Forum: Gesundheit
Schlechte Nachrichten überbringen: "Ärzte müssen Stille ertragen können"
David Pereiras/ EyeEm/ Getty Images

Krebsdiagnose und nur noch wenig Zeit, die zum Leben bleibt: Zahlreiche Menschen erhalten von Ärzten schwerwiegende Diagnosen, häufig unter Termindruck. Der Mediziner Jalid Sehouli über angemessene Kommunikation.

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manuel.wagner 03.05.2019, 16:11
1. Honorierung?

Dass Herr Sehouli anregt, das Überbringen schlechter Nachrichten besser zu honorieren als eine technische Untersuchung hat mich umgehauen. Eine Honorierung? Welches Ethos bringen Ärzte mit, die sich ernsthaft Gedanken darüber machen, mit welchem Abrechnungssatz das Gespräch vergütet wird, mit dem sie ihrem Patienten eine Todesnachricht überbringen? Also, ob sie an den Gesprächen auch angemessen verdienen? Daraus kommen viele Unsegnungen der heutigen Gesundheitswelt: Festgelegte Minutenzeiten für die Pflege Pflegebedürftiger und der richtige Abrechnungssatz für die Überbringung schlechter Nachrichten.

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Merlin1006 03.05.2019, 16:36
2. Ärztinnen und Ärzte online bewerten

Klar hat man die Möglichkeit, seinem Arzt ein Feedback zu geben, wenn auch nur indirekt über ein Bewertungsportal. Vorausgesetzt, er oder sie liest es und kann es reflektieren und einordnen.

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noalk 03.05.2019, 16:54
3. geschwätzige Ärzte

Die kenne ich auch. Es ist auch schwer, sie in ihrem Redefluss zu unterbrechen. Sie unterstehen ja auch dem juristischen Gebot der umfassenden Patienteninformation.

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udo l 03.05.2019, 17:03
4. @manuel.wagner

Sehr geehrter Mitforist, ich find Ihre Argumentation basiert auf einer zweifelhaften Moral. Sie gestehen bestimmt jedem Dienstleister, ob Banker oder Steuerberater oder sonstigen Finanzdienstleistern ein ordentliches Honorar zu, wenn diese sich um Ihr Geld kümmern oder Sie ordentlich beraten. Aber bei einem Arzt ist dies unmoralisch? Dieser nimmt sich nicht nur Zeit für solch ein Gespräch, es wird ihn auch entsprechend belasten, nicht umsonst gibt es unter Ärzten oft psychische Probleme. Das ist ihr Beruf, dafür haben Sie studiert, und dann kommen Menschen wie Sie und stellen moralisch in Zweifel, dass sie dafür auch noch bezahlt werden, das darf doch nicht sein, es geht doch um menschliche Schiksale.

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Felix2012 03.05.2019, 17:05
5.

Zitat von manuel.wagner
Dass Herr Sehouli anregt, das Überbringen schlechter Nachrichten besser zu honorieren als eine technische Untersuchung hat mich umgehauen. Eine Honorierung? Welches Ethos bringen Ärzte mit, die sich ernsthaft Gedanken darüber machen, mit welchem Abrechnungssatz das Gespräch vergütet wird, mit dem sie ihrem Patienten eine Todesnachricht überbringen? Also, ob sie an den Gesprächen auch angemessen verdienen? Daraus kommen viele Unsegnungen der heutigen Gesundheitswelt: Festgelegte Minutenzeiten für die Pflege Pflegebedürftiger und der richtige Abrechnungssatz für die Überbringung schlechter Nachrichten.
Lieber Herr Wagner, um den heutigen Klinik-Alltag richtig einschätzen zu können vielleicht folgende Ausführungen (Aber vielleicht wissen sie es schon): bei äußerst knapp bemessener Personaldecke sowohl in der Pflege als auch in der Ärzteschaft werden die technischen Handlungen/Untersuchungen/Operationen anhand von online frei einsehbaren Intranet–Terminkalendern eng getaktet und Klinik- Geschäftsführern überprüft. Es geht dabei um die volle Ausschöpfung der personellen Ressourcen. Ein schönes umschreiben das Wort ist Prozessqualität. So ist im OP und in der Endoskopie nicht nur die Untersuchungszeit /OP-Zeit sondern auch die Wechselzeit definiert und entsprechend vorgegeben. Es wird von Untersuchung zur Untersuchung gehetzt. In der vorgegebenen Patienten-Liegedauer müssen die entsprechenden technischen Untersuchungen/OP zeitsparend untergebracht werden. Ausführliche Gespräche und sich Zeit nehmen für den Patienten sieht dieses System einfach nicht vor, das DRG-System die falschen finanziellen Anreize setzt.

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pejede 03.05.2019, 17:37
6. Money is Time

Zitat von manuel.wagner
Dass Herr Sehouli anregt, das Überbringen schlechter Nachrichten besser zu honorieren als eine technische Untersuchung hat mich umgehauen. Eine Honorierung? Welches Ethos bringen Ärzte mit, die sich ernsthaft Gedanken darüber machen, mit welchem Abrechnungssatz das Gespräch vergütet wird, mit dem sie ihrem Patienten eine Todesnachricht überbringen? Also, ob sie an den Gesprächen auch angemessen verdienen? Daraus kommen viele Unsegnungen der heutigen Gesundheitswelt: Festgelegte Minutenzeiten für die Pflege Pflegebedürftiger und der richtige Abrechnungssatz für die Überbringung schlechter Nachrichten.
In Berlin stehen einem niedergelassenen Frauenarzt (der Herr Sehouli ist ja wohl auch Gynäkologe) exakt 25,24 Euro zur Verfügung. Pro Quartal (drei Monate). Nein, nicht nur für Patientengespräche, sondern komplett, für alles, für Untersuchung, Diagnosefindung, Gespräche, für alles halt. Mehr ist schlicht nicht drin. Das nennt man Budget.
Und nun stellen Sie sich vor, Sie gehen mit einem ernsten Anliegen (Scheidung, drohende Privatinsolvenz) zu einem Anwalt und bitten um eine ausgiebige Beratung. Er möge genug Zeit einplanen, die Lage sei einigermaßen prekär und auch durchaus bedrohlich. Allerdings dürfe es nicht mehr als 25 Euro kosten, mehr gäbe Ihr Budget leider nicht her.
Meinen Sie, Sie würden es schaffen, dem Mann noch was von "Berufsethos" zuzurufen, bevor Sie mehr oder weniger sanft aus der Kanzlei befördert werden? Sehen Sie...

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kommanditente 03.05.2019, 17:52
7. @manuel.wagner

Ich denke nicht, dass er damit Geld gemeint hat...

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tiger56 03.05.2019, 17:58
8. Empathie ist nicht eine

Frage der Zeit.. Nicht jeder ... aber viele Ärzte und Pflegende verfügen darüber. Übermitteln von „schlechten Nachrichten“ gelingt stets jenen, die hinter dem hektischen Treiben im Klinkalltag sich Mitmenschlichkeit erhalten. Es bedarf im Grund nur weniger Momente, auch über Mimik u. Gestik (sofern Empathie vorhanden) etwas wie persönliches Bedauere auszudrücken. Wir wissen doch alle um unsere Endlichkeit... oder etwa nicht?

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ramon 03.05.2019, 18:36
9.

Schade, hätte mir bessere Lösungsvorschläge gewünscht, wenn man schon seine Gedanken via SPON kundtun darf.. Mehr Geld und Fortbildungszwang erhöhen. Auf der einen Seite beklagt sich der Kollege, dass die Leute allein gelassen werden, um dann genau dasselbe zu tun. Ärzte leben in einer komplett anderen Welt. Wenn das Arbeitspensum ohnehin kaum zu schaffen ist, sind Patientengespräche meistens die einzige Möglichkeit Zeit zu sparen. In kaum einer Klinik ist z.B. eine routinemäßige Sprechstunde für Angehörige vorgesehen, meistens wird man auf dem Gang angesprochen und soll dann aus dem Stehgreif Rede und Antwort stehen, am besten noch weit nach Arbeitsende. Wieso kein Mentorensystem, in dem junge Kollegen durch erfahrene Kollegen unterstützt werden?

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