Forum: Gesundheit
Traumatisierte Bundeswehr-Soldaten: Psychologen warnen vor hoher Dunkelziffer
dapd

Sie waren im Krieg, haben Tod und Zerstörung hautnah erlebt: Dennoch suchen deutsche Soldaten seltener psychologische Hilfe als ihre Kameraden aus den USA. Wissenschaftler warnen davor, dass posttraumatische Belastungsstörungen häufig unerkannt bleiben.

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Onkel_Fester 25.09.2012, 15:40
20. Nachdenken hilft....

Zitat von Treborsson
jetzt aber die wenigen Zeitzeugen des Krieges 39 bis 45 in Psychotraumata verfallen. .....War ganz Deutschland da nach Kriegsende krank?
Die wenigen Zeitzeugen? Wenig sind es_heute_, aber vor sechzig Jahren haben die die mehrheit gestellt. Nehmen wir doch mal an, von den im WKII eingesetzten Deutschen hätten sich, wie jetzt bei den Amis, so etwa 20% eine solche Störung eingefangen (wegen der langen Dauer und der mit Sicherheit größeren Schweinereien, die es da zu sehen gab), und nehmen wir mal noch schätzungsweise 5% Zivilisten dazu, die sich bei den Flächenbombardements oder dem Einmarsch der Aliierten dasselbe weggeholt haben. Dann reden wir über eine Population im wahrscheinlich knapp zweistelligen Millionenbereich. Da ist das Trauma nicht Trauma, sondern normal. Schonmal mit Opa geredet, hm? Die Bewältigung der ganzen Lebensprobleme aus dem Krieg gehörte damals einfach mit zum Alltag - der Einbeinige, der vor allen, die es hören wollten oder nicht, immer wieder seine Stalingrad-Geschichten deklamiert hat, mein Direx, der sich immer so in seine Russlandgeschichten gesteigert hat, dass er hinterher mit hochrotem Kopf auf dem Lehrerpult stand ("...entschuldigt bitte, wenn ich mich immer so erhitze..."), der Onkel, der nachts nie richtig schlafen konnte, sein pervitinsüchtiger Klassenkamerad und all die Nachkriegsalkoholiker - alles harte Gestalten? Und heute alles Weicheier? Manchmal hilft einfach Nachdenken.....

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spargel_tarzan 25.09.2012, 15:50
21. vermutlich haben sie mich mißverstanden..

Zitat von elegiator
Ich machs kurz: Die USA haben seit dem Ende des Vietnamkrieges keine Wehrpflicht mehr. Und nur weil man für jede Generation 2 bis 3 kriegerische Auseinandersetzungen bereitgehalten hat, sind die GI´s noch lange nicht davor gefeiht an PTBS zu erkranken. Da gibt es kein Training und kein langsames dran gewöhnen.
ich meinte, daß wohl die amerikanischen soldaten im schnitt eher bereit sind sich therapeutisch helfen zu lassen, wo unsere soldaten mehrheitlich meinen sie könnten das alles selbst schaffen. ein trugschluß.
darum auch mein hinweis, da amerika seit jahrzehnten im krieg ist und die bundeswehr erst seit 20 jahren. vermutlich hat sich deswegen noch nicht so herum gesprochen daß mit PTBS nicht zu spaßen ist.
verdrängen ist auch in diesem fall keine lösung es sit nur selbstbetrug. sich hilfe holen ist stärke, keine schwäche.

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ein-berliner 25.09.2012, 15:59
22. Wo ist der Vergleich?

Zitat von elegiator
Das Forum lockt immer die gleichen Meinungsmacher auf den Plan. Ja ja - alle Soldaten hätten mal vorher darüber nachdenken sollen, bevor sie sich dem Söldnertum hingeben und es nach dem Brandschatzen und Schänden im Kopf kriegen.....blabla. Ich spiel .....
Vorwort: Ich bin kein Meinungsmacher - ich habe nur eine.
Alle von Ihnen aufgezählten Berufsgruppen haben nichts und gar nichts mit der Aufgabe "TÖTEN" zu tun. Hier im Blog geht es um die Bundeswehr, also aktive Kriegssöldner.

Mir ist nicht bekannt daß Feuerwehrleute an Waffen ausgebildet werden um sie auch absichtlch anzuwenden, darum gehts.
Die Soldaten hingegen haben nur die eine Aufgabe: Leben retten, Brunnen bauen, alten Leuten über die Straße zu helfen usw...
Dieser "Beruf" ist etwas für Rambos, die entwickeln keine psychischen Macken erst auf dem Kriegsschauplatz.
Thema total verfehlt!

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ein-berliner 25.09.2012, 16:13
23. Da ist etwas stimmig!

Zitat von spargel_tarzan
...darum auch mein hinweis, da amerika seit jahrzehnten im krieg ist und die bundeswehr erst seit 20 jahren. vermutlich hat sich deswegen noch nicht so herum gesprochen daß mit PTBS nicht zu spaßen ist. verdrängen ist auch in diesem fall keine lösung es sit nur selbstbetrug. sich hilfe holen ist stärke, keine schwäche.
Eine echte Berufsarmee wie die US-ARMY hat erheblich mehr Erfahrung im Umgang mit Problemen einzelner Soldaten. Diese ARMY kümmert sich um ihre Mitglieder in ALLEN Belangen und hat somit Rückhalt in der Gesellschaft.
Die BW sollte, wenn überhaupt sinnvoll, sich daran ein Beispiel nehmen.

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Treborsson 25.09.2012, 16:21
24. noch ne Rubrik

muß da wohl angehängt werden: Frage an Die Familie: ist der Soldatenmensch noch so wie früher? Für die, denen es dann genügt, der Rat: richtiges Lesen erspart arg konstruierte Annahmen, strapazieren des kleinen Einmaleins,
den sich auf das Pult beamenden Direx und den studentischen Konjunktiv. Opa fehlt mir. Mein Vater (Soldat 16 - 18 und 39 - 45, ein Mörder, ich weiß) und ich selbst haben ein bischen im und vom Krieg erlebt.

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rokokokokotte 25.09.2012, 16:54
25. Ich...

Zitat von sysop
Sie waren im Krieg, haben Tod und Zerstörung hautnah erlebt: Dennoch suchen deutsche Soldaten seltener psychologische Hilfe als ihre Kameraden aus den USA. Wissenschaftler warnen davor, dass posttraumatische Belastungsstörungen häufig unerkannt bleiben.
...glaube so langsam, dass sich die Psychobranche einen hermetischen, sich selbst stetig erneuernden Zustand generiert. Nicht nur, dass mittlerweile vom Kleinkind bis zum Greis flächendeckend irgendwelche Massengeistesdefekte attestiert werden: nein, auch Menschen welche einen Beruf ergreifen, der das Töten und Verstümmeln in Kauf nimmt müssen jetzt ran.
Ich frage mich, diesen Artikel lesend, wie nach 1945 unsere Eltern mit all diesen unsäglichen Horror im Kopf, in Erinnerung an dieses unbeschreibliche Gemetzel es schafften dieses völlig zerstörte Land wieder aufzubauen.
So betrachtet kann ich die Leistung dieser Generation nicht hoch genug würdigen...Vielleicht hatten sie aber auch nur das Glück, nicht ständig erzählt zu bekommen, wie krank sie doch sind.
Irgendwie kann ich das nicht auf die Reihe bekommen - tut mir leid.

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alafesh 25.09.2012, 16:58
26. Nicht ganz Deutschand.

Zitat von Treborsson
jetzt aber die wenigen Zeitzeugen des Krieges 39 bis 45 in Psychotraumata verfallen. Soldaten und Zivilbevölkerung sahen sich im Krieg zerstörten Häusern, Beschuß und Angriff, kranke/verletzte zu sehen oder zu kennen, und und und gegenüber. War ganz Deutschland da nach Kriegsende krank? .
Aber ja, viele Kriegsheimkehrer konnten mit niemandem über ihre grauenhaften Erlebnisse sprechen. In der zerstörten Heimat wollten die ebenfalls traumatisierten Angehörigen nicht noch mehr Horrorgeschichten hören.
Dazu kommt das Menschenbild, daß ein Mann (echter Deutscher und so) hart wie Kruppstahl zu sein hatte.

Die Folgen sind u.a. schwerer Alkoholismus und die Anwendung der Prügelstrafe an den eigenen Kindern und Ehefrauen, Depressionen, Suizid,schwere Alpträume, sozialer Rückzug.
Eine andere Gruppe Veteranen findet sich in Heldenklubs, in denen sie dann über die gute alte Zeit schwadronieren ("Was war´n wir doch für Kerls,...Prost!")
und auch das ist irgendwie krank...

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blowup 25.09.2012, 17:01
27. Psychos

Da muss doch irgendeine Psychologen-Lobby die Finger im Spiel haben, die Traumata geradezu erfindet. Heute gibts ja schon bei jedem mittleren Unfall Psycholgen und Notfallseelsorger, die da gleich am Werk sind. Man muss sich wirklich fragen, wie die Menschen früher überhaupt überleben konnten.

Gibt es wirklich soviel schreckliche Kampfhandlungen, wie hier immer getan wird? Oder hat meine Oma da mehr Schreckliches erlebt? Lassen wir mal die Soldaten aus WK 1 und 2 beiseite, aber wenn ich die Berichte meiner Oma von wegen "dauernd zum Bunker laufen" hörte und mir vorstelle, wie das war mit den Toten auf der Straße und den zerstörten Wohnungen, dann habe ich mitunter das Gefühl, die Zivilbevölkerung hier hat im Krieg mehr Traumatisches erlebt, als die Soldaten heute in Afghanistan.

Natürlich verändert ein Kriegseinsatz die Menschen. Das weiß man aber vorher, oder? Nach welche Kriterien werden eigentlich Soldaten ausgesucht?

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blowup 25.09.2012, 17:13
28. Exakt

Zitat von rokokokokotte
Ich frage mich, diesen Artikel lesend, wie nach 1945 unsere Eltern mit all diesen unsäglichen Horror im Kopf, in Erinnerung an dieses unbeschreibliche Gemetzel es schafften dieses völlig zerstörte Land wieder aufzubauen...... Irgendwie kann ich das nicht auf die Reihe bekommen - tut mir leid.
Richtig. So sehe ich das auch. Ob Burnout oder PTBS, diese Psychologen wissen sich schon wichtig zu machen und für Arbeit zu sorgen. "Wer gesund ist, war bloß noch nicht beim Arzt", das gilt heute analog auch für psychische Leiden. Passt ja auch nicht wirklich zusammen, Familie, kleines Häuschen, Bausparvertrag, Zukunftspläne und dann sowas wir Krieg, Tod und Verstümmelung. Gibt es denn keine robusten "Rambos", die man da runter schicken kann? Es muss doch jeden klar sein, dass man da Tod und Verstümmelung und echte Todesangst zu sehen bekommt. Wenn man damit nicht zurecht kommt, sollte man sich einen anderen Job suchen. Offensichtlich waren die Frauen und Mütter, die hier die furchtbaren Bombennächte erleben mussten, irgendwie robuster.

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dröhnbüdel 25.09.2012, 18:19
29. Wen wunderts?

Krieg ist immer barbarisch, destruktiv, traumatisierend. Zum Glück wird unseren Soldaten nicht mehr eingeredet, dass sie die Ehre des Vaterlandes zu verteidigen hätten oder ähnlichen Schwachsinn. Doch das ändert nichts daran, dass wahrscheinlich viel mehr Soldaten schwer traumatisiert aus Afghanistan oder dem Kosovo zurückkommen als die Statisitiken aussagen. Die jungen Männer wollen oder können nur nicht zugeben, dass sie restlos fertig sind. Die Amerikaner haben es da besser, weil psychische Probleme dort schon längst nicht mehr als Schwäche gelten. Ich stelle mir einen 20jährigen vor, der in Afghanistan die volle Härte und Unmenschlichkeit des Krieges mit gefallen Kameraden, verstümmelten Kindern und Frauen erlebt hat. Der womöglich bei einem chaotischen Einsatz versehentlich unschuldige Zivilisten erschossen hat. Wie soll der ganz locker und psychisch unbeschädigt aus der Sache herauskommen? Und wie wil man einem solchen Jungen noch erklären, dass er mit seinem Einsatz Freiheit und Demolratie in Deutschland und der westlichen Welt verteidigt hat? Mir selbst kann man das auch nicht mehr erklären.

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