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Pflegereform 2017: Mehr Menschen sind jetzt "pflegebedürftig"
DPA

Die Pflegereform stellt Demenzkranke finanziell besser und stärkt die häusliche Versorgung. Wie bei jeder Reform gibt es allerdings auch Verlierer.

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ayberger 01.01.2017, 16:55
1. Und wieder ist es nicht gelungen,

eine bundesgesetzliche und bundeseinheitliche Regelung für Blinde/Gehörlose zu finden, die sind nun weiterhin auf das Wohlwollen und die jeweilige Kassenlage der einzelnen Länder angewiesen, man erinnere: Niedersachsen hatte als einziges Bundesland unter MP Chr. Wulff und seiner Sozialministerin U. v. d. Leyen vor einigen Jahren das Landesblindengeld völlig abgeschafft und später - es standen Wahlen vor der Tür - auf in Teilschritten auf einem insgesamt niedrigerem Niveau wieder eingeführt ...

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Nordstadtbewohner 01.01.2017, 17:24
2. Wo Licht ist, ist auch Schatten.

Der Artikel stellt zu Recht fest, dass es bei dieser Reform auch Verlierer gibt. Das sind jene, die ab dem 01.01.17 die Beitragserhöhung der gesetzlichen Pflegeversicherung stemmen müssen.

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cobaea 01.01.2017, 17:28
3.

Es gibt auch Nachteile für Menschen, die zwar körperlich stark eingeschränkt, aber geistig fit sind. Denn da sie ihre Alltag weitgehend selbst organisieren können - indem sie z.B. den Notfalldienst rufen oder den sozialen Hilfsdienst selbst beauftragen können - wird ihnen eine Höherstufung verweigert. Denn nun zählt ja nicht mehr der Zeitaufwand der Pflegenden, sondern die kognitive Fähigkeit der zu Pflegenden. Dass immer mehr Hilfeleistungen gebraucht werden (und die nicht gratis zu haben sind), "fällt hintenrunter", denn die Betroffenen sind ja im Stande diese selbst zu organiseren. Genau mit dieser Begründung ist gerade einer schwer MS-kranken Freundin, deren Zustand sich im vergangenen Jahr stark verschlechterte, die Höherstufung verweigert worden (der Widerspruch gegen die Ablehnung wurde auch abgelehnt).

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Blaukraut21 01.01.2017, 17:53
4. Nicht perfekt und dennoch gut

Eine ideale Pflegeversicherung wird es wohl nie geben. Dafür gibt es einfach zu viele Zielgruppen. Aber wenn man sich mal die Punkteverteilung für die einzelnen Kriterien anschaut, ist das Ergebnis der Reform deutlich besser, als der vorherige Zustand. Der Artikel hätte gerne noch mehr auf die Kriterien und das Punktesystem eingehen können. Ansonsten kann man das z.B. hier noch nachlesen: http://www.altenpflege-hilfe.net/hilfe-bei-der-altenpflege/pflegegrade-1-2-3-4-5-punkte-vergabe-kriterien.php

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emil.wild 01.01.2017, 17:55
5. Kostensenkung vor Rechtsstaat

wer das immer noch nicht begriffen hat, dass mit allen Mitteln einschliesslich krimineller Methoden oft versucht wird, im Gesundheitswesen Kosten zu senken, hat wohl selbst keine derartigen Erfahrungen gemacht. Da wird eine demente Frau, die in Verkennung ihrer eigenen Hilflosigkeit, alle Fragen mit Ja beantwortet, unter Verweigerung einer Stellungnahme der Angehörigen, dann als nicht pflegebedürftig eingestuft. Gegen eine solche Mafia helfen auch keine neuen Verordnungen.

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Frickleburt Frogfart 01.01.2017, 18:46
6. Augenwischerei.

Das Ziel der sogenannten "Pflegereform" sind natürlich Einsparungen im System. Beispiel gefällig? Der Zuschuss für einen alten Menschen mit Pflegestufe 1 (alt), der sich nicht mehr selber versorgen kann und deswegen in stationäre Pflege gehen muss, sinkt von EUR 1.064,00 auf EUR 770,00 im Monat. Das sind mal eben EUR 296,00 weniger im Monat. Und dies ist mit die größte Gruppe der Heimaufnahmen. Da kann man das Stopfen der größten Lücken wie bei der Mobilversorgung von Demenzkranken noch so sehr als Wohltat verkaufen - die meisten Betroffenen zahlen drauf, und das ist auch so gewollt. Warum wird dies in den Berichten zur "Pflegereform" nicht thematisiert?

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Spiegelleserin57 01.01.2017, 19:30
7. ja ,es ist Augenwischerei!

Zitat von Frickleburt Frogfart
Das Ziel der sogenannten "Pflegereform" sind natürlich Einsparungen im System. Beispiel gefällig? Der Zuschuss für einen alten Menschen mit Pflegestufe 1 (alt), der sich nicht mehr selber versorgen kann und deswegen in stationäre Pflege gehen muss, sinkt von EUR 1.064,00 auf EUR 770,00 im Monat. Das sind mal eben EUR 296,00 weniger im Monat. Und dies ist mit die größte Gruppe der Heimaufnahmen. Da kann man das Stopfen der größten Lücken wie bei der Mobilversorgung von Demenzkranken noch so sehr als Wohltat verkaufen - die meisten Betroffenen zahlen drauf, und das ist auch so gewollt. Warum wird dies in den Berichten zur "Pflegereform" nicht thematisiert?
man will erreichen dass die Menschen nicht ins Heim kommen !
Ziel hier: mit 770€ kann man kein Heim bezahlen. Es wird mal wieder an der falschen Ecke gespart und die die ins Heim kommen sind dann schwerstkrank und brauchen viel Pflege. Aber wo sind denn die vielen Altenpfleger? Viele Heime ächzen jetzt schon unter dem Pflegenotstand und dann sollen sie zuätzlich noch Schwerstkranke versorgen. Wie die Pflege dann ausschaut vermag ich mir besser nicht vorzustellen.
Wer sich mal die Fälle anschaut die jetzt in der ehemaligen Pflegestufe 1 ankommen wird wohl ganz entsetzt daran denken wie Pflegestufe 3 wohl ausschaut. 1 heißt dann auch fest im Bett liegen, mit Sauerstoff, Blasenkatheter, geistig aber völlig klar und warten dass man Hilfe bekommt. Dekubituspflege...wann denn ????
Unsere lieben Politiker haben diese Entscheidungen mal wieder vom grünen Tisch getroffen. Sie werden solche Situationen nicht erleben müssen da die Pensionen ausreichen sich gute Pflege zu organisieren.

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Nordstadtbewohner 01.01.2017, 19:57
8. Dafür ist jeder selbst verantwortlich.

Zitat von Spiegelleserin57
man will erreichen dass die Menschen nicht ins Heim kommen ! Ziel hier: mit 770€ kann man kein Heim bezahlen. Es wird mal wieder an der falschen Ecke gespart
Wer in ein Pflegeheim möchte, sollte für diese Kosten auch selbst aufkommen. Es ist nirgendwo festgeschrieben, dass die gesetzliche Pflegeversicherung für die vollständige Heimfinanzierung aufkommen muss. Das ist vor allem im Interesse und zum Schutz der Beitragszahler. Es gibt am Versicherungsmarkt entsprechende Möglichkeiten, für das Alter vorzusorgen. Wer diese Angebote nicht nutzt, muss mit den Konsequenzen in der späteren Lebenszeit rechnen oder die Familienangehörigen zur Finanzierung des Heimaufenthaltes hinzuziehen.

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Frickleburt Frogfart 01.01.2017, 20:09
9. Und als Gipfel des Zynismus...

... wird diese "Reform" als "Stärkung der mobilen Pflege" verkauft. Die Leute sollen eben mehr zuhause gepflegt werden und nicht ins (teure) Heim ziehen. Aber es geht eben nicht nur um die mobile Pflege, sondern es fängt viel früher an: Für haushaltsnahe Dienstleistungen wie Einkaufen, Begleitungen bei Arztbesuchen etc. gibt es lt. Pflegegesetz ebenfalls Zuschüsse. Es gibt nur keinerlei Kapazitäten für diese Dinge bei den Pflegediensten, sodass es bei den Angehörigen oder bei teuren professionellen Dienstleistern hängenbleibt. Was nützt mir die medizinische Pflege, wenn ich dabei verhungere, weil ich es nicht schaffe, mir die Dinge des täglichen Bedarfs ins Haus zu holen? Oder es nicht schaffe, mir dringend benötigte Rezepte - man denke an das Theater namens "persönliches Erscheinen" zu Quartalsbeginn - zu besorgen?

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