Forum: Gesundheit
Suchterkrankungen: Was Zigaretten mit TTIP zu tun haben
REUTERS

Das "Jahrbuch Sucht" dokumentiert, wie viele Menschen in Deutschland an einer Abhängigkeit leiden. Aktuell beschäftigen sich die Experten auch mit dem umstrittenen Freihandelsabkommen TTIP.

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Reza Rosenbaum 03.05.2016, 19:35
10. Schlechte Gesetze machen schlechte Klagen

Zitat von AxelSchudak
Es stimmt zwar, das der Aspekt "indirekte Enteignung" die Wirkung von Gesetzten auf dem Marktwert eines "Investments" Entschädigungspflichtig machen kann. Es gibt aber dazu zumindest hierfür eine Zusatzklausel in Annex 8-A.3 (S 331): "3. For greater certainty, except in the rare circumstance when the impact of a measure or series of measures is so severe in light of its purpose that it appears manifestly excessive, non-discriminatory measures of a Party that are designed and applied to protect legitimate public welfare objectives, such as health, safety and the environment, do not constitute indirect expropriations." Wenn also "legitime öffentliche Ziele" betroffen sind, gilt diese Klausel nicht. Es bleibt den Anwälten natürlich immer noch, das "legitim" zu bestreiten oder als "offensichtlich exzessiv" (manifestly excessive) zu bewerten, und schon ist zumindest der Prozess wieder in Gang und kann so einige Millionen kosten. Das ist auch ein Hauptkritikpunkt des Gutachtens der für dir britische Regierung gemacht wurde - das hohe Kosten alleine aufgrund von Verfahren verursacht werden, die wenig bis keine Aussicht auf Erfolg haben. PM könnte also vermutlich klagen, würde aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am Ende scheitern. Zumindest mit CETA.
Wenn Staaten beschliesen, dass sie das Rauchen einschraenken wollen, sollen sie es einfach verbieten. Aber die Einnahmen aus der Tabaksteuer sind einfach zu verfuehrerisch. Man koennte auch einfach die Steuer so weit anheben, dass das Rauchen unerschwinglich wird. Aber man fuerchtet den Waehlerwillen. Da wird dann der schwarze Peter einfach an die Unternehmen weitergereicht, damit man seinen Waehlern verkaufen kann, man habe sich fuer die Gesundheit stark gemacht. "Plain Packaging" ist vermutlich durchaus exzessiv. Wenn die Regierung morgen beschliesst, unnoetiges Autofahren einzudaemmen um die Unfallzahlen zu senken, und das durch ein Gesetz macht, dass es den Herstellern verbietet, Markenmerkmale wie Markenemblem oder markenspezifisches Design zu verwenden, also vorschreibt, dass alle Autos gleich auszusehen haben und alle die gleiche Farbe haben muessen, moechte ich mal das Geschrei der Hersteller sehen.


Plain Packaging ueberlebt vermutlich auch keine Klage unter AU Gesetzen. In Deutschland waere so etwas unter nationaler Gesetzgebung auch kaum vorstellbar. PM nutzt hier ein Schiedsgericht in erster Linie um ein neutrales Forum zu haben, kaum weil es die einzige Rechtsgrundlage ist. Siehe RWE, E.on, Vattenfall.

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KaroXXL 03.05.2016, 19:36
11. Rauchen hat sich doch eh bald erledigt

Dank E-Zigarette, die jetzt hoffentlich auch medial endlich als gesunde (und besserschmeckende und billigere) Alternative, die sie defacto einfach ist, angepriesen wird und noch mehr Raucher zum Umsteigen bringt. Denn das rettet, was schwere Raucher angeht, Leben.

Ich frage mich warum über Zigaretten hier überhaupt noch so geredet wird als gäbe es nichts anderes und wäre es selbstverständlich.
Mal von den hunderten kreberregenden Stoffen des Tabaks und diversen zusätzlichen Inhaltstoffen abgesehen - wer gibt bitte pro Tag etwa 6 Euro für ne Schachtel Kippen aus??
Bin so froh das lange hinter mir zu haben..

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Reza Rosenbaum 03.05.2016, 19:41
12. Abschreckung

Zitat von AxelSchudak
Wir müssten unsere ganze Rechtskultur so ändern, das Schäden dem Verursacher RICHTIG weh tun. Das würde insbesondere notwendig, wenn das Nachsorgeprinzip der USA zum tragen kommt - denn mit den derzeitigen hiesigen Entschädigungsregeln schreckt man die US-Unternehmen nicht davon ab, gefährliche Stoffe und Produkte zu verwenden. An deren Stelle würde ich Europa explizit als Testgebiet nutzen um zu sehen, ob die Ware vielleicht gefährlich ist und für den US-Markt sicherer gemacht werden muss.
Man schreckt gar keine Unternehmen ab, nicht nur US Unternehmen. Dass Ihr Szenario vom "Austesten in Europa" so nicht stattfindet ist weniger dem "Verbaucherschutz" in Deutschland/Europa zu verdanken, als vielmehr den relativ kurzen Produktzyklen. Als Unternehmen haben Sie ot nur eine kurze Zeit, vielleicht ein paar Jahre, um mit einem Produkt (Auto, Maschine, Medikament, etc.) am Markt Profit zu machen. Da koennen Sie es sich, wenn Sie denn global operieren, schlicht nicht leisten, erst nur in einem Teil "auszuprobieren."

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Thagdal 03.05.2016, 20:05
13.

Zitat von mr.andersson
Ich sehe das wie sie. Das kriminalisieren der harten Drogen hat die Toten dort in Grenzen gehalten. Je einfacher Drogen zu bekommen sind, siehe ihr Beispiel Alkohol und Zigaretten, desto mehr konsumieren sie und sterben langfristig dran. Alkohol und Kippen als legale Drogen sind eben der unumstößliche Beweis, dass ein wesentlicher Teil der Bevölkerung mit Drogen einfach nicht umgehen kann. Und wer schon mit Alk nicht klarkommt wird mit sicherheit keine bessere Selbstkontrolle entwickeln, wenn er an die harten Sachen rankommt. Die massiven Restriktionen denen Kippen mittlerweile unterliegen haben die Anzahl der Neueinsteigern beim Rauchen deutlich gesenkt. Auch hier der Beleg: Je einfacher verfügbar, je präsenter im Alltag, desto mehr Konsumenten. Und damit langfristig auch mehr Opfer.
Die Erfahrungen in Ländern, in denen Canabis erlaubt ist, sprechen da eine andere Sprache.
Es kommen zwar ein paar ehemalige Kiffer (wie ich) mal wieder zu nem Joint, aber im Großen und Ganzen nimmt der Konsum nicht zu.

Auf jeden Fall kommen Minderjährige nicht mehr so leicht dran, weil die Ausgabe kontrolliert wird.

Der Schwarzmarkt, mit unkontrollierter Abgabe, erheblich größerem Angebot auch an stärkeren Drogen und fragwürdiger Qualität der Ware, wird so ausgetrocknet.

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dondon 03.05.2016, 23:25
14. Etwas wirr, dennoch wichtig!

Danke Spon, dass ihr endlich mal etwas weitreichender über ttip berichtet. Ich hatte ja schon das Schwarzbuch Markenfirmen erwähnt, mit dem Beispiel Phillip Moris gegen Uruguay. Leider finde ich euren Artikel ziemlich wirr, da er vom Titel enorm abweicht. Die Zusammenhänge zwischen Ttip und der Klageproblematik hätte viel klarer durchleuchtet werden können. Stattdessen entwickelt sich der Artikel zu einer Abhängigkeitsstatistik. Da würde ich mir mehr von euch wünschen. Danke trotzdem für den ersten Schritt in diese Richtung.

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brummer07 04.05.2016, 00:13
15. Einfach mal recherchieren ...

... wie PMI vs. Australien ausgegangen ist (überigens nebenbei auch die Vita des Vorsitzenden des Schiedsgerichts) ... und dann löst sich das alles in Rauch auf. Oder haben Journalisten dafür keine Zeit mehr?

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fliegender-robert 04.05.2016, 00:39
16. TTIP hebelt nationale Gesetze aus !!

Zitat: "Im Jahr 2001 belegte Mexiko alle Produkte, die mit dem schädlichen Zuckersirup gesüßt waren, mit einer Strafsteuer von 20 Prozent. Zwei Jahre später verklagte der US-Konzern "Corn Products International" den Staat Mexiko auf entgangene Gewinne von 325 Millionen Dollar. Rechtsgrundlage: das Handelsabkommen NAFTA."
Quelle: http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/blob/40019486/3/data.pdf
Jeder denke sich seinen Teil dabei, was in Zukunft noch alles möglich sein wird!

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skr72 04.05.2016, 12:18
17. Stammtisch Drogenpolitik

Wenn die Amis die Marihuana Freigabe ebenfalls durch das TTIP zur Pflicht machen würden, dann wäre sogar ich für dafür es zu unterzeichnen. Unsere Stammtische Drogenpolitik, welche den Konsum von der gefährlichsten Droge Alkohol fördert und zugeleich vergleichbar harmlose Drogen wie Cannabis kriminalisiert muß endlich ein Ende haben. Kriminell ist lediglich, dass Fr. Mortler gegen die steigende Zahlen von Suchttoten und -kranken bei Alkohol und Legal-Highs rein gar nichts unternimmt, sondern alles nur noch schlimmer macht. Es kann doch wirklich nicht sein das eine Person alle fachlich Beratung zu diesem für unsere Gesellschaft wichtigen Thema ignoriert und weiterhin die in jeder Hinsicht gescheitere Regressionspolitik fortsetzt und jährlich tausende Tote und volkswirtschaftlich hohe Schäden dafür in Kauf nimmt, ohne dass dies Konsequenzen für die Person hat hat. TTIP hilf!

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Reza Rosenbaum 04.05.2016, 18:04
18. Mexikanische Dummheit

Zitat von fliegender-robert
Zitat: "Im Jahr 2001 belegte Mexiko alle Produkte, die mit dem schädlichen Zuckersirup gesüßt waren, mit einer Strafsteuer von 20 Prozent. Zwei Jahre später verklagte der US-Konzern "Corn Products International" den Staat Mexiko auf entgangene Gewinne von 325 Millionen Dollar. Rechtsgrundlage: das Handelsabkommen NAFTA." Quelle: http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/blob/40019486/3/data.pdf Jeder denke sich seinen Teil dabei, was in Zukunft noch alles möglich sein wird!
Man kann halt nicht gleichzeiteig Freihandel wollen und dann Schutzzoelle auf auslaendische Waren beschliessen. Mexiko hat hier sehr dumm gehandelt und ein Gesetz erlassen, dass keinen anderen Grund hatte, als die auslaendischen Hersteller gegenueber den einheimischen zu benachteiligen. Der Grund, dass Zuckersirup schaedlich ist, war sehr klar vorgeschoben - es ging darum, dass die mexikanischen Zuckerhersteller Marktanteile verloren haben, und durch die Schutzzoelle gesaerkt werden sollten.

Wer so dumm ist, muss halt zahlen. Haette man ja auch geschickter und FHA-konform machen koennen.

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spon-facebook-10000085822 07.05.2016, 01:27
19. Todesfälle in Deutschland

868.356 ist die Gesamtzahl für 2014. 120.000 davon sowie 70.000 werden Tabak und Alkohol zugeschrieben, ohne dass es eine amtsärztlich festgestellte Todesursache dieser Art gibt. Im Jahr 2012 erkrankten 477.950 Menschen in Deutschland neu an Krebs. Diese Angaben stammen aus der Broschüre "Krebs in Deutschland". An Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben in Deutschland mehr Menschen als an Krebs. Etwa jeder vierte Todesfall in Deutschland war 2012 durch Krebs bedingt: Insgesamt starben 220.923 Menschen an dieser Erkrankung. Zum Vergleich: An Herz-Kreislauf-Erkrankungen verstarben im gleichen Zeitraum 342.233 Menschen.

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