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Prostatakrebs-Screening: Vorsorge mit schweren Nebenwirkungen
Corbis

Ist die Prostatakrebs-Früherkennung für alle älteren Männer sinnvoll? Laut einer europäischen Studie senkt sie die Zahl der Todesfälle. Doch der Preis ist hoch: Viele Männer werden unnötig behandelt und müssen schwere Nebenwirkungen ertragen.

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robeuten 07.08.2014, 17:10
40.

Zitat von ohminus
Kleiner Unterschied: Die Mammographie setzt Frauen einer zusätzlichen Strahlenbelastung aus und birgt damit selbst ein Risiko, Krankheit zu erzeugen.
1) formal habe Sie natürlich recht
2) das ist aber nur EIN Aspekt potentiell negativer Effekte der Mammographie; die anderen (Überdiagnostik, falsch negative...) sind gleich.

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robeuten 07.08.2014, 17:16
41.

Zitat von AlfredS.
Heute wird der PSA immer noch regelmäßig kontrolliert, auch wenn ich keine Prostata mehr habe. Es heißt, daß man daran eine Streuung des Karzinoms erkennen könne. Der Wert liegt immer bei >0,2...
Zunächst herzlichen Glückwunsch, daß Sie das so gut überstanden haben.
Zum obigen Absatz: Genau dafür ist die PSA-Bestimmung absolut sinnvoll! Aber eben nicht zum screenen klinisch Gesunder.

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AlfredS. 07.08.2014, 20:35
42. Glück gehabt

Zitat von robeuten
Zunächst herzlichen Glückwunsch, daß Sie das so gut überstanden haben. Zum obigen Absatz: Genau dafür ist die PSA-Bestimmung absolut sinnvoll! Aber eben nicht zum screenen klinisch Gesunder.
Danke, aber eine ordentliche Portion Glück gehört auch dazu. In dieser komplexen Prostatakrebs-Angelegenheit - von der ersten "Verdachtsdiagnose" bis zur OP-Nachsorge-Reha - sind 3 Jahre ins Land gegangen. Dabei hätte eine Menge schief gehen können, hätten Patient und Mediziner auch Fehler machen können.

Heutzutage hat der Patient viele Möglichkeiten, selbst an seinem Schicksal im Krankheitsfall mitzuwirken, es selbstbestimmt zu beeinflussen. Die Medien und das www quellen über vor Infos; es gibt Beratungsstellen und SHGs für jede Krankheit, obwohl ein Übermaß mit einem Info-overkill in die Desorientierung nebst Resignation führen kann. Deswegen sollte man seine Krankheit - auch wenn es Krebs ist - so gut es geht, wie ein ungerührter Topmanager in eigener Sache bearbeiten und gemeinsam mit dem Medizinpersonal zur Therapiereife bringen.

Und ehrlich gesagt: Man sollte sich den Medizinern nicht unvorbereitet oder unwissend ausliefern, auch wenn sie es nicht mögen, daß Patienten sich vorab im Internet informieren, womöglich mit einer Diagnose in der Tasche. Ärzte wissen nicht alles und machen auch Fehler, weil auch sie nur Menschen bei der Arbeit sind und keine Götter. Sie tun nur so, weil niemand von einem Arzt hören will, daß er Fehler machen kann, bzw. schon gemacht hat, und daß er nicht immer helfen kann. Letztendes geht es aber ohne Vertauen auch nicht, wobei man wohl auf seine Gefühle hören sollte.

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karend 07.08.2014, 21:39
43. ?

Zitat von AlfredS.
Meine Prostata ist raus, seit 2010, mittels der radikal perinealen Prostatektomie (RPP) durch Schnitt am Damm (und vorab Entfernung der Beckenlymphknoten per minimal-invasivem Eingriff), mit einhergehender Impotenz, aber ohne Inkontinenz. Mein Retter war (zufällig) mein Hausarzt, der mit seinem erfahrenen Finger bei der digital-rektalen Routine-Untersuchung einen deutlichen Hinweis auf einen Tumor ertastet hat. Ich wär wohl nie zum Urologen gegangen. Ich hab dann noch ein Ultraschall beim Urologen machen lassen und wegen der Größe des Tumors, der fast die gesamte Drüse ausfüllte, eine Biopsie, sowie seit der Hausarzt-Diagnose mehrere PSA-Bestimmungen. Alle Werte lagen stets über 3, aber immer unter 10. Die Biopsie ergab einen nahezu kompletten Tumorbefall der Prostata. Ich hab danach noch zwei weitere Meinungen eingeholt und mich dann für die RPP entschieden, weil mir alternative Therapien nicht sinnvoll erschienen. Ich würd' den PSA-Wert nicht als einziges oder wichtigstes Diagnosekriterium betrachten, denn die Werte können im roten Bereich schwanken, ohne daß ein Tumor vorliegt. Nach Abtasten und Ultrallschall würd' ich aber mal ein Auge auf den PSA-Wert werfen und danach wenn nötig weitere Maßnahmen ergreifen...vielleicht auch eine SHG aufsuchen. Heute wird der PSA immer noch regelmäßig kontrolliert, auch wenn ich keine Prostata mehr habe. Es heißt, daß man daran eine Streuung des Karzinoms erkennen könne. Der Wert liegt immer bei >0,2...
Wäre das nicht eher ein Rezidiv als eine Streuung?
Doch wichtiger ist Ihr PSA-Wert. Alles Gute auch weiterhin!

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quark@mailinator.com 07.08.2014, 22:01
44. Fragwürdiges Optimierungsziel

Ich finde es immer wieder erstaunlich, daß die Methoden anhand der Todesfälle unterschieden werden. Das mag mitunter ja sinnvoll sein, aber für die meisten Menschen ist doch wichtiger :

1. Wie lange lebe ich glücklich und unbeschwert ?

2. Wie lange und grausam dauert das Sterben ?

Mit anderen Worten, wenn man ohne Prostatascreening bis 2 Monate vor Schluß keine Beeinträchtigung hat und dann recht schnell unter Morphium stirbt, dann ist das was anderes, als wenn man mit Screening schon 10 Jahre früher in ein ewiges Behandlungskarussel einsteigt und damit dann zwar Lebenszeit schindet, diese aber erfüllt ist mit jeder Menge Einschränkungen, dauernder Angst und finanziellem Verlust.

Also warum wird nur gezählt, wieviele Leute mit und ohne Therapie sterben und nicht ausgewertet, wie viel Zeit sie unbeeinträchtigt von der Krankheit leben konnten ?

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cc1452 08.08.2014, 09:04
45. Leider Falsch...

Zitat von ohminus
...Es gibt durchaus Belege dafür, dass der PSA-Test, richtig angewandt, die Mortalität senken kann...
Falsch:
Den Beweis, dass Massenuntersuchungen die Mortalität senken gibt es eben NICHT.
Es gibt allerdings reihenweise Belege dass sie die Mortalität NICHT senken.
Deswegen die Empfehlung führender medizinischer Gremien und Verbände (weltweit!) diesen Test NICHT für Massenuntersuchungen ("Screening") zu verwenden.
Genau darum geht es in diesem Artikel.

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sysop 08.08.2014, 10:55
46. Die Zahlen im Artikel sind korrekt

Zitat cs66: "einer von 781 Männern, die einen PSA-Test machen lassen, wird vor dem Tod durch Prostatakrebs bewahrt. 27 von 781 Männern erhalten eine Krebsdiagnose, von der sie ohne Früherkennung nicht erfahren und sich gesund gefühlt hätten. Der Artikel reduziert Nutzen und Schaden des Tests um mehr als das Zehnfache."

Der eine Mann von 781, der vor dem Krebstod bewahrt wird, gilt für die gesamte Studiendauer von 13 Jahren. Im Artikel sind Zahlen pro 10.000 Männer pro Jahr angegeben.

"Von 10.000 Männern, die über die Studiendauer zum Screening eingeladen wurden, wurde pro Jahr mindestens einer vor einem frühzeitigen Tod durch Prostatakrebs bewahrt. Gleichzeitig erhielten 33 Screening-Teilnehmer eine Krebsdiagnose, die sie sonst nicht bekommen hätten."

Also: 1 pro 781 pro 13 Jahre = 1 pro 10.000 pro 1 Jahr.

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AlfredS. 08.08.2014, 14:29
47. weiß nicht

Zitat von karend
Wäre das nicht eher ein Rezidiv als eine Streuung? Doch wichtiger ist Ihr PSA-Wert. Alles Gute auch weiterhin!
Vielleicht ein Rezidiv durch Streuung?
Ihre Frage kann ich im Moment nicht beantworten. Ich gehe von der Möglichkeit aus, daß das Karzinom vor der Entfernung der Prostata gestreut haben könnte, bzw. man stellte die Möglichkeit in Aussicht, zumal die umliegenden, vorab entfernten Lymphknoten auch an der Karzinombildung beteiligt sein sollen. Eine Untersuchung nach der Entnahme ergab aber keinen Befund.
Vielleicht nennt man das Aufflammen einer "alten" Streuung Rezidiv?

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doppelpunkt 08.08.2014, 15:52
48. Ist PSA-Test eine Früherkennung?

[QUOTE=robeuten;16341882]1) NEIN, der PSA-Test ist eben NICHT geeignet, einen Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen - manchmal muß man halt lesen, bevor man postet!
Lieber robeuten, Sie haben ja Recht, wenngleich das ein wenig pingelig ist. Der PSA-Test zeigt natürlich nicht an, ob jemand Krebs hat oder nicht. Er zeigt nur an, dass der PSA-Wert erhöht ist. Unter bestimmten Umständen ist genau das aber ein wichtiger Marker für Prostatakrebs und Anlass für weitere Untersuchungen. Aber das spricht ja nicht gegen einen Test. Was würden Sie denn als Alternative zum PSA-Test vorschlagen?
Und ja, ich glaube, dass ich mich ein wenig auskenne, denn bei mir wurde mit 54 Jahren aufgrund regelmäßiger Kontrolle des PSA-Wertes ein aggressiver Prostatakrebs in einer noch therapierbaren Phase entdeckt. Ohne PSA-Test hätte ich mit Sicherheit ein Problem bekommen. Dank PSA-Test werde ich nur irgendwann vielleicht ein Problem haben. Darf ich fragen, ob es persönlichen Erfahrungen sind, die Ihre - wie mir scheint - vehemente Ablehnung des PSA-Tests bewirken?

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ruhepuls 09.08.2014, 11:38
49. Verlaufskontrolle ja - Diagnose nein

Der PSA-Wert ist zur Verlaufskontrolle geeignet, aber nicht zur (Erst)diagnose. Das gilt für alle Tumormarker.

Daher ist er auch nicht als Massenscreening geeignet (und nur darum geht es in dem Artikel).

Wenn jemand für sich diesen Marker regelmäßig bestimmen lässt - in dem Bewußtsein, dass es eben nur ein Hinweis ist - kann er das ja gerne tun.

Leider zeigt meine Erfahrung, dass viele Patienten den Wert des PSA-Test nicht einschätzen können. Die einen geraten in Panik, wenn der Wert steigt - und die anderen, denken, sie sind auf der sicheren Seite, wenn der Wert niedrig ist. Beides ist falsch.

Hinzu kommt die Störanfälligkeit. Radfahren, Sex, Abtasten der Prostata vor der Blutentnahme etc. kann den Wert ansteigen lassen. Und die wenigsten Patienten werden darüber aufgeklärt.

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