Forum: Gesundheit
Panikstörung: Wenn Angst das Leben beherrscht
Corbis

Das Herz hämmert, Schweiß rinnt den Körper herab: Bei Panikattacken erleben Menschen Todesängste aus dem Nichts. Viele suchen anschließend nach körperlichen Ursachen - und die Angst vor der Angst beginnt, ihr Leben zu bestimmen.

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lleyn 13.01.2013, 18:04
50. Genauso

Zitat von eifelhippe
Ich hatte selbst Panikattacken und weiss, wie schlimm diese sein können. Es ist absolute Todesangst, die Angst, zu ersticken. Selbst wenn man wie ich aufgeklärt wurde, dass das nicht passieren kann, fühlte es sich an, als müsste ich sterben. In den USA sagte mir mal ein befreundeter Psychiater, dass es zwei Arten von Panikstörungen gibt: Die eine, die sich anfühlt, als müsse man sterben. Die andere beeinhaltet die Panik, wahnsinnig zu werden.
fühlte ich mich eines Abends beim Fernsehen -dachte ich werde wahnsinning und sterbe zugleich am Herzinfarkt. Die Hausärztin stellte sofort eine Panikattacke fest und meinte es gäbe Medikamente dafür. Jetzt wollte ich aber nichts schlucken, und habe im Internet nach self help Büchern gesucht (zwischendurch hatte ich immer wieder ganz schlimme Attacken: im Auto, Büro, Flughafen - Horror).
Ich bin dann auf das folgende Buch gestoßen:
'Hope and Help for Your Nerves' von Claire Weekes
Dieses Buch ist zwar Ende der 60ger Jahre geschrieben worden, wird aber immer noch verlegt. Es hat mir so geholfen!!! Nach einmaliger Lektüre waren meine Panikattacken vorbei, und wannimmer ich mich etwas 'mulmig' fühle, lese ich ein Kapitel. Vielleicht kann es einem der Mitforisten hier auch helfen. Es kostet nur 6 Euro. Viel Glück!

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MtSchiara 13.01.2013, 18:05
51. es gibt auch organische Ursachen für Panikattacken

Zitat von heidrunfehrl
Das Verhindern von Panikattacken ist ganz einfach, wenn man weiss, wie es geht: da sie durch Hyperventilation (schnelles, flaches Atmen) ausgelöst wird, die die Sauerstoffversorgung verändert, muss SEHR langsam und vor allem mit VERLÄNGERTER Ausatmung geatmet werden - Luftanhalten geht auch erstmal, dann lange Ausatmen und nur so wenig wie möglich wieder ein.
Panikattacken können durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden. Leider legt sich der Autor des Spiegel-Artikels auf nicht-organische Ursachen als einzige Erklärung fest. Dabei können auch organische Ursachen als (Co-)Faktor eine Rolle spielen.

Zu organischen Ursachen zählt eine mangelhafte Versorgung des Angstzentrums im Gehirn - sei es nun durch Kaliummangel, Vitamin B-Mangel, Unterzucker oder was sonst noch. Um derartige Ursachen zu diagnostizieren, kann es sinnvoll sein, sich während einer Panikattacke Blut abnehmen zu lassen, um zum Beispiel den Kalium-Wert, Glucose oder über die Transketolase-Aktivität den B1-Wert messen zu lassen. Entscheidend ist dabei, während der Attacke zu messen und nicht am nächsten Morgen.

Leider sind viele Ärzte dermaßen davon überzeugt, daß Nährstoff-Mangel in der westlichen Welt nicht existiert, daß sie nie auf die Idee kämen, selbst einmal nachzumessen.

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#2011-0001 13.01.2013, 18:06
52.

Zitat von a.b. surd
[...] Gerade die Vermeidung aber ist es, was die Angststörungen aufrecht erhält und somit chronifiziert.
Aus eigener Erfahrung: Ja. Die Situation aufsuchen und von vorne beginnen. Wie ein kleines Kind, das vermutlich einen ähnlichen Lernprozess durchläuft. Die Angst dabei ist größer, als man sie vielleicht jemals zuvor (zumindest bewusst), gespürt hat. Noch gefährlicher ist vermutlich - wie ein anderer Forist schon geschrieben hat - die Angst vor der Angst, sprich der nächsten Situation ohne Entkommen. Situationen, die man doch immer problemlos durchlief, die Millionen Menschen scheinbar problemlos durchlaufen. Das wird es vermutlich sein, was einen leicht in den Wahnsinn treiben kann. Wie geschrieben: Ich habe es letztlich mit Selbsttherapie (und Lektüre eines Buchs einer Therapeutin) ohne Medikamente geschafft.

Ich war natürlich zuerst bei diversen Ärzten: Urologe, Allgemeinmediziner, Magen-Darm-Spezialist. - Keiner hat was entdeckt, aber verschrieben wurde mir Einiges. Von vermutlichen Placebos bis hin zu echt heftigen Medikamenten, die vermutlich mehr schaden als nützen, wenn man den Beipackzettel studiert. Besser wurde aber nichts. Der vierte Arzt dann, mein Hausarzt aus Kindertagen hat recht schnell (und mit einem Blick, der alles andere als zuversichtlich war, auch wenn er versuchte, möglichst sachlich und neutral zu wirken,) gesagt: Sie sind kerngesund. Glauben Sie es mir. Und vor allem sich selbst. Und versuchen Sie nicht komplexe Vorgänge ihres Körpers kontrollieren zu wollen. Da gibt es kein Medikament dafür.

Erst dann kam ich überhaupt von selbst auf die Idee, dass meinen Problemen gar keine körperliche Ursache zugrunde liegt, sondern dass sie vermutlich tatsächlich in meinem Kopf entstehen.

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Gebr.Engels 13.01.2013, 18:17
53.

Zitat von Frieden ist alles
Es gibt heute viele neurobiologische Studien die den Zusammenhang frühester Prägungen und späteren Erlebens belegen. Die zu dem ergebnis kommt,das Trennungen in frühester Kindheit zu verstärkter Furchtsamkeit(augmented fearfulness in tests of novelty and anxiety) führen.
Eine überängstliche Mutter die die zunehmende Autonomie des Kindes als Bedrohung mit der unbewußten Befürchtung "das das Kind oder beide sonst sterben würden" ansieht, und daher auf die freiheitsbestrebungen des Kindes sofort mit Sanktionen reagiert kann nach HE. Richter auch eine Ursache sein.

Denn es ist in unserer Gesellschaft ja so: Ein gutes Kind ist ein folgsames Kind (das der Mutter aus Verängstigung überall hin nachläuft).

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collermann 13.01.2013, 18:17
54. Panikanfälle kann man löschen!

Propranolol (ein spezieller Betablocker) löscht Panik vor Situationen (z.B. Vorträge, Fliegen, Spinnen, offene Plätze). Das US-Militär wendet Propranolol mit Erfolg bei Kriegsveteranen an, die an Panik leiden.

Hier ein populärer Artikel über Propranolol
wissenschaft.de - Angst gelöscht

Hier der wissenschaftliche Artikel in Nature Neuroscience
http://www.nature.com/neuro/journal/...l/nn.2271.html

Schritte:
1. Ärztliche Abklärung, ob Betablocker vertragen werden (erniedrigen den Blutdruck, können Atemnot auslösen!), und ob man sich in Panik auslösende Situationen begenen darf!
2. Unter ärztlicher Kontrolle 10-40mg Propranolol einnehmen.
3. Nach ca. 2 Std. sich in die Panik auslösende Situation begeben.
(vorzugsweise mit einem Arzt oder Verhaltenstherapeuten)
4. Ggf. wiederholen, bis Panik deutlich weniger oder weg.
(oft führen schon 1 bis 4 Übungen mit Panik auslösenden Situation zu einer Besserung)

Ärzte wenden Propranolol insbesondere kombiniert mit Verhaltentherapien bei Panikstörungen wegen des schnellen Erfolges i.a. nicht an, da sie an langfristigen Psychotherapien mehr verdienen. Viele kennen es gar nicht.

Ein Mediziner, der sich mit Propranolol auskannte, bezeichnete ein solches Verhalten als unterlassene Hilfeleistung oder als medizinischen Kunstfehler.

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jujo 13.01.2013, 18:21
55. ...

Zitat von sysop
Das Herz hämmert, Schweiß rinnt den Körper herab: Bei Panikattacken erleben Menschen Todesängste aus dem Nichts. Viele suchen anschließend nach körperlichen Ursachen - und die Angst vor der Angst beginnt, ihr Leben zu bestimmen.
Meine Frau leidet auch unter Panikattacken und wenn eine Flugreise ansteht beginnt die Angst vor der Angst.
Da ich völlig frei von diesen Dingen bin habe ich dieses zu Beginn nie Ernst genommen. Letztendlich ist man als Partner aber auch betroffen, ich hab das akzeptiert das es so ist und ihr geholfen und helfe ihr bis heute.
Ohne mich geht sie in keinen Fahrstuhl oder durch ein enges Treppenhaus. Da sie ein Urvertrauen zu mir hat und ich immer "mutig" vorgehe. hilft es ihr sehr und kommt jetzt auch schon alleine zurecht. Geht sie mal vor mir in den Fahrstuhl, mache ich sie nicht (!) darauf aufmerksam, das ist ja auch etwas völlig normales, eigentlich.
Es ist ein auf und ab. Z.Z. sind die Attacken nur periodisch, erklären kann sie sich das nicht. Sie nimmt es als gegeben hin.

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lleyn 13.01.2013, 18:30
56. Da mein erster Beitrag

Zitat von eifelhippe
Ich hatte selbst Panikattacken und weiss, wie schlimm diese sein können. Es ist absolute Todesangst, die Angst, zu ersticken. Selbst wenn man wie ich aufgeklärt wurde, dass das nicht passieren kann, fühlte es sich an, als müsste ich sterben. In den USA sagte mir mal ein befreundeter Psychiater, dass es zwei Arten von Panikstörungen gibt: Die eine, die sich anfühlt, als müsse man sterben. Die andere beeinhaltet die Panik, wahnsinnig zu werden. Sicher ist es schwer vorstellbar für jemanden, der noch nie eine Panikattacke hatte, wie schlimm es sich anfühlt. Dann sollte derjenige aber einfach mal die Klappe halten...
wohl nicht durchkam, hier nochmal ein Versuch. Ich hatte die gleichen, horrenden Erlebnisse wie Sie (Panikattacken im Auto, Büro, Flughafen, etc) bis ich auf das folgende Büchlein gestossen bin:
'Hope and Help for Your Nerves' von Claire Weekes.
Nach einmaliger Lektüre hatte ich keine Panikattacken mehr, und wenn mir mal mulmig wird, lese ich schnell ein Kapitel. Ihnen alles Gute!

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Scheidungskind 13.01.2013, 18:39
57.

Zitat von heidrunfehrl
Das Verhindern von Panikattacken ist ganz einfach, wenn man weiss, wie es geht: da sie durch Hyperventilation (schnelles, flaches Atmen) ausgelöst wird, die die Sauerstoffversorgung verändert, muss SEHR langsam und vor allem mit VERLÄNGERTER Ausatmung geatmet werden - Luftanhalten geht auch erstmal, dann lange Ausatmen und nur so wenig wie möglich wieder ein. Dadurch werden die Blutgase Sauerstoff und Kohlendioxyd wieder ins Gleichgewicht gebracht und es ist physiologisch unmöglich, eine Panikattacke zu erleiden. Diese ist letztendlich ein ungefährlicher physiologischer Zustand, der aber als sehr bedrohlicher psychischer Zustand wahrgenommen wird. Viel Erfolg!!! Ausprobieren, es wirkt 100%!!
Wirkt aber nicht bei Attacken, die sich in Zittern, Stottern, Schwitzen, Atemnot, sich übergeben, etc. äußern.

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zynik 13.01.2013, 18:44
58.

Zitat von #2011-0001
Der vierte Arzt dann, mein Hausarzt aus Kindertagen hat recht schnell (und mit einem Blick, der alles andere als zuversichtlich war, auch wenn er versuchte, möglichst sachlich und neutral zu wirken,) gesagt: Sie sind kerngesund. Glauben Sie es mir. Und vor allem sich selbst. Und versuchen Sie nicht komplexe Vorgänge ihres Körpers kontrollieren zu wollen. Da gibt es kein Medikament dafür. Erst dann kam ich überhaupt von selbst auf die Idee, dass meinen Problemen gar keine körperliche Ursache zugrunde liegt, sondern dass sie vermutlich tatsächlich in meinem Kopf entstehen.
Das kann man nur dick unterstreichen. Bei mir sah der Schlüssel ganz ähnlich aus: Mangel an Selbstvertrauen, der dann ganz wörtlich in mangelndem Vertrauen in die Funktionsfähigkeit des eigenen Körpers endete. Da hat mir dann die Therapie weitergeholfen.

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Frieden ist alles 13.01.2013, 18:45
59.

Zitat von zynik
Haben diese SSRI keine Nebenwirkungen, die ihrerseits wieder Symptome von Angst/Panik auslösen können? Bin beim googlen gerade hierauf gestoßen. Und das halte ich doch für höchst problematisch:
Noch schlimmer ist,das es deutliche Hinweise gibt,das SSRI mit zur Chronifizierung und Verschlimmerung beitragen können,wie hier nachzulesen:
Peter Lehmann: Unter Psychopharmaka - Psychotherapie oder Beeinflussung?
Dort heist es:
Auch die neuen Antidepressiva, die Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), verändern das Transmittersystem, im synaptischen Spalt steigt die Konzentration von Serotonin. Der Organismus reagiert jedoch mit einer Abnahme der Rezeptoren: Folge der Down-Regulation, des Kompensationsversuchs des Körpers auf von außen kommende Eingriffe. Auf die Dauer kommt es zu einer verminderten Serotoninwirkung. Marc Rufer, Arzt und Psychotherapeut in Zürich, warnte denn auch:
»Wenn die Serotoninmangel-Hypothese der Depression richtig wäre, müssten die SSRI schwerste Depressionen bewirken."
Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte dürfte deutlich machen das die Anwendung von Psychopharmaka ein Irrweg sind,denn nur so ist es aus meiner Sicht zu erklären das es immer mehr als psychisch krank diagnostizierte Menschen gibt.Ich glaube das es vor allem der Mangel an Zuwendung und Verständnis ist der diese Situation aufrecht erhält und verschlimmert.

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