Forum: Gesundheit
Psychische Notlagen: Brauche Therapie, warte Monate
DPA

Monatelang müssen gesetzlich Versicherte oft auf einen Platz für eine Psychotherapie warten - auch bei ernsten Krisen und Depressionen. Ein neues Gesetz soll das ändern, mit einer Notfallsprechstunde. Reicht das?

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steffen.ganzmann 29.07.2015, 19:32
200. Weshalb der Streit?

Zitat von Softship
Ich habe nicht behauptet, dass alle Privatversicherte zusätzlich Leistungen privat bezahlen würden. Aber die "Besserverdiener" (keine 50% der Privatversicherten) würden das vielleicht tun. Ich habe nicht behauptet, dass es nicht möglich wäre, alle in der GKV grund zu versichern. Aber es würde dem System Geld verloren gehen. Also worin sehen Sie den Vorteil? Es ist die Frage, was man unter "fair" versteht. Warum soll es denn überhaupt "fair" sein, dass jemand mehr für seine GKV bezahlt nur weil er mehr verdient? Warum soll es "fair" sein, dass ein Single mit Jahreseinkommen xy genau so viel bezahlt wie eine 6-köpfige Familie mit dem selben Einkommen? Man könnte auch entscheiden, dass jeder Versicherte genau den selben Betrag bezahlt - es ist doch immer ein (eventueller) Patient. Sie haben eine Definition von "fair" - andere Menschen haben eben eine andere Definition.
Schon im ersten Semester in Sozialmedizin lernte ich, dass bei einen niedergelassenen Arzt ein Privatversicherter die Behandlungen von 10 (Legen Sie diese Zahl bitte nicht auf die Goldwaage.) GKV-Versicherten mitfinanziert. Chronische Patienten (e.g. wie ich mit meiner Niereninsuffizienz) seien auch gut.

Wollte mich nie niederlassen, so sind nur noch Reste, wahrscheinlich auch veraltete darüber in meinem Hirn ...

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Softship 29.07.2015, 20:18
201.

Zitat von steffen.ganzmann
Schon im ersten Semester in Sozialmedizin lernte ich, dass bei einen niedergelassenen Arzt ein Privatversicherter die Behandlungen von 10 (Legen Sie diese Zahl bitte nicht auf die Goldwaage.) GKV-Versicherten mitfinanziert. Chronische Patienten (e.g. wie ich mit meiner Niereninsuffizienz) seien auch gut. Wollte mich nie niederlassen, so sind nur noch Reste, wahrscheinlich auch veraltete darüber in meinem Hirn ...
Ich verstehe den Streit auch nicht - der wird aber immer wieder vom Zaun gebrochen. Ich nehme an, dass die meisten Menschen, die sich über die Existenz der PKV'n beschweren, es tun, weil sie schlicht und ergreifend nichts von der Materie verstehen.

Ich bin auch ein privatversicherter Chroniker. War vor 4 Wochen mal wieder 24 Stunden lang stationär... die Klinik hat dafür 1.294,17 € (Zweibettzimmer) erhalten, die Rechnung für Labor-, Radiologie- und Chefarzt-Leistungen stehen noch aus. Die GKV hätte nur ein Bruchteil davon bezahlt. (Soll sich jeder mal vorstellen, was das gekostet hat, als ich 13 Monate im Stück in derselben Klinik lag.)

Und genauso finanzieren die PKV'n die GKV'n quer. Nur keiner will es wahrhaben.

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Isfet 29.07.2015, 20:40
202.

Zitat von kinngrimm
Ist das auch selbiger 2 Klassen Zustand wie wenn man im Wartezimmer manch anderer Ärzte sitzt? DEr Privatpatient kommt sofort an die Reihe und die KAssenpatienten dürfen halt ein wenig länger warten egal ob Termin oder nicht.
Diese Aussage habe ich im Wartezimmer meines Orthopäden auch mal gehört - Gegencheck: Privatpatienten haben genauso lange gewartet

Sofort dran kommen bei dem Notfälle, Frischoperierte und Schmerzpatienten, die nur eine Spritze brauchen - egal ob Kasse oder Privat

Ansonsten sollten Sie sich mal bei den Kassen beschweren: Fachärzte bekommen für 1 Termin eines Privatpatienten meist mehr Geld als für den Kassenpatienten im ganzen Quartal und müssen auch keine Angst haben, wegen "Budgetüberschreitungen" für Medikamente in Regreß genommen zu werden.

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Isfet 29.07.2015, 20:52
203.

Zitat von gott777
Meine Frau leidet seit Jahren an einer teilweise hormonell, teilweise durch Arbeitslosigkeit ausgelösten Depression mit anschwellenden Aggressionszuständen.
Wenn die Depression hormonell bedingt ist, braucht Ihre Frau keinen Psychotherapeuten sondern einen Endokrinologen!

Hormonell - beispielsweise durch eine Schilddrüsenunterfunktion - bedingte Depressionen sind (logischerweise) nicht mit Antidepressiva behandelbar.

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MScholli 29.07.2015, 20:59
204.

Zitat von Softship
Aber es würde dem System Geld verloren gehen. Also worin sehen Sie den Vorteil?
Sie haben das hier überlesen:

"...und im Falle von fehlendem Geld im System, dies über die Höhe der Beitragsbemessungsgrenze geregelt wird?"

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Softship 29.07.2015, 21:27
205.

Zitat von MScholli
Sie haben das hier überlesen: "...und im Falle von fehlendem Geld im System, dies über die Höhe der Beitragsbemessungsgrenze geregelt wird?"
Sie haben wohl den letzten Absatz überlesen. Warum finden sie es "fair", dass jemand mehr in die GKV bezahlen soll nur weil er mehr verdient? Ist seine Gesundheit mehr wert als die Gesundheit eines Geringerverdieners?

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MitKohlensäure 29.07.2015, 21:42
206.

Zitat von Wofgang
Und wenn? Tatsache ist, dass es genauso wie ihre eine anerkannte Ausbildung ist. Wenn Sie die Prüfung nach dem Studium nicht mal nebenbei ablegen könnten, wäre das ein Armutszeugnis. Nur diese Leute sind genau für die Leute da, die bei den Superpsychologen keinen Termin kriegen. Dann muss man das halt selbst zahlen. In beiden Bereichen gibt es Gute und Schlechte. Ganz klar, den einen Bereich als schlecht darzustellen ist nicht professionell. Meine schlechtesten Erfahrungen, habe ich mit einem Urologen mit psychologischer Zusatzausbildung gemacht. Einfach nur grottenschlecht, da hilft auch das Studium nix.
1.) Nein, es ist keine anerkannte Ausbildung. Lesen Sie meine Posts - oder informieren Sie sich im Netz. Nochmal in Kürze: Es gibt keine anerkannte Ausbildung. Lediglich eine "Überprüfung" durch einen Amtsarzt, damit sichergestellt ist, dass der Gesellschaft nicht geschadet wird (originaler Wortlaut bei den Gesundheitsämtern).

2.) Es kann dort keine guten "Therapeuten" im Sinne einer validierten Therapie geben, wie denn auch. Dass es hingegen unter approbierten Therapeuten schlechte gibt, ist genauso wahrscheinlich wie in JEDER anderen Branche auch.

Nun ja. Ein Urologe - und mit was für einer Zusatzausbildung, wissen Sie das? Würde helfen - vielleicht war es der "kleine Heilpraktiker" ;) Ansonsten siehe Nummer 2.

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MitKohlensäure 29.07.2015, 21:47
207.

Zitat von matteo51
ja. ich stimme ihnen zu, dass ein patient gut schauen sollte, wem er sich anvertraut. sie als psychologischer psychotherapeut entwerten hier in diesem kurzen post recht erheblich. was mich dazu bringt, zu denken, dass es doch letztlich auf die zugewandtheit des therapeuten ankommt. seltsam mutet auch an, dass sie sich erst der staatlichen Überprüfung unterziehen, um dann nach Bestehen die "Zusatzpqualifikation" in den "Müll" zu werfen. Schönen Tag noch und beste grüsse von einem heilpraktiker begrenzt auf das gebiet der psychotherapie.
1.) Natürlich tue ich das. Der "kleine Heilpraktiker" ist für mich auch ein Vertrauensmissbrauch an der Gesellschaft. Die Gesetze zu dieser begrenzten Bestallung gehören schon längst abgeschafft, sowas gibts auch nur hier & (in abgeschwächter Form) in der CH.

2.) Natürlich habe ich das getan. Schließlich bin ich bei Gott weltoffen und schaue mir ALLES an. Auch weil die Heilpraxis einen Trend darstellt. Daher kann ich jedoch auch guten Gewissens darüber "schimpfen". Die Prüfung am Gesundheitsamt ist ein schlechter Witz und es ist ein Verbrechen, dass man damit tatsächlich den Eindruck vermitteln darf, man könne Menschen bei psychischen Leiden besser helfen als das Gespräch bei Oma (welches manchmal durchaus gut sein kann). Ich möchte Sie damit nicht persönlich angreifen - aber es steht außer Frage, dass dieser Titel abgeschafft gehört und dass die vemeintlichen "Ausbildungsstellen" (Paracelsus etc) mit nichts und wieder nichts die Geldbörsen ihrer Kunden schröpfen.

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kk-bocholt 29.07.2015, 21:53
208. Mehr Sitze!

Ich arbeite täglich zehn Stunden (10! Therapien) als niedergelassene Psychotherapeutin, und habe eine Wartezeit von 6-8 Monate! Wir brauchen unbedingt mehr Kollegen, der Bedarf ist steigend sehr hoch. Bei mir warten gesetzlich Versicherte genauso lange wie Privatversicherte. Oft bieten andere Kollegen für die Privaten schnell Termine an, dann springen diese von der Warteliste ab. Das könnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, alle Menschen in Not sind gleich wichtig. Also geht es der Reihe nach. Mehr kann ich persönlich nicht tun.

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MitKohlensäure 29.07.2015, 21:58
209.

Zitat von MissMorgan
Mein lieber Arzt, nun ja, die Ausbildung zum "kleinen" Heilpraktiker - also Heilpraktiker für Psychotherapie mag sicherlich nicht kürzer und nicht so aufwändig sein, wie ein Psychologiestudium. Allerdings ist der Therapeut eben manchmal schlechter und manchmal besser als seine Ausbildung. Die studierte Psychologin malte Pyramiden auf, wunderte sich über das schlechte Gedächtnis des Patienten (bei einer schweren Depression nicht verwunderlich) und hat nichts. nichts und nochmal nichts bewirkt. Machte ja nichts, denn sie wurde schwanger und steht somit den Patienten nicht mehr zur Verfügung. Der Heilpraktiker für Psychotherapie brachte neben seiner Erfahrungen im Arbeitsleben eine Menge Empathie mit und war genau der richtige Therapeut. Und die Prüfung vor dem Gesundheitsamt wird von Ärzten abgenommen und wenn jemand sagt, er hat sich das alles im Heimstudium vorgenommen dann wird so hart geprüft wie man es sich nicht vorstellen kann. Dass ein Arzt natürlich eher mit einem kollegialem Lächeln die Prüfung "besteht" wundert mich dann auch wieder nicht.
Es war kein Therapeut - und er durfte einen depressiven Patienten nicht alleine behandeln.

Ob die Psychologin auch wirklich approbierte Therapeuten war oder nicht, kann ich nicht nachprüfen. Und hier liegt die Krux: Für den Laien ist es schwer, den Überblick zu behalten. Können Sie es auseinanderhalten und sagen, wer was darf und was nicht?:

- Psychologe (mit diversen Vertiefungen)
- Arzt (mit diversen Vertiefungen)
- Psychiater (Facharzt)
- Psychologischer Psychotherapeut (verschiedene Vertiefungen)
- Ärztlicher Psychotherapeut (verschiedene Vertiefungen)

...und dann gibt es noch diesen "kleinen HP", welcher in dieser Liste einfach nichts zu suchen hat.

Gerne mal 20 Minuten Zeit nehmen:

http://julitschka.de/2013/07/podcast-zu-heilpraktikern-fur-psychotherapie-sebastian-bartoschek/#t=9:09.559

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