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Palliativversorgung : Die meisten sterben im Krankenhaus
DPA

Drei von vier Deutschen wünschen sich, zu Hause zu sterben. Doch für die Mehrheit endet das Leben im Krankenhaus oder Pflegeheim. Zwischen den Bundesländern gibt es deutliche Unterschiede, zeigt eine aktuelle Studie.

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oidahund 02.11.2015, 09:58
1.

Zu Hause sterben können setzt vorraus, dass jemand da ist, der sich um den Sterbenden kümmert. Sei es Partner/in, Kinder, Geschwister oder in einzelnen Fällen auch Eltern. Doch solche intakten Familienstrukturen findet man selten bzw. das Umfeld kann aus beruflichen Gründen die Ganztagsbetreuung nicht übernehmen. Ich selbst habe das beim Tod des Lebensgefährten meiner Mutter erlebt. Meine Mutter konnte ihn pfelgen, da sie selbst Renterin ist und noch körperlich dazu in der Lage war. Weder seine Kinder noch wir konnten dabei meine Mutter wesentllich entlasten. Wir alle mussten arbeiten. Hilfe konnte nur am Feierabend oder am WE geleistet werden - wo wohnen denn die Kinder noch nahe bei den Angehörigen? Das Sterben zog sich lange hin - ALS tötet langsam, aber sicher. Er war dankbar, dass es so war, wie es war und konnte ruhig sterben. Dieses Umfeld ist aber heute nicht mehr oft gegeben

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olli0816 02.11.2015, 10:17
2. Es ist klar, dass die meisten nicht zu Hause sterben

Wie die Vorschreiberin richtig geschrieben hat, sind die meisten nicht in der Lage, eine komplette Betreuung bis zum Tot zu leisten. Daneben ist aufgrund der ärztlichen Möglichkeiten eine Behandlung im Krankenhaus plausibel. Viele Menschen sterben, aber es ist nicht immer so eindeutig, dass der Mensch tatsächlich an der gegenwärtigen Krankheit sterben muß. Daneben kann ich mir vorstellen, dass viele in einer Intensivstation sterben.

Was das Sterben im Pflegeheim betrifft, ist das wie ein Zuhause anzusehen. Beim Umzug in ein Altenheim oder Pflegeheim sollte man sich bewusst sein, dass dies die letzte Station ist. Deswegen würde ich hier sagen, das ist wie zu Hause sterben. Sterben, wenn die Familie um einen steht, ist eher ein Klischee. Die meisten Menschen sterben einsam. Aber ist das wirklich so schlimm? Sterben müssen wir alle und den Prozess muß jeder Mensch für sich gehen, egal wie mutig oder ängstlich er ist. Ob das durch eine Anzahl Menschen erträglicher ist, kann ich nicht beurteilen. Wahrscheinlich ist es anstrengender, da man zusätzlich mit der Trauer konfrontiert wird. Aber wir werden das alle einmal durchleben, egal ob im Krankenhaus, Pflegeheim oder zu Hause.

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johannesmapro 02.11.2015, 10:37
3.

Ambulante Hospizdienste helfen weiter und stationäre Hospize helfen weiter, wenn man zu Hause nicht mehr kann,

das ist die beste Lösung

und wenn man mit dabei ist, weil man eines Tages sich um ein Hospiz kümmert, ändert sich der Blick aufs Sterben,

Leben bis Zuletzt sagt man dann,

es ist etwas ganz anderes sich um Hospizfragen zu kümmern als um etwas anderes, es ght immer um sterbende Menschen

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c.PAF 02.11.2015, 10:57
4.

Meine Mutter hat es wenigstens vom Krankenhaus in ein Hospiz geschafft - für 48 Stunden.

Was mich aber wirklich erschreckt hat war die Feststellung, daß es für ganz München wohl nur 28 (oder waren es 34) offizielle Hospizplätze gibt. Mehr nicht!
Wir mußten 4 Wochen auf einen Platz warten...

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Don_Draper 02.11.2015, 11:40
5. Bei diesemThema ist

auch viel Sozialromantik dabei, angeblich sind früher (in welchem Jahrhundert soll das gewesen sein und wie sind die Menschen dann wiklich gestorben) die Menschen alle friedlich im Kreise ihrer Liebsten gestorben.
Meine Mutter ist 20 Jahre tot und mein Vater ist Anfang des Jahres im Krankenahus gestorben, nachdem er sich Jahrelang geweigert hatte, in ein Seniorenheim zu gehen und mehr schlecht als recht von seinem einzigen Sohn mit externer Unterstützung mehr oder weniger zu Hause gepflegt wurde.
gestorben ist er aber im Krankenhaus, weil sich sein Zustand rapide verschlechert hat und was tut man dann? Man ruft den Rettungsdienst und was tun die? Sie bringen den Patienten ins Krankenhaus. Denn den Zustand, den mein Vater hatte, habe ich davor schon ein paar Mal erlebt, da sagt man sich ja nicht, den lasse ich jetzt zum Sterben zu Hause und dann noch mit Schmerzen, nein, man möchte, dass der geliebte Mensche weiter lebt, oder zumindest eine gute medizinische Betreuung zum Ende hin hat.

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DieButter 02.11.2015, 11:53
6.

Nochmal zur Klarstellung, ein Hospiz ist etwas anderes, als eine Palliativversorgung. Im Artikel wird es zwar ganz gut erklärt, aber anscheinend hat den Unterschied kaum ein Leser oder Politiker verstanden. Die Hospizversorgung in Deutschland ist eigentlich ziemlich gut, nur an der Palliativversorgung mangelt es derzeit extrem. Ein Vorredner beklagt, dass es im Raum München derzeit nur ein paar Dutzend Plätze in der Palliativversorgung gibt und verwechselt dies gleichzeitig mit Hospizplätzen. Vor einiger Zeit wurde das Problem mit einem lokalen Politiker angesprochen, also der massive Ausbau von Palliativplätzen. Sein Kommentar war: "Gut, dann müssen wir uns um den Ausbau der Hospize bemühen." Da klatscht man sich an den Kopf, weil derjenige gedanklich schon auf Durchzug gestellt hat bzw. das Problem noch gar nicht erkannt hat. In der Palliativversorgung geht es nämlich gar nicht um einen Sterbeplatz, sondern eher um Schmerzmedizin und Erhaltung der Lebensqualität, auf Kosten der Lebenszeit. Sprich derjenige wird sterben, will aber bis zum Lebensende noch möglichst mobil und schmerzfrei bleiben, also noch möglichst viel bewusst erleben. Im Hospiz lagert man bis zum Ende vor sich hin, wird gepflegt und mit Opium vollgepumpt - man schläft sich dann in den Tod, also fast schon das Gegenteil zur Palliativversorgung.

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c218605 02.11.2015, 12:46
7. Wunsch und Wirklichkeit

Es ist meine Erfahrung, dass wir in der Mehrzahl Patienten mit einer so benannten infausten Prognose aufgrund fehlenderfehlender Kapazitaeten im Palliativbereich in die Haeuslichkeit entlassen. Wir klaeren die Verwandten auf, alle Medikamente sind gestellt, ein Pflegedienst organisiert.

Und doch, wenn es gegen das Ende geht wird der Patient wieder in ein Akutkrankenhaus verbracht wo es dann meist das Pflegepersonal ist welches dieser noch auf dieser Welt zu sehen bekommt. Verwandte sind dann doch ueberfordert, der Pflegedienst will auf der sicheren Seite sein oder im Krankenhaus wird der Patient einfach besser versorgt.

Allerdings muessen wir ihn dafuer nochmals "quaelen" mit sinnlosen Blutentnahmen oder anderen Massnahmen die am Ende nur noch dem Etat dienen.

Mich aergert besonders die Begruendung sprich Einweisungsdiagnose "Verschlechterung des Allgemeinzustandes". Denn nur damit kann man bei den Kassen abrechnen, mit "zum Sterben gekommen" dagegen nicht.

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joko_shots 02.11.2015, 14:36
8. Ich habe mal...

...in einem Altenheim gearbeitet. Wenn da mal ein Mensch von 90 Jahren Komplikationen hatte wurde immer ein Krankenwagen gerufen, immer wurde versucht das Leben zu "retten". Allein aus rechtlichen Gründen, damit hinterher kein Verwandter sagen kann "Warum habt ihr nichts getan?" Eine der Plegerinnen meinte mal dass sie in einigen Fällen am liebsten eine Kerze auzünden, und aus der Bibel vorlesen würde, um den Menschen in würde gehen zu lassen. Kann man jetz geteilter Meinung drüber sein, aber vielleicht ist es eine bessere Lösung als einem sterbenden Menschen mit Neonlicht, gepiepe von EKGs, und Defibrilatoren auszusetzen.

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Don_Draper 02.11.2015, 15:01
9. Wie sie

Zitat von joko_shots
...in einem Altenheim gearbeitet. Wenn da mal ein Mensch von 90 Jahren Komplikationen hatte wurde immer ein Krankenwagen gerufen, immer wurde versucht das Leben zu "retten". Allein aus rechtlichen Gründen, damit hinterher kein.....
schon schreiben, man weiß ja nicht, ob noch was getan werden kann, viele allte Menschen werden sonst evtl. zu früh aufgegeben.

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