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Sepsis: Die tödliche Krankheit, die selbst Ärzte zu spät erkennen
Science Photo Library/ Getty Images

Michael Zimmerman ist seit einer Routine-OP blind, er verlor Fingerkuppen, beide Unterschenkel und das Sehvermögen. Sein Fall zeigt, was eine Sepsis anrichten kann - die dritthäufigste Todesursache in Deutschland.

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r-chop77 04.08.2019, 14:53
90. ...so viele Experten viele leider im falschen Beruf...

Bakterien im Blut mal schnell im Mikroskop finden...mit KI dem dummen von sich selbst eingenommenen Arzt die Richtung weisen...keine Haftung nach ausgefüllter Aufklärung...der Hausarzt kann nichts...lieber gleich den tollen Rettungssanitäter rufen (die haben auch immer so tolle Uniformen an)...am besten die 112 bei jedem Patienten mit Fieber, Schüttelfrost und Krankheitsgefühl und dann sofort Labor, Bildgebung etc. (dann viel Spaß bei der nächsten Grippewelle)...es ist immer wieder interessant welchen Quatsch solche tendenziösen Artikel Vorschub leisten...die Schwierigkeit am Arztberuf ist die Fähigkeit zur Differenzierung...das scheint beim geschilderten Fall leider nicht gut funktioniert zu haben (und nein es ist nicht die Regel das das nicht funktioniert)...hat aber nichts mit einem Systemfehler zu tun sondern liegt wahrscheinlich an den handelnden Personen...mir sind jedenfalls keine Limitationen in unserem Gesundheitssystem bekannt die verhindern würden einen septischen Patienten adäquat zu diagnostizieren und zu behandeln....man muss es halt nur machen...

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postit2012 04.08.2019, 15:03
91. Das liegt daran, dass die Todesursachenstatistik seit jeher von der

Zitat von thobie2
Das hängt damit zusammen, dass vielfach andere Todesursachen erfasst werden. Wenn ein Patient eine Lungenentzündung hat und daran verstirbt, wird als Todesursache eben die Lungenentzündung erfasst. Gestorben ist der Patient aber an der Sepsis, die sich in Folge der Lungenentzündung entwickelt hat.
Fiktion der Monokausalität (d. h. der Annahme einer EINZIGEN Todesursache) ausgeht. Die Sepsis ist aber fast immer der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Bei Konzentration auf die vorgelagerte, "eigentliche", Ursache (z. B. Unfall), bleibt sie in der Statistik zwangsläufig unsichtbar. Abhilfe könnte hier nur die Abkehr von der Monokausalität schaffen. Sie hätte allerdings auch ihre Nachteile und würde letzten Endes in der Forderung nach Mortalitätsregistern enden (die ich als Statistiker allerdings sehr begrüßen würde).

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interessierter Laie 04.08.2019, 20:06
92. @spon_12

das Problem sind sie sehr unspezifischen Symptome und die Tatsache, dass in unseren tollen Gesundheitswesen den Göttern Bürokratie und Datenschutz Menschenopfer dargebracht werden. Der Notarzt weiß dadurch gar nichts über den Patienten. Selbst der Arzt bekommt wichtige Information zu spät. Eine Sepsis wartet aber nicht auf bürokratische Mühlen. Da geht es wie die Statistik zeigt um wenige Stunden, die über Leben und Tod entscheiden.

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ambjoernsen 04.08.2019, 20:23
93.

Zitat von Mentor 54
Für mich besteht der Skandal nicht in den ärztlichen Kunstfehlern (Ärzte sind auch nur Menschen, und Menschen machen halt Fehler), sondern wie im Folgenden aus Angst vor versicherungstechnischen und haftungsrechtlichen Konsequenzen damit umgegangen wird.
Besser kann man es nicht zusammenfassen. Ein/e Forist/in, die in ganz knappen Sätzen alles zu dem Thema sagt. Chapeau!

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Hamberliner 04.08.2019, 20:31
94. arrogant?

Zitat von roflxd
"Der Arzt sei pfeifend ins Haus gekommen und habe gefragt: "Was hat der Bub denn?", erinnert sich Zimmermann, der zu diesem Zeitpunkt keineswegs ein Bub ist, sondern ein 44-jähriger Mann, Vorgesetzter von 15 Mitarbeitern." Ich glaube Zimmermann. Es ist kein Geheimnis, dass die größte Berufskrankheit der Ärzte grenzenlose Arroganz ist. Sieht man sich die Fehler der Ärzte in diesem Fall an, wird deutlich, dass sie die Letzten sind, die sich Hochmut leisten können.
Ich finde trotz aller Tragödie die Streitigkeiten um diesen Auftritt superlustig und habe mich sehr amüsiert.

Dass grundsätzlich alle Ärzte immer arrogant seien kann ich nicht bestätigen. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, dass manche zum Selbstschutz scheinbar arrogant werden wenn man als Laie ihnen gar nichts anderes übrig lässt weil man sie nicht als Fachleute ernst nimmt und meint es besser zu wissen. Wenn man die Wikipedia mit dem Pschyrembel verwechselt. Ich habe auch etwas fast genauso anspruchsvolles studiert und promoviert und keine Probleme einem Fachmann zu vertrauen. Vielleicht sind deswegen Ärzte nicht arrogant zu mir. Wenn man einem Fachmann nicht vertraut ist das auch kein Grund ihn mit offenem Misstrauen zu beleidigen und in die Arroganz zu treiben, sondern sich ganz einfach kommentarlos einen anderen zu suchen.

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spon_12 04.08.2019, 21:54
95.

Zitat von interessierter Laie
das Problem sind sie sehr unspezifischen Symptome und die Tatsache, dass in unseren tollen Gesundheitswesen den Göttern Bürokratie und Datenschutz Menschenopfer dargebracht werden. Der Notarzt weiß dadurch gar nichts über den Patienten. Selbst der Arzt bekommt wichtige Information zu spät. Eine Sepsis wartet aber nicht auf bürokratische Mühlen. Da geht es wie die Statistik zeigt um wenige Stunden, die über Leben und Tod entscheiden.
Das weiß ich - ich selbst bin im Übrigen ein Befürworter davon, dass nicht jeder Arzt alles wissen muss. Mir scheint allerdings, dass die Sepsis -obwohl offensichtlich statistisch gesehen ein wahrer Killer - doch recht häufig stiefmütterlich behandelt wird. Das Thema kommt ja nun dieses Jahr auch nicht das erste Mal auf.

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interessierter Laie 04.08.2019, 22:56
96. @spon_12

Es geht nicht darum, dass jeder Arzt alles wissen muss, aber die Sepsis ist in einem System, in dem wichtige Information zu langsam fließt, besonders gefährlich. Wie gesagt: Die Symptome sind oft relativ unspezifisch und von den ersten Anzeichen bis zu einem akuten Todesrisiko vergehen nur einige Stunden. In vielen Fällen gibt es eine Vorgeschichte - eine OP bspw. Dieses Wissen ist wichtig. Es ist wie in der Kriminalistik. Niemand würde darauf kommen, jeden, der mit Tasche oder Rucksack schnell durch die Stadt läuft, als möglichen Bankräuber festzunehmen, aber wenn das in der Nähe eines Tatorts passiert schon.

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raimondo.civetta 05.08.2019, 00:21
97. Wegschauen

Zwei Medizinern, welche sich in einer an jenem Ort unerwarteten Sprache unterhielten, konnte ich beim Zuhören erstaunlich klare Aussagen entnehmen. Zusammengefasst meinte der eine, der sehr wahrscheinlich Orthopäde war, dass er gelegentlich nach eigenen Kriterien entscheide, ob und wie weit er sich um komplex oder akut erkrankte Patienten kümmert. Er habe die Erfahrung gemacht, dass Wegschauen eher "unproblematisch" sei. So könne er sich öfter mit in seine Laufbahn passenden, "interessanten" Fällen befassen. Sein Kollege schien ihm nicht zu widersprechen. Ich selbst bin noch heute schockiert, 9 Jahre nach dieser Ernüchterung.

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matteo51 05.08.2019, 09:02
98. System

Zitat von r-chop77
Bakterien im Blut mal schnell im Mikroskop finden...mit KI dem dummen von sich selbst eingenommenen Arzt die Richtung weisen...keine Haftung nach ausgefüllter Aufklärung...der Hausarzt kann nichts...lieber gleich den tollen Rettungssanitäter rufen (die haben auch immer so tolle Uniformen an)...am besten die 112 bei jedem Patienten mit Fieber, Schüttelfrost und Krankheitsgefühl und dann sofort Labor, Bildgebung etc. (dann viel Spaß bei der nächsten Grippewelle)...es ist immer wieder interessant welchen Quatsch solche tendenziösen Artikel Vorschub leisten...die Schwierigkeit am Arztberuf ist die Fähigkeit zur Differenzierung...das scheint beim geschilderten Fall leider nicht gut funktioniert zu haben (und nein es ist nicht die Regel das das nicht funktioniert)...hat aber nichts mit einem Systemfehler zu tun sondern liegt wahrscheinlich an den handelnden Personen...mir sind jedenfalls keine Limitationen in unserem Gesundheitssystem bekannt die verhindern würden einen septischen Patienten adäquat zu diagnostizieren und zu behandeln....man muss es halt nur machen...
Sorry. DOCH - da sind mehrere Fehler im System. Es geht nicht nur um Mediziziner und Krankenhäuser als solche, sondern um Geld, Geld einsparen und auch, wer heute Mediziner wird, wie diese in/an den Krankenhäusern ausgebildetet werden, wie die Arbeitsumstände in Kliniken für ausgebildete Ärzte sind, wer Chefarzt ist, wie die Krankenkassen (auch ein System am/im System) agieren, wie der Personalstand ist, wie dies berechnet wird, es geht auch um das Thema Pflegenotsand, es geht um das gesamte GesundheitsSYSTEM, welches eigentlich mal FÜR den Menschen und zwar für JEDEN Menschen entwickelt wurde. Soche Schicksale wie dieses hier zeigen die Auswirkungen des Systems. Diese Schicksale sind SYMPTOME, an denen sich zeigt, wie das SYSTEM krankt.
Es müsste also an vielen Schräubchen gedreht werden. Und - selbst erlebt und oft im Alltag Zeuge (da ich in einer Klinik arbeite), die Haltung der Mediziner dem Menschen gegenüber. Viele sind sehr zugewandt und empathisch, es gibt aber eben auch die anderen.

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Hupert 05.08.2019, 09:29
99. Richtig...

Zitat von interessierter Laie
das Problem sind sie sehr unspezifischen Symptome und die Tatsache, dass in unseren tollen Gesundheitswesen den Göttern Bürokratie und Datenschutz Menschenopfer dargebracht werden. Der Notarzt weiß dadurch gar nichts über den Patienten. Selbst der Arzt bekommt wichtige Information zu spät. Eine Sepsis wartet aber nicht auf bürokratische Mühlen. Da geht es wie die Statistik zeigt um wenige Stunden, die über Leben und Tod entscheiden.
...umso erstaunlicher ist es, dass es funktionierende Schnelltestgeräte gibt, z.Bsp. das schwedische Q-Linea ASTar, die eine schnelle Diagnose vor Ort und ohne angeschlossene Laborstrukturen, an denen am Wochenende keiner arbeitet, ermöglichen. Diese könnten auch vom regulären Stationspersonal bedient werden.

Vielen Dank an SPON für die Thematisierung dieser weitestgehend vermeidbaren Krankheit.

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