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Phobien: Millionen Deutsche haben Angst vor dem Zahnarzt
Eugenio Marongiu/ Cultura/ Getty Images

Schweißausbrüche, Herzrasen und Schwindel: Über fünf Millionen Deutsche werden beim Gedanken an den Zahnarzt mehr als nervös. Wenn die Angst vor dem Bohrer zur Krankheit wird, kann ein Psychotherapeut helfen.

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klausorth 13.05.2019, 08:55
1. Phobie

Ja, das kennen "wir" nur zu gut. Ich habe mich gut 40 Jahre mit diesem Problem und den damit einhergehenden Schwierigkeiten geplagt. Als dann zwei Schneidezaehne wegbrachen war der erste Gedanke, mit allem Schluss zu machen. Ich habe es dann aber doch zu der hiesigen Uni-Klinik geschafft und traf auf einen Zahnarzt, dem Phobie Probleme vertraut waren. Nach einer 6-stuendigen OP unter Vollnarkose (Entfernung der meisten Zaehne etc). kann ich heute nur sagen: ich habe es geschafft. Bei meinen regelmaessigen vierteljaehrlichen Zahnarztterminen sind Schweissausbrueche, Herzrasen und anere Symptome nicht mehr vorhanden. Man muss auf einen Dentisten treffen, der sich mit diesem Thema sehr gut auskennt und entsprechende Behandlungsmethoden anbietet. Uebrigens, bei mir passierte dies alles in Japan, wo ich seit fast 30 Jahren lebe. Und dank der "neuen Beisserchen" ist das Leben wieder lebenswerter geworden.

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dasfred 13.05.2019, 09:38
2. Kannte ich früher auch

Dann bin ich an einen Zahnarzt geraten, bei dem die Behandlung mit einer Kopfmassage durch die Assistentin begann. Ich war noch nie so entspannt. Einige Jahre später, bei einem anderen Zahnarzt habe ich mir eingeredet, es ist ein SM Spiel, bei dem ich mich dem Meister anvertraue, weil er genau weiß, wie weit er gehen darf. Mit dieser Phantasie war die Zahnbehandlung fast ein erotisches Erlebnis. Heutzutage weiß ich, Angst vor dem Zahnarzt ist nur Angst. Keine Realität. Man darf sie getrost verdrängen, weil die Behandlung nie schlimmer ist, als nichts zu tun. Bei Höhenangst sehe ich nicht direkt nach unten, sondern suche einen Fixpunkt in der Ferne. In der Praxis konzentriere ich mich auf das Ambiente und die, heutzutage, sehr aufgeschlossenen Mitarbeiter. Da bleibt wenig Zeit, Angst zu entwickeln. Auch, wenn man sich von Freunden einen Zahnarzt empfehlen lässt, geht man schon eher mit einer gespannten Erwartungshaltung, statt mit Panik hin. Irgendwann weiß ich auch, was ich an Schmerzen maximal erwarten kann und dass diese nur eine kleine unangenehme Episode sind, gegenüber stundenlangem Zahnschmerz. Man kann die Angst verdrängen oder überwinden, wenn man sich vor Augen führt, dass man da sowieso durch muss.

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rainer-rau 13.05.2019, 09:42
3. Angst nicht nur vor der Behandlung, sondern auch vor der Rechnung.

Die "Preisgestaltung" ist äußerst flexibel und erinnert stark an unsere Vermietermentalität.

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mirage122 13.05.2019, 09:55
4. Reine Erziehungs-Sache

Es liegt an den Eltern. Wichtig ist nämlich, dass die Kinder bei der eigenen Zahnbehandlung dabei sind, und der Zahnarzt sie dann auch kurz auf den Stuhl setzt, in dem sie einmal hoch und runter fahren dürfen und ihnen ganz genau erklärt, wie wichtig das Zähne-Putzen ist. Nur Lego-Steine im Wartezimmer nutzen leider nichts. Und hinterher noch ein Lolli oder Traubenzucker! Das habe ich leider schon erlebt. Bei meinen Kindern und Enkel gab es keine Angst vor Zahnärzten, sie gingen mit Freude zweimal im in Jahr zur Prophylaxe. Leider gibt es aber viele Menschen, die lieber halbwegs zahnlos herum laufen anstatt zum Zahnarzt zu gehen. Das ist einfach erschreckend und muss wirklich nicht sein.

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hasselblad 13.05.2019, 10:34
5.

Die Ursachen liegen häufig in der Kindheit - stimmt. Mein erster Zahnarzt, mit 7 oder 8 Jahren in den 1980ern, war so einer vom alten Schlag: Spritze tut mehr weh als bohren, Indianer kennen keinen Schmerz, das komplette Bullshit-Programm. Ergebnis: ich habe meine Jugend in Zahnarzt-Vermeidung verbracht und bin stets so lange nicht hingegangen, bis es absolut nicht mehr aushaltbar war, mit dem Ergebnis, dass der Schaden jedesmal viel größer war als er hätte sein müssen. "Heilung" brachte erst das Ziehen eines beim Sport abgebrochenen Zahns mit lokaler Betäubung und der Erkenntnis, dass die Spritze eben überhaupt nicht wehtut sondern macht, dass die gesamte Behandlung schmerzfrei vonstatten geht. Es klingt pervers, aber mittlerweile gehe ich sogar gern zum Zahnarzt, die letzte "echte" Behandlung ist 7 Jahre her und ich war so entspannt, dass ich dabei eingeschlafen bin. Ich freue mich für die jüngeren Generationen, dass sie mit Zahnärzten aufwachsen, die ihnen keine dummen Jungs-Klischees aus dem letzten Jahrtausend einreden. Wer den prägenden ersten Zahnarztbesuch als etwas positives erfährt, wird im Leben niemals Angst vor einer Behandlung haben.

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meinung2013 13.05.2019, 11:30
6. ich, Ü60

habe schreckliche Erinnerungen an die Zahnärzte in meiner Kindheit und Jugend.
Seit ich regelmäßig zum Zahnarzt gehe und die Erfahrung mache, dass heute alles besser ist, ist die Angst vorm Zahnarzt erheblich kleiner geworden.

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leonardo da v 13.05.2019, 12:03
7. Wingwave hilft meistens

Manche Zahnärzte sind darin ausgebildet. Ansonsten kann man sich auf der Homepage von Wingwave einen Coach suchen. Funktioniert!

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qoderrat 13.05.2019, 12:28
8.

Zitat von hasselblad
Die Ursachen liegen häufig in der Kindheit - stimmt. Mein erster Zahnarzt, mit 7 oder 8 Jahren in den 1980ern, war so einer vom alten Schlag: Spritze tut mehr weh als bohren, Indianer kennen keinen Schmerz, das komplette Bullshit-Programm.
Genau so war das bei meinen ersten Erinnerungen auch, mit dem Ergebnis dass ich die beschriebene Phobie vor jedem Zahnarztbesuch neu ausleben darf.

Ich überwinde mich zwar und gehe trotzdem hin, brauch aber jedes Mal einen Tag Urlaub, weil ich nach dem Termin zu nichts mehr zu gebrauchen bin. Es dauert manchmal Stunden bis die Anspannung nachlässt und ich wieder klar denken kann. Und das obwohl ich eine sehr gute Zahnärztin habe, zu der ich volles Vertrauen habe, und die alles tut um keine unnötigen Schmerzen zu erzeugen. Nach dem Besuch muss sie jedes Mal den Behandlungssitz komplett abwischen, weil ich klatschnass geschwitzt bin und einen Puls von gefühlt 200 habe. Jemand der so eine Panik noch nie erlebt hat kann sich das überhaupt nicht vorstellen, ich gebe offen zu dass ich neidisch bin dass Sie diese Ängste überwinden konnten.

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TurboWölfchen 13.05.2019, 15:24
9. Am schlimmsten ist es in der Kieferchirurgie

Bei der normalen Zahnbehandlung mag vieles stimmen, was über Verbesserungen berichtet wird. Bei mir ist die Angst auch immer noch nicht wirklich weg, wenn auch immerhin soweit abgemildert, dass ich trotzdem hingehe.
Aber ab einem bestimmten Alter erlebt man verstärkt, dass der normale ZA nicht mehr weiter behandeln kann (entzündete Wurzelspitzen, bröselige Zähne, die sich nicht normal ziehen lassen, Weisheitszähne etc.) und eine Überweisung zum Kieferchirurgen schreiben muss. Und hier kann man immer noch die alten Schauergeschichten erleben.
So gab es in meiner frühereren Heimatstadt einen Kieferchirurgen, der ganzen Generationen unter dem Begriff "Pferdeschlachter" bekannt war. Aber auch eine bestimmte Praxis der Jetztzeit hat dort keine wesentlich bessere Reputation. Am schlimmsten ist die Verweigerung einer Kurz- oder Vollnarkose bei Eingriffen, bei denen im Knochen herumgeprökelt wird. Es gibt Ärzte, die der Meinung sind, dass das Aushalten von Schmerzen zum Reifungsprozess gehöre, und die deshalb eine Narkose ablehnen. Es ist ja heute auch eine teure Selbstzahlerleistung, obwohl es meiner Meinung nach zur Vermeidung psychischer Traumatisierung Standard bei blutigen Eingriffen sein sollte. Die Zahngesundheit der Deutschen wäre wesentlich besser, wenn gut verträgliche Kurznarkosen ohne Mehrkosten angeboten und Angstpatienten nahegebracht würden.
Als positives Vorbild kann die früher verrufene Darmspiegelung gelten, die man heute durch bessere Kurznarkosen förmlich "verschläft" und die für viele ihren Schrecken verloren hat - mit dem Ergebnis einer wesentlich geringeren Sterblichkeit durch Darmkrebs. Warum wird uns dieser Fortschritt in der Zahnchirurgie vorenthalten?

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