Forum: Gesundheit
Organspende-Vorstoß von Jens Spahn: Widerspruchslösung ist keine Lösung
DPA

Dass in Deutschland so wenige Organe gespendet werden, liegt vor allem an den Kliniken. Trotzdem will Gesundheitsminister Spahn, dass jeder, der nicht widerspricht, automatisch Spender wird. Was soll das?

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Emderfriese 03.09.2018, 15:04
80. Zeiten

Zitat von eulenspiegel1979
Schreiben Sie aber bitte auch ausdrücklich mit rein, dass Sie keine Organe gespendet bekommen möchten. Basta! Rosinen rauspicken ist nämlich nicht.
Nach meiner Kenntnis gibt es einen fundamentalen Unterschied zwischen dem Empfang eines fremden Organs und dem Spenden: Ein Empfänger wird in der Regel lange vorher mit seiner Krankheit konfrontiert und schließlich mit einer Wartezeit auf ein neues Organ. Ein Spender dagegen (wenn er nicht Lebendspender ist) wird in fast allen Fällen verunfallt sein und die Entscheidung einerseits nicht mehr mittragen können, und andererseits schnellsten seiner Spende entledigt. Der eine kann lange nachdenken, der andere letztendlich nicht - auch wenn er zum Spenden bereit war.

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mario.rosa-bian 03.09.2018, 15:04
81.

Zitat von pahrump
aber nur, um mich weder als Spender noch Empfänger zu deklarieren. Das man nicht empfangen möchte, ist im dem Ausweis aber gar nicht vorgesehen! Mußte ich handschriftlich dazu schreiben. Hoffentlich wird es ernst genommen!
Keine Sorge, so schnell wird man nicht transplantiert. Auf eine Niere warten Sie statistisch 7 Jahre. In der Zeit fragt Ihr Arzt Sie, ob Sie weiter Dialyse machen wollen oder transplantiert werden wollen. Un dann müssen Sie ca. 10 spezielle Untersuchungen machen lassen, die sicherstellen, dass die Niere einen "sicheren" Platz in IHrem Körper findet.
Wenn Sie eine Leber oder ein Herz bräuchten, gilt dasselbe bzw. werden Sie dann schnell sterben. Möglicherweise weden Sie aber von Ihrer Frau oder Tochter gefragt, ob Sie nicht viellicht doch eine Transplantation in Erwägung ziehen, die, in meinem Fall, mein Leben bisher um 22 jahre verlängert hat. Und mir geht es ausgezeichnet!

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d.quichotte 03.09.2018, 15:04
82. richtig, aber geht schon!

Zitat von dani-loulou
Dann führe ich nun im Portemonnaie neben meinem Ausweis ein Dokument, aus dem ganz klar hervorgeht, dass ich KEINE Organspenderin bin. Basta.
Das ist immerhin eine klare Aussage, und Sie haben Ihre Entscheidung selbst getroffen. Wussten Sie schon, dass Sie diese Option auf dem aktuellen Organspendeausweis ankreuzen können?

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schwerpunkt 03.09.2018, 15:04
83.

Zitat von Ossifriese
Natürlich gibt es keinen einzigen Fall. Denn wenn es ihn gäbe, wäre der handelnde Arzt mindestens wg. unterlassener Hilfeleistung mit Todesfolge, wenn nicht wg. vorsätzlichen Mordes angeklagt. Haben Sie mitgekriegt, wie leicht Menschen in .....
Selbst wenn ich mal annehme, dass es solche Fälle geben könnte, in dem Ärzte ihre Patienten nicht mehr mit allen verfügbaren Mitteln am Leben halten würden, weil der Patient Organspender ist, gehe ich mal einen pragmatischen Ansatz: wenn durch Organspenden 3 Menschen gerettet werden, und 2 durch nicht volle Einsatzbereitschaft "vorzeitig" ableben, WEIL sie Organspender sind, ist das Saldo immer noch positiv.
Nichts desto trotz ist ein solches Verhalten unter allen Umständen zu verhindern (wenn es ein solches gäbe) und ich kann mir nicht ausmalen, wie ich damit umgehen könnte, wäre ich Empfänger eines Spenderorgans und hätte den verdacht, dass das Organ einem derartigem Opfer entnommen wäre.

So ganz theoretisiere ich aber nicht:
Vor etwa zwei Jahren starb die Tochter einer Freundin mit 21 Jahren während sie erfolglos auf eine Spenderlunge gewartet hat … nach einem quälenden Krankheitsprozess, welcher auch an mir nicht spurlos vorüber ging (vorsichtig ausgedrückt), da ich das Mäd'l von klein auf gut kannte.

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mintie 03.09.2018, 15:05
84.

Ich kann der Argumentation der Autorin null folgen und denke, dass sie aus diffusen Ängsten resultiert. Spahns Vorschlag ist nicht neu, würde das System aber wesentlich effektiver machen. Ich persönlich würde mich dagegen entscheiden und möchte auch selbst keine Spende erhalten. Nierenspende für Angehörige ausgenommen bzw. alles, was man zu Lebzeiten spenden kann wie Blut und Stammzellen.

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wentintothewoods 03.09.2018, 15:05
85. Entscheidungslösung

Dass ein Gesundheitsminister zu einer Diskussion der Thematik der Organspende aufruft kann nur hilfreich sein.
Diskussion schafft Bewusstsein und Bewusstsein ist ein guter Ausgang für jedwede Verbesserung. Zusätzlich zur Lösung struktureller Gegebenheiten in den Klinikzentren, allen voran die allgegenwärtige personelle Unterbesetzung, wäre eine Variante wünschenswert, die jeden mündigen Bewohner Deutschlands dazu bringt sich mit der Thematik der Organspende auseinanderzusetzen. So könnte die Zahl der willigen Spenderkandidaten erhöht werden und niemand würde durch gelebte Passivität in seinen Persönlichkeitsrechten eingeschränkt werden. In diesem Sinne: Mut zur Aufklärung.

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Halionaut 03.09.2018, 15:05
86. Leider

Zitat von mario.rosa-bian
Die "Korruptionsfälle", zumindest die von 2012, waren illegale Manipulationen/ Besserstellungen für einzelne Patienten von einzelnen Ärzten, damit diese auf der Warteliste weiter nach oben kommen. Sie wurden vor Gericht verhandelt, alle Ärzte wurden freigesprochen, weil kein Nachweis möglich, wer konkret benachteiligt wurde. Diese Fälle führten zum Glück zu einer Verschärfung des Transplantationsgesetzes. Manipulationen an der Warteliste unterliegen jetz dem Strafrecht.
hat sich nicht viel geändert seit damals.
Es kommt halt nicht mehr so viel an die Presse.
Manchmal ist es von Nachteil wenn man selbst im Krankenhaus arbeitet und ein Familienmitglied auf einer Tranplantationsintensivstation.
Man kriegt zuviel mit und kann nichts ändern, weil es die verantwortlichen nicht interessiert.

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grabenkaempfer 03.09.2018, 15:06
87.

Tja bei vielen anderen Dingen arbeitet man an aktiven opt-In Varianten (Datenschutz etc.) um die Verbraucher vor Abzocke zu schützen. Bei der Organspende ist das auf einmal ok?
Während man sich jetzt vergewissern muss das man einen Organspender hat, ist in Zukunft halt kein ablehnender Ausweis etc. da und fertig. Ein zurück gibt es ja dann nicht mehr.

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schwerpunkt 03.09.2018, 15:07
88.

Zitat von kahabe
"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Und in Artikel 2 heißt es: "Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletztlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden." Der Spahn'sche Vorschlag wäre vom Bundesverfassungsgericht .....
Dieser Artikel erlischt im Moment Ihres Todes, da sie ab dem Zeitpunkt aufhören als Mensch zu existieren. Aus dem gleichen Grund gilt auch das Datenschutzgesetz nur für lebende Menschen. Tote Menschen haben kein Anspruch auf Datenschutz.

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gantenbein3 03.09.2018, 15:07
89. Das liegt doch auf der Hand

Zitat von draco2007
Wieso wird die Freiheit eingeschränkt, wenn ich doch Widersprechen kann?
Die sog. Widerspruchslösung geht von der zutreffenden Vorstellung aus, dass viele Menschen keinen Widerspruch anbringen, nicht, weil sie mit einer Organspende einverstanden sind, sondern weil sie sich in guten Tagen nicht mit dem Thema befasst haben bzw. befassen wollten. Diesen "Schatz" an den Organen von Leuten, die sich mit einer Organspende zwar nicht explizit einverstanden erklärt, es aber versäumt haben, explizit zu widersprechen, will man heben. Der Staat setzt also bewusst darauf, dass möglichst viele Menschen das ihnen unangenehme Thema offen lassen, um sich ihrer Organe bemächtigen zu können. So handeln Staaten, die ihre BürgerInnen lieber austricksen, als sie von einer angeblich guten Sache zu überzeugen, was mühsam ist, weil es anerkennenswerte Einwände gibt, mit denen man sich lieber nicht beschäftigen will, z.B. aus Gründen der Arroganz des medizinischen Personals gegenüber ethischen Bedenken.

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