Forum: Gesundheit
Psychosomatik: Wenn der Arzt sich drückt
Corbis

Bei einem Drittel aller Patienten finden Ärzte keine körperliche Ursache für deren Beschwerden. Oft stecken psychische Störungen dahinter. Doch ein Gespräch darüber bietet kaum ein Mediziner an - weil seelische Probleme mit einem Stigma belegt sind.

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Frieden ist alles 01.02.2013, 20:57
80. Therapiekonzepte

Zitat von georg.winterer
...die Antwort warum das nicht zur Anwendung kommt ist ganz einfach: weil das was Sie schreiben nicht als wirksame Therapieform bewiesen ist. es reicht eben nicht zu philosophieren. Im Mittelater (d.h. vor der Zeit der Aufklärung) wurde beipsielsweise gerne Urin als Medikament verordnet und alle möglichen "therapeutischen" Eigenschaften hinein philosophiert. Wenn Sie Behandlungen wollen für die kein Wirksamkeitsnachweis erbracht wurde, dann werden Sie sicherlich zahlreiche Komplementärmediziner finden von den Sie bedient werden (Individuelle Gesundheitsleistungen). Aber sie sollten nicht erwarten, dass die Versucherungsgemeinschaft die Kosten für Sie übernimmt.

Arthur Janov beschreibt in seinem letzten Buch sehr genau die physiologischen Auswirkungen seiner Therapie,so,zum Beispiel auch Veränderungen bei Krankheitsbildern.
Gleichfalls gibt es mittlerweile viele neurobiologische Erkenntnissse die entsprechende Erkenntnise bestätigen.Einiges finden sie in den Links im vorrigen Posting.
Dies wird auch von der Krankenkasse bestätigt,die zumindest psychanalytisch orientierte Therapien bezahlt,z.B. hier:
Psychoanalytische Psychosomatik
Dort heisst es:
"Großen Anteil hieran haben sicher vor allem die Neurowissenschaften, die sich aktuell sehr für die Modelle Freuds und die Psychoanalyse interessieren und beispielsweise seine Entdeckung des Unbewussten und die Funktionen der Träume bestätigen."
Weitere Hinweise darüber das sich Körpertherapien-wozu auch die Primärtherapie gehört- und Neurobiologie ergänzen,finden sie hier:
Ankndigungstext Krper und Gehirn
Das dies bereits Eingang gefunden hat in bestimmte Behandlungsbereiche können sie hier nachlesen,wenn sie unter Therapiekonzept nachschauen:
Heiligenfeld Kliniken - Waldmuenchen

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georg.winterer 01.02.2013, 20:58
81.

Zitat von cosa_nostra
Das neurologische System verfügt über Botenstoffe (Zytokine) und Rezeptoren, die mit denen des Immunsystems identisch sind. Beide sprechen sozusagen die selbe Sprache. Durch chemische Medikamente (Psychopharmaka) werden die Rezeptoren besetzt, so dass die Signalweiterleitung unterbrochen wird (schlichte Symptomunterdrückung). Insofern ist der "Geist" tatsächlich etwas Körperliches. Dummerweise hat dieser Mechanismus den unangenehmen Nebeneffekt, auch das Immunsystem zu blockieren, denn beide sprechen, wie gesagt, die selbe Sprache. Organische Schäden sind die potentielle Folge. Das neuroimmunologische System ist also bi-direktional. So kennt bspw. jeder Stimmungstiefs, die einer Virus-Grippe vorausgehen. Dennoch käme natürlich niemand auf den absurden Gedanken, eine Grippe mit einem Psychopharmakon zu therapieren. Überhaupt lassen sich psychiatrische Diagnosen mit nur einem einzelnen Entzündungsmarkers (tnf-alpha) zu 47 % als falsch entlarven. Das aktivierte System der Botenstoffe beeinflußt zwar die Psyche, aber die Genese liegt woanders: (opportunistische) Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten, chem. Unverträglichkeiten usw. Untersucht werden diese zentralen Faktoren jedoch nur allzu selten. Und dahinter steckt Absicht.
..wie Sie richtig feststellten: bidirektional, d.h. der Virsuinfekt geht einem Stimmungstief voraus und umgekehrt (Letzteres ist sehr viel häufiger).

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pixie48 01.02.2013, 20:58
82. Vor knapp 60 Jahren

Zitat von sysop
Bei einem Drittel aller Patienten finden Ärzte keine körperliche Ursache für deren Beschwerden. Oft stecken psychische Störungen dahinter. Doch ein Gespräch darüber bietet kaum ein Mediziner an - weil seelische Probleme mit einem Stigma belegt sind.
von mehreren Soldaten vergewaltigt. Sechs Jahre lange Schlafmittel verabreicht. Nach aerztlicher Meinung genug um drueber weg zu kommen. Lange Geschichte von Herzrasen, Angst for dem Dunkel (mit Pruegel "kuriert"). Angst vor Maennern. Angst, Angst, Angst. Mit unendlicher Geduld lotst ein Bekannter (ein Freund?) mich in die Psychotherapie vor einem Jahr. Ganz langsam kommt Licht in das Dunkel. Es ist ein langer Weg zur "Normalitaet". Wer hat wohl versagt?

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Caldwhyn 01.02.2013, 21:01
83.

Zitat von Marita
"Fehlende körperliche Ursachen"? Wenn Ärzte nichts finden, heißt das noch lange nicht, dass es keine körperlichen Ursachen gibt. Wie war das mit dem Helicobacter pylori? Jahrzehntelang wurden Magengeschwüre auf seelische Probleme zurückgeführt, bis man dieses Bakterium entdeckte. Heute bekommt man eine Eradikationstherapie (= ein Antibiotikum) verschrieben und gut ist..
Dann erklären Sie mir mal warum a) es Hinweise aus der Forschung gibt das eine frühzeitige Infektion mit h.pylori eine Allergie-protektive Wirkung hat und warum b) bei einem Durchseuchungsgrad von 95% der deutschen Bevölkerung nicht 95% der deutschen Bevölkerung Magengeschwüre haben.

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georg.winterer 01.02.2013, 21:10
84.

Zitat von cosa_nostra
Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die FAZ. Am 9.11.2011 offenbarte der Freiburger Psychotherapeut Mathias Berger dort einen tiefen Einblick, indem er Parallelen zur Pharmabranche zog. Zitat: „In den 350 Psychotherapie-Schulen hierzulande würden genauso Daten versteckt und ,,mindestens 700 Millionen Euro jährlich für Behandlungen ausgegeben, die nie richtig evaluiert wurden".“
...also liebe Spiegel Redakteure, das wäre doch endlich mal wieder ein relevantes gesellschaftliches Thema für Euch. Vor 10 Jahren waren es die Herzkatheder Untersuchungen, vor einem Jahr die Bandscheiben OPs, es ist Zeit mal die Psychosomatik unter die Lupe zu nehmen.

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seltener 01.02.2013, 21:10
85. Gefährlich

Eine Reduktion somatischer Beschwerden auf psychische Ursachen kann gefährlich sein,weil der Wirkzusammenhang nicht eindeutig feststellbar ist.Eine psycistische Diagnose trifft nicht immer den Nerv:Seelischer Schmerz wirkt sich zwar somatisch schon aus,wie körperlicher Schmerz den ganzen,auch seelischen und gerade seelischen Menschen leiden läßt.Dass aber alles Körperliche seelisch bedingt sei,stimmt keineswegs.Fehldiagnosen zu vermeiden,ist hier die Aufgabe.

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cosa_nostra 01.02.2013, 21:13
86. Neuroleptika eine Option?

Zitat von georg.winterer
Vor 20-30 Jahren behandelten viele Hausärzte Somatisierungsstörungen mit Imap Spritzen (alle1-2 wochen) - womit die Therapie Compliance schon mal nicht mehr das Problem war und der Patient regelmäßige Termine beim Arzt hatte - also angebunden war. Da viele Patienten mit Somatisierungstörung sich an der Grenze zu Wahnvorstellungen bewegen (wenn man die Sache einmal nüchtern betrachtet), wäre es zumindestens lohnswert hierüber nachzudenken - die Studienlage ist allerdings bislang auch dünn.
Was von IMAP zu halten ist, steht in Behavioral and Brain Sciences, March 1984, Vol. 7, p. 34:

„So schädlich die (sogenannten) Antidepressiva, Lithium und die (sogenannten) angstbekämpfenden Mittel (niedrigpotente Tranquilizer) auch sein mögen, die durch sie verursachten Schäden sind nicht annähernd so verheerend wie die der sogenannten hochpotenten Tranquilizer, manchmal auch "antipsychotische" oder "antischizophrene" oder "neuroleptische" Medikamente genannt. Zu dieser Kategorie gehören Thorazine (Chlorpromazin), Mellaril, Prolixin (Fluphenazin), Compazin, Stelazin und Haldol (Haloperidol) - und viele andere. In Beschreibung der durch sie ausgelösten psychischen Zustände verursachen diese sogenannten hochpotenten Tranquilizer Elend - nicht Beruhigung. Sie wirken mit chemischen Mitteln so auf den Körper und auf die Nerven ein, daß ein Großteil der Fähigkeit einer Person zum Denken und zum Handeln praktisch ausgeschaltet wird, selbst bei einer Dosis, wie sie üblicherweise gegeben wird. Indem er Leute ihrer grundlegenden Fähigkeiten beraubt, kann der "Therapeut" nach Wunsch praktisch jedes Denken und Tun stoppen. Aber das ist einfach ein Außerkraftsetzen von Menschen, keine Therapie. Gute ebenso wie schlechte Aspekte der Persönlichkeit eines Menschen werden durch das Medikament für einen vorübergehenden Zeitraum außerkraftgesetzt oder für immer zerstört. Ob und inwieweit sich die durch das Medikament verursachten Behinderungen wieder rückgängig machen lassen, hängt davon ab, wie lang das Medikament eingenommen wurde, und in welcher Dosis. Die sogenannten hochpotenten Tranquilizer, antipsychotischen/neuroleptischen Medikamente schädigen das Gehirn deutlicher, schwerwiegender und dauerhafter als jedes andere in der Psychiatrie verwendete Medikament. Joyce G. Small, M.D., and Iver F. Small, M.D., beide Psychiatrieprofessor an der Indiana University, kritisieren Psychiater, die "psychoaktive Medikamente verwenden, deren neurotoxische Wirkungen bekannt sind" und sprechen von der "wachsenden Erkenntnis langanhaltender und manchmal nicht mehr rückgängig zu machender Schädigungen der Gehirnfunktionen, die durch neuroleptische Medikamente verursacht sind. In diesem Fall ist die Evidenz einer Gehirnschädigung nicht dezent, sondern grob auffällig, selbst für den flüchtigen Beobachter! "

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calexico55 01.02.2013, 21:16
87. Kurz gedacht? Warum dann hilfreich?

Tryptophan, Niacin=B3, 5-HTP, Serotonin oder einfach Bananen Nüsse (Cashew,Walnuß). Ganz ohne Nebenwirkungen (höchstens ein bisschen Hüftgold!)

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cosa_nostra 01.02.2013, 21:28
88.

Zitat von georg.winterer
..wie Sie richtig feststellten: bidirektional, d.h. der Virsuinfekt geht einem Stimmungstief voraus und umgekehrt (Letzteres ist sehr viel häufiger).
Nein, im Gegenteil, nicht häufiger. Diese Sichtweise ist lediglich lukrativer, weshalb die Förderung entsprechender Studien zum Beweis dieser falschen These übermässig ist. Richtiger wird sie dadurch nicht.

Vielsagend ist ein Aufsatz von Ordinarius Prof. Diehl (Universität zu Köln) in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift (2000, 125, 1112 ff.):
„Angesichts der glaubhaften Vermutung, dass die aufgedeckten Fälle nur die Spitze des Eisbergs von Fälschungen, Schwindel, Fahrlässigkeit und paradigmatisch verfälschtem Denken darstellen, kann dieser Sicht hier nicht gefolgt werden. Die lange Dauer, mit der Forschungsbetrug in den in der Vergangenheit aufgedeckten Fällen z.T. geschehen konnte und die beträchtliche Anzahl der hierin verwickelten Personen spricht eher dafür, dass wissenschaftliches Fehlverhalten in stabilen sozialen Netzwerken vollzogen wird. Nun ist ein Hauptkennzeichen illegaler Netzwerke die Verschwiegenheit ihrer Mitglieder.“

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MtSchiara 01.02.2013, 21:30
89. wissenschaftliche Beweise lassen sich nur positiv führen

Zitat von georg.winterer
Problem dabei: vielfach sind es die Patienten die sich drücken bzw. nicht wahrhaben wollen, dass keine organische Ursache besteht.
Sie scheinen die wissenschaftliche Methodik nicht allzu ernst zu nehmen. Gemäß dieser Methodik läßt sich nämlich nicht nachweisen, daß keine organische Ursache besteht. Was Ärzte lediglich nachweisen können, das ist, daß eine organische Ursache mit ihren Methoden nicht erkennbar ist. Das ist ein großer Unterschied.

Gemäß der Gaußchen Normalverteilung sind zwei Drittel der Erkrankungen häufig und ein Drittel selten oder sehr selten. Die Wahrscheinlichkeit, bei einer seltenen Erkrankung die "Ausschlußdiagnose" Psychosomatik zu erhalten, sind bei unseren auf häufige Erkrankungen ausgerichtete Untersuchungsmethoden hoch. Will man der psychosomatischen Therapie zu mehr Anerkennung verhelfen, dann muß man Verfahren entwickeln, mit denen das Vorliegen psychosomatischer Beschwerden positiv bewiesen oder zumindest nahegelegt werden kann. Und den Begriff Ausschlußdiagnose sollten die Ärzte ganz schnell aus ihrem Vokabular streichen, da er wissenschaftsmethodologisch eine Zumutung ist. Denn Beweise lassen sich in der Wissenschaft nur positiv führen.

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