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Stoffwechsel beim Sport: Der Irrglaube vom schädlichen Laktat
DPA

Laktat macht Muskeln müde und hilft dabei, das Training zu steuern, schallt es durch viele Sportvereine. Alles Quatsch, weiß die Wissenschaft heute. Laktattests bringen kaum etwas. Außerdem stärkt der Milchzucker den Körper - und kann sogar ähnlich wirken wie ein Höhentraining.

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ollifast 08.06.2013, 10:21
1. Stark vereinfacht

Der Autor sagt Fachleuten nichts Neues, die Spirometrie ist erfunden. Trotzdem sind Laktattests sinnvoll, wenn man sie im Längsschnitt (d.h. bei einem bestimmten Athleten in bestimmten Abständen) durchführt und zumindest anfänglich eine Spirometrie mitlaufen lässt.

Außerdem ist die Mader-Schwelle nicht mehr State of the Art, es gibt flexiblere Verfahren (Freiburg Modell, Dickhut, Stegmann usw.).

Denn dann kann man die Laktatwerte in Relation zu einer Spiro setzen und die weitere Entwicklung im Rahmen des Trainings am Laktat und der Pulsfrequenz alleine festmachen, was beides sich mit wesentlich geringerem technischen Aufwand bestimmen lässt.

Leider streut der Artikel viel Unsicherheit auch bezüglich der Bedeutung des Laktats, dabei ist es mit wenigen Worten erklärt: Es gibt grundsätzlich zwei wichtige Stoffwechselwege für die Verbrennung von Kohlehydraten: Aerob, wenn genügend Sauerstoff da ist, dann kommt am Ende wirklich nur CO2 und Wasser raus. Anerob, wenn die Puste ausgeht, dann kippen die Muskelzellen Laktat ins Blut ab, welches in der Leber mit Zusatzaufwand wieder in eine Zuckerform zurückverwandelt wird. Damit können die Muskeln trotzdem eine gewisse Zeit lang auch unter derlei schlechten Bedingungen hohe Leistungen bringen. Die Spezies, die das nicht konnten, sind dem bösen Säbelzahntiger zum Opfer gefallen.

Daraus kann man sehr wohl ableiten, was gerade bei der Verstoffwechselung im Körper geschieht, wenn man eben für diesen Sportler die Eckparameter aus besagten anderen Tests kennt. Da machen regelmäßige Testwiederholungen dann Sinn.

Man muss auch nicht eine halbe Stunde auf dem Band für ein Steady State (stabiler Laktatspiegel) laufen, wie man das auch bei 3 Minuten Stufendauer gut abschätzen kann, lernt man im Studium. Aber nicht im Trainer-Redakteurs-Studioangestellten-Schnellkurs.

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DieButter 08.06.2013, 11:32
2. Ähm Laktatazidose??

Ja, schön, daß Laktat an sich ja auch was feines sein kann. Dummerweise macht zuviel davon leider das Blut etwas sauer. Der sogenannte pH-Wert fällt dann ab und der Körper muss gegensteuern, damit das System nicht umkippt.
Also ganz so gefahrlos verhält es sich mit dem Laktat auch wieder nicht.
Daß heutige Tests noch nicht ausgereift wären, ist dagegen ein Gerücht - hier wird der Zustand vor Jahrzehnten mal dargestellt.
Nichtdestotrotz ist richtig, daß in der Bevölkerung noch der Irrglaube sehr verbreitet ist, daß der Muskelkater etwas mit der Laktatkonzentration zu tun hätte, welcher eher von Mikrofaserrissen der gestreiften Muskulatur herrührt und dem Protonenspiegel.

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CaptainSpock 08.06.2013, 12:13
3. anaerobe Schwelle = Dauerleistungsgrenze

bei uns im Medizinstudium wird es immer noch so gelehrt, dass über dem Wert von 4 mmol/l Laktat, der sogenannten anaeroben Schwelle, der Körper ermüdende Arbeit verrichtet. Was ja auch Sinn macht, denn warum sonst verschiebt sich die Laktatkurve nach rechts, wenn man Leistungsportler ist? Sprich ein bestimmter Laktatwert wird nach intensivem Training erst bei sehr viel höherer Belastung erreicht, weswegen der Sportler auch länger durchhält. Macht ja auch Sinn, denn wie mein Vorgänger schreibt, kommt es durch das vermehrte Laktat zur metabolischen Azidose! Folge ist Hyperventilation um die überschüssige Säure abzuatmen und ein zu hoher Kaliumwert, da Protonen aus der Säure an den Zellen verstärkt gegen Kalium ausgetauscht werden.Ich zweifel also keineswegs daran, dass man bei einem hohem Laktatwert die sportliche Betätigung früher abbrechen muss, weil weder eine Azidose noch eine Hyperkaliämie gesund sind. Also ist Laktat in gewisser Weise schon schädlich!

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ollifast 08.06.2013, 12:47
4.

Zitat von CaptainSpock
bei uns im Medizinstudium wird es immer noch so gelehrt, dass über dem Wert von 4 mmol/l Laktat, der sogenannten anaeroben Schwelle, der Körper ermüdende Arbeit verrichtet. Was ja auch Sinn macht, denn warum sonst verschiebt sich die Laktatkurve nach rechts, wenn man Leistungsportler ist?
Die Schwelle von 4mmol/l ist nicht fix, die hängt u.a. von der weitgehend genetisch festgelegten Verteilung der Muskelfasertypen (FT vs. ST, "zum Sprinter wird man geboren") ab.

Ebenso lässt sich die Laktattoleranz und damit das Puffersystem (Bicarbonatpuffer) trainieren, aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man auch mit gemessenen 7 mmol/l noch ganz gut Fußball spielen kann. Die Rechtsverschiebung wiederum kann auf einen besseren Trainingszustand hindeuten, oder auf falsche Ernährung vor dem Test. Hingegen ist ein kaum sichtbarer "Knick" der Kurve ein recht deutlicher Indikator für, ähm, "Couchpotato mit Trainingsbedarf". Es kommt also drauf an, was man aus dem Test macht.

Das mit der Azidose ist richtig, wegen des Puffers tritt der Effekt aber mitunter recht schlagartig auf, was man im Spielsport bei Spielern mit schlechter Ausdauer zum Ende des Spiels hin teilweise gut beobachten kann: Kein Ball will mehr rein, weder ins Tor noch in den Korb. Der pH Wert sinkt da recht schlagartig ab, was die Ansteuerung der Muskeln erheblich stört (Ca-Kanäle) und die eingelernten Bewegungsmuster entgleiten lässt.

Ermüdung ist aber definitiv nicht nur Laktat und Azidose, es gibt viele andere Gründe, z.B. zentralnervöse Ermüdung. Das Ganze ist ein recht komplexes System und alles hängt alles lustig miteinander zusammen, die Schwellwerte sind hochgradig individuell. Deshalb nimmt man die fixen 4mmol/l heute nur noch dann, wenn es simpel sein soll, und weiß um die begrenzte Aussagekraft.

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klendathu2 08.06.2013, 13:00
5. leider...

Zitat von ollifast
Deshalb nimmt man die fixen 4mmol/l heute nur noch dann, wenn es simpel sein soll, und weiß um die begrenzte Aussagekraft.
Leider stimmt dies nicht, die Mehrheit der Anbieter nutzt Stufentest + 4mmol/l (oder andere willkürliche Punkte/Modelle) vollkommen unreflektiert und ohne darauf hinzuweisen, daß dieser Methode ein wahnsinnig großer Fehler anhaften kann. Verkaufen es eher nach wie vor noch als unfehlbares Testfverfahren, was im Endeffekt schon Betrug nahe kommt...
Für den Laien aber natürlich auch schwer zu durchschauen, was man ihm da antut.

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c--3po 08.06.2013, 14:36
6. Nun weiß ich, …

Zitat von ollifast
Der Autor sagt Fachleuten nichts Neues, die Spirometrie ist erfunden. Trotzdem sind Laktattests sinnvoll, wenn man sie im Längsschnitt (d.h. bei einem bestimmten Athleten in bestimmten Abständen) durchführt und zumindest anfänglich eine Spirometrie mitlaufen lässt. Außerdem ist die Mader-Schwelle nicht mehr State of the Art, es gibt flexiblere Verfahren (Freiburg Modell, Dickhut, Stegmann usw.). Denn dann kann man die Laktatwerte in Relation zu einer Spiro setzen und die weitere Entwicklung im Rahmen des Trainings am Laktat und der Pulsfrequenz alleine festmachen, was beides sich mit wesentlich geringerem technischen Aufwand bestimmen lässt. Leider streut der Artikel viel Unsicherheit auch bezüglich der Bedeutung des Laktats, dabei ist es mit wenigen Worten erklärt: Es gibt grundsätzlich zwei wichtige Stoffwechselwege für die Verbrennung von Kohlehydraten: Aerob, wenn genügend Sauerstoff da ist, dann kommt am Ende wirklich nur CO2 und Wasser raus. Anerob, wenn die Puste ausgeht, dann kippen die Muskelzellen Laktat ins Blut ab, welches in der Leber mit Zusatzaufwand wieder in eine Zuckerform zurückverwandelt wird. Damit können die Muskeln trotzdem eine gewisse Zeit lang auch unter derlei schlechten Bedingungen hohe Leistungen bringen. Die Spezies, die das nicht konnten, sind dem bösen Säbelzahntiger zum Opfer gefallen. Daraus kann man sehr wohl ableiten, was gerade bei der Verstoffwechselung im Körper geschieht, wenn man eben für diesen Sportler die Eckparameter aus besagten anderen Tests kennt. Da machen regelmäßige Testwiederholungen dann Sinn. Man muss auch nicht eine halbe Stunde auf dem Band für ein Steady State (stabiler Laktatspiegel) laufen, wie man das auch bei 3 Minuten Stufendauer gut abschätzen kann, lernt man im Studium. Aber nicht im Trainer-Redakteurs-Studioangestellten-Schnellkurs.
… dass es nicht stimmt, dass Leonardo da Vinci der letzte Universalgelehrte war. Es gibt sie auch heute noch tausendfach. Man findet sie am ehesten in Foren.

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vinzenz 08.06.2013, 15:01
7. Leistungsdiagnostik

ist eine Sau, die durchs Dorf getrieben wird - um (Hobby)Sportlern das Geld aus der Tasche zu ziehen - Überspitzt ausgedrückt.
Egal, ob Laktat oder Spiro, es stellt eine Momentaufnahme des Stoffwechselgeschens dar, abhängig von der Enährungslage, sportlicher Vorbelastung etc.. und dann wird 1x im Frühjahr getestet, und der Hobbysportler verlässt sich sklavisch an die ermittelten Werte.. (samt piepsende rPulsuhr)..
Exakt wird das ganze nur durch regelmässige Wiederholungen der Testest - und was vielen immer mehr abhanden kommt... ein wenig Körpergefühl..

oder, noch einfacher.. sich einen langen , möglichst gleichmässigen Anstig suchen, und z.B. mit dem Rad in der Geschwindigkeit hochfahren, die man längere Zeit hochfahren Könnte (ca 1h).. dann sollte man sich gut an der Schwelle befinden...

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rainer/zufall 08.06.2013, 15:44
8.

Zitat von CaptainSpock
bei uns im Medizinstudium wird es immer noch so gelehrt, dass über dem Wert von 4 mmol/l Laktat, der sogenannten anaeroben Schwelle, der Körper ermüdende Arbeit verrichtet. Was ja auch Sinn macht, denn warum sonst verschiebt sich die Laktatkurve nach rechts, wenn man Leistungsportler ist? Sprich ein bestimmter Laktatwert wird nach intensivem Training erst bei sehr viel höherer Belastung erreicht, weswegen der Sportler auch länger durchhält. Macht ja auch Sinn, denn wie mein Vorgänger schreibt, kommt es durch das vermehrte Laktat zur metabolischen Azidose! Folge ist Hyperventilation um die überschüssige Säure abzuatmen und ein zu hoher Kaliumwert, da Protonen aus der Säure an den Zellen verstärkt gegen Kalium ausgetauscht werden.Ich zweifel also keineswegs daran, dass man bei einem hohem Laktatwert die sportliche Betätigung früher abbrechen muss, weil weder eine Azidose noch eine Hyperkaliämie gesund sind. Also ist Laktat in gewisser Weise schon schädlich!

Das Studium ist nun mal nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern gibt das Wissen meistens erst mit einer Verzögerung von einigen Jahren weiter.
Es dauert nun mal seine Zeit bis neue Erkenntnisse den Weg in die Lehrbücher und den Wissensfundus von Professoren gefunden haben.

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havarie 08.06.2013, 16:55
9.

Zitat von rainer/zufall
Das Studium ist nun mal nicht der Weisheit letzter Schluss, sondern gibt das Wissen meistens erst mit einer Verzögerung von einigen Jahren weiter. Es dauert nun mal seine Zeit bis neue Erkenntnisse den Weg in die Lehrbücher und den Wissensfundus von Professoren gefunden haben.
Das ist natürlich wahr, allerdings wird in einigen Fällen (siehe z.B. die Mär vom guten/bösen links/rechts-drehenden Thalidomid oder aber die maßlos überschätzte Gefährdung durch Ethidiumbromid um mal welche zu nennen) in der Wissenschaft jahrzehntelang nicht-fundiertes oder längst widerlegtes "Wissen" munter weitergegeben.

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