Forum: Gesundheit
Rezeptfreigabe für Triptane: Ärzte warnen vor gefährlichen Migränemitteln
DPA

Triptane gelten als Wundermittel bei Migräne. Immer mehr Pharmafirmen versuchen, diese Wirkstoffe rezeptfrei auf den Markt zu bringen. Doch Ärzte warnen: Für Patienten wird die Therapie teurer und ohne ärztliche Überwachung auch schnell gefährlich.

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Elora. 14.09.2013, 11:15
30. wenn man keine Ahnung hat ...

Zitat von nilaterne
...Diclophenac macht Schmerzen bei einmaliger Einnahme nicht weg, sondern erst nach ca 3-4 Tagen regelmäßiger Einnahme.... .
Bitte - Diclofenac "macht" Schmerzen nicht weg, es unterbricht nur die chemische Informationskette über Hemmung der Prostaglandinsynthese, sodaß keine Schmerzwahrnehmung entsteht oder diese Wahrnehmung zumindest in ihrer Intensität reduziert wird.
Und diese Wirkung tritt dann zügig ein - wer das Zeug einmal genommen hat, weiß, daß es genau wie andere akut wirksame orale Schmerzmittel nach ca. 30min zu einer spürbaren Linderung bis Beendigung der Schmerzwahrnehmung führt. Vorausgesetzt ist eine ausreichende Dosierung. Bei andseren Indikationen (z.B. rheumatische Schübe) als akuten Schmerzen ist tatsächlich eine mehr oder weniger lange Einnahme nötig für den gewünschten Effekt (z.B. Entzündungsreduktion).

In diesem Fall wird dazu ein Enzym gehemmt. Um alle in einem Fall betroffenen Enzyme zu erwischen braucht es aber eine gewisse Menge an Wirkstoff - je "größer" die Schmerzursache, desto mehr Enzyme, desto mehr Wirkstoff, daher ist Diclofenac in der frei verkäuflichen Dosierung von 25mg eigentlich ein Witz. Wer mit so wenig Wirkstoff seine Schmerzen vernünftig gelindert bekommt, hat dafür genauso wirksame aber mit weit weniger bzw. harmloseren Nebenwirkungen behaftete Wirkstoffe zur Verfügung.

Darum geht es bei diesen kleinen Packungsgrößen: die Umgehung der Verschreibungspflicht in höheren Dosen durch die Pharmafirmen und damit die Indikations- und UAW-Kontrolle durch den Arzt .

Diclo50 nicht frei? Na, nehm` ich halt 2x25, hab` ich auch 50 gegen meine Magenschmerzen. Ach so, die kommen von einer Magenschleimhautentzündung und das Diclo ist da absolut kontrainduzirt, weil es die Schleimhaut erst recht wegbrennt? Egal, hilft ja trotzdem gegen die Beschwerden - und zwar genau solange, bis mir das entstehende Magengeschwür entweder einen Magendurchbruch oder eine veritable Blutung beschert hat. Dann verdienen nur noch die Bestatter. Und bis dahin die Pharmafirmen.

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Elora. 14.09.2013, 11:18
31.

Zitat von nikolaus1962
ich bin auch für den mündigen Bürger, aber man muss schon unterscheiden in wie weit man mündig sein kann. Auch ein mündiger Bürger darf nicht mit dem Auto fahren, wenn sie/er nicht ...
Danke schön für Ihren differenzierten Beitrag! Sie hätte ich gerne als Patienten - Sie scheinen anzuerkennen, daß man manche Sachen einfach nicht wissen kann und dann besser auf das Wissen anderer zugreift, statt sich selber zu schaden. Und daß man dabei trotzdem auch selbst noch ein Mitbestimmungsrecht hat.

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Elora. 14.09.2013, 12:12
32.

Zitat von Nania
...Vielleicht wäre ein etwas "gestreckteres" System sinnvoll und als Kompromiss denkbar: Dauerrezepte. Der Arzt stellt für ein Jahr oder mehr ein Rezept für ein bestimmtes Medikament aus, der Kunde kann sich das Medikament nach Bedarf holen. Dann muss man nicht für jede neue Packung in die Praxis (gilt bei manchen Migränemedikamenten genauso wie für die Pille [da muss man auch nicht alle drei oder sechs Monate zur Untersuchung, nur ein Rezept holen]) sondern erst, nachdem ein bestimmter Zeitpunkt überschritten ist...
Um Gottes Willen, das setzt ja den mündigen und mitdenkenden Patienten voraus. Und den gibt es meiner Erfahrung nur sehr selten.
Was glauben Sie, wieviele Patienten ich habe, die Medikamente nehemen (z.B. Psychopharmaka, Aknemittel), die die Leber schädigen oder aber "auf`s Herz gehen" können und die daher zumindest aller paar Wochen mal zur Laborkontrolle bzw. zum EKG kommen sollen? Und was glauben Sie, wieviele von denen tatsächlich kommen? Ich kann denen nicht ständig hinterherrennen.
Die Immobilisierten mit Spritzentherapie (Clexane, Heparin, Fraxiparin und co.) nach einer Operation mit der Gefahr einer lebensgefährlichen Störung der Blutgerinnung habe ich mitlerweile im Griff: bei der wöchentlichen Kontrolle ihrer Blutwerte bekommen sie einen neuen Wochenvorrat Spritzen. Und Schmerzmittel. Denen tut es also im wahrsten Sinne des Wortes weh, wenn sie potentielle Nebenwirkungen ignorieren wollen. Das alles ist unkompliziert, nicht mit Wartezeit für die Patienten oder anderen Unangenehmlichkeiten verbunden und daher zumutbar für alle Beteiligten.

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huberta.weigl 14.09.2013, 12:24
33. Migräne gehört ärztlich betreut

Wer auch nur annähernd weiß, wie komplex die Erkrankung "Migräne" ist, wird auch wissen, dass die Behandlung in ärztliche Hände gehört. Es gibt unzählige Menschen, die unterschätzen, wie rasch man durch unkontrollierte Schmerzmitteleinnahme in einen Teufelskreis kommt. Wer zu viele Schmerzmittel nimmt, löste genau dadurch Kopfschmerzen aus. Alle Ahnungslosen empfehle ich das Buch von Professor Göbel "Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne" sowie das Forum der Schmerzkklinik Kiel namens Headbook.

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huberta.weigl 14.09.2013, 12:25
34. Migräne gehört ärztlich betreut

Wer auch nur annähernd weiß, wie komplex die Erkrankung "Migräne" ist, wird auch wissen, dass die Behandlung in ärztliche Hände gehört. Es gibt unzählige Menschen, die unterschätzen, wie rasch man durch unkontrollierte Schmerzmitteleinnahme in einen Teufelskreis kommt. Wer zu viele Schmerzmittel nimmt, löste genau dadurch Kopfschmerzen aus. Alle Ahnungslosen empfehle ich das Buch von Professor Göbel "Erfolgreich gegen Kopfschmerzen und Migräne" sowie das Forum der Schmerzkklinik Kiel namens Headbook.

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bettina 14.09.2013, 13:16
35. Mit Migräne zum Neurologen!

Über manche dieser Beiträge kann man sich nur wundern ...
Migräne ist eine komplexe Erkrankung, die das gesamte Fachwissen eines auf Kopfschmerzerkrankungen spezialisierten Arztes bedarf! Als selbst schwer Betroffene weiß ich, wovon ich spreche. Erst die adäquate Behandlung und weitere Betreuung durch meines Neurologen ermöglicht mir wieder ein menschenwürdiges Leben.

Man repariert ja auch sein Auto nicht selbst, nur weil man weiß, wie man damit fährt. Manche scheinen den Begriff "mündig" sehr freizügig zu interpretieren, oder sie verstehen ihn schlichtweg nicht. Mündig bedeutet für mein Verständnis, die Verantwortung für sich und seine Erkrankung mit zu übernehmen. Gemeinsam mit dem Arzt, der die Richtung vorgibt. Alles andere wäre gefährlicher Schwachsinn, dessen Folgen dann letztendlich wieder der Steuerzahler tragen darf.

Nimmt man Triptane falsch ein (zu häufig, zu hoch oder zu niedrig dosiert, während der Auraphase, bei kardialen Erkrankungen usw.) schaden sie mehr, als dass sie nützen. Die passende Behandlung muss mit dem Arzt zusammen erarbeitet werden und es müssen Verlaufskontrollen (!) erfolgen. Führt zu hoher Bedarf in einen mediikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz, muss der Patient angeleitet werden, wie er diesem wieder entkommt und in Zukunft vermeiden kann.

Weiters braucht der Betroffene Anleitung, wie mit nichtmedikamentöser Therapie die Attackenfrequenz selbstständig zu minimieren ist. Hier, genau hier, hätte man gerne den mündigen Patienten, der seine Lebensumstände mitunter anpassen muss. Dies erfordert aber minunter recht viel Disziplin und Arbeit an sich selbst, daher verlassen sich manche lieber ausschließlich auf die medikamentöse Therapie.

Noch ein Wort zur "bösen" Pharmaindustrie: Nun ja, sie arbeiten gewinnorientiert, wie wohl jedes andere Unternehmen auch. Sie sind es, die Gelder bereitstellen für die Forschung und sie sind es, die Migränepatienten Triptane zur Verfügung gestellt hatten. Dies können jetzt nur schwer Betroffene nachvollziehen, aber ohne Triptane könnten manche nicht mehr am normalen Leben teilhaben.

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bettina 14.09.2013, 13:25
36. Mit Migräne zum Neurologen!

Über manche dieser Beiträge kann man sich nur wundern ...
Migräne ist eine komplexe Erkrankung, die das gesamte Fachwissen eines auf Kopfschmerzerkrankungen spezialisierten Arztes bedarf! Als selbst schwer Betroffene weiß ich, wovon ich spreche. Erst die adäquate Behandlung und weitere Betreuung durch meines Neurologen ermöglicht mir wieder ein menschenwürdiges Leben.

Man repariert ja auch sein Auto nicht selbst, nur weil man weiß, wie man damit fährt. Manche scheinen den Begriff "mündig" sehr freizügig zu interpretieren, oder sie verstehen ihn schlichtweg nicht. Mündig bedeutet für mein Verständnis, die Verantwortung für sich und seine Erkrankung mit zu übernehmen. Gemeinsam mit dem Arzt, der die Richtung vorgibt. Alles andere wäre gefährlicher Schwachsinn, dessen Folgen dann letztendlich wieder der Steuerzahler tragen darf.

Nimmt man Triptane falsch ein (zu häufig, zu hoch oder zu niedrig dosiert, während der Auraphase, bei kardialen Erkrankungen usw.) schaden sie mehr, als dass sie nützen. Die passende Behandlung muss mit dem Arzt zusammen erarbeitet werden und es müssen Verlaufskontrollen (!) erfolgen. Führt zu hoher Bedarf in einen mediikamenteninduzierten Dauerkopfschmerz, muss der Patient angeleitet werden, wie er diesem wieder entkommt und in Zukunft vermeiden kann.

Weiters braucht der Betroffene Anleitung, wie mit nichtmedikamentöser Therapie die Attackenfrequenz selbstständig zu minimieren ist. Hier, genau hier, hätte man gerne den mündigen Patienten, der seine Lebensumstände mitunter anpassen muss. Dies erfordert aber minunter recht viel Disziplin und Arbeit an sich selbst, daher verlassen sich manche lieber ausschließlich auf die medikamentöse Therapie.

Noch ein Wort zur "bösen" Pharmaindustrie: Nun ja, sie arbeiten gewinnorientiert, wie wohl jedes andere Unternehmen auch. Sie sind es, die Gelder bereitstellen für die Forschung und sie sind es, die Migränepatienten Triptane zur Verfügung gestellt hatten. Dies können jetzt nur schwer Betroffene nachvollziehen, aber ohne Triptane könnten manche nicht mehr am normalen Leben teilhaben.

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libelle82 14.09.2013, 16:44
37.

Ich bin selber Migräniker. Seit gut 16 Jahren, vorher "nur" Kopfschmerzpatient.... Die Ärzte schlichtweg alle inkompetent. Vom Neurologen hab ich damals Antidepressiva bekommen, ein Jahr lang hab ich diese Tabs gefressen. Ohne Erfolg.
Nach 10 Jahren habe ich mir meine Krankenakte zusenden lassen und was lese ich da?Geschrieben von meinem damaligen Antidepri-neurologen? "Kopfschmerz aufgrund Wirbelsäulenverdrehung". Später wurde von meinem Hausarzt eindeutig Migräne diagnostiziert. Ist ja auch keine Kunst: heftig, einseitig, drei Tage lang, Schmerzen lassen sich durch herkömmliche Mittel nicht lindern. Helfen tun nur Triptane. Und die wirk3n nicht, wenns keine Migräne ist.

Das mal zu den sogenannten "Experten".....

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eggshen 15.09.2013, 02:26
38. Amen

Zitat von libelle82
Ich bin selber Migräniker. Seit gut 16 Jahren, vorher "nur" Kopfschmerzpatient.... Die Ärzte schlichtweg alle inkompetent. Vom Neurologen hab ich damals Antidepressiva bekommen, ein Jahr lang hab ich diese Tabs gefressen. Ohne Erfolg. Nach 10 Jahren habe ich mir meine Krankenakte zusenden lassen und was lese ich da?Geschrieben von meinem damaligen Antidepri-neurologen? "Kopfschmerz aufgrund Wirbelsäulenverdrehung". Später wurde von meinem Hausarzt eindeutig Migräne diagnostiziert. Ist ja auch keine Kunst: heftig, einseitig, drei Tage lang, Schmerzen lassen sich durch herkömmliche Mittel nicht lindern. Helfen tun nur Triptane. Und die wirk3n nicht, wenns keine Migräne ist. Das mal zu den sogenannten "Experten".....
Ähnliche Erfahrungen (mit Ärzten) hier. Der 'Durchschnitts-Neurologe' (no offense) ist mit Migränikern überlicherweise überfordert, hält den Kunden (ähm - Patienten) aber noch mit der ganzen Rabatte zwischen Magnesium und Betablockern für ein paar Termine bei der Stange. Parallel hierzu wird aber trotzdem schon fast etwas verschämt das Rezept für Sumatriptan ausgestellt, denn letztlich weiß der Patient nach einem gewissen Leidensweg i.d.R. meist am besten, was bei seiner/ihrer Migräne wirklich hilft.
Daneben halte ich einige der hier genannten Fallbeispiele für reichlich konstruiert. Eine intensive fachärztliche Begleitung mag in Einzelfällen hilfreich sein - die Indikation über die (Un-)Verträglichkeit von Triptanen sollte nach eingehender Untersuchung aber nahezu jedem Allgemeinmediziner möglich sein. Ein Arzt, der sich damit schwertut, sollte über seine Approbation nachdenken. Denn Triptane werden AFAIR seit Mitte der 90er verkauft.

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Pelao 15.09.2013, 07:54
39. Eins muß doch mal betont werden ...

... Schmerz und Allergie-Patienten sind von vornherein unmündig. Sie kennen ihr Krankeheitsbild wie keinen anderer, ihre Krenkheitsgeschichte ist oft länger als das Alter des behandelnden Arztes. ...
Warum also müssen also eindeutig bewährte Mittel, wie Triptane und auch Cortison verteufelt werden, und wir Patienten in leidensveschärfende Alternativtherapien getrieben werden? .... Um es mal ganz deutlich zu sagen: Wie wollen unsere Krankeit nicht leben und unser Leben ihr anpassen. Wir wollen einfach nur leben! Und wir sind auch durchaus bereit, den Preis dafür zu bezahlen. ... Aber ein schmerzbefreiter Migräniker, ein nicht niesender Allergiker ist halt nur ein beschwerdefreier, eigenverantwortlicher und selbstbewußter Mensch und kein hilfesuchender, dankbarer Patient ... und damit ein Unding.

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