Forum: Gesundheit
Vorstoß der FDP: Ärzte lehnen Verkauf von Suizid-Mitteln für Schwerkranke ab
DPA

Unheilbare Kranke haben in Extremfällen das Recht, eine tödliche Dosis Betäubungsmittel zu erhalten. Bislang verwehrt ihnen das Gesundheitsministerium den Zugang, die FDP will das ändern. Doch Ärzte halten dagegen.

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sapparati 19.02.2019, 15:17
30. Zynical

Er ist ein sehr guter Arzt aber ein noch besserer Geschäftsmann.

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CancunMM 19.02.2019, 15:22
31.

Zitat von aliof
.. gibt es in D keine erlaubte Form aktiver Sterbehilfe, .. anders als zB in einigen unserer Nachbarländer .. CH , NL und B. Wobei auch dort nach vollzogener Tötung eine staatsanwaltschaftliche Untersuchung , weil Tod aus nicht natürlicher Ursache , stattfindet. Auch in den Niederlanden ist es nach wie vor jedem einzelnen Arzt erlaubt, dazu eine ganz eigene Meinung zu vertreten, und sich an einer Tötung auf Verlangen NICHT zu beteiligen. Sachlich gesehen scheint mir das Töten von Menschen aber auch nicht wirklich eine ärztliche Tätigkeit zu sein.
Danke ! Genau so sehe ich es auch.
Es ist nicht eine ärztliche Aufgabe !

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hasselblad 19.02.2019, 15:34
32.

Jeder soll gehen können wann er will, das ist der höchstmögliche Ausdruck freien Willens. Dass das dem christlichen Gesundheitsminister nicht gefällt mag in seiner schrägen Welt normal sein. Das echte Leben funktioniert bloß anders als in einem 2.000 Jahre alten Märchenbuch vorgesehen, und insb. Politik sollte sich nicht auf Regeln aus der Schwarte berufen, religiös verbrämte Ethikvorstellungen (Messdiener missbrauchen ist super, Abtreibung und Sterbehilfe eher nicht so) haben nämlich auch nichts mit der Lebensrealität echter Menschen zu tun. Wer sterben will soll das halt tun, und es macht einfach deutlich mehr Sinn, wenn die s unter fachlicher medizinischer Aufsicht geschieht und nicht auf einer Bahnschiene in der Provinz.

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m.s.schneider 19.02.2019, 15:39
33.

So kurzes Denken. Was man hört, ist 'Ich', der 'Einzelne', 'jeder für sich', aber das ist zu kurz gedacht. Die Schwelle, nein das Tabu, einen anderen Menschen zu töten oder ihm bei der Selbsttötung zu helfen, kann gar nicht hoch genug sein. Warum? Um die Schwachen zu schützen. Nochmal: Um die Schwachen zu schützen. Die Definition, was 'unerträgliches Leid' sei, ist vollkommen willkürlich und auch völlig unabhängig von Ärzten oder Psychologen. Denn wäre es das nicht, dann müsste es Richtlinien geben, Skalen, Punktesysteme, Fragebögen usw., anhand derer ein Arzt o.ä. feststellen könnte, dass das subjektive Leid einer Person, 'objektiv' bestätigt werden könnte. Die Person müsste, unabhängig von ihrer Aussage, rein körperlich bestimmte Kriterien erfüllen, wenn man vermeiden möchte, dass sich jemand aus Liebeskummer umbringen lässt. Doch hier kippt es: Was, wenn jemand alle körperlichen, messtechnischen und 'objektiven' Kriterien erfüllt, aber er nicht sterben will? Was, wenn jemand WEISS, dass er diese Kriterien erfüllt und er auch WEISS, dass alle anderen, die ihn betrachten, dies wissen? Was macht das mit einem, wenn man weiß, dass man in die Klasse derer fällt, die nur noch die Unterschrift leisten müssen? Wenn man also weiß, dass man nach allen 'objektiven' Kriterien tötbar/tötenswert ist? Und deshalb: Um die Schwachen zu schützen. Denn hier stehen die Tore weit offen. Die Szenarien kann man sich jeder selber ausdenken, in denen die Verwandtschaft, das Geld, das Amt, und die erfüllten Kriterien, wer auch immer, Kräfte darstellen, die wirksam werden.

Was macht das mit uns allen, mit unserem Denken und mit der Art und Weise, mit wir auf den anderen Menschen gucken? Wir sehen eine Gruppe von Menschen, die als tötbar gelten, nur die Unterschrift noch nicht geleistet haben. Wir sehen eine Gruppe von Menschen, die nicht einverstanden damit sind, sich töten zu lassen, OBWOHL doch alle anderen Kriterien erfüllt sind, sogar dafür sprechen. Die Menschen in dieser Gruppe wissen darum und müssen sich gegen einen noch nicht ausgesprochenen Anspruch WEHREN, vielleicht nicht morgen oder übermorgen, aber der Stein rollt. Was ist mit denen, die sich nicht äußern können, was ist mit denen, die nicht verstehen, um was es geht und die alle Kriterien erfüllen?

Die einzige Möglichkeit wäre, dass der Arzt, ein Freund, irgendwer, wissentlich gegen dieses Tabu verstößt. Diese Person müsste privat für sich abwägen, was ihm höher steht: die eigene Angst vor der möglichen Verfolgung eines Tötungsdeliktes oder der Glaube, empathisch im Interesse des Anderes gehandelt zu haben. Denn dann sollte er sich auch dafür verantworten können und WOLLEN. Damit kann man einverstanden sein oder nicht, aber nur so geht es, um eben die zu schützen, die nicht laut 'IchIchIch!' rufen können, die nicht in der Lage sind, nicht die Kraft haben oder nicht den Mut, dem möglichen Anspruch der Vielen zu widerstehen.

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Bondurant 19.02.2019, 15:55
34.

Zitat von m.s.schneider
Die Schwelle, nein das Tabu, einen anderen Menschen zu töten oder ihm bei der Selbsttötung zu helfen, kann gar nicht hoch genug sein.
Sie setzen hier zwei Handlungen gleich, die ganz unterschiedlich sind. Selbst im Strafrecht wird das nicht getan: Beihilfe zum Suizid ist bei uns von jeher straflos, Tötung auf Verlangen nicht. Was ist Ihr Argument, dies gleichzusetzen?

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Bondurant 19.02.2019, 15:57
35.

Zitat von m.s.schneider
Die Definition, was 'unerträgliches Leid' sei, ist vollkommen willkürlich und auch völlig unabhängig von Ärzten oder Psychologen.
Sehr richtig. Was "unerträglich" ist, kann nur das Individuum für sich selbst entscheiden.

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Zentrist 19.02.2019, 16:02
36. Bevormundung überall

Was soll das denn bringen?
Im Zweifel töten sich die Schwerkranken dann - schmerzhaft - auf andere Weise oder sehen keinen anderen Ausweg mehr, als Methoden zu wählen, die auch für Unbeteiligte eine Gefahr darstellen.
Und wofür? Damit der Mensch bis zu seinem Tod mit Haut und Haar der Gesellschaft gehört, statt sich selbst.

Widerlich.

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cobaea 19.02.2019, 16:05
37.

Zitat von CancunMM
Und ? Das ist doch etwas ganz Anderes. Sie können doch auch den Wunsch haben, wenn Sie große Schmerzen haben sich das Leben zu nehmen. Aber dieses Medikament Ihrem Vater oder Mutter selbst zu geben wird sicher nicht so einfach sein. Es geht nicht darum Menschen leiden zu ersparen, sondern: Warum sollen Ärzte zum Henker werden. Warum nicht ein Familienangehöriger ? Warum nicht jemand, der vom Staat bestellt wird ? Ein Jurist z.B. ? Der Patient ist danach erlöst, aber wie sieht es mit dem Arzt danach aus. Der muss weiter leben in dem Bewusstsein einen Menschen umgebracht zu haben.
Mit Verlaub - das sind unsinnige Fragen. Warum kein Angehöriger? Ja, warum wohl nicht? weil der nämlich nicht ohne ärztliches Rezept oder ärztliche Abgabe an ein entsprechendes Medikament kommt. Wenn er's erst einmal hat, kann er's dann weitergeben. Wobei nicht klar ist, wozu man dann noch den Angehörigen braucht. Dann kann's nämlich der Sterbewillige auch selbst nehmen - er muss es sogar, sonst wäre es nämlich keine Suizidassistenz (die straflos ist), sondern mindestens Tötung auf Verlangen.
Übrigens ist man kein Henker, wenn man einem Todkranken hilft, Suizid zu begehen, indem man ein Medikament abgibt. Niemand erwartet, dass die ÄrztInnen selbst die Sterbewilligen vom Leben in den Tod befördern (schon gar nicht, wenn sie das nicht wollen - sie müssen ja auch keine Abtreibungen machen). Ärzte müssen übrigens auch dann "damit weiterleben, dass sie eine Menschen umgebracht haben", wenn dieser Mensch auf Grund eines Kunstfehlers oder eine falschen Diagnose oder wegen eines verschleppten Eingriffs stirbt.

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cobaea 19.02.2019, 16:16
38.

Zitat von CancunMM
Ach Sie haben nicht den Mut den Leidenden umzubrigen, aber der Arzt soll ihn haben, ja ? Das Verhalten der Ärzte damals war nicht hinnehmbar. Ich darf heutzutage die Schmerzmittel für den Patienten so weit dosieren, dass ich damit auch eine Verkürzung des Lebens in Kauf nehme. Das ist aber etwas ganz Anderes als jemand ein Medikamnet zu verabreichen, das einem sogleich ins Jenseits befördert. Ich finde es immer überragend wie schnell man doch ein Urteil fällt, wenn man selbst nicht unmittelbar betroffen ist.
Der Arzt muss den Leidenden nicht selbst vom Leben iin den Tod befördern - er soll ihm nur das Medikament dafür zur Verfügung stellen. Nehmen muss es der Patient alleine. Die Ärzte "damals", auf die Sie anspielen, massten sich selbst an, zu bestimmen, was "lebensunwertes Leben" war und beendeten dieses auf Grund ihrer eigenen Vorstellung. Hier geht es aber um den Willen der Betroffenen - die damals gar nicht gefragt wurden. "Damals" hat keiner diese Ärzte die Betroffenen gefragt, ob sie leiden und sterben oder leiden und weiterleben oder ob sie gar nicht leiden und leben möchten. Dieses Verhalten ist tatsächlich nicht hinnehmbar.
Wenn aber ein Betroffener selbst sterben will, weil er seine Schmerzen nicht mehr länger aushält oder aushalten will, dann sollte ein Arzt/eine Ärztin im Stande sein, ihm/ihr ein entsprechedes Medikament abzugeben, das der/die Betroffene dann selbst nimmt. Aber auch dieses Mal wollen die Ärzte wieder bestimmen, was der Patient/die Patientin zu wollen hat. Und offenbar bereitet es keine ärztlichen Bauchschmerzen jemanden dazu zu zwingen, weiter zu leiden. Ja, es ist immer wieder "überragend" wie schnell jemand Urteile fällt, wenn er nicht unmittelbar (von der Krankheit und ihren Auswirkungen) betroffen ist.

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aliof 19.02.2019, 16:24
39. Falsch. Das ist genau das Selbe,

Zitat von Bondurant
es geht um Beihilfe zur Selbstötung und die ist in der BR Deutschland seit jeher straffrei. Das ist eben keine aktive Sterbehilfe.
.. nämlich aktive Beteiligung an der Tötung eines Menschen, also aktive Sterbehilfe.
Das sehen im übrigen auch ca. 95 % aller Ärzte so, auch in den Niederlanden und in der Schweiz, und glücklicherweise auch jeder Staatsanwalt in jedem anderen, auch nur basal zivilisierten Land.

Und noch einmal mein Standpunkt : Jedermanfrau darf die Verantwortung für eigenes Tun (und Lassen) selbst in die Hand nehmen, aber da Andere mit hineinzuziehen, halte ich für nicht angemessen.

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