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Organspenden in Deutschland: Plötzlich geht es voran
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Wird künftig jeder Organspender, der nicht ausdrücklich widerspricht? Darüber entscheidet bald der Bundestag. Doch die Zahl der Entnahmen steigt sowieso - nur aus anderem Grund.

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Proletheus 01.04.2019, 16:24
40. Die seltsame Moral des Spiegels

Vergleichen wir mal zwei aktuelle Spiegel-Themen: Ein Tempolimit auf deutschen Autobahnen und die Organspende.

Während das Tempolimit eine geringere Anzahl von Leben (wenn überhaupt) rettet und die persönliche Freiheit direkt einschränkt (>130 früher erlaubt, jetzt verboten), propagiert es der Spiegel.

Die Widerspruchslösung bei der Organspende dagegen, die absolut keine Vorschriften für Bürger setzt (wer nicht will, kann rechtswirksam widersprechen) und zweifelsohne mehr Leben rettet, wird kritisiert. Für die durch Organspende geretteten Leben ist es offensichtlich schon zu viel verlangt, dass die Bürger dieses Landes eine freie Entscheidung treffen müssen.

Über den Grund kann ich nur mutmaßen und das tue ich jetzt auch: Beim Tempolimit sind eh nur "die anderen" betroffen und was "die anderen" wollen ist mir sowieso pumpe. Bei der Organspende bin ich aber selbst betroffen und wehe man mutet mir zu, für das Leben anderer auch nur fünf meiner kostbaren Minuten zu verschwenden!

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Pless1 01.04.2019, 16:24
41.

Zitat von wilam
hier von Freiheit oder Entscheidungsfreiheit zu reden. Es ist tatsächlich nur Bequemlichkeit. Und, zugegeben vielleicht ein dumpfer Rest von Fetischismus. Also werden hier zwei Dumpfheiten zum Nutzen bzw zum Guten gefügt. Was will man mehr?
Ich finde es eine erstaunliche Leistung, dass Sie die Gedanken der anderen Menschen zu diesem Thema lesen und abschließend bewerten können. Ich für meinen Teil maße mir das jedenfalls nicht an.

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Spr. 01.04.2019, 16:25
42.

Zitat von sapeornis
Mir wird schlecht ... Nur wer sich nicht mit Organspende auseinandersetzt, sollte auch nicht automatisch verhindern, dass ein Leben gerettet wird.
Wie kommen Sie darauf, dass jemand, der sich gegen eine Organspende entscheidet, sich nicht mit dem Thema Organspende auseinandergesetzt hat? Weil jeder, der zu einem anderen Schluss kommt als Sie, nur diesen einen Grund haben kann?

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fatherted98 01.04.2019, 16:26
43. Da für die Organvergabe....

...weiterhin eine nicht kontrollierbare belgische Stiftung (Eurotransplant) zuständig ist und nicht wie in Frankreich eine staatliche Stelle....werde ich widersprechen. Auch die regionale Organvergabe....das haben die jüngsten Skandale gezeigt....ist nicht kontrollierbar. Auch die Praxis der Organentnahme....am Hirntoten Patienten....der noch reagiert...also auch Schmerzen spürt....ohne Betäubung....ist doch eher abschreckend.
Würde man in Deutschland endlich diese religiös verbrähmten Moralvorstellungen über Bord werfen und Forschung an Stammzellen erlauben....wären in naher Zukunft schon viele Organspende-Probleme gelöst.

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IngoLars 01.04.2019, 16:26
44. Das Gesundheitswesen ist viel zu korrupt...

als das man diesen Vorschlag von Herrn Spahn auch nur ansatzweise in Erwägung ziehen kann. Ich möchte mir nicht ausmahlen, was einem passieren kann, wenn die eigenen Organe gerade für gut zahlendes Privatclientel benötigt werden. Selbst wenn der Widerspruch eingelegt wird, kann ich mir gut vorstellen, das diese Information irgendwo versackt und man das nicht zur Kenntnis nehmen will. Da ist eine Einverständniserklärung eine ganz andere Kategorie. Die liegt vor oder eben nicht. Da lässt sich nichts mauscheln. Da ein ganz klares Nein zur Widerspruchslösung.

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hans.schaller 01.04.2019, 16:30
45. Eurotransplant

Deutschland als einziges Land bei Eurotransplant mit Einverständnis-Lösung, es gibt sympathischere Nachbarn

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vancouverona 01.04.2019, 16:30
46. Es gibt keinen Hinweis

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass der vorgelegte neue Entwurf etwas an der Verfügbarkeit von Spenderorganen ändern wird.

Es gibt hinreichend andere Möglichkeiten, die Spendenbereitschaft zu erhöhen, Zwang gehört nicht dazu. Wie schon oft vorgeschlagen:
1. Lasst die Spender an den Geldflüssen teilhaben,
2. Organisiert die Verwendung der gespendeten Organe straffer
3. Informiert unvoreingenommen über Organspende
4. Klärt Organhandel auf und bringt die Täter hinter Gitter!!

Vertrauen schaffen heisst das Stichwort.

In den USA gibt es eine doppelt so hohe Spendenbereitschaft, wie bei uns, trotz vergleichbarer Regelung. Spanien hat eine drei Mal höhere Spendenbereitschaft als Deutschland bei einer sogenannten Informationsregelung, während Schweden dagegen eine geringere Bereitschaft hat als Deutschland, trotz ähnlicher Lösung wie in Spanien.

Vielleicht können wir ja etwas von Spanien lernen?

Es geht jedenfalls nicht, dass der Staat einfach so in das Grundrecht der Unversehrtheit des Körpers eingreift.

Jeder, der der Spahn-Lauterbach Position folgt, sollte sich mal fragen, ob er es auch toll fände, wenn er ungefragt als Schauobjekt in der Anatomie landet (als Ganzkörperspende)?

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LJA 01.04.2019, 16:31
47. Ganz im Gegenteil

Zitat von stadtrat
Ich kenne noch den Film "Fleisch". Ein Thriller der Extraklasse, aber eben reine Fiktion. Wenn jeder Organspender ist, gibt es keinen Mangel, der zu solchen Verbrechen führen würde. Es würde einfach der Markt fehlen. Erst der Mangel an Organspenden ermöglicht es Menschen Geschäfte damit zu machen.
Dann käme dieser Markt erst richtig in Schwung. Spenderorgane werden immer ein knappes Gut sein, weil nicht jedes Organ für jeden Spender geeignet ist. Da müssen verschiedene Parameter übereinstimmen, je mehr desto besser.
Die Tatsache, daß es in der Welt genug skrupellose Menschen mit sehr viel Geld und Macht gibt, trägt da nicht gerade zur Beruhigung bei. Ebenso wenig wie der Umstand, daß unser aller physische Grundwerte in absehbarer Zeit online gespeichert und somit, bei genügend krimineller Energie, weltweit abrufbar sein werden.

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Sleeper_in_Metropolis 01.04.2019, 16:32
48.

Zitat : "Wer würde durch die Änderung zum Organspender, der mit der Entscheidungslösung keiner ist? Es werden jene Menschen sein, die sich mit dem Thema nicht auseinandersetzen konnten oder wollten."

Eben, und das sind nicht wenige. Und auf die Organe dieser Menschen sollten wir nicht verzichten, nur weil die Betroffenen sich zu Lebzeiten nicht mit dem Thema Organspende beschäftigt haben oder sie schlicht zu faul waren, sich per Organspendeausweis in die ein oder andere Richtung zu äußern. Bei so viel Desinteresse an der Sache dürfte es diese Leute auch nicht stören, wenn ihnen nach dem Tod Organe entnommen werden um damit andere Leben zu retten. Deshalb ganz klar pro Widerspruchslösung.

Zumal es in vielen anderen westlichen Ländern bereits die Widerspruchslösung gibt, und dort ist daran auch nicht das Abendland zugrunde gegangen.

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Löschknecht 01.04.2019, 16:33
49. Zwang ist nötig!

Natürlich kein Zwang sich Organe entnehmen zu lassen - aber der Zwang, sich damit auseinanderzusetzen. Wir leben in einer Zeit immer größerer Ignoranz gesellschaftlicher Themen und einer immer geringeren Bereitschaft, etwas selbstlos für die Gesellschaft zu tun. Im Zweifelsfall wird immer häufiger der bequeme Weg des Desinteresses und des Nicht-Engagierens gewählt. Es geht uns zu gut - und die wesentlichen Dinge funktionieren (noch).
Ein Beispiel: Viele Leute Interessiert es nicht, was es mit Feuerwehr auf sich hat. Gerne wird auch mal über Belästigung durch nächtliches Matrtinshorn gemeckert. Wenns aber in der eigenen Küche brennt, wird erwartet, dass die Feuerwehr max 5 Minuten nach anfuf bei 112 vor der Tür steht.
Aber dass eben jene Feuerwehr aus Leuten wie du und ich besteht, die vielleicht erst aus ihren Betten hüpfen, oder unter in Kauf nehmen eines missmutigen Arbeitgebers den stift fallen lassen, wird nicht gesehen. Ja, auch diese Menschen tun was für die Gesellschaft.
Und so finde ich es das mindeste, dass das ignorieren des Themas nicht zu der Variante führen darf, die so einfach - aber entgegen dem Interesse der Gesellschaft ist.
Oder wollen wir als Gesellschaft alternativ festlegen, dass werder der jungen Vater, dem bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall Organe zerrissen wurden oder dem Polizisten, der eine Geiselnahme beendet hat und dabei aber ein Loch in seine Leber geschossen bekam, trotz medizinischer Möglichkeiten kein Spenderorgan zu erwarten hat - da wir einfach hinreichend egoistisch veranlagt sind?

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