Forum: Gesundheit
Wartezeiten auf einen Therapieplatz: Wie ein Lobbyverband psychisch Kranken schadet
Studio Pong/ DER SPIEGEL

Psychisch Kranke müssen ewig auf einen Therapieplatz warten, weil das System eine Behandlung von Menschen mit geringen Leiden fördert. Besserung ist nicht in Sicht - ein mächtiger Lobbyverband verhindert jede Reform.

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aurora77 25.03.2019, 06:20
90. Therapie ist nicht gleich Therapie

In dem Artikel kann man die These herauslesen, dass jeder Psychotherapeut jede Krankheit behandeln könne. Dem ist jedoch nicht so. Wer Borderliner oder Menschen mit PTBS erfolgreich behandeln möchte, braucht dazu eine spezielle traumatherapeutische Zusatzausbildung. Wer die nicht hat, sollte von schweren Fällen dieser Art lieber die Finger lassen, um nicht noch mehr Schaden anzurichten. Statt einfach nur mehr Kassensitze einzurichten, sollte daher lieber in Spezialisten investiert werden, die dann auch vermittelt werden. Man schickt ja auch keine Herzpatienten zum Gynäkologen, nur weil der gerade einen Therapieplatz frei hat.

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rumans 25.03.2019, 07:53
91. wie wahr

Pseudokontrolle durch quälendes Pseudogutachterverfahren (etabliert zur Rechtfertigung und Anerkennung von Psycho von der Medizin überhaupt) gekonnt wie mit Sesamöffnedich komplizierter spekulativer Psychodynamik formuliert, muss gut klingen, gelesen beim Frühstücksei. Wenn einmal durch, wird die Genehmigung bis zum Schluss von Therapeut und Patient ausgelutscht, mit Besprechung von Alltagsproblemen. Oder der Patient schüttet sich paarmal mühevoll aus und wird aber dann nicht mehr fortgeführt. Oder fortgeführt ohne Fortschritt in Grössenordnung 10 Sitzungen. Also besser Zwischenkontrollen wie's geht, sonst Therapeutenwechsel. Ja Anfangsgraduierung/-evaluation, dann Fortschrittskontrolle von Extern. Zunahme des Honorars nach Erfolg, bezogen auf Schweregrad bei Beginn. Das ist von Extern evaluierbar. Insbesondere Einbeziehung des Stimmens der Chemie, was grundsätzlich ist.
Wie bei Chirurgen, die nach Schweregrad und Komplikationen evaluiert werden.
Insbesondere weg mit dem Pseudogutachterverfahren, was nur Kosten verursacht und den angeblich höherqualifizierten Psychoanalytikern einfache Einnahmen und den Beginn der Therapie verzögert durch zunächst tiefste Anamnesen, während aktuell der Zug vor die Wand fährt.

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nomoonatall 25.03.2019, 08:13
92. Liebe Pannenhilfe

wenn Sie die von Ihnen genannten Fälle wirklich genau anschauen können Sie sehen, dass Diplompsychologen keine Rolle spielten. Der gelernte Briefzusteller Hr. Postel alias Dr. Dr. Clemenz Bartholdi "wirkte" spektakulär als psychiatrischer Gutachter.
Im Fall Mollath waren beide umstrittenen Gutachter als Psychiater tätig. Bitte verwechseln Sie beide Berufsstände - Psyhologen und Psychiater - nicht.

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kl68 25.03.2019, 09:42
93. Welch eingeschränkte Sicht?

Werter Kollege,

ich bin erschrocken, mit welcher Nonchalance Sie, wie auch viele andere Kollegen und Politiker von sich behaupten, den Patienten, mir gefällt besser den nach Unterstützung suchenden Menschen, in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Wenn ich dies für mich tue und noch einen Schritt weiter gehe, diese Menschen frage, komme ich zu ganz anderen Ergebnissen.
Mit welcher Arroganz und Überheblichkeit und für mich weit weg vom humanisitischen Verständnis maßen wir uns an, zu wissen, was richtig und falsch, was gut und böse, was krank und gesund ist.
Als Mensch, der tief und fest an die Ganzheitlichkeit, an die humane Psychologie und an die salutogenetische Lehre glaubt und Sie mir sinnvoll und nachvollziehbar erscheint, hinterläßt der Artikel von Herrn Lütz nur ein Unverständnis und die Frage, welch Menschenverständnis seinen Worte zu Grunde liegt.
Den das was er dort vertritt ist auch eine Lobbymeinung.
Und da gebe ich Ihnen recht, der Lobbyismus verhindert den Blick auf das Ganze, auf den Menschen und seine Bedürfnisse. Ich würde mir wünschen, dass auch Herr Lütz diese Metaebene weg von seinem Glaubensatz einnehmen könnte.
Danke für den provozierenden Artikel, der zum Nachdenken anregt, und doch komme ich nicht zu Ihren Schlussfolgerungen.

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oalos 25.03.2019, 10:55
94. Die Qualifikation zur Medikamentenverschreibung.

Zitat von estark
ist kritisch anzumerken, dass das Psychologiestudium hierfür nicht qualifiziert. Beim Medizinstudium fängt es mit Biologie, Chemie und Biochemie an, später kommen Physiologie, Biochemie und Pharmakologie hinzu. Der zur Diskussion stehende Studiengang Psychotherapie könnte dies beinhalten und wäre ein Zwitter zwischen Medizin und Psychologie.
Ich nehme an, dass psychologische Psychotherapeuten von vornherein weniger Psychopharmaka verschreiben würden. Ist natürlich doof für die Pharmaindustrie und noch schlimmer: diese Psychotherapeuten helfen (natürlich in Absprache / Zusammenarbeit mit behandelndem Arzt o. Psychiater !) vielen Patienten (die sich nicht mehr als Zombie fühlen wollen), sich aus einer oft jahrelangen Einnahme auszuschleichen. Da kommt natürlich auch einiges wieder hoch, was mit den Pillen so schön unterm Deckel war.

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sauberfrau 25.03.2019, 11:06
95. Herr Lütz hat (leider) recht

Herr Lütz hat nach meinen Erfahrungen mit der Begleitung eines schwer psychisch Kranken (leider) recht. Glück im Unglück, dass nach dem viertel Jahr Klinik eine Psychiaterin/Neurologin trotz hoffnungsloser Überfüllung ihrer Praxis sich seiner angenommen hat. Den "Rest" an Gesprächsbedarf und Hilfe bei der Rückkehr in ein "normales" Leben deckten wir in der Familie ab - Schwerstarbeit, dabei selbst nicht zu verzweifeln und Co-krank zu werden. Aber es hat sich richtig gelohnt.

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Luemgi 25.03.2019, 11:13
96.

Ja nun, wie sagte mein Therapeut? Es ist eine Mischkalkulation: wären alle Patienten so anstrengend wie ich, dann wäre das ja nicht auszuhalten. Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten müsste ich eigentlich aussortiert werden. Und ich wurde auch schon aussortiert. Von einer Klinik, die sich aufgrund von Personalproblemen nicht mehr in der Lage sah, Patienten mit höherem Betreuungsbedarf überhaupt aufzunehmen. Das habe ich schriftlich.

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brefrika 25.03.2019, 12:07
97. Lütz halt....

Der mit einem Mangel an Eitelkeit nicht ausgestattete Psychiater Lütz ("Irre. Wir behandeln die Falschen") reagiert halt beleidigt darauf, dass es seinem (Partei?)Freund Jens Spahn nicht gelungen ist, eine Entmündigung der psychotherapie-suchenden Patienten und der Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten in der ambulanten Psychotherapie durchzusetzen. Hiergegen richtete sich die Petition mit über 200.000 Unterschriften Ende vergangenen Jahres, so dass Spahn zurückrudern musste.
Belege für seine nicht nur die Psychotherapeuten, sondern auch deren Patienten diffamierenden Behauptungen bleibt er schuldig. Vorliegende empirische Befunde zur Krankheitslast von Patienten in der ambulanten Psychotherapie werden von ihm wegignoriert, stattdessen alte Vorurteile aufgewärmt. Ahnung von der Realität in den psychotherapeutischen Praxen scheint er nicht zu haben. Aber was will man schon von jemandem erwarten, der in seinem letzten Buch (Der Skandal der Skandale: Die geheime Geschichte des Christentums) das Christentum und die katholische Kirche von deren Verbrechen in der Vergangenheit freisprechen will.

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schwarz1979 25.03.2019, 12:17
98. erschreckende Irreführung 1

Ich bin entsetzt, dass es heutzutage scheinbar reicht, einmal einen Bestseller verfasst zu haben und durch Talkshows zu tingeln, um auf einem seriösen journalistischen Portal die eigene persönliche Meinung als Tatsache zu verkaufen.
Die Darstellung von Herrn Lütz mag seiner Meinung entsprechen, entspricht jedoch nicht der Realität und lässt sich nicht durch Daten und Zahlen belegen. Der Text ist durchzogen von Standesdünkel und Halbwahrheiten, und ich halte ihn in seiner Wirkung auf den Durchschnittsleser für fatal, da er Hilfesuchende noch weiter verunsichert und zudem einen ganzen Berufsstand verleumdet.
Zu Herrn Lütz Thesen:
Zu der These „Psychotherapeuten behandeln lieber Befindlichkeitsstörungen/ Alltagswehwehchen als echte psychische Erkrankungen“ lässt sich folgendes sagen:
Was als krankheitswertige und somit behandlungsbedürftige psychische Erkrankung zählt, das ist zum Glück nicht dem subjektiven Urteil des Therapeuten überlassen, sondern in der Internationalen Klassifikation Psychischer Störungen (ICD-10) der WHO klar geregelt. Hier ist festgelegt, welche Symptome in welcher Kombination, Häufigkeit und Dauer vorliegen müssen, um die Diagnose einer bestimmten Erkrankung zu stellen. Auch die von Herrn Lutz als „Befindlichkeitsstörung“ bezeichnete mittelgradige depressive Episode stellt nach ICD-10 eine krankheitswertige und somit behandlungsbedürftige Erkrankung dar und hat somit die gleiche Berechtigung behandelt zu werden wie eine schwere depressive Episode. Als Psychotherapeutin will und DARF ich keinen Patienten abweisen, der mit diesem Krankheitsbild zu mir kommt. Wie sollte das denn aussehen? „Es gibt Interessenten die aber schlimmer dran sind als sie“? Dies sollte Herrn Lütz, der ja gerne auf seine 40jährige Berufserfahrung verweist, eigentlich wissen. Ebenso sollte ihm als Chefarzt einer psychiatrischen Klinik bewusst sein, dass eine unbehandelte mittelgradige Depression leicht in eine schwere Depression führt, auch dies macht den Behandlungsbedarf auch leichter bis mittelgradiger Erkrankungen deutlich. Und ja: Auch eine „Frau, die von ihrem Mann verlassen wurde“ kann darüber eine echte Depression entwickeln. Nicht die Ursache der Belastung entscheidet über den Behandlungsbedarf, sondern die Auswirkung, welche diese Belastung auf die Psyche des Betroffenen hat.

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schwarz1979 25.03.2019, 12:18
99. erschreckende Irreführung 2

Zu der These „Es gibt nicht mehr psychisch Kranke als früher, aber die Therapieplätze werden durch Patienten mit Allltagswehwehchen blockiert“ lässt sich sagen: Die Zahl der psychisch Erkrankten in Deutschland ist weitestgehend stabil und hat sich in den vergangenen Jahren nicht erhöht. So weit richtig. Was sich aber tatsächlich signifikant erhöht hat ist der Anteil derer, die sich (dank Aufklärungsarbeit und fortschreitender Entstigmatisierung) trauen, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Hieraus erklärt sich die gesteigerte Nachfrage und hier kommen wir auch zum Kern des Problems. Der gesteigerten Nachfrage steht eine seit 1999 gleich gebliebene Zahl an Kassensitzen für Psychotherapeutische Praxen entgegen, die diesen Bedarf nicht mehr decken kann. Hierfür verantwortlich ist nicht die Bundespsychotherapeutenkammer, sondern die für die Bedarfsfeststellung zuständigen Institutionen (Gemeinsamer Bundeszuschuss). Man kann auch einmal die Frage zur Diskussion stellen, ob eine höhere Zahl an Kassensitzen vielleicht nicht unbedingt im Interesse der Krankenkassen liegt, da dies auch mit erhöhten Ausgaben für Therapien verbunden wäre.
Wenn die Bundespsychotherapeutenkammer gegen zuletzt vorgeschlagene Gesetzesentwürfe protestiert haben, dann, weil diese eben entweder nicht am Kern des Problems ansetzten, oder dieses sogar verschärfen. Ausführliche Darstellungen hierzu finden Sie auf der Internetseite der Kammer.
Zu der These„Psychiater behandeln mehr Patienten als Psychotherapeuten“: Bei einem Psychiater sind Sie im Schnitt auch mit einem Rezept in der Hand nach wenigen Minuten wieder aus der Praxis raus. Ein Termin bei einem Psychotherapeuten dauert 50 Minuten, natürlich kann man da nicht die selben Fallzahlen erreichen.

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