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Schwangerschaft: Bluttest auf Down-Syndrom könnte Kassenleistung werden
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Ein Bluttest kann ermitteln, ob ein ungeborenes Kind das Down-Syndrom hat. Jetzt wird geprüft, ob die Krankenkassen ihn bezahlen sollen. Behindertenrechtler sind entsetzt.

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mangosultan 18.08.2016, 21:13
70. Soviel peinliche Engstirnigkeit...

Wir haben im Rahmen der 2. Schwangerschaft diese Test machen lassen und ihn auch selber bezahlt. Warum? Wie wussten schon vorher, der unser Zweiter Trisomie haben wird. Dazu gab es genug Indikatoren. Allerdings war es nicht gesichert, dass es T21 ist. Also wurde getestet, um T13 und T18 auszuschließen. Nur in diesen Fällen wäre überhaupt eine Diskussion der Abtreibung gestartet worden. Es war und ist T21 und wir haben und gestärkt gefühlt, dass wir ihn bekommen wollen. Er ist heute 10 Monate alt. Ein absoluter Sonnenschein. Die jenigen, die immer direkt eine Abtreibung ansprechen, sollen sich einfach mal mit der Materie auseinandersetzen. Bildung hat bekanntlich noch keinem geschadet. Und die meistens Ängste existieren auch nur, weil sich niemand mal die Mühe gemacht hat, sich mit etwas Neuem auseinander zu setzen. Ich möchte meinen Kleinen für nichts in der Welt hergeben und habe die Entscheidung auch nie bereut. Klar wird es auch mal schwer werden. Aber was ist schon leicht?
Ansonsten möchte ich einmal darauf hinweisen, dass es auch die Eltern sind, die ein Kind behindert machen können. Einfach mal drüber nachdenken.

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balu2016 18.08.2016, 21:13
71. Fassungslos

Ich habe mich extra registriert, um den anderen Leuten die hier kommentieren, meine Fassungslosigkeit mitzuteilen. Die Verachtung für Menschen mit Behinderung, die manche Kommentatoren hier an den Tag legen ist bedrückend für mich, da ich selbst einen Bruder habe, der behindert ist. Eine Behinderung ist selbstverständlich eine Belastung für eine Familie und auch für den Betroffenen selbst, doch trotzdem verbringt man viele glückliche Momente zusammen. Eltern, die diesen Test machen und erfahren, dass ihr Kind das Down - Syndrom hat, treiben oft ab. Man spricht diesen Menschen das Lebensrecht ab, nur weil sie behindert sind. Ich hoffe, dass dieser Test nicht von der Kasse übernommen wird, da dadurch nur noch mehr Abtreibungen vorgenommen werden würden. Und an die Leute, die hier kommentieren, obwohl sie offenbar keine Ahnung von dem Thema haben, oder wie es ist, wenn man ein behindertes Familienmitglied hat: Sparen Sie sich die Zeit, die sie aufwenden, um hier ihre Kommentare zu verfassen. Sie regen nur die Leute auf, die Menschen mit Behinderungen kennen und schätzen!

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schwelle 18.08.2016, 21:16
72. @ vwl_marlene

Das ist ganz einfach zu erklären:
Bisher lehnen immer noch viele Schwangere die Fruchtwasseruntersuchung aufgrund des Risikos, egal wie klein es ist, ab. Wenn man aber durch den Bluttest das nun ganz risikolos feststellen kann, müssen sich die Eltern von T21-Kinder noch stärker rechtfertigen, warum sie das behinderte Kind nicht abtreiben haben lassen.

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a.weishaupt 18.08.2016, 21:43
73. Für manche...

...sind Kinder halt kein persönliches Accessoire, sondern es geht wirklich um Fortpflanzung. Und Kinder mit Down-Syndrom sind eine evolutionäre Sackgasse, mit ihnen endet die eigene Linie. Allein das könnte ich nicht akzeptieren. Es ist logisch und richtig, den Vorgang abzubrechen und es noch einmal zu versuchen, auch wenn das den wolkigen Vorstellungen mancher Ethikaffinen widerspricht.

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anna cotty 18.08.2016, 21:48
74.

Zitat von rita-bernhard.finger
Wenn die Eltern keinen Test machen, sollte Sie auch alle Kosten tragen die das Behinderte Kind verursacht. Warum soll ich mit meinen Steuern dafür aufkommen, wenn Eltern es toll finden ein Behindertes Kind zu haben.
Das ist genau die Einstellung vor der ich Angst habe und die man in Deutschland bestimmt haeufiger findet.
Und solche Leute wie Sie haben wahrscheinlich auch kein Problem, das den Eltern direkt zu sagen, wenn die mit ihrem behinderten Kind in der Oeffentlichkeit sind.

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supergrobi123 18.08.2016, 22:03
75.

Zitat von Freier.Buerger
Meine Nichte würde wahrscheinlich nicht leben, wenn es diesen Test schon früher gegeben hätte. Das wäre Schade für Sie und unsere Familie. Ich empfinde diese Festlegung auf unwertes Leben mittlerweile als widerlich.
Ja. Möglicherweise würde sie nicht leben, weil sie eben nie geboren worden wäre. Stattdessen hätten Sie jetzt wahrscheinlich eine gesunde Nichte, deren Leben nun leider ausbleibt. Vielleicht ja noch einen Neffen? Aber weil sich ihr(e) Bruder/Schwester aufgrund der Belastung durch das behinderte Kind gegen ein zweites entschied, bliebt auch ihm das Leben verwehrt? Wer weiß, wer weiß. Trisomi 21-Patienten werden heutzutage im Schnitt 60 Jahre alt. Bleiben aber in der Regel ihr Leben lang auf dem Entwicklungsstand eines 7jährigen. Solange sie noch klein und lustig und fröhlich sind, ist die Belastung noch okay. Vielleicht ändert sich die Sicht der Dinge in den folgenden 50 Jahren.

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achim.harry 18.08.2016, 22:07
76. Fruchtwasseruntersuchung ist erheblich teurer als Test

Bei den ganzen bisherigen Kommentaren wurde nicht erwähnt, dass eine Fruchtwasseruntersuchung mehr als 1.000 Euro (also fast das Dreifache des Tests) kostet und auf jeden Fall von der Krankenkasse bezahlt werden muss. Geht es heutzutage nicht auch darum, dass die Krankenkassen Geld einsparen wollen? Wie bereits mehrfach erwähnt, ist der Bluttest risikolos, während die Fruchtwasseruntersuchung ein zwar geringes, aber dennoch nicht zu unterschätzendes Fehlgeburtsrisiko birgt. Wir erwarten im nächsten Monat unser zweites Kind und haben den Test machen lassen. Nun liegen wir seit Monaten mit der Krankenkasse im Clinch, da diese sich weigert, die Kosten hierfür zu übernehmen. Also hätten wir wohl besser die invasive, risikoreichere und teurere Methode gewählt, damit die Krankenkasse dafür aufkommt. Was soll das denn für eine Logik sein? Außerdem geht es nicht darum, dass ein entsprechendes Ergebnis automatisch zu einer Abtreibung führen muss. Was Eltern in diesem Falle wollen ist Klarheit - ob die Schwangerschaft fortgeführt oder abgebrochen wird steht doch auf einem ganz anderen Papier. Das sollte jedes Paar für sich ganz alleine entscheiden können. Man hat nach der Diagnose genügend Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Es wäre viel schlimmer, bis zur Geburt gar nichts zu wissen und dann vor vollendeten Tatsachen zu stehen. Abgesehen davon - Eltern, die sich bewusst für ein behindertes Kind entscheiden (und die wird es immer wieder geben!), haben unseren aller größten Respekt. Doch wir würden auch nie jemanden verurteilen, der sich anders entscheidet. Also bitte, Klarheit für alle zum Nulltarif - andernfalls müsste auch die Fruchtwasseruntersuchung verboten werden!

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hdwinkel 18.08.2016, 22:11
77. Rechte

Zitat von balu2016
Ich habe mich extra registriert, um den anderen Leuten die hier kommentieren, meine Fassungslosigkeit mitzuteilen. Die Verachtung für Menschen mit Behinderung, die manche Kommentatoren hier an den Tag legen ist bedrückend für mich, da ich selbst einen Bruder habe, der behindert ist. Eine Behinderung ist selbstverständlich eine Belastung für eine Familie und auch für den Betroffenen selbst, doch trotzdem verbringt man viele glückliche Momente zusammen. Eltern, die diesen Test machen und erfahren, dass ihr Kind das Down - Syndrom hat, treiben oft ab. Man spricht diesen Menschen das Lebensrecht ab, nur weil sie behindert sind. Ich hoffe, dass dieser Test nicht von der Kasse übernommen wird, da dadurch nur noch mehr Abtreibungen vorgenommen werden würden...
Menschen mit Behinderung verdienen unsere volle Unterstützung, soweit auch völlig richtig. Das darf keine Frage des Geldes sein.
Aber ich kenne niemanden, der eine Behinderung als etwas Positives, Gewolltes wahrnimmt.
Was genau spricht denn jetzt wirklich dagegen, eine Geburt in einem Frühstadium, lange vor der Geburt zu verhindern, wenn denn klar ist, das es später eine Behinderung hat?
Hier wiegt die Entscheidung der Mutter (besser der Eltern) allemal höher als ein gesellschaftlicher Druck, eine Zeugung als etwas heiliges aufzufassen.

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frantonis 18.08.2016, 22:25
78. Wirtschaftliche Überlegungen

stehen hier im Vordergrund. Denn die Kassen haben ausgerechnet, dass ein Test billiger ist, als später für Down-Patienten die Kosten übernehmen zu müssen.
Aber solche Überlegungen hatten wir schon mal im vorigen Jahrhundert

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balu2016 18.08.2016, 23:00
79. @hdwinkel

Ich sage nicht, dass eine Behinderung etwas positives ist. Nur ist es in meinen Augen falsch, deswegen einen Menschen nicht leben zu lassen. Ich sehe Abtreibungen allgemein sehr kritisch, da man hier den Eltern das Recht gibt, über ein Leben zu bestimmen. Zu bestimmen, ob ein Leben lebenswert ist oder nicht. Und wenn man damit anfängt, wo zieht man die Grenze und warum zieht man sie dort? Warum ein Kind mit Trisomie 21 abtreiben und ein Kind, bei dem sich bei der Geburt Komplikationen ergeben haben, so dass es für den Rest seines Lebens behindert bleiben wird, leben lassen? Was macht das eine Leben lebenswert und das andere nicht? Und wer hat das Recht das zu entscheiden?

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