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Schutz vor HIV: USA lassen Medikament zur Aids-Prävention zu

Erstmals wird in den USA ein vorbeugendes Mittel gegen die HIV-Infektion zugelassen. Der Kombinationswirkstoff soll in Risikogruppen die Zahl der Ansteckungen reduzieren. Kritiker befürchten, dass Anwender jegliche Vorsicht bei sexuellen Kontakten fahren lassen könnten.

Indigo76 17.07.2012, 11:25
1. Unlogischer Bericht

Zitat von sysop
Erstmals wird in den USA ein vorbeugendes Mittel gegen die HIV-Infektion zugelassen. Der Kombinationswirkstoff soll in Risikogruppen die Zahl der Ansteckungen reduzieren. Kritiker befürchten, dass Anwender jegliche Vorsicht bei sexuellen Kontakten fahren lassen könnten.
Eins verstehe ich nicht. Im Artikel wird geschrieben, dass das Medikament insbesondere bei stark gefährdeten Personen wirksam sein soll. Ausserdem soll das Medikament in Kombination mit Aufklärung, Beratung und Safer Sex einhergehen.

Jemand der aufgeklärt ist, zu einer Beratung geht und außerdem sexuellen Kontakt nur mit Kondomen praktiziert gehört aber nicht zu den stark gefährdeten Personen. So jemand kann sich eigentlich nur durch einen dummen Unfall mit Blutkontakt oder nicht sachgemäßem Umgang im medizinischen Bereich anstecken.

Der Artikel widerspricht sich also selbst!

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wyborne72 17.07.2012, 12:27
2. von und zu

Zitat von Indigo76
Eins verstehe ich nicht. Im Artikel wird geschrieben, dass das Medikament insbesondere bei stark gefährdeten Personen wirksam sein soll. Ausserdem soll das Medikament in Kombination mit Aufklärung, Beratung und Safer Sex einhergehen. Jemand der aufgeklärt ist, zu einer Beratung geht und außerdem sexuellen Kontakt nur mit Kondomen praktiziert gehört aber nicht zu den stark gefährdeten Personen. So jemand kann sich eigentlich nur durch einen dummen Unfall mit Blutkontakt oder nicht sachgemäßem Umgang im medizinischen Bereich anstecken. Der Artikel widerspricht sich also selbst!
Gemeint sind hier mit stark gefährdeten Personen beispielsweise HIV negative Partner von Infizierten. Das alleine wäre aber zahlenmässig keine lohnenswerte Zielgruppe, die die Kosten für die Zulassung wieder einpielt. Also ist davon auszugehen, dass das Unternehmen auf einen flächendeckenderen Einsatz spekuliert, und da liegt die Gefahr. Findet Truvada Eingang in die sog. Barebackerszene, sind Resistenz-Züchtungen vorprogrammiert und werden TRuvada auf Dauer für seine wesentlich wichtigere Indikation, nämlich als ein weit verbreiteter und dadurch unverzichtbarer Teil der 3er-Kombinationstherapie von Infizierten mittelfristig unwirksam machen.
Aber auch das kann ja gewollt sein, damit dann teurere Alternativen, die die Unternehmen gewiss schon in der Pipeline haben, ihren Absatzmarkt finden...

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filos eleftherias 17.07.2012, 12:34
3. Macht alles Sinn

@Indigo76

Sie machen einen Fehler, den viele Laien machen, und verwechseln "Safer Sex" mit "safe". Es steckt sich gerade auch bei den Risikogruppen ein signifikanter Teil derjenigen an, die immer ein Kondom benutzen. Die Schutzwirkung liegt gar nicht mal so weit über der hier vorgestellten Methode, Schwule (also in den mir bekannten Studien wurden die untersucht), die immer Kondome verwenden, haben ca. 60% Schutzwirkung. Wenn man jetzt nachhakt und korrekte Verwendung des Kondoms (ein Kapitel für sich) rausrechnet, kommt man auf ca. 80-95% Schutzwirkung von Kondomen. Bei Truvada alleine (man könnte auch einen besseren und somit teueren Schutz mit drei statt zwei Wirkstoffen verwenden) schützt bei korrekter Anwendung ca. 73%. Sooo unterschiedlich ist das nicht, und wenn beides kombiniert wird, ergänzen sich die Schutzwirkungen hervorragend. Ferner gibt es eine Subgruppe, die nicht lebenslang auf kondomlosen Sex (auch mit wechselnden Partnern) verzichten will, und das Risiko einer HIV-Infektion bewusst in Kauf nimmt. Nach dem Motto, lieber chronisch krank und guten Sex statt gesund und schlechten Sex. Für sie ist es eine Option abzuwägen, ob die Nebenwirkungen der Medikamente für sie erträglich sind.

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skep.sys 17.07.2012, 12:38
4. 50:3

Wow, 50.000 Neuinfektionen in den USA. Neulich habe ich erst gelesen, daß die Zahl in Deutschland stabil bei ~2.800 liegt. Weiß jemand, warum es in den USA pro Einwohner eine fest fünfmal höher Ansteckungsrate gibt?

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ZaXx 17.07.2012, 20:01
5.

Zitat von skep.sys
Wow, 50.000 Neuinfektionen in den USA. Neulich habe ich erst gelesen, daß die Zahl in Deutschland stabil bei ~2.800 liegt. Weiß jemand, warum es in den USA pro Einwohner eine fest fünfmal höher Ansteckungsrate gibt?
Das liegt zu einen an der Armut eines großteils der Bevölkerung, und zum anderen an der "prüden" Einstellung vieler Einheimischer in den USA, die es partu vermeiden wollen "DAS" Gespräche mit den Kindern führen zu wollen. Es ist interessant zu sehen, dass in Ländern mit einer höheren BiTV-Rate (Brüste im TV) die Quote der Kinderschwangerschafften und die Infektionsrate für Geschlechtskrankheiten niedriger ist als in "verschlossenen" Ländern.

Dazu habe ich noch irgendwo ein Fachartikel gehabt...wenn ich es wiederfinde werde ich es sofort posten.

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kumi-ori 17.07.2012, 21:05
6.

Zitat von filos eleftherias
@Indigo76 Ferner gibt es eine Subgruppe, die nicht lebenslang auf kondomlosen Sex (auch mit wechselnden Partnern) verzichten will, und das Risiko einer HIV-Infektion bewusst in Kauf nimmt. Nach dem Motto, lieber chronisch krank und guten Sex statt gesund und schlechten Sex. Für sie ist es eine Option abzuwägen, ob die Nebenwirkungen der Medikamente für sie erträglich sind.
Na toll! Dann muss eigentlich jeder Truvada nehmen.

Ich glaube, das größte Risiko ist, dass sich diese Leute einen Virus einfangen, der gegen einen der beiden Wirkstoffe resistent ist. Ein einzelner wirksamer NRTI kann nicht lange als Barriere durchhalten. Und dann sind die NRTIs wegen ihrer hohen Kreuzresistenz (vor allem von TDF und FTC "abwärts" zu den alten Wirkstoffen) schon gleich mal durch und für die weitere Behandlung ist kein Backbone mehr da. Man kann gleich mit den PIs und den neuen Wirkstoffen in Kombi anfangen und hat keine Reserven mehr.

Meine persönliche Meinung ist übrigens, dass es Grenzen dessen gibt, was dem Beitragszahler zuzumuten ist. Wenn die "Barebacker-Szene" nicht gewillt ist, Kondome zu benutzen, dann soll sie selbst sehen, wie sie ihre 18.000 €/Jahr aufbringt.

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kumi-ori 17.07.2012, 21:17
7.

Zitat von skep.sys
Wow, 50.000 Neuinfektionen in den USA. Neulich habe ich erst gelesen, daß die Zahl in Deutschland stabil bei ~2.800 liegt. Weiß jemand, warum es in den USA pro Einwohner eine fest fünfmal höher Ansteckungsrate gibt?
Ich habe folgende Gründe gehört. Belegen kann ich sie nicht, aber sie scheinen mir plausibel

Grund 1: Ein großer Teil der Amerikaner ist nicht ausreichend krankenversichert, bekäme im Falle einer HIV-Infektion kaum Hilfe aber jede Menge Probleme. Deshalb gibt es keinen Grund sich testen zu lassen. So erfahren die Positiven selbst nichts und stecken andere an.

Grund 2: In manchen Kreisen ist die Erziehung in den USA recht sexualitätsfremd. Teils wissen die Teenager gar nicht, woher die Babies kommen. Und so wissen einige auch nichts über die Übertragungswege von HIV.

Grund 3: In den USA war die Prävalenz von HIV in denAnfangsjahren sehr viel höher als in Deutschland. Mehr Positive wiederum stecken auch mehr Menschen an und so hat sich der höhere Infizierten-Anteil bis heute gehalten.

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Otoshi 18.07.2012, 06:19
8. optional

Tja, wie kann man die Krankenkassen melken ohne dasseine Krankheit vorliegt. Actimel 2.0 laesst die Gewinne in die Hoehe schnellen he ueberhaupt wirksam sein zu muessen.

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joachim_m. 19.07.2012, 18:47
9. Einmal kurz nachgedacht und nachgerechnet

Studien haben immer eine gewisse Dauer, dann ist Schluss. Häufig sind dies 2 Jahre. Im Artikel steht, dass das Mittel das Risiko um 42 % senkt, ich bin, weil es sich einfacher rechnen lässt, nett und sage, statt 100 (%) Ansteckung gibt es mit dem Mittel nur 50 Ansteckungen pro Jahr.

In den ersten 2 Jahren erkranken die Hälfte, also 50 von 100 Pillennehmern.

In den nächsten zwei Jahren wieder die Hälfte der noch nicht angesteckten, also 25 weitere Personen. Damit sind in 4 Jahren bereits 75 % fleißige Pillennutzer infiziert.

In den nächsten zwei Jahren infiziert sich wieder die Hälfte und da es keine halben Menschen gibt, sagen wir 12. Bleiben also noch 13 übrig, die noch nicht infiziert sind.

Doch auch diese 13 bleiben in den weiteren 2 Jahren nicht alle aidsfrei, diesmal sind wir nicht nett und runden auf, also 7 werden krank, 6 bleiben gesund.

Und nach weiteren 2 Jahren,also insgesamt 10 Jahre, geht es mit fifty-fifty, es sind 3 gesund, 3 krank.

In 10 Jahren kostet die Pillenschluckerei 14.000 Dollar x 10 Jahren = 140.000 $ und man hat doch tatsächlich eine 3 %-ige Chance, gesund zu bleiben.

Mein Rat: Spart das Geld für die Aids-Behandlung, denn ihr werdet spätestens nach 10 Jahren mit aller Wahrscheinlichkeit krank sein.

Mathematik hat so ihre Tücken, die auch schon der Legende nach große Herrscher erfahren mussten, als sie versprachen, die Reismenge ab einem Reiskorn entsprechend den Feldern auf einem Schachbrett von Lieferungs- zu Lieferungstermin ständig zu verdoppeln. Beim ersten Mal war es ein Reiskorn, beim 2. Mal 4 und beim 64 mal mehr Reis, als in einem Jahr auf der ganzen Welt geerntet werden.

Übrigens, mit den echten Zahlen funktioniert es ähnlich, nur dauert es je nach Zahlen ein paar Jahre mehr oder weniger, bis eine Durchseuchung von über 95 % überschritten ist.


Wenn hier im Artikel steht:

(Zitat aus Artikel) "Selbst bei diesen hohen Kosten sei die Prophylaxe allerdings für bestimmte Risikogruppen immer noch wirtschaftlich, sagen Experten. "Es ist teuer, aber auf der anderen Seite ist es immer noch deutlich billiger als eine lebenslange HIV-Behandlung", sagt Joel Gallant von der Johns Hopkins University. "Bei Menschen, die keine Kondome benutzen, aber diese Medikament nehmen, ist es kosteneffektiv."

muss man feststellen: Vielleicht sind sie Experten, aber garantiert keine in Sachen Mathematik, denn die lebenslange Behandlung ist nach rund 10 Jahren Einnahme dieses Medikaments so gut wie sicher, selbst wenn Kondome benutzt werden. Ohne Kondome wahrscheinlich schon früher.

Aber was soll es, nach alter deutscher Tradition kann man feststellen: Die Produktion schafft Arbeitsplätze - und das rechtfertigt für manche ja so gut wie alles.

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