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Zu viele Patienten: Die Not der Notaufnahmen
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Stundenlanges Warten, schlecht gelauntes Personal, pöbelnde Patienten. Die Notaufnahmen in Deutschland sind überfüllt. Ändern könnten das eine bessere Organisation - und die Kranken selbst.

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Nania 04.01.2017, 11:53
220.

Zitat von Europäer1992
...wie die Zustände dort sein sollten, weil ich die Notaufnahme in meinen fast 35 Lebensjahren noch nie gebraucht habe. Meistens kann das, was man hat, doch bis Montag warten oder man ruft halt beim Bereitschaftsarzt an. Was kann so schlimm sein, dass man selbst (!) in eine Notaufnahme fährt und dann trotzdem Zeit für Registrierungen dort und Wartezeiten hat? Manchmal muss man Menschen auch nicht verstehen.
Dann können Sie sich glücklich schätzen.
Es gibt akute Symptome, die so schlimm sein können, dass Sie Sonntagsmorgens nicht bis Montag warten können, erst recht nicht, wenn es noch Anlass zur weiteren Sorge gibt.
Vor etwas mehr als einem Jahr bin ich wegen Kopfschmerzen - manch einer hier würde vielleicht sagen: Bagatelle - in die Notaufnahme gefahren. Ich bin schon sehr lange Migränepatientin und kann meine Migräne von anderen Kopfschmerzen eigentlich gut unterscheiden. Zudem hatte ich mir tags vorher mehrfach übel den Kopf gestoßen - nicht so, dass ich zum Zeitpunkt des Stoßens gedacht hätte, ein Krankenhausaufenthalt sei notwendig - aber der Verdacht lag bei den Kopfschmerzen, die dazu führten, dass ich weder wach sein konnte, noch schlafen konnte, nahe, dass es vielleicht doch etwas anderes sei. Zudem habe ich eine Allergie gegen nahezu alle handelsüblichen Schmerzmedikamente und die Triptane haben auch nicht geholfen.

Was also tun? Wir sind ins Krankenhaus gefahren, haben dort etwas gewartet - ohne zu murren - und schließlich bin ich an die Reihe gekommen. Der erste Arzt (wohl gerade erst von der Uni, was generell nicht schlimm) meinte, es sei doch nur ein Migräneanfall und gab mir intravenös ein Schmerzmittel. Ein zweiter Arzt verwies auf eine medizinische Vorgeschichte und ließ den Neurologen kommen.
In letzter Instanz waren es wohl "Kopfschmerzen", eine weitere Ursache konnte nach einer weiteren intravenösen Medikamentengabe und der langsamen Besserung der Symptome nicht festgestellt werden.
Ich hatte danach und auch davon nie wieder so höllische Kopfschmerzen.

Es mag sein, dass es im Endeffekt ein Bagatellfall war, er fühlte sich aber für mich und die Menschen in meiner Umgebung nicht so an.

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sponcon 04.01.2017, 11:54
221. Etwas muss ich Ihnen widersprechen

Zitat von odapiel
Ich wohne im Osten (jeder mag mal da auf die Karte schauen!) und warte für einen einfachen Hausarzttermin bereits 3-4 MONATE, nicht etwa Tage. Beim Facharzt gehts 6-8 Monate, einige bis zu einem Jahr. Am gleichen Tag in die Hausarztpraxis? Unmöglich. In die Facharztpraxis? Keine Chance. Nur Zahnärzte hats hier wie Sand am mehr. Ich war in den letzten vier Jahren sechsmal akut krank. Ich bin jedesmal in der Notaufnahme gelandet, u.a. weil ich es meist nicht mehr geschafft hätte, 50km über Land in die ausgewiesene Notfallpraxis zu fahren. Auch wenns kein Herzinfarkt war.
Ich wohne im gleichen "Kartenabschnitt" wie Sie. Meine Erfahrungen sind aber ganz anders.
Wenn ich mit Hausmittelchen nicht mehr weiterkomme gehe ich zum Hausarzt, komme auch dran. Ist es dringend und er kann nicht helfen, ruft er selber den Facharzt an. Muss operiert werden, kam schon vor, hat der Facharzt alles eingeleitet.
Außerhalb der Sprechzeiten des Hausarztes gibt es noch den Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116 117 oder wenn es ganz gefährlich aussieht die 112.

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Nania 04.01.2017, 12:01
222.

Zitat von aheuwold
In Amerika zahlt man fuer jeden Besuch in der Notaufnahme $150. Voila!
Das us-amerikanische Gesundheitssystem ist nicht dafür bekannt, dass es so gut funktioniert - vor allem nicht, wenn man nicht über eigenes Geld verfügt. So mancher echter Notfall würde sich überlegen, ob er 150 Euro auf der hohen Kanten hat... Geld für eine eventuell lebensnotwendige Leistung zu fordern im Bereich des Gesundheitssektors, ist ein No-Go.

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Nania 04.01.2017, 12:05
223.

Zitat von micromiller
kann beim besten Willen nicht funktionieren. Hilfesuchende sollten mit einer Selbstbeteiligung von Euro 50,00 dabei sein und diese erstattet bekommen, wenn ein stationärer Aufenthalt notwendig wird. Die Bürger geben endlos viel Geld für Alkohol, Zigaretten und Autos aus und sollten bei ihrer Gesundheit nicht knauserig sein.
Was, wenn Sie ein Notfall sind, aber nicht stationär aufgenommen werden? Das Beispiel mit der Tochter und dem gebrochenen Arm kam hier schon. Außerdem sind manche Notfallpraxen gar nicht dafür ausgelegt, bestimmte Fälle zu übernehmen:
Beispiel? Ein Freund von mir ist beim Skaten auf das Knie gefallen und hatte sich eine recht große, zuhause nicht mehr behandelbare Wunde zugezogen. Wir sind zur Notfallpraxis. Diese teilte uns mit, man könne die Wunde zwar kleben - was wir auch getan haben - aber das sei nur so "gerade eben" noch möglich. Sprich: Wäre die Wunde auch nur ein paar Millimeter größer gewesen, hätten wir an diesem Tag in die Notaufnahme gemusst! Das hätte genäht werden müssen, aber eine stationäre Aufnahme wäre nicht notwendig gewesen. Hätte er jetzt die 50 Euro zahlen müssen oder nicht?

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areyoushure? 04.01.2017, 12:24
224. Falsch

Zitat von leoffm
ein Beispiel aus Frankfurt: Nach einer kleinen OP musste der Verband und die Drainage täglich gewechselt werden. SA, So, natürlich ebenfalls. Sa, So. hat der Hausarzt aber zu: Was passierte also: Ich musste im KKH vorstellig ......
Die postoperative Betreuung ist defintiv Aufgabe des operierenden Krankenhauses! Das ist vertraglich so geregelt. Bedeutet natürlich mehr Aufwand, mehr Kosten und weniger Gewinn. Dafür gibt es aber eine s.g. postoperative Pauschale, welche bei Krankenhäusern genau dieses abdecken soll.
Nicht der Hausarzt hat das Problem verursacht, sondern die "Schieberitis" des Krankenhauses.

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juri. 04.01.2017, 12:36
225.

Zitat von alternativloser_user
Ein weiteres Problem: Viele Firmen fordern Krankschreibungen ab dem 1. Krankheitstag. Wer Mittwochs oder am Wochenende krank wird hat halt Pech weil der normale Arzt dann zu hat. Was bleibt also übrig um arbeitsrechtliche Konsequenzen zu vermeiden ? Richtig, der Gang in die Notaufnahme. In den nordeuropäischen.....
Und das Misstrauen ggü. dem noreuropäischen System ist auch mehr als gerechtfertigt. Ich kenne Geschäftsführer, die haben (dank first-in - last-out - Prinzip, durchgesetzt von übermächtigen Gewerkschaften) im Handel Ladenpersonal, das 2 bis 3 Wochen krankfeiert - pro MONAT, wohlgemerkt. Das Attest würde ihn jedesmal 300 Kronen kosten. Ein anderer hat sein Gewerbe für eine Woche abgemeldet und somit alle MA entlassen können, um endlich die Nasen loswerden zu können, die nur auf seine Kosten krank feierten. Jahrelange Verhandlungen mit der Gewerkschaft haben zu nichts geführt.
Mal abgesehen davon, dass das Gesundheitssystem in Schweden zum Beispiel insbesondere in den Notaufnahmen auch eine Katastrophe ist...

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Fricklerzzz 04.01.2017, 13:11
226. Wenn man akute Probleme hat geht man zum Notdienst

Da kostenintenmsive Patienten überall abgewimmelt werden, bleibt der Weg in die Notaufnahme leider oft der einzig gangbare.
Die dürfen einen nämlich nicht ungeprüft abwimmeln, wie all die anderen.

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acusticusneurinom 04.01.2017, 13:12
227. Eigentlich ganz einfach.....

...wenn eine Blutung nicht zum Stillstand kommt - Notaufnahme.
Wenn die Schmerzen - gleich wo - unerträglich zu werden scheinen - Ruf-Nr. 112. .... .

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laureen17 04.01.2017, 13:19
228.

Zitat von juri.
Und das Misstrauen ggü. dem noreuropäischen System ist auch mehr als gerechtfertigt. Ich kenne Geschäftsführer, die haben (dank first-in - last-out - Prinzip, durchgesetzt von übermächtigen Gewerkschaften) im Handel Ladenpersonal, das 2 bis 3 Wochen krankfeiert - pro MONAT, wohlgemerkt. Das Attest würde ihn jedesmal 300 Kronen kosten. Ein anderer hat sein Gewerbe für eine Woche abgemeldet und somit alle MA entlassen können, um endlich die Nasen loswerden zu können, die nur auf seine Kosten krank feierten. Jahrelange Verhandlungen mit der Gewerkschaft haben zu nichts geführt. Mal abgesehen davon, dass das Gesundheitssystem in Schweden zum Beispiel insbesondere in den Notaufnahmen auch eine Katastrophe ist...
Haben sie den Artikel selbst überhaupt gelesen??? Das frage ich mich hier bei 80% der Kommentare!!! Eine Krankschreibung kann aktuell noch (und ich mache dafür xxx Kreuze) nicht durch eine Krankenhaus erfolgen und DAFÜR IST ES NICHT DA! Haben sie irgendetwas zum Thema "ärztlicher Bereitschaftsdienst" gelesen???

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inneremedizin 04.01.2017, 14:03
229.

Ein paar Anmerkungen aus ärztlicher Sicht....
1) Wartezeit. Der Arzt in der Notaufnahme ist nicht immer nur für die Notaufnahme da; in vielen Krankenhäusern ist er auch für die Patienten auf der Station und in der Intensivstation zuständig. Falls es dort einem Patienten schlecht gehen sollte, dann ist er dort gebunden und manchmal kann ein Notfall auch zwei Stunden dauern.
2) Auch eine Blasenentzündung beansprucht den Arzt für mindestens 20 Minuten (Anamnese, Untersuchung, ambulanter Arztbrief). Kommen zwischendurch ein Schlaganfall oder Herzinfarkt dazwischen muss man warten.
3) Ein Besuch in der Notaufnahme ersetzt keinen Facharztbesuch. In der Nacht sind in der Regel Assistenzärzte vor Ort; wünscht jemand eine fachärztliche Behandlung, bleibt nur die stationäre Aufnahme.
4) Es gibt in der Notaufnahme keine Krankschreibung oder Rezepte; d.h. falls eine antibiotische Therapie notwendig ist, muss man am nächsten sowieso zum Haus- oder KVB-Arzt, da ich maximal 3 Tabletten mitgeben darf.
5) Es ist egal, ob man mit dem Rettungsdienst oder privat ins Krankenhaus kommt, da nach Dringlickeit behandelt wird. Das gleiche gilt für die Krankenversicherung; in der Notaufnahme ist es egal, ob Privat oder Kasse, es geht nach Dringlichkeit.

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