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Organspenden in Deutschland: Plötzlich geht es voran
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Wird künftig jeder Organspender, der nicht ausdrücklich widerspricht? Darüber entscheidet bald der Bundestag. Doch die Zahl der Entnahmen steigt sowieso - nur aus anderem Grund.

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DorianH 01.04.2019, 19:43
130.

Zitat von Proletheus
Vergleichen wir mal zwei aktuelle Spiegel-Themen: Ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen und die Organspende. Während das Tempolimit eine geringere Anzahl von Leben (wenn überhaupt) rettet und die persönliche Freiheit direkt einschränkt (>130 früher erlaubt, jetzt verboten), propagiert es der Spiegel. Die Widerspruchslösung bei der Organspende dagegen, die absolut keine Vorschriften für Bürger setzt (wer nicht will, kann rechtswirksam widersprechen) und zweifelsohne mehr Leben rettet, wird kritisiert. Für die durch Organspende geretteten Leben ist es offensichtlich schon zu viel verlangt, dass die Bürger dieses Landes eine freie Entscheidung treffen müssen. Über den Grund kann ich nur mutmaßen und das tue ich jetzt auch: Beim Tempolimit sind eh nur "die anderen" betroffen und was "die anderen" wollen ist mir sowieso pumpe. Bei der Organspende bin ich aber selbst betroffen und wehe man mutet mir zu, für das Leben anderer auch nur fünf meiner kostbaren Minuten zu verschwenden!
Eine Entscheidung, die getroffen werden MUSS, ist NICHT frei.
Denn dazu gehört auch die Freiheit, sich entscheiden zu können, wenn man es selbst für richtig hält, und nicht, wenn es andere für richtig halten.

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Peletua 01.04.2019, 19:48
131. Nein

Ich bin entschieden gegen diese sogenannte Lösung. Die Übergriffe des Staates im Interesse seiner Günstlinge (in diesem Fall der Transplantations'industrie') auf den Einzelnen werden immer unerträglicher - da brauchen wir das nicht auch noch. Zu dieser Frage gibt es hier bei SpOn auch den höchst lesenswerten Kommentar von Thomas Fischer: 'Sterben und sterben lassen' vom 9.11.2018.

Nein, ich bin nicht das Ersatzteillager für irgendwen. Abgesehen von immer noch ungeklärten Problemen, u.a. der Festlegung des 'Hirntods': Was geschieht mit den Menschen, die sich in unserer Gesetzgebung nicht auskennen? Die nicht wissen, dass und wo sie Widerspruch einlegen müssen, um nicht Gefahr zu laufen, zu o.g. Ersatzteillagern zu werden? Dazu gehören bei weitem nicht nur Flüchtlinge, obwohl diese Personengruppe natürlich die gefährdetste ist.

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tinosaurus 01.04.2019, 19:50
132. Zustimmung

Zitat von wilam
hier von Freiheit oder Entscheidungsfreiheit zu reden. Es ist tatsächlich nur Bequemlichkeit. Und, zugegeben vielleicht ein dumpfer Rest von Fetischismus. Also werden hier zwei Dumpfheiten zum Nutzen bzw zum Guten gefügt. Was will man mehr?
Kann Ihnen hier nur voll und ganz zustimmen. Alle, die es nicht wollen, können dies einfach verfügen bzw. erklären. Aber es kann nicht angehen, dass viele aus reiner Bequemlichkeit und Gleichgültigkeit diese Entscheidung immer weiter hinauszögern, während viele Betroffene (auch Kinder) zwischenzeitlich versterben.

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markus_wienken 01.04.2019, 19:57
133.

Zitat von Spiegelleserin57
fragen Sie mal ab Sie dem Procedere Organspende (vor allem im OP oder in der Gerichtsmedizin der Organentnahme) und Hirntodfeststellung beiwohnen dürfen...ein Erlebnis welches zu denken gibt....sicher! Ich war mehrfach dabei...nie nie wieder....widerspreche der Organspende ganz entschieden!
Inwiefern gibt das Procedere genau zu denken?
Details bitte.

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willem_vonwegen 01.04.2019, 19:59
134. @ Nr. 11

Sehr geehrter Kollege, Ihr Beitrag ist emotional und da ich selbst diese Situation schon einige male miterlebte, kann ich diese Reaktion gut verstehen, der Tod eines Menschen (je jünger desto Schmerzhafter) - den man mit einer nicht verfügbaren Therapie hätte verhindern können - schmerzt sehr und ist eine Erfahrung die man auch als professionelle Pflegekraft mit nach Hause nimmt. Aber ich muss leider dagegen haltwn, dass mich meine Erfahrungen in der Intensivmedizin mit der Zeit zu einem Organspendeverweigerer gemacht haben. Ich habe bereits 3(!!!) Menschen, die als Hirntot gegolten haben, wieder das bewusstsein erlangen sehen. In allen Fällen war es so dass die Angehörigen sich gegen die Transplantation aussprachen und deswegen dann der Pat verlegt wurde und sich wieder von seinem "Hirntod" erholte. Weltweit gibt es viele verschiedene Hirntod-Definitionen und die stehen in einigen Einzelkriterien sogar Widersprüchlich gegeneinander... also bei diesem Thema gibt es teotz über 4 Jahrzenten Forschung immernoch keinen Konsens. Ich halte es so: jemand der nach deutschen Kriterien für Hirntot erklärt wird hat grosse Chancen bald zu sterben. Tot ist er desshalb aber noch nicht. Wenn man einen Hirntoten zur Transplantation freigibt, wird er weiter beatmet, hat Herzrhythmus, bekommt starke Schmerzmittel... und dann schlitzt man ihn von Brustbein bis Schambein auf, kippt Eiswasser in die Bauchhöhle und dann entnimmt man die Organe... dann ist der Hirntote tatsächlich tot. Für mich gleichzusetzen mit Mord. Frwundliche kollefiale Grüsse!

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cabarrus 01.04.2019, 20:01
135. Frage mich immer

warum wir hier in Deutschland immer das Rad neu erfinden müssen. In anderen Länder ist die Entscheidung Organspender zu werden zB. Mit dem Erhalt eines Führerscheines oder eines Personalausweises verbunden. Eins von beiden wird jeder Deutsche besitzen. Da wird die Entscheidung eingetragen und gut. Wer nicht bereit ist ein Organ zu spenden, wird allerdings auch als Empfänger ausgeschlossen. Mit diesem Zusatz, wird man gezwungen sich konkret mit dieser Thematik auseinander zu setzten.
Leider wird diese Variante wird hierzulande nicht diskutiert.

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JürgenWissenwasser 01.04.2019, 20:01
136. Es wäre doch umgekehrt wesentlich einfacher

... wer nicht bereit ist zu spenden, kriegt auch nix.

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markus_wienken 01.04.2019, 20:04
137.

Zitat von azorba
Auch hier geht es nur um den Profit. Ich kenne mehrere TV-Dokumentationen, wo Personen für Tot erklärt wurden und zur Organentnahme freigegeben wurden und die dann kurz vor Organentnahme wieder aufwachten.
Ich kenne diese TV-Doumentationen nicht, wie auch immer, es kann sich nicht um Deutschland handeln.
Ansonsten: Ich kenne auch TV-Dokus, in denen die Rede von Aliens und Ufos ist.

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markus_wienken 01.04.2019, 20:10
138.

Zitat von Derwatt
Nein, das ist nicht konsequent, sondern populistisch und menschenverachtend. Ihr Vorschlag sieht eine Belohnung in Gestalt einer Transplantation für ein erwünschtes Verhalten - Erklärung der Spendenbereitschaft - vor und zugleich eine Bestrafung - nämlich die Verweigerung einer Lebensverlängerung durch Verweigerung einer Transplantation - für ein unerwünschte Haltung - die fehlende Spendenbereitschaft. Das nennen ich inhuman und unethisch. Ich halte eine solche Differenzierung auch kaum mit dem Gleichbehandlungsgebot des Grundgesetzes für vereinbar.
/einmisch
Komplett ausschließen würde ich sie nicht aber:
Ich finde es mehr als ethisch und moralisch gegeben, wenn diejenigen die nicht selbst spenden möchten ans hintere Ende der möglichen Empfänger einsortiert werden und erst dann bedacht werden, wenn sich bei den spendewilligen Empfängern kein passender Patient findet.
Halte ich überhaupt nicht für inhuman sondern einfach nur fair.
Ob das GG von einer solchen Regelung berührt würde sollen Juristen entscheiden, als Laie wage ich hier keine Beurteilung.

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dachhase 01.04.2019, 20:18
139.

Ich bin eben auch " Fleisch" - geschädigt. Für den Ausweis gibt es ein klares " Nein". Klares Misstrauen in das System. Es gibt nur einen einzigen Arzt, dem ich vertraue- mein Hausarzt. Und es existiert ein Schreiben, daß seine Meinung von den Kindern eingeholt werden muss, ehe sie meine Organe freigegeben, was ich ausdrücklich befürworte. Bekommen sie das hin, gibt es Organe - ansonsten eben nicht. Mir ist einfach zu viel Geld im Spiel.....

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