Forum: Gesundheit
Überfüllte Rettungsstellen: Chef der Kassenärzte fordert Gebühr für die Notaufnahme
DPA

Lange Wartezeiten, Personalmangel: Um Rettungsstellen bundesweit zu entlasten, will der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Patienten zur Kasse bitten, die sich dort unnötig vorstellen.

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keine-#-ahnung 15.07.2018, 19:34
20. "Viele Patienten sind dazu gezwungen ...

Zitat von erlenstein
Wieso gibt es hier keine andere Lösung, und es muss immer wieder neu diskutiert werden? Viele Patienten sind dazu gezwungen zur Notaufnahme zu gehen, wenn sie bei Fachärzten nur Termine nach Monaten bekommen. Das Spiel ist doch bekannt. Allerhand, 50 Euro zu fordern, um die Zwei-Klassen-Medizin zu forcieren. Dann sollten doch in den Krankenhäusern Ambulanzen eingerichtet werden, die von Kassenärzten betrieben werden, damit hier eine "Vorsichtung" betrieben werden kann.
... zur Notaufnahme zu gehen, wenn sie bei Fachärzten nur Termine nach Monaten bekommen."
Wenn die Erkrankung einen schnelleren Termin nicht erforderlich macht, hat man das als GKV-Patient zu akzeptieren. Für alle anderen Fälle gibt es die Terminservicestellen der KVen, falls es tatsächlich mal nicht mit einem Termin beim "Wunscharzt" klappt.

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Frida_Gold 15.07.2018, 19:45
21.

Zitat von keine-#-ahnung
unvorsichtig mit einer Säge hantiert und sich verletzt, lieber Herr Barjenbruch?" Der geht stehenden Fusses in eine Notfallpraxis oder eine Notaufnahme - weil dies ein Notfall ist. Sanktionen ausgeschlossen ...
Der geht in die Notaufnahme und zahlt 50 Euro, weil es ein Notfall ist.
Überlegt man sich da zweimal. Ich kenne so ein paar ältere Herren, die man ohnehin nur mühsam zum Arzt bekommt - wenn die noch soviel Geld zahlen müssen, gehen die gar nicht und verrecken daheim.
Die Gebühr soll ja nicht bei Missbrauch erhoben werden, sondern generell.

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richard-x 15.07.2018, 19:49
22. Noch besser: wegschicken

auch wenn es von der Klinikleitung nicht gewünscht war sondern wir möglichst viele Patienten für eine Nacht stationär aufnehmen sollten um Umsatz zu machen, was habe ich getan? Ich habe diese Leute einfach nicht behandelt und nach Hause geschickt. Das erfordert zwar ein bisschen Mut aber letztendlich ist es meine Verantwortung und meine Entscheidung als Arzt. schließlich wird man als Arzt im Notdienst auch nicht zu 100% bezahlt sondern nur zu 20 oder 40 % auch wenn man 100% arbeitet. Denn wenn man 100% bezahlt werden würde dann dürfte es nicht Notdienst heißen und dann müsste man einen Schichtbetrieb einführen, was natürlich deutlich teurer wäre für das Krankenhaus. Eigentlich ist es den Ärzten verboten die Nacht durch zu arbeiten, genauso wie den Piloten 20 Stunden lang durch zu fliegen. Trotzdem wird es vielerorts so gemacht aus Kostengründen. Dann darf ich auch einen der um Mitternacht kommt mit Beschwerden die er seit drei Monaten hat nach Hause schicken.

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Jonas B. 15.07.2018, 19:58
23. Warten lassen

Warum den Schnupfenpatienten nicht einfach warten lassen bis alle ernsteren Patienten bedient sind. Gern auch über 24Std. sitzen lassen. Wenn sonst wirklich kein Notfall da ist, kann man ja auch einen Schnupfen behandeln. Aber vorher sollte man gnadenlos nach Dringlichkeit unf nicht nach Wartezeit behandeln.

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die_waldfeh 15.07.2018, 20:07
24. Bei Notfällen

Handelt es sich natürlich auch um die Schnittwunde nach 20Uhr. Leider kommt es nur allzu oft, zumindest in unserer Nothilfe vor, und da kommt mir 4/10 eher wenig vor, dass sich Patienten mit Rückenschmerzen seit 6 Wochen oder Begründungen a la 'tagsüber muss ich arbeiten' um 23Uhr vorstellen. Auch immer wieder gerne gehört: Abends ist hier ja weniger los und Sie sind ja sowieso da. Da fühlt man sich halt sehr respektlos behandelt. Mal ganz davon abgesehen, dass dann die Zeit für die tatsächlichen Notfälle, welche btw durch die Schließung vieler Nothilfen immer mehr werden, schlicht fehlt und Fehler passieren.
Das Argument, dass der arme Rentner dann evtl. einmal zu wenig die Nothilfe aufsucht und sich erst am nächsten Morgen mit einem Herzinfarkt beim Hausarzt vorstellt, weil ihm 50Euro wehtun, ist ein ernsthaftes Problem in dem Konstrukt der Gebühr, ein Arzt kann jedoch sehr gut zwischen einem bedrohlichen oder vom Patienten als akut und bedrohlich eingeschätzt Fall und der unangemessenen, teils sogar unverschämte Missbrauch der Nothilfe unterscheiden. Als Nothilfemitarbeiter bin ich deshalb sehr für die Einführung der Gebühr, um den gedankenlosen Missbrauch der Nothilfen zu stoppen. Leute, die wegen eines zu späten Termins die Nothilfe aufsuchen, stellen sich auch in Schlangen vorne an. Je eher die Gebühr kommt, umso besser.

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die_waldfeh 15.07.2018, 20:19
26. Was noch gar nicht diskutiert wird

In letzter Zeit kommt es immer mehr in Mode, dass sich Patienten mit Banalitäten(Husten, Männerschnupfen, heiserkeit) den Rettungsdienst rufen und damit Rettungsmittel blockieren, die dann für Unfälle oder tatsächliche Notfälle teils aus entfernten Landkreisen nachgeordert werden müssen. Dafür sollte es eine spürbar höhere Gebühr, mindestens in Höhe der dafür abgerechnet Rettungsdienstpauschale geben, sofern nicht ein tatsächlicher Notfall festgestellt wird.

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keine-#-ahnung 15.07.2018, 20:20
27. "Die Gebühr soll ja nicht bei Missbrauch erhoben werden ...

Zitat von Frida_Gold
Der geht in die Notaufnahme und zahlt 50 Euro, weil es ein Notfall ist. Überlegt man sich da zweimal. Ich kenne so ein paar ältere Herren, die man ohnehin nur mühsam zum Arzt bekommt - wenn die noch soviel Geld zahlen müssen, gehen die gar nicht und verrecken daheim. Die Gebühr soll ja nicht bei Missbrauch erhoben werden, sondern generell.
... , sondern generell."
Sie müssen das Interview schon mal lesen, bevor Sie Ihre Missmut hier ausrauchen: http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Niedersachsen/Behandlung-in-der-Notaufnahme-KVN-Chef-Barjenbruch-fordert-50-Euro-Gebuehr
Stehe ich als Arzt völlig dahinter - der Missbrauch der Notdienste hat mittlerweile ein erschreckendes Ausmass angenommen. Wir werden dem ohne Regulierung nicht mehr Herr - und wenn einige Sozialdemokraten die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich fordern sind wir gerne dabei. Nur sind dann die Praxen noch verschlossener als derzeit ...
Nochmal - es geht um die missbräuchliche Nutzung von Notdienststrukturen. Als Arzt kann man Notfallpatient und Bequemling in 99 Prozent der Fälle ziemlich exakt diskriminieren :-)

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Marvin__ 15.07.2018, 20:36
28. Die 50 Euro bezahlen dann bitte die niedergelassenen Ärzte, ...

..., die bei vollem Lohnausgleich die Notfälle zu den Kliniken abgeschoben haben.

Davon abgesehen zeigt der Vorschlag, dass die kassenärztlichen Vereinigungen mit ihrer Aufgabe, eine angemessen ärztliche Versorgung sicher zu stellen, völlig überfordert sind - immer höhere Kosten, immer längere Wartezeiten.

Zeit, diese Lobbyvereine auf zu lösen und die ärztliche Versorgung professionell zu organisieren!

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crisalide 15.07.2018, 20:42
29. Gebühren retten Menschenleben

Ich verstehe viele Kommentare, die sich darüber aufregen, dass 50 Euro zu viel Geld seien und bedürftige Menschen so vielleicht nicht rechtzeitig eine Klinik aufsuchen. Hier könnte man jedoch mit einer Gebührenbefreiung für Geringverdiener Abhilfe schaffen. Ich arbeite selbst als Ärztin in der Klinik und muss sagen: Man macht sich kein Bild mit welchen Kleinigkeiten die Leute in die Notaufnahme kommen. Es handelt sich um derartige Bagatellen, dass auch jedem Laien klar ist kein echter Notfall zu sein. Beispiel: Ohrenschmalz ( er stört mich), Halsweh ( wollte nur mal, dass einer guckt, eine Aspirin habe ich noch nicht genommen), vor 2 Tagen den Kopf am Schrank gestoßen und jetzt noch immer eine Beule... Die Liste ist endlos weiterzuführen. Jedem dieser Menschen ist klar, dass er den morgigen Tag auch ohne Besuch in der Notaufnahme erlebt hätte und zum Hausarzt hätte gehen können. Das schlimme hieran: Stellen Sie sich vor, Sie haben tatsächlich ein ernsthaftes Problem und sitzen in der Notaufnahme mit 10 von diesen Personen, die alle vor Ihnen dran sind. Dann erleben SIE den morgigen Tag vielleicht nicht mehr. Weil irgendein Depp mit Befindlichkeitsstörung halt vor Ihnen da war und seine Beschwerden heillos übertrieben hat um bloß eher dran zu sein. Die Notaufnahme kann mit dieser Mentalität der Menschen nicht mehr funktionieren. Ich bin absolut für eine Regelung der Kostenbeteiligung, denn sie rettet Menschenleben und führt hoffentlich bei dem ein oder anderen mal zu einem Umdenken was die McDonalds-Mentalität im Gesundheitssystem angeht.

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