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Vorstoß der FDP: Ärzte lehnen Verkauf von Suizid-Mitteln für Schwerkranke ab
DPA

Unheilbare Kranke haben in Extremfällen das Recht, eine tödliche Dosis Betäubungsmittel zu erhalten. Bislang verwehrt ihnen das Gesundheitsministerium den Zugang, die FDP will das ändern. Doch Ärzte halten dagegen.

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quark2@mailinator.com 21.02.2019, 03:13
100.

Zitat von practicus
Als Arzt will ich weder gezwungen werden, ein Suizidmittel zu verordnen, noch dazu, diese Verordnung zu verweigern. ...
Da stimme ich Ihnen 100%ig zu. Dies wäre eine unerträgliche Last, die keinem Menschen zugemutet werden kann. Genau deshalb bin ich auch gegen jegliche Art von Beratung etc. an der Stelle. So wie man es geschafft hat, eine Babyklappe zu erfinden, die es ermöglicht etwas zu tun, das eigentlich nicht geht, sollte man dies auch für dieses Problem wieder schaffen. Um es ganz klar zu sagen - so schlimm die Folgen des freien Waffenbesitzes für die Bewohner der USA sind, zumindest löst es dieses Problem. Jeder kann, wenn er denn will, seine Entscheidung treffen, ohne Rückfrage, ohne "Beratung", ohne Kosten. Persönlich beneide ich die Amerikaner darum.

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klmo 21.02.2019, 10:53
101.

Zitat von Flugzeugfreak1
Hier versuchen viele Foristen, die Verantwortung für den Freitod auf jemanden anders abzuwälzen, namentlich auf die Ärzte
Ist doch alles Nonsens. Warum geht es in der Schweiz, in Belgien, in Holland und auch in Luxemburg?
In Luxemburg wurde durch Volksabstimmung entschieden, obwohl der Klerus, der Herzog und die Parteien mit dem C strikt dagegen waren.
Ähnlich wäre der Ausgang in Deutschland, wo täglich in Dauerschleife das Hohelied der Demokratie gesungen wird.
Und als letzte Anmerkung: Kein Arzt, auch nicht in den obig angeführten Ländern, wird zu einer diesbezüglichen Handlung gezwungen.

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klmo 21.02.2019, 11:14
102.

Zitat von CancunMM
Und für mich ist es Anmaßung einen anderen vorzuschreiben, dass er der Erlöser sein soll.
Sie MÜSSEN überhaupt nichts. Aber es wird genügend Ärzte geben, die den Begriff "Erlösung" anders sehen!

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klmo 21.02.2019, 11:22
103.

Zitat von Bondurant
so ist es. Und im Grunde genommen liegt dem eine alte Furcht, eine Art Aberglaube zugrunde: das Suizidtabu gibt es nur dann, wenn die Gesellschaft von Religionen beherrscht wird, die ein (paradiesisches) Leben nach dem Tode in Aussicht stellen. (Bezeichnenderweise wurde in der Antike, Rom und Griechenland zumal, der Suizid eben gerade nicht als Sünde angesehen.
Da gab es auch Kriterien:

Die Würde des Menschen hatte in der Antike einen hohen Stellenwert. Nach der Stoa war der Freitod in fünf Fällen erlaubt: Aus sittlicher Pflicht, Tyrannei, schwerer Krankheit, Armut und Verblödung.
Den Rest hatte man zu ertragen!

Da sich im allgemeinen die heutigen Rahmenbedingungen verändert haben, bleibt vordergründig eigentlich nur noch "die schwere Krankheit".

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Softship 21.02.2019, 20:58
104.

Zitat von practicus
(Als Arzt) will ich weder gezwungen werden, ein Suizidmittel zu verordnen, noch dazu, diese Verordnung zu verweigern. Das ist im Fall des Falles meine ärztliche Gewissensentscheidung, die ich mir weder von Herrn Spahn noch von Herrn Montgomery nehmen lassen! Ich habe in meiner jahrzehntlangen ärztlichen Tätigkeit Patienten mit Sterbewunsch immer wieder erklärt, welche Dosis ihrer vorhandenen Medikamente einen sanften Tod ermöglicht - keiner davon hat je davon Gebrauch gemacht, alle waren damit zufrieden, dadurch ihre Autonomie behalten zu können... Wenn es MEINE Entscheidung ist, wieviel ich aushalten will oder kann, ist das ganz anders, als wenn eine FREMDE Entscheidung bestimmt, was ich auszuhalten habe - Punkt!
Also Sie erklären Ihren Patienten, wie sie die von Ihnen verschriebene Medikamente einnehmen müssen um zu sterben, aber wollen nicht ein Medikament verschreiben, dass das genauso gut oder besser tut.
Angenommen das ist so: Sie schreiben auch, dass Ihre Patienten zufrieden waren, weil sie Ihre Autonomie behalten konnten.
Wo, aber, ist den der Unterschied zwischen dem, was Sie angeblich tun, und das Verschreiben eines Medikamentes, dass dasselbe Ziel verfolgt?
Würden Sie ein terminale Sedierung befürworten, wenn die Qualen eines Patienten unerträglich und nicht behandelbar wären?
Ja, es ist Ihre Entscheidung, wie viel Sie aushalten möchten, aber interessant ist, dass Sie uns terminal Erkrankten nicht dasselbe Recht zubilligen.

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Bondurant 22.02.2019, 10:27
105.

Zitat von klmo
Die Würde des Menschen hatte in der Antike einen hohen Stellenwert. Nach der Stoa war der Freitod in fünf Fällen erlaubt: Aus sittlicher Pflicht, Tyrannei, schwerer Krankheit, Armut und Verblödung.
Naja, wenn Armut, schwere Krankheit, Leben in der Tyrannei und Verblödung einen Suizid sozusagen für eine angemessene Reaktion erklären, was bleibt da noch groß an Verbot? Und Suizid aus "sittlicher Pflicht" - genau so etwas würde man heute für ein Symptom einer psychischen Erkrankung ansehen. Ich finde, Sie bestätigen mich: moralische Probleme mit dem Suizid hatte die Antike eher nicht. Und ich bleibe dabei: Nur in Kulturen, die das paradiesische Leben nach dem Tod kennen, kann Freitod "Sünde" sein.

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practicus 22.02.2019, 23:30
106. Missverständnis?

Zitat von Softship
Also Sie erklären Ihren Patienten, wie sie die von Ihnen verschriebene Medikamente einnehmen müssen um zu sterben, aber wollen nicht ein Medikament verschreiben, dass das genauso gut oder besser tut. Angenommen das ist so: Sie schreiben auch, dass Ihre Patienten zufrieden waren, weil sie Ihre Autonomie behalten konnten. Wo, aber, ist den der Unterschied zwischen dem, was Sie angeblich tun, und das Verschreiben eines Medikamentes, dass dasselbe Ziel verfolgt? Würden Sie ein terminale Sedierung befürworten, wenn die Qualen eines Patienten unerträglich und nicht behandelbar wären? Ja, es ist Ihre Entscheidung, wie viel Sie aushalten möchten, aber interessant ist, dass Sie uns terminal Erkrankten nicht dasselbe Recht zubilligen.
Ich habe keineswegs die Verordnung eines Suizidmittels abgelehnt - ich möchte jedoch eine solche Entscheidung weder als"Auftragsleistung" vornehmen müssen, noch mir verbieten lassen!
Natürlich billige ich terminal Erkrankten diese Entscheidung zu und finde den "Nichtanwendungserlass" des Herrn Spahn an das BfArM skandalös und als rücktrittswürdige Missachtung des höchsten deutschen Gerichts.

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Softship 23.02.2019, 16:22
107.

Zitat von practicus
Ich habe keineswegs die Verordnung eines Suizidmittels abgelehnt - ich möchte jedoch eine solche Entscheidung weder als"Auftragsleistung" vornehmen müssen, noch mir verbieten lassen! Natürlich billige ich terminal Erkrankten diese Entscheidung zu und finde den "Nichtanwendungserlass" des Herrn Spahn an das BfArM skandalös und als rücktrittswürdige Missachtung des höchsten deutschen Gerichts.
Vielen Dank, dass Sie das klar gestellt haben.

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gantenbein3 26.02.2019, 13:53
108. Die FAZ fragt heute

ob Gesundheitsminister Jens Spahn persönlich die Umsetzung eines Sterbehilfeurteils verhindert habe:

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/verhinderte-jens-spahn-die-umsetzung-eines-sterbehilfe-urteils-16060653.html

So setzt man sich über das Recht und das Leiden hinweg. Es ist empörend. Diese Leute haben einfach nicht das menschliche Format, das sie in ihrem Amt und in ihrer Funktion haben sollten. Denen geht es nur und nur um die Verteidigung ihrer fragwürdigen moralischen Prinzipien. Dass deswegen schwerstkranke Menschen noch mehr leiden als sie leiden müssten, lassen sie nicht gelten. Aber irgendwann wird die Menschlichkeit siegen. Bis dahin können sie sich an dem Gefühl erfreuen, dass sie es sind, die das Leiden vieler Menschen verlängern.

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karlsiegfried 28.02.2019, 22:41
109. Es geht auch anders

Zitat von CancunMM
das ist kein moralischer Imperativ. Es ist nun mal keine ärztliche Aufgabe Mittel zu verabreichen,die primär töten. Und sie wissen doch gar nicht wie meine Haltung zu Abtreibungen ist. Und wie schon geschrieben... Wenn Ihnen ihr Vater, Ihre Mutter oder sonst ein geliebter Mensch es wert ist, dann setzen Sie sich doch für die Möglichkeit ein, das Medikamente zum Suizid von einem Amt dann an den Patienten selbst oder an die Angehörigen ausgegeben werden und machen es sellbst. Oder haben Sie dann auf einmal moralische Bedenken ?
Eines der Hauptprobleme ist, solange der Mensch jung und gesund ist, ist Sterbehilfe, auch in Form eines Suizids, ein ungeliebtes Thema. Es wird nur aktuell, wenn es es körperlich radikal bergab geht. Aber dann ist man schon längst im 'Gefängnis Gesetz, Arzt, Familie oder Pflegeheim' angekommen. Auf Gedeih und Verderb musss dann endlos gelitten werden.. Mal in guten Jahren darüber nachdenken, wie man sich im Notfall auch ohne Strick oder Bahngleis von dieser Welt verabschieden kann. Es gibt viele andere Möglichkeiten. Ausserdem, selbst ein Strick ist weniger leidvoll, als jahrelanges Siechtum im Pflegeheim.

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