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PSMA-Therapie gegen Prostatakrebs: Das Geschäft mit der Hoffnung
DPA

In Frankfurt therapierten Ärzte an Prostatakrebs erkrankte Männer mit zweifelhaften Methoden. Eine SPIEGEL-Recherche zeigt nun, wie die Mediziner die tiefe Verzweiflung ihrer Patienten zu Geld machten.

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KayYou 20.12.2018, 12:02
40. Pardon

Radioaktive Substanzen in den Körper einzufügen (auch wenn das Lutetium hier ein fast perfekter alpha-Strahler zu sein scheint), kann immer Nw und Spätfolgen auslösen.
Daher würde ich als Patient in einem frühen Stadium auch erst einmal längere Studien abwarten.
Vielleicht weiß man dann auch, wieso die Drittelregel gilt, und welche Tumore besonders gut ansprechen, bzw. wo man die Methode unbedingt vermeiden soll.
Also das, was so gerne abfällig als „Schulmedizin“ bezeichnet wird.
Richtige Studien werden nämlich abgebrochen, wenn das Risiko zu hoch wird, und das kann dann auch jeder nachlesen. Nach zwei Todesfällen (und mehreren schweren unerwünschten Reaktionen) in einer Mehrfachkombinationsstudie bei Prostatakrebs, wurde der entspechende Arm sofort eingestellt, jetzt weiß man, dass diese Kombination nicht angewendet werden sollte. Wäre das ganze anhand von Anekdoten begeisterter Ärzte oder Patienten geschehen, wäre so etwas wahrscheinlich ausgeblendet worden. Menschen wollen nun einmal an etwas glauben.

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permissiveactionlink 20.12.2018, 12:05
41. #37, steiger

Also, ganz ohne die "Pharmalobby" dürfte auch die Lu177-PSMA-Therapie kaum funktionieren : Es ist ja nicht so, dass die Patienten eine Lu177-Lösung frisch aus dem Kernkraftwerk injiziert bekommen ! In Wirklichkeit muss man die radioaktiven Lu-Ionen erst einmal chemisch mit einem Protein koppeln (ich vermute, dass es sich dabei um einen hochspezifischen, monoklonalen Antikörper gegen das Prostataspezifische Membranantigen, PSMA, handelt). Die Bereitstellung dieses Antikörpers, sowie die Bindung des Lu177 daran, erledigt die Pharmaindustrie. Die Herstellung des Lu177 erledigen Mitarbeiter im Kernreaktor, die Reinigung des Materials und die Isolierung des Isotopes Lu177 wird von kompetenten Nuklearchemikern durchgeführt. Die verstehen alle erstaunlich viel von ihrer jeweiligen Jobs, und bilden keine Lobbys. Gerade die Kernphysik/-chemie hat in Deutschland leider keine Lobby mehr !

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joachimreiss 20.12.2018, 12:20
42. Unklar

Natürlich ist es als Laie extrem schwer zu beurteilen, ob eine neue Therapie Humbug ist oder eine echte Alternative. In der Wissenschaftsgeschichte haben sich Paradigmawechsel auch nicht von einem Tag zum anderen durchgesetzt sondern hatte oft einen Vorlauf von jahrelangen, jahrzehntelangen Kämpfen mit den sog. Koryphäen. Auch wenn eine Theorie/Therpie sich durchsetzt, heißt es nicht, dass 100% der Patienten geheilt werden. Es wird immer einen Prozentsatz an Patienten geben, bei denen eine Therapie, eine Behandlung nicht anschlägt. Das ist bei bewährten schulmedizinischen Behandlungen so und erst recht bei neuen Verfahren. Insofern sagt es über die Wirksamkeit/Unwirksamkeit der PSMA-Therapie wenig, wenn einige Patienten berichten, dass ihnen die Therapie nicht gehalfen habe.

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HaraldSchicke 20.12.2018, 12:37
43. Weshalb diese

ungerechtfertigte Empörung? Die Ergebnisse sind auch nicht schlechter als mit der herkömmlichen "Therapie". 7.000 Euro hört sich viel an, scheint aber durchaus konkurrenzfähig zu sein mit den preisen für Chemotherapie.

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proratio 20.12.2018, 12:43
44. Nicht verstanden?

Zitat von joachimreiss
Natürlich ist es als Laie extrem schwer zu beurteilen, ob eine neue Therapie Humbug ist oder eine echte Alternative. In der Wissenschaftsgeschichte haben sich Paradigmawechsel auch nicht von einem Tag zum anderen durchgesetzt sondern hatte oft einen Vorlauf von jahrelangen, jahrzehntelangen Kämpfen mit den sog. Koryphäen. Auch wenn eine Theorie/Therpie sich durchsetzt, heißt es nicht, dass 100% der Patienten geheilt werden. Es wird immer einen Prozentsatz an Patienten geben, bei denen eine Therapie, eine Behandlung nicht anschlägt. Das ist bei bewährten schulmedizinischen Behandlungen so und erst recht bei neuen Verfahren. Insofern sagt es über die Wirksamkeit/Unwirksamkeit der PSMA-Therapie wenig, wenn einige Patienten berichten, dass ihnen die Therapie nicht gehalfen habe.
Und genau deshalb, weil ein Laie das nicht beurteilen kann, gibt es medizinische Leitlinien, gegen die hier offenbar verstoßen wurde, und klinische Studien, die die Wirksamkeit von Therapien evaluieren. Es geht eben nicht, schwer kranke Patienten aus persönlichem Ehrgeiz oder Gewinnstreben zu Versuchskaninchen zu machen und ihnen nachweisbar wirksame Therapien vor zu enthalten. Darüber kann es gar keine Diskussion geben. Übrigens: Es gibt keine Schulmedizin, es gibt nur Medizin. Und die entwickelt sich immer weiter.

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capote 20.12.2018, 12:58
45. Tatsachen

1) An jder männlichen Leiche 90+ lässt sich Prostatakrebs nachweisen, es ist nicht die Frage, wer davon verschont bleibt, Mann muss nur alt genug werden. Ob ein Glücksspiel ist, ob der Betroffene überhaupt je was von seinem Krebs merkt oder nicht vorher an etwas ganz anderem verstirbt.
2) Heilung gibt es nicht, mit keiner Methode, es gibt nur Mittel und Wege, den Krebs zurück zu drängen und das Leben zu verlängern. Die Hormonablationstherapi soll laut Sloane-Kettering das Leben im Durchschnitt um 4 Jahre verlängern.

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kratzdistel 20.12.2018, 13:14
46. wunder gibt es nunmal selten

warum ist der Patient nach Frankfurt ? doch nur in der Hoffnung, dass er dort mit einem neuen verfahren behandelt wird z. b. mit diesem :.
"2017 Seit kurzem bietet sich genau für diese Patienten nun die Möglichkeit eines zusätzlichen neuartigen nuklearmedizinischen Untersuchungs- und Therapieverfahrens, das unter Experten weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg haben hierfür den Wirkstoff PSMA-617 entwickelt, der sich speziell mit Prostatakrebszellen verbindet und zudem mit verschiedenen radioaktiven Substanzen – so genannten Radionukliden – markieren lässt" was die medizinische Forschung als erfolg meldet, ist in Wirklichkeit nur ein kleiner, da die Lebenszeit oft nur für wenige Wochen oder Monate verlängert wird. auch wenn das verfahren nicht leitliniengerecht ist, sagt das nichts über die erfolge aus, da es einige zeit braucht bis es gesicherte studienergebnisse gibt aber in dieser zeit schon das verfahren erfolgreich in der klinik angewendet wird.
für die Gefährlichkeit eines Tumors gibt es die TNM-Klassifikation.die war bei einem bekannten gut, keine lymphknotenbefall, keine fernmetastasen, Tumor entfernt, Reha alles gut und kurze zeit danach bildeten sich Metastasen in der lunge, die Therapie resistent waren und das bedeutete palliativbehandlung bis zum ex. so ist das leider und der Arzt ist machtlos. das hat nichts mit Geschäftsinteressen zu tun.
wenn sie eine adernhautmelanom haben und das mit einer brachytherapie behandelt wird, dann streut es irgendwann metastasen und bis dahin haben sie noch eine schöne zeit zu leben.

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madjogi 20.12.2018, 13:17
47. Bin Prostat-Krebspatient

nach 7 Jahre im Wissen Prostata-Krebs zu haben, habe ich mich selbstverständlich mit den Möglichkeiten auseinandergesetzt. 1ste Option ist hierbei überigens "Operation".
Meine "Erkenntnis" hieraus ist: Nichts hilft jedem gleich. Die Krankheit ist individuell und muss als solche behandelt werden. Es gibt keine "Erkenntnis" bei dieser Krankheit. Nur Vermutungen. Und Leitlinien sind einen Anhäufung von Vermutungen. Und was Gestern noch Top war, ist Heute überhohlt. Solange keiner "Schamanentänze" aufführt oder "Globoli" dafür abreicht ist alles eine Überprüfung wert.

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hadriani 20.12.2018, 13:23
48. diese experimentelle Vorgehensweise

wirft Fragen auf: Es ist legitim Patienten nach Absprache und schriftlicher Absicherung mit Methoden zu behandeln, die bislang nicht zugelassen sind. Uni-Klinika sind dazu durchaus geeignet. Aber wenn solche experimentellen Proceduren erfolgen, dann gehört dazu ein korrektes Studiendesign, Anmeldung bei Klinik, Einholung eines Ethikvotums (!), zusätzliche Versicherung für den Patienten. Und diese Studien werden regulär nicht von den Kassen bezahlt. Also wer hat hier die Kosten beglichen? Nach Abschluß der Behandlung festgelegte Nachbeobachtungszeit und in letzter Konsequenz Veröffentlichen in wissenschaftlich relevanten Publikationen (hier vorrangig aus den Fachspektren Radiologie/Nuklearmedizin sowie Urologie/Onkologie). Bei einer kurzen Durchsicht fand ich diesen Beitrag . Hier werden solche Therapien entsprechend der S3-Leitlinien für Prostatakrebs durchgeführt.

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robeuten 20.12.2018, 13:33
49. hmmm...

wirkt bei einem Drittel der Patienten - das ist der Klassiker nonspezifischer Therapieansätze, und besser als z.B. viele Chemotherapien. Problem ist nicht, daß die Therapie eingesetzt wurde, sondern daß überzogene Hoffnungen geweckt, und bei Therapieversagen zu spät auf Standardtherapie(n) gewechselt wurde.
Ach ja, Novartis hat nicht nur die in dem Artikel erwähnte Firma gekauft, sondern davor schon AAA "integriert", und die haben bereits eine Zulassung für ein Radiotherapeutikum, welches auf Luthetium basiert: https://www.cash.ch/news/top-news/krebsmedikamente-novartis-kuendigt-weitere-daten-zu-lutathera-1218018 .

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