Forum: Gesundheit
Umgang mit dem Vergessen: "Demenz ist keine Krankheit"
Barbara Bollwahn

Demente annehmen, wie sie sind: Für ihren Umgang mit dem Altersleid wurde die US-Sozialpädagogin Naomi Feil anfangs für verrückt erklärt. Hier erklärt sie, wie ihre Methode funktioniert.

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shooop 21.11.2017, 10:55
1. Zustimmung

Ich habe mal in einem Krankenhaus erlebt, wie eine demente Frau, die davon überzeugt war, dass Mittwoch ist, von der Pflegerin ständig korrigiert wurde, dass doch erst Montag sei. Das hat die Frau logischerweise total verwirrt und ich fragte mich, warum die Pfleger das tun. Es ist doch viel wichtiger, dass es der Frau gut geht und sie emotional angenommen wird, als auf irgendwelchen unrelevanten Wochentagen rumzureiten.

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axlban 21.11.2017, 11:15
2. Oberfläche

Es wird wie so häufig nur die Oberfläche angekratzt.
Im Prinzip müsste es eine 24/7 Betreuung geben. Dazu müsste aber unsere Gesellschaft umgebaut werden. Weiterhin ist die Veränderung des Menschen nicht nur zum "vergesslichen Opa und lustiger Oma". Oftmals ist nicht nur das Vergessen das Problem, sondern auch zunehmende physische Auseinandersetzungen und generelle Charakteränderung. Für Angehörige die dies neben einem normalen Leben mit Familie und Beruf stemmen sollen, ist es schlichtweg unmöglich. Und alle die nur einmal einen dementen Menschen für 5 Minuten gesehen haben, können sich nicht einmal annähernd ein Urteil erlauben. Versuchen sie es mal über 6 Jahre und dann können sie mitreden.

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RealSim 21.11.2017, 11:20
3. Ich sehe das so

Die Überschrifft ist natürlich ein riesen Quatsch. Natürlich ist Demenz eine Krankheit. Eine der fiesesten Krankheiten die es gibt. Da ist auch völlig egal ob man das im Alter ganz "natürlich" bekommt oder nicht. Niemand braucht Demenz wenn er alt wird, es gibt genug Leute die werden 100 und haben auch keine. Wenn Demenz irgendwann mal heilbar sein sollte, dann würde auch keiner auf die Idee kommen das so zu lassen weils ja angeblich keine Krankheit wäre.

Meine Mutter und ich pflegen die Oma bei uns zu Hause. Es ist klar, dass man die Leute nicht zu korrigieren braucht auch wenn die Person glaubt der vor über 60(!) Jahren verstorbene Vater würde zusammen mit der Mutter noch im alten Haus leben was man dann immer gern mal besuchen würde obwohl da längst neue Mieter drinnen wohnen. Na dann ist das eben so, da sagt man, klar morgen fahren wir da hin. Am Anfang ist natürlich immer der Reflex da, dass man versucht die Leute zu korrigieren, weil man es so aus dem normalen Altag gewohnt ist, aber das sollte man sich verkneifen.

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till_wollheim 21.11.2017, 11:30
4. Was ist eine Krankheit?

Krankheit ist natürlich nur in Relation zu einem gewünschten Zustand zu definieren. Bei Stalin war krank, wer den Kommunismus ablehnte. Man kann es vielleicht in etwa so objektivieren: die im Durchschnitt aller Menschen zu erwartende Funktion des Körpers (der geist ist nichts anderes als der Körper!). Demzufolge wäre Demenz sehr wohl eine Krankheit!

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schlauchschelle 21.11.2017, 11:31
5. Meine Mutter erkrankte 2005 an Demenz

Zum Glück haben wir in der Familie die Veränderung ihres Wesens sehr schnell erkannt, seit 2005 ist sie in Behandlung. Klar, diese Krankheit schreitet voran, jeder Tag kann neue Überraschungen bringen. Meine Erfahrung im Umgang mit Mum: Laufen lassen, auch wenn es schwer fällt, den Ablaufplan durcheinander bringt, man sehr oft improvisieren muss. Demente Menschen werden wieder zu Kindern, verhalten sich so, und so, wie man Kinder gelassen, aber lenkend führen sollte, muss ich es mit Mum machen. Ihr Leben lang war sie gewohnt, zu helfen, für Andere da zu sein. Das steckt noch drin, daher versuche ich sie so viel wie möglich helfen zu lassen, auch, wenn es meist "daneben" geht und mich Zeit kostet. Wie oben geschrieben, korrigieren bringt nix. Wenn Mum sagt, sie will nicht ins Bett, sie will TV sehen, obwohl es fast 22 Uhr ist und ich um 3 raus muss, tue ich z.B. ganz überrascht und sage, warum die Sonne dann nicht scheint, bringe sie zur Haustür. Sieht sie dann die Dunkelheit ist sie erstaunt, ich zeige ihr die Uhr und sie sagt dann, dass sie müde sei, und es klappt :) (noch). Was viele nicht verstehen: Demente "funktionieren" nicht mehr, machen nie, was sie "sollen", auch Aggressivität kommt vor, besonders, wenn sie sich "unter Zwang gesetzt" fühlen. Hat man das verinnerlicht (fällt oft schwer), bringt ihnen Liebe, Emotion, Spaß und Empathie entgegen, kann man sehr gut mit ihnen umgehen. Jeder ist individuell, wenn man auf sie eingeht, ist vieles leichter...

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mirage122 21.11.2017, 11:33
6. Erlebnisse im Ehrenamt

Demenz-Kranke müssen dort abgeholt werden, wo sie sich befinden, d.h. eben auch, dass man sie absolut ernst nehmen muss mit ihren Äußerungen. Selbst erlebt: 82jährige muss sofort nach Hause, weil ihre Mutter sich schon Sorgen macht. Antwort: Die weiß Bescheid, wir haben sie schon angerufen. Die Reaktion war absolute Zufriedenheit und der Tag war gerettet.

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t_mcmillan 21.11.2017, 11:45
7.

Die Frage, ob Krankheit oder nicht, ist sekundär. Die Anregungen für einen anderen Umgang sind trotzdem richtig.

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andreasbln 21.11.2017, 11:50
8. ein blöder oberflächlicher Artikel

aus der Perspektive derer, die an Demenze erkrankte Angehörige haben. Auch das mit Korrektur ist oft falsch, manchmal aber nicht. Das sind alles total individuelle Erscheinungen, die im Einzelfall zu treffen sind und nicht in generalistischer Form. Und wenn jemand nicht mehr weiß, dass er vor einer Stunde etwas gegessen hat, sonst aber kognitiv voll da ist, dann ist das für mich eine Krankheit. Ein massive Einschränkung und keine altersgerechte Vergesslichkeit. Worüber wir uns wohl alle einige sind, dass demenzerkrankte bessere Pflege bzw. Hilfe brauchen. Meine Mutter (81) braucht keine Pflege im klassischen Sinne, sie braucht Anleitung, Anregung, Kommunikation und Kreativität im Umgang. Wenn sie ihren heißgeliebten Soaps nicht mehr folgen kann (zu komplizierte Handlungsstränge) muss man sich was einfallen lassen, um ihr einen vergnüglichen Fernsehabend zu organisieren. Es ist in diesen Fällen in erster Linie kümmern gefragt, was in der mobilen Welt, die ja arbeitstechnisch so flexibel ist und alle Kinder woanders wohnen, bei Partner arbeiten müssen etc... also ohne die allseits präsente Großfamilie kaum möglich ist. Spannend wird das wenn die Babyboomergeneration, oft ohne Kinder, dement wird. Dagegen haben wir jetzt noch kein Problem...

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toskana2 21.11.2017, 12:00
9. Lasst die Alten in Ruhe

Wenn ein Automotor mal, sprichwörtlich, den "Geist" aufgibt,
sagt man auch nicht, der Motor sei dement.
Der Motor war eben zu lange unterwegs.
Altersverschleiß nennt man so etwas, nicht Demenz.

Von "Demenz" aber lebt aber ein Großteil der Pharmaindustrie,
der Schulmedizin und der Psycho-Heiler - und das nicht schlecht.

Lasst die Alten in Ruhe und helft dort,
wo es tatsächlich geholfen werden muss.

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