Forum: Gesundheit
Zwangsbehandlung: Politiker übergehen die Betroffenen
Corbis

Wann dürfen Ärzte psychisch Kranke oder geistig Behinderte gegen ihren Willen behandeln? Bisher fehlte eine eindeutige Antwort darauf, jetzt liegt ein Gesetzesentwurf dazu vor. Dabei hat die Politik jedoch einen entscheidenden Punkt vergessen: Die Betroffenen selbst zu fragen.

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Manitou-01@gmx.de 20.11.2012, 01:05
30. Zwangsbehandlung nur in engsten Grenzen erlauben

Eine Zwangsbehandlung darf nur in engsten Grenzen erlaubt werden.
- Verbot bei freiwilliger Einweisung, wer freiwillig kommt, darf nicht gegen seinen Willen behandelt/festgehalten werden

- Verbot bei ungefährlichen (wenn auch für die Umgebeung lästigen) Krankheitssymthomen

- Im Falle einer Eigen- oder Fremdgefährdung ist der Patient, ein ihm zwingend zu stellender Anwalt und Gegengutachter (Mediziner, Psychater oder Psychologe von einem anerkannten patientenverband) beizugeben. Wenn dem Anwalt/Gegengutachter nicht alle zur Beurteilung notwendigen Unterlagen, sowie ein unüberwachter Patientenkontakt ermöglicht werden, keine Zwangsbehandlung. Der Gutachter, der für eine Zwangsbehandlung Beweise beibringt, darf keine Verbindung zu den behandelnden Ärzten haben (nicht an der selben Klinik, keine Überweisungen von Patienten).

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Schizo-Gen 20.11.2012, 02:27
31. Na ja...

Zitat von zephyros
Der Artikel, wie auch viele der Kommentare hier, kommen doch recht blumig oder nebulös daher. Das bisherige Procedere (PsychKG bzw. Betreuungsgesetz) sieht Zwangsbehandlung bzw. Zwangsmedikation eindeutig nur bei Vorliegen einer Fremd- oder Eigengefährdung vor. Diese .....
Es sind ca. 2% der Bevölkerung von psychiatrischen "Diagnosen" und Zwangsmaßnahmen betroffen. Wären das alles Mörder, gäbe es nach Adam Riese in diesem Land nur noch Mord und Totschlag, d.h. handelt es sich bei diesen Maßnahmen i.d.R. um "Vorbeugung", die darauf hinausläuft den Personenkreis unschädlich zu machen. Kein normaler Mensch wird sich diesen Behandlungen auf Dauer freiwillig aussetzen, insofern ist man da vollautomatisch Suizidgefährdet - für diesen Terror auch noch dankbar zu sein erscheint mir weit hergeholt. Aber ich will nicht ausschließen, dass es unter den "Behandelten" auch wirklich Verrückte gibt - jedenfalls müsste man das sein, um so zu ticken, wie Sie es darstellen. Vielleicht sollte man den Betroffenen nicht nur erlauben "Hilfe" zu verweigern, sondern auch selbst zu bestimmen, was sie selbst als Hilfreich erachten würden.

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Schizo-Gen 20.11.2012, 02:34
32. Therapie

Zitat von abraxas63
Überhaupt keine gute Idee. In diesen Fragen muss ein Patient selbstbestimmt bleiben. Wer es mal erlebt hat, weiß das. Da man bislang nicht gezwungen werden kann, wird man eben so lange beredet, bis man einwilligt. Wenn man dann nur noch unscheinbar durch .....
Es ist unverständlich, dass es so was wie "Psychiatrie" nach so vielen Jahrzehnten verherender Kritik immer noch gibt. Da steckt offensichtlich eine immense kriminelle Energie dahinter, sonst wäre es der ethisch gesinnten Minderheit zwischenzeitlich gelungen irgendwo gehör zu finden. Kleines Beispiel Peter Breggin:
Giftige Psychiatrie

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benutzer10 20.11.2012, 02:37
33. "Richtergenehmigung"

Zitat von sysop
"So muss unter anderem ein Richter den Antrag des Betreuers auf eine Behandlung genehmigen"
Wenn ich immer über diesen "Richter-Placebo" zur Beruhigung lese, muss ich manchmal schmunzeln. Das ist doch eine Illusion. Als ob da jemand sitzt, der stundenlang Anträge liest, angestrengt abwägt, gar Diagnosen wälzt, oder eine zweite Meinung einholt, und in einer nennenswerten Anzahl Anträge ablehnen würde.

So ist das nicht. Da sitzt jemand, der (vielleicht) einen solchen Antrag auf den Anschein der Plausibilität prüft, Stempel drauf, Unterschrift, genehmigt, fertig.
/on Wenn das nicht so abwegig wäre, könnte man auch annehmen, dieser Richtervorbehalt dient lediglich dazu, die ganze Geschichte wasserdicht und für den Betroffenen juristisch unangreifbar zu machen. /ironie off.

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matbhmx 20.11.2012, 06:15
34. Das gesamte Betreuungs-...

... und Unterbringungsrecht ist eine Farce (ich habe lange genug neben Zivil- und Strafsachen Betreuungs- und Unterbringungssachen gemacht und meine daher, zu wissen, wovon ich schreibe). Der größte Teil der Richter ist zu faul, sich wirklich die Betroffenen anzuhören und im Sinne des Betreuungsrechts eine sinnvolle Anordnung von Angelegenheiten zu treffen (grotesk sind die ganzen Beschlüsse auf Vertretung vor "Ämtern, Behörden, Versicherungen und Banken"; irgendeine süddeutsche Kollegin meinte gar, eine Vertretung neben vorgenannten Einrichtungen vor "Institutionen" anordnen zu können, was auch immer das rechtlich sein soll). Im Betreuungs- und Unterbringungsrecht herrscht geistige Umnachtung häufig nicht nur bei den Betroffenen, sondern auch bei Ärzten, Betreuern und vor allem Richtern (... denn sie wissen nicht, was sie tun!). Und Richter bringen gern - der Feierabend naht schließlich schon um 13:00 Uhr - unter, damit die Sache schnell abgeschlossen ist. Gutachten von halbseidenen und unfähigen Psychiatern werden nicht hinterfragt, die Beschlüsse erfolgen auf Gutachten, die nicht Mal Mindestanforderungen genügen. Es hat Richter gegeben, die den Betroffenen die Verfahrenspfleger versagt haben nach dem Motto, der steht so neben sich, dass es keine Rolle mehr spielt!

Und die Pflegeeinrichtungen buttern einen - man will vor allem eins: auf keinen Fall für irgendetwas die juristische Verantwortung übernehmen - mit sinnlosen Anträgen zu. Da werden Bettgitteranträge für Betroffene gestellt, die weder ansprechbar noch bewegungsfähig sind (wo also das Bettgitter schlicht keine freiheitsentziehende Maßnahme ist).

Bei all dem kläglichen Versagen der Entscheidungsträger vor Ort spielt das gesetzgeberische Versagen dann auch keine Rolle mehr!

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Arrivato 20.11.2012, 06:36
35. Club der Ahnungslosen

Zitat von herr_kowalski
dieser Politkasper interessiert ? Die Dummheit in Parlament und ReGIERung ist grenzenlos. Der Lissabonvertrag mit der exakt konträren finalen Tötung spricht Bände. Die Staaten, die den ratifiziert haben nennen sich zivilisiert.
Ich will gar nicht wissen, wieviele Poltiker den Lissabon-Vertrag gar nicht bzw. nicht genau gelesen haben.

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psycheciety 20.11.2012, 06:44
36. psychiatrie

DAS hier ist wirklich gut:

DIE ZEIT von 1973 !
http://www.zeit.de/1973/10/eine-totale-gegenwelt/komplettansicht

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autocrator 20.11.2012, 07:00
37. faulheit

Zitat von thdecker
Ein Richter ist kein Arzt, ergo braucht er einen, um sein Urteil zu fällen. Und dieser Arzt ist kaum anderer Meinung als sein Kollege oder die Person, die die Behandlung befürwortet. M.a.W. Richter entscheiden heute etwa bei der Unterbringung, so wie der Arzt es vorschlägt. Der ganze Richtervorbehalt ist eine Nebelkerze.
i.m.h.o. ist der richtervorbehalt doch schon auch nützlich ... nicht, weil ein jurist medizinische ahnung hätte: Es ist einfach eine weitere hürde, um "gewissenlose / bequeme" zwangsbehandlung einzuschränken:

auch ärzte sind faul, machen es sich gerne bequem, sind überarbeitet weil sie mit zuvielen patienten konfrontiert sind ... sich da aus antipathie oder gehässigkeit (siehe einen anderen forumsbeitragt) den mehraufwand antun, die richterliche genehmigung einzuholen im bewußtsein, wenn man das nicht tut ggf. die approbation zu verlieren ...
da überlegt es sich vielleicht sdoch der eine oder andere, ob das mit der zwangsbehandlung wirklich den aufwand wert ist.

andererseits werden hier im forum ja durchaus reale situationen geschildert, die mit einer massiven selbst- oder fremdgefährdung bzw. verletzung einhergehen ... ganz ohne zwangsbehandlung wird es wohl auch nicht gehen.

i.m.h.o. liegt der focus aber falsch: Es geht um den pathologischen leidensdruck. m.m.n. sollte das der einzig zulässig gradmesser sein, "krankheit", v.a. im psychischen bereich, zu definieren.

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jgb 20.11.2012, 07:57
38.

Zitat von zephyros
Diese muss durch einen Arzt festgestellt und durch einen Richter am Vormundschaftsgericht vor Ort überprüft/bestätigt werden. Hier wird ja gerade so getan, als bereite es dem Arzt Vergnügen, Menschen gegen ihren Willen zu behandeln. Die bittere .....
Die Verfahren sind zur Unterbringung sind häufig eine Farce und grenzen an Rechtsbeugung wenn sie nicht Rechtsbeugung sind.
Der Assistenzarzt erklärt dem Proberichter irgendeneinen Unsinn, den er sich aus den Fingeren gesaugt hat.
Das Landgericht als Abnickinstanz und der Verfahrenspfleger als Grüßaugust.
"Paranoide Schizophrenie" kriegt fast jeder den man einweist.
ein Schönes Beispiel

siehe:

Praxis bei der Anregung von Betreuungen in der Stiftung Tannenhof Remscheid « Psychiatrie no go

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jgb 20.11.2012, 08:37
39. xxx

Zitat von mayazi
Ich habe im Rahmen meiner Ausbildung Menschen kennen gelernt, die sich in der Krise große Stücke aus dem Körper gebissen, ein Auge an der Wand blind geschlagen, oder massiv in die Geschlechtsteile geschnitten haben. Außerhalb der Krise waren sie dann sehr froh, dass noch Schlimmeres verhindert werden konnte. DAS sind die Fälle, in denen auch Zwangsbehandlung wichtig ist, und die rechtlichen Grundlagen da sein müssen, damit die Behandler diese Menschen vor sich selbst schützen können, ohne mit einem Bein im Knast zu stehen.
Und was ist das hier:
Albtraum oder Realität « Psychiatrie no go
Protokoll einer Zwangsbehandlung im Klinikum Niederberg Velbert « Psychiatrie no go
FRN: August 2012, ZfP Emmendingen: Ein Patient berichtet
Behandelt wider Willen - Unterbringungsgesetz im Land teilweise verfassungswidrig - YouTube

Wie schnell man einen Betreuungsantrag am Hals hat hier:
Praxis bei der Anregung von Betreuungen in der Stiftung Tannenhof Remscheid « Psychiatrie no go

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