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Transplantationsskandal : Auch in Jena und Leipzig wurde manipuliert
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Die Kontrolleure sprechen von systematischem Fehlverhalten: Ärzte an mehreren deutschen Kliniken haben laut einem Prüfbericht Daten beeinflusst, damit ihre Patienten größere Chancen auf eine Spenderlunge haben.

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franz.v.trotta 07.12.2016, 11:06
1.

"... dass ein Grund auch darin lag, den betreuten, sehr schwer erkrankten Patienten helfen zu wollen" - Wie bitte? Und das geschieht dadurch, dass man noch kränkeren Patienten (etwa im Nachbarkrankenhaus) die Hilfe/Organe entzieht? Glaubwürdigkeit sieht anders aus!

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blackbike67 07.12.2016, 11:18
2.

Merken diese Ärzte eigentlich, welchen Bärendienst diese der Spendebereitschaft der Bevölkerung erweisen und damit die Möglichkeiten für eine Transplantation vermindern?
Warum soll ich bitte schön meine Organe im Fall des Falles spenden, wenn damit nur Geschäfte gemacht werden. Dann sollen diese mich gerne in den Sarg begleiten...
Glaubwürdigkeit ist gerade hier ein extrem wichtiger Punkt. Das System der Organspende wird so zerstört.

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Gerdd 07.12.2016, 11:58
3. Da kann einem schon die Lust am Organ-Spenden vergehen ...

Man muß wohl davon ausgehen, daß die Motivation in den meisten Fällen darin liegt, daß man der eigenen Klinik und sich selbst den Umsatz zuschanzt, anstatt ihn der Klinik mit dem "richtigeren" Patienten zu gönnen.

Daß es darüber hinaus auch vorkommen kann, daß ein betuchter Patient sich einen besseren Wartelistenplatz kaufen kann, macht die Sache nicht besser, aber in jedem Fall ist die Interessenlage von Arzt und Patient hier deckungsgleich - es sei denn, im Nebenzimmer liegt noch jemand, dessen weitere Behandlung noch mehr Umsatz verspricht - letztlich verdient man ja an dem noch zu behandelnden Patienten mehr als an dem schon gestorbenen.

Nur - wenn die Motivation zum Spenden durch solche Machenschaften in Grund und Boden torpediert wird, hat am Ende auch niemand etwas davon. Habgier rechnet sich eben nicht immer ...

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team_frusciante 07.12.2016, 12:02
4.

Ärzte entwickeln eben auch eine Bindung zu ihren Patienten. Verständlich, dass dann auch mal etwas geschummelt wird, um nicht einen Menschen, den man kennt und zu dessen Schutz man sich eingeschworen hat, einfach so sterben sehen zu müssen. Hinterher macht sich ein Arzt noch Vorwürfe, dass er den Patienten noch hätte retten können. Ich glaube, manchen Menschen ist einfach nicht bewusst, dass man bei manchen Berufen nicht einfach so nach Feierabend abschalten kann. Dass es um mehr geht als ein paar Stunden am Tag zu arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Diese Menschen retten Leben, und ich werte es eher positiv, wenn sie da emotional involviert sind.

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team_frusciante 07.12.2016, 12:09
5.

Zitat von Gerdd
Man muß wohl davon ausgehen, daß die Motivation in den meisten Fällen darin liegt, daß man der eigenen Klinik und sich selbst den Umsatz zuschanzt, anstatt ihn der Klinik mit dem "richtigeren" Patienten zu gönnen. Daß es darüber hinaus auch vorkommen kann, daß ein betuchter Patient sich einen besseren Wartelistenplatz kaufen kann, macht die Sache nicht besser, aber in jedem Fall ist die Interessenlage von Arzt und Patient hier deckungsgleich - es sei denn, im Nebenzimmer liegt noch jemand, dessen weitere Behandlung noch mehr Umsatz verspricht - letztlich verdient man ja an dem noch zu behandelnden Patienten mehr als an dem schon gestorbenen. Nur - wenn die Motivation zum Spenden durch solche Machenschaften in Grund und Boden torpediert wird, hat am Ende auch niemand etwas davon. Habgier rechnet sich eben nicht immer ...
Ich weiß nicht, liebe Vorredner, wie Sie alle auf "Habgier", "Geschäftemacherei" usw. kommen. Der Fall ist doch offensichtlich: Manche Ärzte beugen die Vorschriften, um ihre Patienten zu retten. Ihre Reaktion ist ein Reflex. Klar, es muss immer ums Geld gehen! Kaum vorstellbar, dass Ärzte sich tatsächlich um ihre Patienten sorgen, was?

Ihre Bitterkeit könnte mir egal sein, da Sie nun aber beide unabhängig voneinander die "Motivation zum Spenden" ansprechen finde ich besorgniserregend. Da zeigt sich, wer wirklich nur an sich selbst denkt. Damit treffen Sie nur die Patienten und nicht Ihre Windmühlen.

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fridericus1 07.12.2016, 12:10
6. Ich frage mich ...

... ob Transplantationen nicht ein gutes Geschäft für die Kliniken sind. Falls ja, könnte ein Motiv für die Manipulationen darin liegen, "Umsatz" für den Arbeitgeber akquirieren zu wollen - ob auf dessen Anregung hin oder aus eigenem Ehrgeiz. Ich kann mir plumpe Bestechung der beteiligten Ärzte nur schwer vorstellen.

In jedem Fall funktioniert es so nicht mehr. Eine unabhängige Kommission, und nicht der behandelde Arzt, muss den wirklichen Gesundheitszustand der Patienten feststellen, sonst bricht das ganze System zusammen. Und ganz nebenbei: gäbe es genügend Spenderorgane, wären solche Manipulationen - aus welchem Motiv auch immer - nicht notwendig.

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CancunMM 07.12.2016, 12:11
7.

Zitat von franz.v.trotta
"... dass ein Grund auch darin lag, den betreuten, sehr schwer erkrankten Patienten helfen zu wollen" - Wie bitte? Und das geschieht dadurch, dass man noch kränkeren Patienten (etwa im Nachbarkrankenhaus) die Hilfe/Organe entzieht? Glaubwürdigkeit sieht anders aus!
Finden Sie das so unglaubwürdig ?
Abgesehen davon, dass das Vergabesystem so umgebaut werden muss, dass solche Manipulationen nicht möglich sind, wollen Sie mir doch nicht erzählen, dass Sie ohne jegliche Einschränkung eine objektive Entscheidung treffen bei 2 Menschen, von denen Sie einen kennen und zu dem Sie eine Beziehung haben und einem 2. Menschen, den Sie noch nie gesehen haben ?
Angenommen Ihr Kind ist sterbenskrank und braucht ein neues Organ und dann gibt es da noch ein Kind, dass Sie nie gesehen haben und das ist noch ein wenig kränker. Es gibt aber nur 1 Organ. Dann würden Sie also auf das Organ für Kind verzichten, weil das andere Kind kränker ist ? Oder würden Sie alles mögliche tun, damit Ihr Kind an dem anderen Kind auf der Liste vorbeizieht ?

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franz.v.trotta 07.12.2016, 12:24
8.

Zitat von team_frusciante
Ärzte entwickeln eben auch eine Bindung zu ihren Patienten. Verständlich, dass dann auch mal etwas geschummelt wird, um nicht einen Menschen, den man kennt und zu dessen Schutz man sich eingeschworen hat, einfach so sterben sehen zu müssen. Hinterher macht sich ein Arzt noch Vorwürfe, dass er den Patienten noch hätte retten können. Ich glaube, manchen Menschen ist einfach nicht bewusst, dass man bei manchen Berufen nicht einfach so nach Feierabend abschalten kann. Dass es um mehr geht als ein paar Stunden am Tag zu arbeiten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Diese Menschen retten Leben, und ich werte es eher positiv, wenn sie da emotional involviert sind.
Sie sprechen von "schummeln" - es handelt sich um Betrug mit mitunter tödlichen Folgen.

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flame81 07.12.2016, 12:27
9. Warum kein Wort zu Stellungnahmen der genannten Einrichtungen?

29 Verstöße in Leipzig klingt natürlich ungeheuerlich. Wenn man sich dann allerdings mal die Mühe macht die Stellungnahme des Klinikums (bzw. der beiden Kliniken) zu lesen, dann wird deutlich, dass diese "Verstöße" primär auf damals noch bestehende EDV-Schnittstellenprobleme in der Kommunikation zurückzuführen sind. Im Klartext wurden die Kassenzettelchen mit den Blutgaswerten des aktuellen Tages eines Patienten an die operierende Einrichtung gefaxt, dort dann per Hand in die Aktue nachgetragen (oder auch mal vergessen). Und ähnliche Vorfälle. Weder wurde ein Patient in Leipzig operiert, der seinen Listenplatz ungerechtfertigt bekommen hatte, noch wurde Däumchen gedreht und nichts geändert (was der Spiegel auch hätte wissen können hätte er mal nachgefragt!). Noch 2012 wurde die EDV Kommunikation vereinheitlich zwischen den Häusern und nun wird eine gemeinsame Datenbank genutzt und alles durch ein zentrales Transplantationsbüro koordiniert. Alles löbliche Entwicklungen, die es ohne die Arbeit der Prüfkommission vielleicht nicht gegeben hätte. Aber das hier nun im Artikel so darzustellen, als wäre mir gespendeten Organen wieder einmal skandalös umgegangen ist selbst recht verantwortungslos. Immerhin zeigen die Kommentare ja bereits in welche Richtung die Gedanken der Leser sofort gehen. Nicht lange und die "ich würde ja nie mein Organ spenden" Rufe werden lauter. Und dann haben wir noch weniger Organe für weiter steigende Patientenzahlen.

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