Forum: Gesundheit
Überfüllte Rettungsstellen: Notfall Notaufnahme
DPA

Gereizte Patienten, lange Wartezeiten, Personalmangel: Von den Zuständen in den Notaufnahmen sind viele genervt. Was die Situation verbessern könnte, zeigt ein Modellversuch in einer Frankfurter Klinik.

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Sleeper_in_Metropolis 27.06.2018, 14:46
20. Notfall

Zitat von keine-#-ahnung
Ein medizinischer Notfall ist ein medizinischer Notfall im Wortsinn. Alles andere gehört ins "normale" Versorgungssystem.
Richtig. Es müsste eben in den Notfallaufnahmen nur jemanden geben, der diese Entscheidung zeitnah treffen kann. Die fundierte Feststellung : "Das ist nicht so schlimm, das kann auch morgen in einer Arztpraxis erledigt werden" würde den meisten Betroffenen vermutlich völlig ausreichen. Denn ich schätze, das ca. 99% derer, die sich zu Unzeiten in eine Notaufnahme begeben sich selber auch als Notfall einschätzen - sonst wären sie ja gar nicht hier.

Daher sind viele von den in dem Artikel genannte Ansätze schon sehr sinnvoll.

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laermgegner 27.06.2018, 14:48
21. Jetzt urteilen wieder Leute, die nicht betroffen sind !

Was ist ein Notfall und wer entscheidet das !!!! In der Aufnahme war bisher nur eine Schwester und die interessierte sich nur für die Krankenkarte - auch alles in Ordnung ? Als Rechtfertigung, dass das Gesundheitssystem Schwächen hat - tolle Ausrede ! Meine Mutter habe ich mit einem Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus geschafft- angeschnarcht hat man mich, ich hätte den Notarzt holen müssen. Die Kollege hat es gemacht und hat als Antwort bekommen, den Krankentransporter hätte man hoffen müssen. Ergo - Wer redet hat wohl recht ? In Königs Wusterhausen wird der Fall - wie beschrieben in FM seit Monaten so durchgeführt- aber eine Antwort auf Ärztemangel und fehlende FAchärzte ist es eben auch nicht !

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Fruusch 27.06.2018, 15:05
22. ein ganz anderer Vorschlag

der aber ebenfalls enorm viel Entlastung für die Notaufnahmen bringen würde ist ein ganz einfacher: Wie wäre es, wenn die Bereitschaftspraxen, Notaufnahmen und Kliniken ihre Datenbestände von Notfallpatienten einfach mal abgleichen würden?
Ich war neulich mit einem Verwandten, der extrem starke akute Schmerzen hatte (hinterher wussten wir, es waren Nierensteine), in der Notaufnahme der örtlichen Klinik. Zuerst bin ich mit ihm zum direkt angegliederten Ärztlichen Bereitschaftsdienst gegangen. Wir hatten riesiges Glück und mussten nur 15min warten. Im Rahmen der Behandlung kamen die üblichen Fragen: Was haben Sie gegessen, sind sie allergisch gegen irgendwas, nehmen sie akut Medikamente, etc. pp. Der Bereitschaftsarzt hat ihn dann an die Notaufnahme der Klinik überwiesen. Dort am Schalter kamen die SELBEN Fragen noch einmal. Dann wurde er von einem Arzt der Notaufnahme erneut - etwas gründlicher - untersucht, der dann auch die Nierenstene gefunden hat. Dieser Arzt stelle ebenfalls die SELBEN Fragen noch einmal. Nach der stationären Aufnahme im Krankenhaus schließlich bekamen wir abermals die SELBEN Fragen von der Stationsschwester gestellt. Das waren jedesmal etwa 3-5 Minuten Arbeitszeit von medizinisch ausgebildetem Personal, in denen auch ein anderer Patient versorgt werden könnte. Diese Fragen kann doch auch ein Zivi oder eine Hilfsschwester stellen, vielleicht sogar schon im Wartebereich. Und wenn die Daten dann auch noch weiter gegeben werden würden, müssten sie nicht ein halbes Dutzend mal neu gestellt werden. In unserem Fall hätten ca. 15 Minuten Arbeitszeit von medizinischem Fachpersonal eingespart werden können, in dieser Zeit wäre mind. ein weiterer Notfallpatient erstversorgt worden. Und schwupp - sind die Wartezimmer leer.
Die moderne Technik kann doch so viel, dann sollten wir sie auch sinnvoll nutzen und nicht nur Katzenvideos per Whatsapp versenden...

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doitwithsed 27.06.2018, 15:16
23.

"Wer Anzeichen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls zeigt, ist sofort an der Reihe"

Da habe ich aber andere Erfahrungen gemacht.

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Pickle_Rick 27.06.2018, 15:23
24.

Zitat von brot&salz
Ich kann der Poltiik und der Gesundheitsindustrie nur empfhelen, den Zugang zur Notaufnahme nicht einzuschränken. Die Notaufnahme ist doch vor allem dann voll, wenn Arztpraxen geschlossen haben, d.h. am Wochenende. Ich finde es unverschämt, wenn ständig suggeriert wird, die Mehrzahl der Patienten käme, weil er kein Pflaster aufkleben oder selbständig Fieber messen könne. Ich zahle als freiwillig Versicherte (Vollzeit, zwei Kinder alleinerziehend) ca. 860 EUR monatlich fin die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung und habe mit den Kindern schon einige Male am Wochenende die Notaufnahme genutzt, um meine Arbeitsfähigkeit pünktlich am Montag wieder hergestellt zu haben. Keiner geht zum Spass in die Notaufnahme, sondern aus gesundheitlicher Sorge.
Der Zugang zur Notaufnahme wird nicht beschränkt, keine Sorge. Das geht überhaupt nicht, da letztendlich nur dort entschieden wird ob es sich um einen Notfall(!) für die Notaufnahme handelt oder nicht. Das kann bzw. sollte man zwar vorher selbst einschätzen aber die Enscheidung liegt im Falle des Falles beim Personal der Notaufnahme. In der Notaufnahme kann man dann allerdings immer noch abgewiesen oder nach hinten gestellt werden. Das ist auch völlig richtig so, da die Notaufnahmen nun mal zur Behandlung akuter Notfälle da sind und nicht um das Anspruchsdenken einiger Bürger zu bedienen. Nur weil man in die Krankenversicherung zahlt heißt das nicht, dass man uneingeschränkt Teile unseres Gesundheitssystems nutzen kann, die nicht für einen bestimmt sind. Für alles was kein Notfall ist, sind die Ärztlichen Notdienste zuständig. Die arbeiten auch gut und letztendlich profitieren alle davon. Sowohl die Notfälle als auch alle anderen, da die Arbeit eben aufgeteilt wird. Es ist übrigens alles andere als unverschämt anzunehmen, dass Herr und Frau Wichtig oft nicht mal mehr Pflaster aufkleben oder selbständig Fieber messen können. Jeder der mal in dem Bereich gearbeitet hat, kann ein Lied davon singen. Allgmein wird es immer deutlicher, dass der ach so mündige Bürger zwar immer unselbstständiger aber umso anspruchsvoller wird. Einfach mal den nächsten Polizisten, Feuerwehrmann, Rettungsdienstler, Arzt oder Pfleger fragen.

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spon_3055608 27.06.2018, 15:57
25. Die neue Bedürftigkeit

Ich denke die meisten der Notfalltouristen, die gerne das Flair der Bedeutsamkeit genießen, indem sie sich in Notaufnahmen breit machen, wissen sehr wohl, dass sie im eigentlichen Wortsinn k e i n Notfall sind, sondern ebenso-gut von einer Arztpraxis, oder vom Hausärztlichen Notdienst behandelt werden könnten. Über die Gründe, warum sie das dennoch tun, wenn's doch so fürchterlich sei- wie ein Forist anmerkt,-, gibt's aber streng genommen nur Spekulationen, kaum Fakten.
Ich sehe da schlichtweg auch Forschungsbedarf bevor man zur Abhilfe irgendwelche Modelle einführt.
Es ging früher auch schon sehr arbeitslastig, teilweise planlos (welches Notfellmanagement lässt sich schon völlig im Vorhinein planen) , hektisch und manchmal unkontrollierbar zu (vor allem bei Massenunfällen), aber das Überrennen der Notaufnahmen mit Bagatell-Wehwehchen ist, seit ca. 10Jahren, eine relativ neue Erscheinung. Es liegt unter Anderem aber nicht ausschließlich an relativ vielen Neuzuwanderern aus dem Ausland , denen das Stufensystem der deutschen Gesundheitswesens unbekannt ist.
Wie oft bin ich als Blaulicht-Notarzt zu einem angeblich schwerkranken Person/ vorzugsweise Kind in einer Asylbewerber Unterkunft gerufen worden, das sich dann als an banalem Schnupfen oder ähnlich "schwerem!" Leiden erkrankt herausstellte,-Einsatzkosten mindestens 400€.
Auch gibt in diesen Ländern, vor allem auf dem Land, kaum Arztpraxen, kein ausgebautes Rettungssystem, keinen Hausärztlichen Notdienst, keine Notfallpraxen ect. also rennt man zu jeder Tages und Nachtzeit auch gerne mal ins Krankenhaus. Allerdings muss man dort meist zahlen, bar auf den Tisch. Also ein Grund mehr, das auch in Deutschland zu tun, wenn's noch nicht mal was kostet.
Ich kann aber nicht umhin festzustellen, dass das Rufen des Notarztes auch der Teil einer Art Unterhaltungsprogramm zu sein scheint, genießt man es doch ganz offensichtlich; man wird auf einmal wichtig, wenn der Notarzt angerauscht kommt und drei Mann hoch mit Ausrüstung beladen die Unterkunft stürmt.
Nur ist es hald ziemlich teuer für den arbeitenden Krankenkassen- Beitragszahler und u.U. tödlich für einen echten Notfall, weil der Notarzt dann erst wieder in frühesten 1/2 Stunde zu Verfügung steht..Soweit ich mich erinnern kann, bestand nicht ein einziges mal die Notwendigkeit eines Transports ins Krankenhaus.

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Pickle_Rick 27.06.2018, 15:57
26.

Zitat von Sleeper_in_Metropolis
Richtig. Es müsste eben in den Notfallaufnahmen nur jemanden geben, der diese Entscheidung zeitnah treffen kann. Die fundierte Feststellung : "Das ist nicht so schlimm, das kann auch morgen in einer Arztpraxis erledigt werden" würde den meisten Betroffenen vermutlich völlig ausreichen. Denn ich schätze, das ca. 99% derer, die sich zu Unzeiten in eine Notaufnahme begeben sich selber auch als Notfall einschätzen - sonst wären sie ja gar nicht hier. Daher sind viele von den in dem Artikel genannte Ansätze schon sehr sinnvoll.
Das ist schon weitgehend richtig. Ich emfinde vor allem das vorgelagerte Abklären am Telefon als sehr gute Methode um für Patienten und Medizinpersonal Zeit zu sparen. Allerdings sind viele der Maßnahmen nur eine Behandlung von Symptomen. Die Krankheit ist in dem Fall eine Kombination von Unwissen und Unselbstständigkeit. Das sorgt dafür, dass viele Menschen nicht mehr in der Lage sind Lappalien von Notfällen zu unterscheiden und im schlimmsten Fall Notfälle gar nicht mehr zu erkennen. Nicht falsch verstehen, ich finde es super, wenn ein reiches Land wie Deutschland sein Gesundheitssystem optimiert. Die Gesundheitsversorgung muss ganz klar wieder sozialer und weniger witschaftlich orientiert sein. Man muss aber auch daran arbeiten, dass sich Menschen wieder selbst versorgen können. Das klingt vielleicht für den ein oder andere etwas hart oder fordernd aber letztendlich schafft Aufklärung in dem Bereich eigentlich nur Vorteile. Ich denke gerade für junge Eltern wäre es z. B. von Vorteil, wenn sie selbst einschätzen können was mit ihrem Kind gerade los ist. Das nimmt Angst und reduziert damit Stress.

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Newspeak 27.06.2018, 16:06
27. ...

Die offensichtlichen Fragen werden, wie immer, nie gestellt:

1) Warum ging es frueher besser?

2) Warum geht es im Ausland besser?

Die Deutschen sind aber so selbstgerecht, dass wir lieber ganz neue Strukturen erfinden, voellig unkalkulierbar, ob es dann besser wird, oder nicht, als in die Vergangenheit zu schauen, oder ueber den Tellerrand, um funktionierende Konzepte herauszufinden.

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kibbs 27.06.2018, 16:09
28.

Das Problem ist ja auch,dass viele kleinere Kliniken geschlossen werden.Ich arbeite in einem Krankenhaus in einer mittelgroßen Stadt.Im Umkreis von 30 km sind in 3 kleineren Städten die Krankenhäuser geschlossen wurden.Also müssen wir ja nicht nur die Menschen aus unserer Stadt versorgen,sondern auch die die aus den anderen Städten kommen,weil sie keine andere Möglichkeit mehr haben.Das ist für alle eine sehr unzufriedenstellende Situation.
Natürlich sehen die Menschen im Warteraum ja nicht,dass in der Notaufnahme ja auch die stationären Patienten in Notfällen behandelt werden.(ausserhalb der Dienstzeiten der Stationsärzte)Da kann man halt auch mal länger warten müssen selbst wenn im Wartezimmer nur 2 andere Leute sitzen.

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le.toubib 27.06.2018, 17:16
29. Ich nicht.

Zitat von doitwithsed
"Wer Anzeichen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls zeigt, ist sofort an der Reihe" Da habe ich aber andere Erfahrungen gemacht.
Mich schob man gleich durch die Notaufnahme zur [b]Heart Attack Unit[/i] und sobald das Labor vorlag, ging es weiter zur Coronarangiographie ...

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