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Studie Einsamkeit: Wer allein lebt, hat häufiger Depressionen und Ängste
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Alleinleben erhöht das Risiko für psychische Erkrankungen. Das legt eine neue Studie nahe. Besonders betroffen sind Menschen, die sich zusätzlich einsam fühlen. Doch es gibt Mittel dagegen.

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matthias.ma 02.05.2019, 13:06
1. Zusätzlicher Faktor

Ich denke es ist nicht nur so, dass Menschen mit Ängsten und Depressionen sich zurückziehen und/oder alleinlebende depressiv werden und Ängste entwickeln. Hinzu kommt, dass viele Leute nicht bereit sind, mit depressiven und/oder angstgetriebenen Menschen zusammenzuleben. Das ist nämlich eine erhebliche Belastung, die sich nicht jeder antun möchte. Schon das Zusammenleben mit einer Frau mit den normalen PMS-Phasen und Männern mir Midlife-Crisis ist anstrengend genug. Zusätzlichen Problemen geht man da doch gerne aus dem Weg.

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zeichenkette 02.05.2019, 13:26
2. Hmm

Wenn die gesteigerte Wahrscheinlichkeit einer psychischen Erkrankung nur (oder hauptsächlich) dann vorliegt, wenn jemand, der alleine lebt, sich auch einsam fühlt, dann spricht das doch eher dafür, dass das NICHT daran liegt, dass jemand alleine lebt, oder? Denn wenn das allein daran läge, dass Menschen alleine leben, träfe dieser Zusammenhang auch für die zu, die sich dabei nicht einsam fühlen. Dieser Absatz hier scheint mir also genau die verkehrte Schlussfolgerung zu ziehen:

"Die Studie zeige jedoch nicht, ob das Alleinleben auch die Ursache der beobachteten Erkrankungen ist, schränken die Forscher das Ergebnis ein. Dafür spricht allerdings, dass der statistische Zusammenhang zwischen dem Alleinleben und Erkrankungen vor allem bei den Menschen bestand, die sich einsam fühlten."

Davon abgesehen: Allein leben (also in einem Ein-Personen-Haushalt) kann so viele Ausprägungen annehmen, dass der Schluss auf Einsamkeit nicht so einfach ist. Das sind teilweise Leute, die arbeitslos sind und keine Beziehung und keine Freunde haben, teilweise aber auch Leute, die jeden Tag arbeiten und eine Beziehung haben und viele Freunde und ständig Leute treffen, aber halt gerne die Tür hinter sich zu machen können möchten, wenn sie ihre Ruhe haben wollen. Es wäre mal interessant, allein die Ausprägung "lebt allein und ist arbeitslos" näher zu untersuchen, das ist aufgrund der dann massiv zurückgehenden Sozialkontakte durch die fehlende Arbeit und der dann noch weiter zurückgehenden Sozialkontakte aufgrund von fehlendem Geld (und Scham durch Armut) oft der Auslöser für Vereinsamung. Leute mit Arbeit und Geld (und damit Freizeitgestaltung, Hobbies, Reisen, Selbstbewusstsein) sind selten wirklich einsam, auch wenn sie allein in einem Haushalt leben. Aber klar, letztlich ist das wieder nur die übliche völlige Atomisierung der Gesellschaft durch die völlige Ökonomisierung (ohne Geld geht nix) von allem. Ob für Depressionsanfällige Zwangskollektivierung die Lösung wäre, kann man allerdings auch bezweifeln...

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dasfred 02.05.2019, 13:29
3. Klassisches Henne Ei Problem

Wie schon im Beitrag erwähnt, sagt die Studie wenig darüber aus, ob sich Menschen mit Neigung zur Depression eher zurückziehen, oder ob das allein leben die Depression verursacht. Dazu kommt wohl auch, dass Menschen in Beziehungen leichte Depressionen durch Gespräche mit dem Partner überwinden können, während andere dann doch eher den professionellen Gesprächspartner aufsuchen. Allerdings ist es zwar interessant, Zusammenhänge zu suchen, die Ursachen im Einzelfall müssen aber immer individuell erforscht werden. Die hier geforderten Begegnungsräume scheinen mir nur eine schöne Utopie zu sein. Genutzt wird soetwas ja in erster Linie von Menschen, die von vornherein Geselligkeit suchen. Je einsamer ein Mensch ist, desto höher wird die Hemmschwelle, solche Einrichtungen aufzusuchen. Das Gefühl, dort ausgegrenzt zu sein, überlagert den Wunsch nach Gesellschaft. Dazu kommt, das in früheren Gemeinschaften Generationen zusammengelebt haben. Heute, wo Singles in die Großstadt ziehen, gibt es die Fixierung auf die eigene Altersgruppe, den gleichen sozialen Status und ähnliches. Das schließt von vornherein die meisten Kontaktmöglichkeiten stark ein. Ein weiterer Aspekt, den Alleinlebende für sich erkennen können ist, dass sie für niemanden Verantwortung tragen und keinem zur Rechenschaft verpflichtet sind. Das ist für den einen eine Befreiung, für den nächsten aber eine Belastung.

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curiosus_ 02.05.2019, 13:32
4. Vielleicht auch mit ein Grund, warum..

Zitat von matthias.ma
Ich denke es ist nicht nur so, dass Menschen mit Ängsten und Depressionen sich zurückziehen und/oder alleinlebende depressiv werden und Ängste entwickeln. Hinzu kommt, dass viele Leute nicht bereit sind, mit depressiven und/oder angstgetriebenen Menschen zusammenzuleben. Das ist nämlich eine erhebliche Belastung, die sich nicht jeder antun möchte. Schon das Zusammenleben mit einer Frau mit den normalen PMS-Phasen und Männern mir Midlife-Crisis ist anstrengend genug. Zusätzlichen Problemen geht man da doch gerne aus dem Weg.
..sich die Veranlagung zu Ängsten und Depressionen so lange evolutionsbiologisch halten konnte. Bis vor kurzem war noch der Zusammenhalt in der Sippe (Familie plus Verwandtschaft) so stark, dass sich die Frage "will ich mit depressiven und/oder angstgetriebenen Menschen zusammenleben" gar nicht stellte, das war selbstverständlich. Womit diese zwangsläufig stabilisiert wurden.

Wenn man außerdem noch annimmt, dass "depressive und/oder angstgetriebene Menschen" (bzw. ihre minderschweren Fälle) für eine Gemeinschaft evolutionsbiologische Vorteile bringt (weil sie sich z.B. mehr und intensiver mit potentiellen Gefahren beschäftigen und solange die Gemeinschaft sie auffängt), dann könnte das Krankheitsbild (als Extremum einer zunächst mal pos. Eigenschaft) evolutionsbiologisch durchaus von Vorteil sein.

In einer Gesellschaft aber, bei der fast jeder ein Einzelkämpfer ist und das persönliche Wohlergehen sowie der persönliche Vorteil im Vordergrund steht dürft sich das "Problem" von selbst erledigen. Mangels Nachwuchs sollte dann die Veranlagung dazu über kurz oder lang aussterben.

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thomas_storck 02.05.2019, 13:55
5. Aber die Deutschen können sich gegenseitg nicht leiden

deshalb ist Distanz zueinander das erste Gebot.
Das alles erschwert das Dilemma, das Problem wird sicher zunehmen und bald jeden erreichen.

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norgejenta 02.05.2019, 13:57
6. Leute wählt doch mal fotos aus

die realistisch sind. ich kenn keinen der jung, gutaussehend, allein und dazu noch depressiv ist. Vom finanziellen Einkommen red ich jetzt mal gar ned. Ich denk mal, das werden auch viele , sehr viele, Geschiedene sein im Alter um die 40 bis 50.. Die sind am Flirtingmarkt nicht unbedingt hochgehandelt. Oder auch Männer die mit dem Alter noch nicht unter der Haube sind. Da wird man recht verschroben, allerdings die Mädels auch....:)

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sanhe 02.05.2019, 14:49
7. Wenig hilfreich

Zitat von norgejenta
die realistisch sind. ich kenn keinen der jung, gutaussehend, allein und dazu noch depressiv ist. Vom finanziellen Einkommen red ich jetzt mal gar ned. Ich denk mal, das werden auch viele , sehr viele, Geschiedene sein im Alter um die 40 bis 50.. Die sind am Flirtingmarkt nicht unbedingt hochgehandelt. Oder auch Männer die mit dem Alter noch nicht unter der Haube sind. Da wird man recht verschroben, allerdings die Mädels auch....:)
Ihr Kommentar ist alles andere als hilfreich und zeigt, dass Sie sich null-komma-null mit den psychologisch-/soziologisch-fachlichen Hintergründen von Einsamkeit beschäftigt haben.
Aber Hauptsache sich plump und dreist über die Betroffenen lustig machen und an Äußerlichkeiten/Materiellem festmachen, passt irgendwie zu Großteilen der heutigen oberflächlichen Gesellschaft.

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Braveheart Jr. 02.05.2019, 15:28
8. Masseneinsamkeit ist eine recht junge Erscheinung. Ich gehöre ...

... zur Nachkriegsgeneration, und bis in die 70er Jahre waren Verwandschaftstreffen zu den diversen Geburtstagen eigentlich die Regel. Dann wurden die Photoalben herausgeholt (mit Bildern von vor 50 Jahren) und man rätselte ob die kleine verwuschelte Person neben Onkel Hans aus Gotha nun Tante Lilli (seine zweite Ehefrau) oder das Bärbel von Nebenan (Schulfreundin) war. Zuletzt aber waren es immer mehr Beerdigungen statt Geburtstage und die Alben blieben in der Kiste. Die jüngeren Generationen (ab 68er) haben irgendwie das Verwandschafts-Gen nicht mitgekriegt (und das Vereins-Gen auch nicht). Die Folge ist, daß Sozialkontakte oft auf die eigene Generation beschränkt sind; Und wenn man älter wird und der Eine stirbt weg, der Andere zieht weg, der Dritte bricht die Verbindung aus irgend einem Grund ab ... da werden auch Menschen, die Zeit ihres Lebens gerne allein waren (weil sie größere Gruppen nur in homöophatischen Dosen vertragen) irgendwann einsam ... und am Ende steht der von keinem Beistand begleitete Tod im Krankenhaus oder Altenheim; Eine Aussicht, die einen wirklich depressiv stimmen kann!

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hwmueller 02.05.2019, 15:28
9. Um der Banalität dieser Studien noch eins

drauf zu setzen: Wer in einer Gemeinschaft lebt, ist schnell Opfer von Zwängen und ein Garant dafür, nie sich selbst finden zu können.
Die einen sind im besten Fall gesellige Spassmacher, die anderen selbstbewusste Individuen mit stürmischem Innenleben.
Der Kollektivzwang und die Heroisierung desselben ist Ausdruck tiefer Angst vor dem eigenen Leben und Sterben.
Nicht umsonst habe alle Religionen das Ideal der Askese. Was dagegen sind Depressionen?
Hürden, Prüfungen zu einem ge- und besonderen Leben.

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