Forum: Gesundheit
Umgang mit dem Vergessen: "Demenz ist keine Krankheit"
Barbara Bollwahn

Demente annehmen, wie sie sind: Für ihren Umgang mit dem Altersleid wurde die US-Sozialpädagogin Naomi Feil anfangs für verrückt erklärt. Hier erklärt sie, wie ihre Methode funktioniert.

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spmc-122228856911350 21.11.2017, 13:40
20. Zusammenleben ganz einfach

Wir leben seit 15 Jahren mit meinen Schwiegereltern jetzt 94/95 zusammen. Die kommen in der gewohnten Umgebung bestens zurecht. Brauchen sie Hilfe, gibt's die. Haben sie was vergessen wird daran erinnert, falls sie es wollen. Ausserhalb des Hauses aber wird es sehr schwer mittlerweile. Demenz ist Alter und kommt früher oder später bei jedem

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biber01 21.11.2017, 13:41
21. @merk

Pflege zusammen mit meiner Schwester unter Ausnutzung aller beruflichen Möglichkeiten meine 83'jährige Mutter.
Begann vor knapp vier Jahren mit Vergesslichkeit u. ungwöhnlichem Verhalten. Mittlerweile kann meine Mutter kaum noch sprechen, nicht mehr allein aufstehen, laufen o. essen, muss Windeln tragen. Es ist schrecklich, das mit anzusehen.
Ab u. zu in klaren Momenten fragt sie
uns, was mit ihr los wäre..
Die Belastung durch die Pflege ist enorm u. nur durch geteilte Arbeit u. durch die tatkräftige Hilfe mehrerer Enkel u. Enkelinnen zu schaffen.
Aber meine Mutter war eine treusorgende u. liebevolle Mama u. Oma, die auf keinen Fall ins Heim soll.
Trotzdem spiele ich auch mit dem Gedanken, bei eigener Erkrankung die
Gunter-Sachs-Lösung zu wählen.

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political_incorrect 21.11.2017, 14:00
22. Liest sich gut!

Allerdings wird ein Aspekt nicht wirklich vertieft: Demenz bedingt auch, dass der Charakter des Menschen sich zunehmend auf seine rudimentären Eckdaten beschränkt. Blöderweise kommen meist die negativen Eckdaten in den Vordergrund des Verhaltens.
Meine 93jährige demente Mutter manipulierte, intrigierte, beleidigte, log ... und ich wusste nicht immer, was bewusst gewollt (sie war ja früher auch so, nur kaschierte es besser) oder demenzbegründet war.
Fakt war: ich konnte kaum noch durchschlafen, wurde selbst völlig irre und wünschte mir ihren zeitnahen Tod (mit dementsprechend schlechtes Gewissen).
Und dann soll man sich in die Welt des Dementen reindenken?
No way...sie wurde in ihrer Seniorenresiden eingenordet und hatte sich anständig zu benehmen (soweit sie es noch konnte).
Genau das gehört nämlich auch zu der richtigen Theorie, dass wir alle wieder zu Kindern werden: knallharte Leitplanken ziehen, was geht und was nicht.
Klappt nur nicht so wirklich bei Dementen, weil komischgerweise der Anspruch auf persönliche Freiheit nicht verschwindet.

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sanchopansa 21.11.2017, 14:06
23.

Zitat von biber01
Pflege zusammen mit meiner Schwester unter Ausnutzung aller beruflichen Möglichkeiten meine 83'jährige Mutter. Begann vor knapp vier Jahren mit Vergesslichkeit u. ungwöhnlichem Verhalten. Mittlerweile kann meine Mutter kaum noch sprechen, nicht mehr allein aufstehen, laufen o. essen, muss Windeln tragen. Es ist schrecklich, das mit anzusehen. Ab u. zu in klaren Momenten fragt sie uns, was mit ihr los wäre.. Die Belastung durch die Pflege ist enorm u. nur durch geteilte Arbeit u. durch die tatkräftige Hilfe mehrerer Enkel u. Enkelinnen zu schaffen. Aber meine Mutter war eine treusorgende u. liebevolle Mama u. Oma, die auf keinen Fall ins Heim soll. Trotzdem spiele ich auch mit dem Gedanken, bei eigener Erkrankung die Gunter-Sachs-Lösung zu wählen.
Also ich habe das auch hinter mir. Wir hatten eine Lösung gefunden, die uns sehr geholfen hat: Ein anthroposophisches Alten- und Pflegeheim, kombiniert mit einer netten Altenpflegerin, die wir privat engagiert haben und die sich täglich zusätzlich ca. 2 Stunden um meine Mutter gekümmert hat. Ich konnte dann noch so oft ich wollte zum "Schmusen" kommen, weil alles andere von Profis übernommen wurde. Ich bin heute überzeugt, dass das besser war als sie zu Hause zu pflegen, weil sie die Belastung gespürt hätte. Sie hat auch so des öfteren gesagt, dass ich nicht so oft kommen müsste, weil sie meinen arbeitsreichen Alltag gut kannte.
Es war oft sehr schön und sehr innig mit ihr und wir konnten das beide in Ruhe genießen.

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toskana2 21.11.2017, 14:26
24. Vorsicht

Man kann sich vortrefflich darüber streiten,
ob Demenz eine Krankheit sei oder nicht.
Das ist nicht die Frage.

Nach Stand der Dinge dürfte in den kommenden Jahren
jeder Zweite davon betroffen sein.
Aus diesem Grund sollten alle, die sich mit diesem Problem befassen,
Nachdenklichkeit und Vorsicht walten lassen.

Die "Gunter Sachs-Lösung" mit der manche in Gedanken spielen,
scheint mir suboptimal.
Weil man eben die Umstände bis dahin nicht vorwegnehmen kann.
Es sei denn, wir bekommen bis dahin Verhältnisse, wie in den USA,
wo sich jeder eine Waffe auf dem freien Markt besorgen kann.

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jeby 21.11.2017, 14:29
25.

Zitat von helgeharder
sind zwei verschiedene Dinge und eben nicht dasselbe. Man kann sehr wohl dement sein, aber nicht an Alzheimer leiden. Bei Alzheimer wird man nicht "nur" vergeßlich, die Krankheit (ja, das ist eine!) führt auch zum Abbau von Muskulatur und weiteren Problemen. Ein "normal" Altersdementer erkennt zwar andere Personen nicht mehr, weiß aber im Allgemeinen weiterhin, wer er ist und wofür Alltagsgegenstände gebraucht werden. Auch Veränderungen des Charakters treten nicht wie bei Alzheimer auf, in dessen Verlauf die gesamte Persönlichkeit zerstört wird. Auch relativ junge Menschen können an Alzheimer erkranken, das ist meines Wissens bei einer "normalen" Demenz noch nicht vorgekommen.
Demenz ist viel schlimmer als sie denken. Im Anfangsstadium geht es noch, aber später verabschiedet sich die gesamte Persönlichkeit des Menschen auch. Der IQ sinkt auf 0. Meine Großmutter hatte die Krankheit jahrelang auch. Kurz vor ihrem Tod war sei praktisch nur noch eine leere Hülle, ein Körper ohne Geist.

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schlauchschelle 21.11.2017, 14:32
26. Das ist auch meine Beobachtung

Zitat von helgeharder
sind zwei verschiedene Dinge und eben nicht dasselbe. Man kann sehr wohl dement sein, aber nicht an Alzheimer leiden. Bei Alzheimer wird man nicht "nur" vergeßlich, die Krankheit (ja, das ist eine!) führt auch zum Abbau von Muskulatur und weiteren Problemen. Ein "normal" Altersdementer erkennt zwar andere Personen nicht mehr, weiß aber im Allgemeinen weiterhin, wer er ist und wofür Alltagsgegenstände gebraucht werden. Auch Veränderungen des Charakters treten nicht wie bei Alzheimer auf, in dessen Verlauf die gesamte Persönlichkeit zerstört wird. Auch relativ junge Menschen können an Alzheimer erkranken, das ist meines Wissens bei einer "normalen" Demenz noch nicht vorgekommen.
Mum weiß zwar nicht mehr, was sie 1 Minute vorher gemacht hat, was sie z.B. mit mir geredet hat, geht u.U. 10 mal pro Stunde auf Toilette, kann sich nicht mehr alleine an- und auskleiden, aufstehen, zu Bett gehen usw. Aber sie erkennt sich im Spiegel sowie ihre Familie und Nachbarn, die Sprache und Satzbildung ist klar. Alltagsgegenstände kann sie benutzen, auch die Fernbedienung des neuen TV kann sie in Grenzen nutzen (sinnvoll). Sie benötigt halt Unterstützung, um den Alltag zu bewältigen, kann aber noch stundenweise alleine sein. Körperlich ist sie topfit, laut Arzt kann sie locker 90 werden (was wir alle hoffen). Auch ist bisher kaum Wesensveränderung zu erkennen, nur, dass sie "kindisch" geworden ist. Ich habe Alzheimer-Patienten gesehen und erlebt, die haben rapide geistig sowie körperlich völlig abgebaut :(

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karlsiegfried 21.11.2017, 14:34
27. Demenz ist eine natürliche Verfallserscheinung eines Körpers ....

... hervogerufen durch Überalterung der Menschen, den Zwang der Medizin und auch der neuen auch politischen Heilslehre immer älter werden zu müssen. Das muss deutlich gesagt werden. Wie damit umgegangen wird oder werden sollte, ist eine andere Sache. Zitat: 'In Deutschland leben zurzeit rund 1,4 Millionen Menschen mit einer Demenz. Für das Jahr 2050 geht die Deutsche Alzheimergesellschaft von drei Millionen Betroffenen aus, von denen rund jeder Dritte älter als 90 Jahre alt sein wird. Bereits heute gehört es in Umfragen zu den größten Ängsten der Deutschen, später einmal als Pflegefall zu enden.' Quelle: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2013-09/demenz-weltalzheimerbericht-2013. Das ist ja eine Katastrophe. Jeder dritte Deutsche über 90 Jahre alt. Wer soll das denn noch bezahlen und ohne psychische Schäden der der Pflegepersonen, wie Kinder und so weiter, überleben können?

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jeby 21.11.2017, 14:46
28.

Zitat von spmc-122228856911350
Wir leben seit 15 Jahren mit meinen Schwiegereltern jetzt 94/95 zusammen. Die kommen in der gewohnten Umgebung bestens zurecht. Brauchen sie Hilfe, gibt's die. Haben sie was vergessen wird daran erinnert, falls sie es wollen. Ausserhalb des Hauses aber wird es sehr schwer mittlerweile. Demenz ist Alter und kommt früher oder später bei jedem
Das stimmt nicht. Menschen die 110 und älter geworden sind haben praktisch alle gemeinsam, dass sie nicht an Demenz erkrankt sind.

Ich vermute sie verwechseln normale Altersvergesslichkeit und das allgemeine Nachlassen der Gehirnleistung mit Demenz. Da ihre Schwiegereltern schon sehr alt sind und in der gewohnten Umgebung noch bestens zurechtkommen, vermute ich sehr stark, dass sie glücklicherweise nicht an Demenz erkrankt sind.

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CoraU 21.11.2017, 15:01
29. @political incorrect

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen!
Der Anspruch auf persönliche maximale Freiheit verschwindet nicht, weder bei den Stemmenden selber noch bei Aussenstehenden.
Verstehen kann so etwas nur, wer selber eng betreut.
Mit der Demenz und dem Alter werden auch vorher besser unterdrückte Egozentrikern und Egoismen maximal groß, vor allem dann, wenn die Demenz mit einer Depression vergesellschaftet ist, was nicht selten der Fall ist.
Der Demente kreist nur noch um sich selber.
Wer aber noch leben kann und öleben soll, das sind oft die, die betreuen, sie sind jünger und haben noch viele Möglichkeiten.
Ich plädiere im Zweifel für das Wohl der Angehörigen. Oder für´s Heim.
Einen Dezenten zu pflegen kostet mehr Kraft, als diesem oft zusteht.
Und seine innere Arbeit nicht zu besseren Zeiten gemacht zu haben darf kein Freibrief sein dafür, alle sEnergie der Umgebung abzusaugen.
Ja, Leitplanken müssen her.
Die Thesen im Artikel sind schön und theoretisch auch richtig, funktionieren aber nur in einem sehr breit aufgestellten Team in dem jeder auch nach ein paar Stunden wieder weg gehen kann!!!

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