Forum: Gesundheit
Regionenvergleich: Mandel-OPs bei Kindern - ein Roulettespiel
Corbis

Mandelentfernungen gehören zu den häufigsten Operationen bei Kindern und Jugendlichen - dennoch gibt es keine festen Regeln, wann der Eingriff notwendig ist. Eine deutschlandweite Auswertung zeigt: Der Wohnort spielt eine große Rolle, ob ein Kind operiert wird - die Unterscheide sind oft extrem.

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Kühne URsel 07.05.2013, 16:06
30. Mir hat's geholfen...

Ich hatte als Kind dauernd eitrige Angina und sehr zerklüftete Mandeln. Mit 6 hat man mir die Mandeln entfernt. Das war zwar kein schönes Erlebnis, aber von Angina war ich danach fast 20 Jahre verschont. Die Halsentzündungen, die ich seit der Operation hatte, kann man problemlos an weniger als einer Hand abzählen. Auch "normale" Erkältungen plagen mich seither äußerst selten.

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Bowie 07.05.2013, 16:26
31. Alles ganz natürlich...

...wenn sich erst die natürlichen Streptokokken so richtig schön in den Mandeln festgesetzt haben und mit ihren (natürlichen) Toxinen den Organismus überschwemmen, dann sollte man sich schon überlegen, inwieweit man naturheilkundlich verblendet auf eine Tonsillektomie verzichtet. Schließlich steckt in der Natur ein tieferer Sinn, und wenn dann das durch die bakteriellen Toxine vorgeschädigte Herz vorzeitig seinen Geist aufgibt, ist auch das schließlich ganz natürlich. Wie kämen wir dazu, dort mit der bösen Schulmedizin dazwischenzupfuschen...?!

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nic 07.05.2013, 16:48
32. optional

Was wurde eigentlich gemacht als es noch keine Möglichkeit gab die Mandeln zu entfernen?

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at@at 07.05.2013, 16:50
33.

Die Frage nach dem Sinn der OP stellte sich meiner Mutter auch, der Arzt hat dazu geraten - sie hat stattdessen abgewartet und die Phase der ständigen Mandelentzündungen war irgendwann vorbei bei meiner Schwester, ganz ohne OP. Jeder hat halt unterschiedliche Erfahrungen, aber aus meiner Sicht wird eine OP viel zu häufig angeraten. Ähnliches Beispiel: Mein Mann sollte am Knie (Meniskus) operiert werden, er hat abgelehnt, zum Glück, denn Krankengymnastik hat auch gegen die Beschwerden geholfen (die Probleme entstanden durch eine Fehlstellung beim Laufen, die korrigiert wurde).

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freischweberin2 07.05.2013, 17:08
34. richtig abwägen

Als Kinderärztin mit Schwerpunkt Schlafmedizin werde ich häufig mit der Frage konfrontiert, ob und wann eine Adenotomie (Entfernung der Rachenmandeln) eine Tonsillotomie (Verkleinerung der Gaumenmandeln ohne erhöhtes Blutungsrisiko, da die stark durchblutenten zuführenden Gefäße nicht verletzt werden) und Tonsillektomie (Vollständige Entfernung der Gaumenmandeln mit OP-Risiko) notwendig ist. Dabei spielt aus der Sicht meines Fachgebietes die Schwere der Schlafstörung eine entscheidende Rolle. Je schwerer der Schlaf gestört ist, umso mehr sollt operiert werden. Sprich Schritt 1 Adenotomie, Schritt 2 Adeno- und Tonsillotomie. Eine Tonsillektomie ist aufgrund von Schlafstörungen NICHT indiziert. Die HNO-Ärzte, mit denen ich zusammenarbeite, raten erst zu einer Tonsillektomie ab mehr als 5 eitrigen Mandelentzündungen im Jahr. Warum überhaupt bei Schlafstörungen operieren? Gestörter Schlaf führt bei Kindern zu nachgewiesenen Lernstörungen, agressiven oder depressiven Verhaltensauffälligkeiten, Infektanfälligkeit und in schweren Fällen zu Wachstumsstörungen. Schnarchen alleine ist dabei kein sicherer Hinweis für die Schwere der Schlafstörung, erst eine Schlafuntersuchung (Polysomnographie) kann darüber genaue Auskunft geben. Anzumerken ist außerdem, dass viel Krankenkassen die risikoärmere und ambulant durchzuführende Tonsillotomie, die erst seit einigen Jahren wieder vermehrt durchgeführt wird, nicht in ihrem Leistungskatalog haben oder hatten, so dass dann zum Ausweichen. auf die Tonsillektomie führen kann.

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bambuella 07.05.2013, 17:30
35.

Bei mir war die Tonsillektomie eine Rettung! Ich war chronisch krank, hatte über einen längeren Zeitraum ca. alle 4-8 Wochen eine Streptokokken Infektion mit 40 Fieber und konnte mit einem Menschen, der Schnupfn hatte, gar nicht im selben Raum sein, ohne krank zu werden. Am Ende hat Penicillin kaum noch gewirkt und ich war einfach nur noch schwach auf den Beinen. Hatte die OP mit 21 und bin jetzt so gut wie gar nicht mehr krank. Die OP verlief ohne Komplikationen und die Schmerzen, die bei der Heilung auftraten, würde ich wieder in Kauf nehmen!

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rational_bleiben 07.05.2013, 17:31
36. optional

Es ist beeindruckend, wieviel Halbwissen auch unter Ärzten kursiert. Ich hatte zuletzt 5 oder 6 Entzündungen in einer Saison, bevor die Mandeln entfernt wurden. Eine Ärztin warnte mich: "Dann landet aber jede Entzündung eine Etage tiefer!"

Seit der Entfernung habe ich noch 1-2 Rachenentzündungen pro Jahr. Ein Einzelfall sagt nichts, ich bezweifle aber angesichts der Zahlen aus dem Artikel, dass die Ärztin wusste, wovon sie redete.

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realistano 07.05.2013, 17:46
37. sinnvol

Zitat von sysop
Mandelentfernungen gehören zu den häufigsten Operationen bei Kindern und Jugendlichen - dennoch gibt es keine festen Regeln, wann der Eingriff notwendig ist. Eine deutschlandweite Auswertung zeigt: Der Wohnort spielt eine große Rolle, ob ein Kind operiert wird - die Unterscheide sind oft extrem.
Nach Op wie neugeboren.
vorher hatte ich fast jeden Monat Halsschmerzen mit Fieber. Antibiotik hat kaum mehr geholfen.
mit 23 dann habe ich zum Glück operiert, seit dem nie wieder solche Schmerzen erlebt.
seit dem Ein Gefühl wie neues Leben. Ich kann nun alles essen, ohne Angst vor Halsschmerzen und Fieber zu haben.

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stickstoffgruppe 07.05.2013, 17:54
38. sinnvoller Eingriff

...wenn man es mit rezidivierenden Entzündungen zu tun hat. Bei mir traten die im Kindesalter mindestens halbjährlich auf, meist einhergehend mit einer sehr schmerzhaften Mittelohrentzündung.
Nach Tonsillektomie, Parazentese und Paukendrainagen war das endlich vorbei- dafür bin ich immer noch dankbar. Seitdem bin ich übrigens nur noch sehr selten krank.

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rational_bleiben 07.05.2013, 18:00
39.

Zitat von Mümax
Verantwortungsvolle Eltern sollten derartigen Operationen im Interesse ihrer Kinder nicht zustimmen... Letzlich läßt sich mit gesunder Ernährung, Homöopathie...
Verantwortungsvolle Eltern sollten die Wirksamkeit von Homöopathie hinterfragen, genauso wie die Wirksamkeit einer Operation. Einfach das eine oder andere als "gut", bzw. "schlecht" abzutun ist sicherlich NICHT verantwortungsvoll. Ständige Entzündungen der Mandeln sind kein Pappenstiel.

Weshalb schneiden wir unsere Fingernägel? Zu Zeiten, als sich Fingernägel entwickelten, hatten wir durch Schaben und Kratzen von Stein-, Holzwerkzeugen und Nahrung einen natürlichen Verschleiß und die Nägel mussten nachwachsen. Heute brauchen wir sie nicht mehr, wir müssen sie regelmäßig abschneiden.

Die Mandeln entwickelten sich zu einer Zeit, als wir kaum mehr als mit der eigenen Sippe zu tun hatten und im ganzen Leben vielleicht 100 Artgenossen auf nächster Nähe begegneten. Auch aßen wir Nahrung nur aus der unmittelbaren Umgebung. Heute begegnet ein Mensch 100 Artgenossen auf nächster Nähe schon in 5 Minuten in der U-Bahn. Seine Nahrung kommt von der ganzen Welt und nimmt z.T. abenteuerliche Wege bei Entstehung und Transport. Vielleicht sind die Mandeln für solch ein Erreger-Bombardement einfach nicht gemacht und reagieren daher bei einigen mit chronischer Entzündung?

Nur weil etwas am Körper wächst, heißt das noch lange nicht, dass es in die Moderne passt, bzw. der Gesundheit zuträglich ist. Und wenn Naturheilkundler OPs ablehnen, sollte man sowieso vorsichtig sein. Nicht jedes Geschwür will dem Betroffenen "etwas mitteilen", manchmal muss es einfach weg.

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