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Umstrittene Psychotherapie-Reform: "Patienten sind in einer Schleife gefangen"
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Seit 2017 können Menschen in psychischen Krisen schneller ein Gespräch beim Psychotherapeuten führen. Doch die Wartezeiten für eine Behandlung haben sich mitunter deutlich verlängert.

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Caldwhyn 11.02.2018, 20:26
10. Lieber Kollege DasKlaus

Warum macht es sich unser Berufsstand immer so schwer? Hier im Artikel geht es offensichtlich um Kostenerstattung und nicht um die Kassenabrechnung mit Sitz. Aber mal Butter bei die Fische, wie lang ist denn die Warteliste? Meine derzeit 6 Seiten und ich bin dann doch schon seit 8 Monaten am gegenwärtigen Standort in ländlichem Raum niedergelassen. Und ich nutze den halben Sitz bis zur Plausi Grenze aus, bevor Sie irgendwelche Vermutungen anstellen.
Das gibt‘s nur bei uns Psychotherapeuten, immer wenn über Mißstände berichtet wird kommt jemand um die Ecke und argumentiert, „bei mir ist es gar nicht so schlimm“. N=1 hat welche Aussagekraft? Statistik schon verdrängt? Warum nicht mal zusammenhalten? So wird das nie was. Wir brauchen ja auch ein Dutzend Berufsverbände - zusätzlich zu den ganzen Kammern. Zwei Psychotherapeuten, drei Meinungen, wie üblich. Und ja, ich bin mir bewusst, dass auch mein Beitrag dies wiederspiegelt.

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drkhbauer 11.02.2018, 20:33
11. Psychotherapie

Die Psychologisierung der Welt und der Menschen führt nicht zu einer besseren Welt, sondern zu mehr psychisch angeschlagenen Menschen, die Hilfe suchen. Die banalsten Befindlichkeitsstörungen werden hochgejazzt zu schweren psychischen Krankheitsbildern. Da es viel zu viele Psychologen gibt, als notwendig sind, werden clevere Studien immer einen Mehrbedarf via angeblicher Unterversorgung postulieren. Je mehr Helfer um so mehr nicht versorgte Patienten. Ein Teufelskreis. Die Studien stammen immer von interessierten Kreisen, die ihre therapeutische Wichtigkeit zur Geltung bringen wollen/müssen, sonst rentiert sich die Ausbildung zum Psychotherapeuten nicht. Selbst der letzte Hosenmatz hat eine "posttraumatische Belastungsstörung" - Ziel ist für den Therapeuten: möglichst langfristig Patienten binden, das garantiert Umsatz. Wie immer: Geld ist wichtig.
Es gibt sogenannte Psychotherapeuten, die es schaffen während ihres gesamten Berufslebens von etwa 40 Jahren nicht mehr als 10 Patienten zu betreuen: ein Ideal für jeden Psychotherapeuten und: man lebt sehr gut davon ohne je in Frage gestellt zu werden.
4 Sitzungen pro Woche, - mindestens eine davon zahlt der Patient aus eigener Tasche - garantiert 40 Sitzungen à etwa €110.00 oder €4'400.00 pro Woche. Einsatz: das obligatorische Arbeitszimmer in der eigenen Wohnung, maximal €200.00 pro Monat als Ausgaben, das Patientenklo ist identisch mit dem Familienklo, eine Arzthelferin wird sowieso eingespart, oder es wird die Ehefrau bemüht.
Privatpatienten bringen übrigens noch mehr pro Woche.
Ein künstlicher Mangel garantiert hohe Einkommen, oder haben Sie €17'600.00 pro Monat minus €800.00 Unkosten? Die Wertschöpfung ist gigantisch.

wenn Sie etwas über "fake news" wissen wollen, dann glauben Sie Psychologen, die jammern.

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Kupferlegierung 11.02.2018, 20:53
12. Stadt-Land-Gefälle

Bei den Wartezeiten für Psychotherapie gibt es ein krasses Stadt-Land-Gefälle. In den Groß- und Universitätsstädten gibt es reichlich bis überreichlich Psychotherapeuten. Durch sog. Sitzteilungen hat sich deren Zahl in den letzten Jahren noch deutlich erhöht. Hier haben Therapeuten sogar Kapazitäten frei und suchen Patienten, was aber nur hinter vorgehaltener Hand erzählt wird. Die Psychotherapeutenverbände machen Lobbyarbeit und fordern immer mehr Kassensitze. Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollten für eine Sicherstellung sorgen, tun aber für ländliche Gegenden zu wenig und lassen in den Großstädten zu viele Niederlassungen zu.
Eine leichte depressive Episode kann mit 60 Stunden Psychotherapie (über-)behandelt werden, wenn der Patient nett ist. Die Menge würde für etwa vier Patienten mit dieser Diagnose reichen.

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tknights 11.02.2018, 20:59
13. Berufspolitik der dptv vom Feinsten

Das ist ja mal wieder typisch dptv. Erst stellt sie bei allen Kassenärztlichen Vereinigungen und der KBV Anträge, das der Schiedsamtspruch, nach dem die Terminservicestellen auch in die Probatorik vermitteln sollen, von der KBV beklagt werden soll. Und dann spielt sie sich als Retter der Patienten auf, die keinen Therapieplatz finden. Die Terminservicestellen sollen erst mal ihrer Pflicht nachkommen, in die Probatorik zu vermitteln!

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aedera 11.02.2018, 21:20
14. Zweiklassen Medizin...

Genau aus diesem Grund habe ich eine Selbstzahler-Therapie gemacht. Wenn man sowieso dringend Hilfe braucht, ist es einfach zermürbend sich einen Platz zu suchen. Teilweise verschlimmert sich der seelische Zustand nur noch. Leider kann es soch nicht jeder leisten eine Therapie selbst zu zahlen und eigentlich auch unmöglich, dass sowas überhaupt nötig ist... Man muss sich schnelle Hilfe leisten können oder im Krankenhaus einliefern lassen m sofort Hilfe zu erhalten...

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drfake 11.02.2018, 21:24
15. Zur Klarstellung

Kollege (?) drhkhbauer hat offenbar noch nicht überwunden, dass nicht mehr nur Ärzte wie er die Deutungshoheit über die Befindlichkeiten der ihnen anvertrauten Patienten haben.

Er ist sich deshalb nicht so schade, Neid zu schüren und falsche Informationen über die Honorarhöhe psychotherapeutischer Behandlungen zu verbreiten.

Die tatsächlichen Honorare sind:
Für einen gesetzlich Versicherten können für eine genehmigte Behandlungsstunde von 50 Minuten Dauer € 89,60 abgerechnet werden.
Einen privat versicherten Patienten werden dafür € 100,56 in Rechnung gestellt.

Die übrigen Spekulationen über die Qualität der Behandlungsräume, die Anstellung der Ehefrau oder die Behandlungsfrequenz von vier Stunden pro Woche sind so absurd, dass sie keine Kommentierung verdienen.

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klauspeterstuder 11.02.2018, 21:26
16. Katastropal

Was hier teilweise wiedergeben wird. Wir glätten als unseren familiären und beruflichen Stress auf Kosten der Solidargesellschaft. Zwangsgemeinschaft. Solidarität wird in dieser Gesellschaft doch klein geschrieben. Diese Gesellschaft ist es im wesentlichen die Menschen krank macht. Ein auf Leistung getrimmtes System, das Schwächen nicht duldet. Wer die kleinste Schwäche zeigt der wird niedergemacht. Auf Solidarität und Unterstützung von Kollegen und Teammitgliedern sollte man lieber nicht rechnen. Teamarbeit dient eher der gegenseitigen Leistungskontrolle. Wer nicht mithalten kann der wird von den Teammitgliedern unter Druck gesetzt. Da darf es nicht wundern, dass psychische Erkrankungen zunehmen. Sie gehören mittlerweile zu den Hauptgründen für erkrankungsbedingte Arbeitsausfälle. Stress allein begründet das nicht. Dafür sollen wir auch noch der Solidargesellschaft ein Schlechtes Gewissen entgegen bringen. Diese Solidargesellschaft ist eine Fiction. Solidarität basiert nicht auf Zwang

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unzensierbar 11.02.2018, 21:44
17. Krankenkassen zur Rechenschaft ziehen

Es muss endlich mal was gegen Krankenkassen unternommen werden. Es ist doch unerträglich wie der Staat diesen erlaubt zu tun und zu lassen was sie wollen. Für nichts bezahlen, aber immer mehr Beiträge einkassieren. Das muss endlich mal beendet werden. Hinzu kommen all die anderen bürokratischen Probleme. Wie hier angesprochen gehören derart lange Wartezeiten abgeschafft.

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natakajw 11.02.2018, 21:53
18. Bin selber Psychotherapeut

mit KvSitz in Köln. Die Reform ist unsäglich besch.. eiden. 4 Stunden telefonische Erreichbarkeit pro Woche. Als ob es kein Internet gäbe, bzw. webpage mit email. Das hat 5 Therapieplätze pro Woche gekostet. Plus der erhöhte Verwaltundsaufwand. Diese Reform verfehlt ihr Ziel um Längen, wie alles was vom Pharma Lobbyisten Gröhe gekommen ist. Es tut mir leid für die Patienten. Aber für uns ist unser Job kaum noch halbwegs wirtschaftlich zu betreiben. 88 Euro für 70 Minuten Umsatz grenzt an Selbsausbeutung.

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just_another_one 11.02.2018, 22:13
19.

Wenn ich hier auf SPON (insbesondere dem Bento-Kinderkanal) überfliege, wegen was für Trivialitäten zum Psychologen gegangen wird, verwundern mich die Wartezeiten nicht. Entsprechend gibt es auch keine Sprechzeiten bei ernsthaften Krisen. Ich hab in meinem Leben 2 mal versucht, einen Termin zu bekommen, wegen jeweils starker Depression. Nach ein paar Anrufen hab ich aufgegeben, mir hat die Kraft gefehlt. Was soll's, ich lebe ja immer noch :-)

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