weiß, wird dann noch totgeschwiegen. Man erfährt z.B. beim Zahnarzt nie, daß Karies ganz erheblich von der Speichelproduktion beeinflußt wird, die wiederum genetisch beeinflußt wird. Daß es eigentlich nur die konstante Remineralisierung durch den Speichel ist, die Zähne gesund hält. Daß aber zuwenig wie zuviel Speichel schädlich sein kann. Daß auch die Häufigkeitsverteilung bezüglich Lokalisation der Karies von der Lage der Speicheldrüsen beeinflußt wird. Daß es vielleicht gar keinen Sinn macht, wie von anderen Gesundheitsaposteln gefordert, fünf Mahlzeiten ab Tag zu sich zu nehmen, weil man damit ständig den pH-Wert im Mund ändert.

Man weiß zudem schon lange, daß Karies bakteriell bedingt wird. Es gibt für alle möglichen bakteriellen Krankheiten einen Impfstoff, warum nicht für Kariesbakterien? Wieso wird die Mundflora in der Diagnose und der Therapie so vernachlässigt? Wann hat Robert Koch nochmal gelebt? Hautärzte wissen wahrscheinlich vergleichsweise erheblich mehr, als Zahnärzte, wie sehr ihr Fachgebiet von Bakterien und deren Zusammenleben abhängt.

Unterm Strich sind Zahnärzte für mich Ärzte zweiter Klasse. Tolle Ausstattung, sicher viel Wissen, aber faktisch trotzdem Versager, wenn es um die Behandlung ihrer Krankheiten und nicht nur der Symptome geht.

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priapicplatypus 19.11.2013, 18:38
4.

Zitat von klugscheißer2011
Da kämpft Deutschlands Zahnpasta-Industrie nun seit Jahrzehnten mit Millionen-Werbebudgets um mehr Zahngesundheitsbewusstsein und dann sowas.... Aber was ich mich frage: was ist eigentlich aus der guten alten "Parodontose" geworden, gegen die man sich früher Colgate und Blendamet in die Gusche schmierte? Wurde die am Ende besiegt oder ist sie einfach zur Parodontitis mutiert. Oder nimmt man den neueren Begriff nur, weil er schlimmer klingt? Oder gibt es beide gebasuo wenig wie den Lochfrass, den man mit Calgon in den Griff bekommt? Oder verwechsle ich da jetzt was?
Paradontitis ist eine entzündliche Paradontose. Nicht-entzündliche Paradontosen gibt's so gut wie nicht, in der Dentalmedizin wurde eigentlich immer der Begriff "Paradontitis" verwendet. Zur Prophylaxe regelmäßig Zahnseide verwenden. Antibakterielle Spülung hilft auch, ist aber deutlich schlechter. Zahncreme bringt nix, allein Colgate total hat eine gewisse prophylaktische Wirkung, ist aber Zahnseide deutlich unterlegen.

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Feuerwehrmann001 19.11.2013, 19:06
5. Newspeak schreibt viel hat aber keine Ahnung

1. Zahnstein macht keine Karies.
2. Plaque (organisierte bakterielle Zahnbeläge) macht Karies
3. Gegen Plaque hilft die Professionelle Zahnreinigung nur zwei Tage lang, dann ist die Plaque nachgewachsen
4. Egal wie, aber der Patient muss sie dann zu Hause selbst entfernen, und zwar rundum.
5. Macht er es nicht, bekommt er Karies, mal mehr, mal weniger, je nach Ernährung (Kohlehydrate), Zahnstellung, Pufferkapazität des Speichels etc.
6. Die Aufgabe des Zahnarztes wäre es, dem Patienten das Knowhow für die häuslichen Mundhyghienemassnahmen zu übermitteln und ihn dazu zu motivieren.

Das ist mühsam!
Kostet Geld.
Kaum einer will es hören, geschweige denn umsetzen.

Daher hat der Zahnarzt auch weiterhin zu bohren-
Der Hausarzt weiterhin den Übergewichtigen Tabletten zu verordnen-
Der Chirurg dem Raucher das Bronchialkarzinom rauszuschneiden-

und so weiter.

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2idane 19.11.2013, 19:11
6. Zahnseide gegen Bakterien?

Der Nutzen von Zahnseide sei unbestritten. Aber um bakterielle Entzündungen zu bekämpfen, muss es doch andere Wege geben als mechanisch-reinigende, oder? Sonstigen Bakterienbefall kratzt man doch auch nicht mit ner Bürste weg... Ein Rätsel, warum hier die Zahnmedizin nach wie vor versagt.

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ssommerf 19.11.2013, 19:26
7. Bahnbrechend

Wettbewerb? Der ist vollkommen daneben, gehört abgeschafft. Der Patient hat trägt ja die Verantwortung für "Mondpreise" und überhaupt der soll mal mitarbeiten und kann sich bitte schön informieren.

Was sonst noch? Ach ja, Vorsorgeuntersuchungen bitte schön mit uns Zahnärtzten. Dann wird alles gut, vor allem die eigene Umsatzlage. Irgendwer nicht einverstanden? Dann siehe oben mitarbeiten und informieren!

Vollkommen absurd wäre - da muss ich selber lachen - Wettbewerb zu aktzeptieren, wie in zig anderen Branchen auch. Anstatt sich jedes Jahr wieder zu beschweren das die 6 stelligen Einkommen zunehmend schrumpfen, wie wäre es einfach mit "Durch Leistung überzeugen". Funktioniert sicherlich im Gesundheitswesen nicht, welcher Patient der sich gut behandelt fühlt kommt schon wieder, einfach absurd.

Dann auf in die nächste Runde "Früher war alles besser, sogar die Zukunft"...

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antonwitt 19.11.2013, 19:31
8. Klug

Zitat von Feuerwehrmann001
1. Zahnstein macht keine Karies. 2. Plaque (organisierte bakterielle Zahnbeläge) macht Karies 3. Gegen Plaque hilft die Professionelle Zahnreinigung nur zwei Tage lang, dann ist die Plaque nachgewachsen 4. Egal wie, aber der Patient muss sie dann zu Hause selbst entfernen, und zwar rundum. 5. Macht er es nicht, bekommt er Karies, mal mehr, mal weniger, je nach Ernährung (Kohlehydrate), Zahnstellung, Pufferkapazität des Speichels etc. 6. Die Aufgabe des Zahnarztes wäre es, dem Patienten das Knowhow für die häuslichen Mundhyghienemassnahmen zu übermitteln und ihn dazu zu motivieren. Das ist mühsam! Kostet Geld. Kaum einer will es hören, geschweige denn umsetzen. Daher hat der Zahnarzt auch weiterhin zu bohren- Der Hausarzt weiterhin den Übergewichtigen Tabletten zu verordnen- Der Chirurg dem Raucher das Bronchialkarzinom rauszuschneiden- und so weiter.
scheißer wie newspeak sind der Grund, warum Zahnärzte auch weiterhin gut zu tun haben werden: nämlich an eben diesen Besserwisserpatienten. Und blos keine Eigenverantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen - bin ja versichert....

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cola79 19.11.2013, 19:48
9. Was man nicht weiß, weiß man eben

Letztlich ist das ganze Prophylaxegewäsch doch nur politisch-korrektes Blabla.

Der Mundraum ist nicht hermetisch abgeschlossen, da kann der Patient falsch, richtig oder bisweilen überhaupt nicht putzen. Was sich so in Magen und Darm tummelt, hat weit mehr Einfluss auf Immunsystem und Mundflora, als die Wahl der Bürste oder der größte Unsinn, die Zahnseide!

Mehr als die Zahnzwischenräume zu verletzen und groben Schmutz, der sich nach ein paar Stunden von alleine gelöst hätte (besser als Bürste kann ein Faden keine Beläge entfernen, die bleiben so oder so) zu entfernen, erreicht man damit nicht.

Auch ist jedes Gebiss ein Unikat. An manche Stellen kommt man einfach nicht richtig ran, egal, welche Geschütze man auffährt. Die Zahnbeschaffenheit ist auch immer verschieden. Der eine trinkt jeden Tag nen Liter Cola und putzt je nach Laune und geht nur zum Zahnarzt, wenn was weh tut-hat aber nur ein Loch. Wieder ein anderer trinkt nur Wasser und Süßstoffspeisen, putzt nach jedem schlucken und geht zweimal im Quartal zum Checkup-hat aber mehrer Löcher und dies und das...

Zahnärzte sollten zugeben, dass sie eine reine mechanische Reparaturleistung anbieten. Die ist ja auch phänomenal, gemachte Gebisse sehen bisweilen deutlich besser aus, als natürlich gewachsene Gebisse. Aber zu behaupten, man tue da irgend etwas wie auch immer präventives, ist doch albern. Chirurgen machen ja auch nichts präventiv...

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