Forum: Gesundheit
Pharmatests in Schwellenländern: Krank und ausgenutzt
Enrico Fabian/ DER SPIEGEL

Sie sind in Not und lassen sich schnell überreden: Patienten in Schwellenländern dienen Pharmakonzernen für Medikamententests. Drei Schicksale aus Indien, der Ukraine und Bulgarien.

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dalejd 30.09.2015, 17:40
1.

Hört sich nach Quacksalbern an. D.h. argumentativ kochen die da mehrere Breie, erstmal wird geschaut welche Tiere davon nicht sterben und dann anscheinend noch Menschen. Übertrieben? Die haben doch nicht mal eine Krankenakte vorliegen wie es sich so anhört, und daher wohl kaum in der Lage einfach so irgendeinen Brei auszuprobieren oder wie. So was ist doch nicht professionell und argumentativ einfach gemeingefährlich.

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marcw 30.09.2015, 18:05
2.

Zitat von dalejd
Hört sich nach Quacksalbern an. D.h. argumentativ kochen die da mehrere Breie, erstmal wird geschaut welche Tiere davon nicht sterben und dann anscheinend noch Menschen. Übertrieben? Die haben doch nicht mal eine Krankenakte vorliegen wie es sich so anhört, und daher wohl kaum in der Lage einfach so irgendeinen Brei auszuprobieren oder wie. So was ist doch nicht professionell und argumentativ einfach gemeingefährlich.
Phase III Studien finden erst nach Auswertung toxikologischer Studien statt. Evidenzbasierte Medizin ist gerade das, was Quacksalber NICHT machen. Für Evidenz braucht es aber Daten, welche nur klinische Studien liefern können.

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Tante_Frieda 30.09.2015, 18:21
3. Unmenschlich

Es ist Zeit,dass das Ausnutzen der Not Armer in armen Ländern häufiger in den Medien thematisiert wird.Die Pharmakonzerne kalkulieren eiskalt und zynisch:Geht etwas schief,werden die Angehörigen schon aus finanziellen Gründen nicht klagen.Mir ist noch das herablassende Zitat eines jungen englischen Arztes in Erinnerung,der für eine britische Pharmafirma in Rumänien Medikamententests an Menschen durchführte.Er argumentierte eiskalt,es sei ihm egal,wenn einer daran sterben würde.So einem Arzt möchte man in seinem Leben doch besser nicht begegnen.

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keksguru 30.09.2015, 18:27
4. man weiß nichts...

z.B. hat der Raketenbauer ein Medikament erhalten, das später als effektiv wirksame Medizin bei uns in Deutschland zugelassen wurde. Deshalb ist der Artikel auch nur ein Fingerzeig auf die Praktiken diverser Medikamentenhersteller.

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EvenD 30.09.2015, 18:30
5. Also...

...bei Nummer 1 hat sich keiner die Mühe gemacht herauszufinden, ob wirklich das getestete Medikament schuld am Tod der Frau war. Nummer 2 hatte durchaus die Wahl, wollte/konnte aber nicht auf ihre Schmerzmittal verzichten. Bei Nummer 3 war das Medikament tadellos und wird in genau solchen Fällen zum Einsatz gebracht. Also, was genau will uns der Beitrag sagen?

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les2005 30.09.2015, 18:31
6. Dilemma

Ich frage mich, wie man je auf ethisch korrekte Weise neue Medikamente testen können wird. Kein Mensch will aus freien Stücken Versuchskaninchen sein - bei lebensbedrohlichen Situationen schon gar nicht. Und kein Mensch wird in einer solchen Situation jemals wirklich objektiv entscheiden können - was immer objektiv da überhaupt bedeuten soll. Im Zweifelsfall entscheidet man sich dafür, weil man sich davon bessere Chancen als von den Alternativen verspricht. Wenn die Alternative "kein Medikament" heißt, spricht vieles dafür. Wenn es keine gängigen wirksamen Medikamente gibt, auch.

Zweifellos sollten die Patienten zumindest aufklärt werden, daß es sich um eine Studie handelt. Aber ehrlich gesagt, ich frage mich grade wie selbständig ich entscheiden könnte, wenn ich nach Herzinfarkt an zig Schläuchen hänge und der Arzt mir zur Teilnahme an einer Studie rät...Manchmal muß man sich einfach auf Andere verlassen.

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gmbr 30.09.2015, 18:45
7. Das ist

nichts unbekanntes aber was der Autor damit bezweckt ist fraglich.

All die journalistischen Aufklrungen von den die gut verdienen und sich abgesichert haben gegen andere die genau das nicht haben.

Wir müssen das schon wissen aber es ist schon absurd wenn der Berichterstatter NUR berichtet und denkt, damit soll sich was ändern!

Sie machen zwar ihre Arbeit aber nicht immer kann man mit diesem Argument sich aus der Verantwortung ziehen um zu fragen: was dann?

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kumi-ori 30.09.2015, 19:20
8.

Dass Patienten ohne Information und Einwilligung in klinische Studien eingeschlossen werden, geht überhaupt nicht.

Ansonsten fehlen mir zu den drei Fällen, die hier beschrieben worden sind, die entscheidenden Informationen.

Bei der Patientin aus Indien erfahren wir überhaupt nichts, auch nicht die Diagnose. An was litt diese Frau eigentlich? Wie kann man sich ein Bild machen, ob sie an der Testmedikation gestorben ist, ob sie trotz der Testmedikation gestorben ist, oder ob sie ohne die Testmedikation noch schneller verstorben wäre. Wenn sie beispielsweise einen Pankreas- oder Ovarialtumor gehabt hätte, hätte sie möglicherweise in Deutschland auch nicht länger gelebt.

Die Patientin aus Bulgarien mit M. Bechterew ist nicht zu beneiden. Aber hier ist auch das bulgarische Gesundheitssystem mit verantwortlich, das eine Behandlung außerhalb von Studien nicht zuverlässig finanziert. Zwei Aussagen wundern mich allerdings. Erstens sind Biologicals, die ja gekühlt werden müssen, auch in Deutschland meist nicht in den Apotheken vorrätig. Man muss sie normalerweise vorbestellen. Zweitens kann Sanofi nichts mit einer Studie gegen Placebo anfangen, wenn es bereits alternative Medikamente gibt. Eine Studie muss immer gegen die beste Vergleichstherapie (in diesem Falle die zugelassenen Biologicals) durchgeführt werden. Was plant Sanofi hier mit einer Studie gegen Placebo? Warum genehmigt die Ethikkommission in Bulgarien so eine Studie?

Zu dem Patienten aus der Ukraine: Clexane ist in Deutschland Standardtherapie zur Thrombolyse. Man kann sicher diskutieren, ob es noch bessere Alternativen gibt, aber ein Kunstfehler ist die Therapie mit Clexane bestimmt nicht. Die Studie wurde ja auch in vielen Ländern durchgeführt, möglicherweise auch in Westeuropa (leider schweigt sich der Artikel hierzu aus). Der eigentliche Kritikpunkt hier ist, dass der Patient zum Zeitpunkt der Einwilligung schwer krank war. Aber das ist nun mal bei einem Herzinfarkt immer so. Auch dass Patienten nach einem Herzinfarkt versterben, ist leider nicht ganz unerwartet (vor allem im Jahre 2004, als der ICD bei Patienten mit Vorhofflimmern noch nicht Standard war). Leider machen irrelevante Zusatzinformationen wie das niedrige Einkommen der Witwe (das in Osteuropa wahrscheinlich der Normalfall ist) den Artikel zu einem Rührstück.

In Deutschland ist es tatsächlich so, wie Herr Durisch fordert, dass Patienten nicht an Studien teilnehmen können, wenn ihre geistige Aufnahmefähigkeit eingeschränkt ist. Wir Deutschen profitieren damit davon, dass die Regeln in anderen Ländern weniger streng sind. Man muss auch bedenken, dass in manchen Situationen die Zeit drängt. Mit der Thrombolyse des Infarktpatienten muss sofort begonnen werden. Wenn die Frage erst mit der ganzen Sippschaft erörtert werden muss, dann hat sich das Problem in der Zwischenzeit ganz von selbst erledigt.

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banalitäter 30.09.2015, 19:22
9. es hat sich nichts geändert ...

..seit ich selber vor 30 Jahren als Student in München und Hamburg an Medikamentenstudien teilgenommen habe . Die Teilnehmer der Studien waren oftmals Drogenuser , die bei Doppelblindversuchen die Tabletten heimlich wieder ausspuckten , die tagsüber kurz in die Innenstadt fuhren , um Opiate und Tabletten zu kaufen und zu konsumieren .10 Tage im Bett liegen , sich 2 mal am Tag Blut abnehmen lassen , verpflegt zu werden und dafür 1 200 DM zu erhalten , war ein verlockendes Angebot und leicht verdientes Geld . Die Studienanbieter und die Ärzte waren an Kontrolle nicht interessiert .

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