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Zwangsimplantation: Darf man ein gehörloses Kind gegen den Willen der Eltern operiere
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Ein gehörloses Kleinkind könnte durch ein Cochlea-Implantat hören und sprechen lernen. Weil seine Eltern dem Eingriff nicht zustimmen, hat der Arzt das Jugendamt eingeschaltet.

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ingo.adlung 30.11.2017, 05:27
120. Abstrus

Zitat von Lankoron
dass jemand ersthaft einem Richter eine ZwangsOP genehmigen lassen will, wobei es NICHT um das Leben des Betroffenen geht. Man muss die Entscheidung der Eltern nicht verstehen oder gutheißen, und ich glaube auch nicht, dass ich das als Normalhörender kann. Aber das geht eindeutig zu weit. Was käöme dann als nächste ZwangsOP? Augenkorrekturen? Brustimplantate für Jugendliche? Zwangsweises Ohrenanlegen? Zwangsweise Fettabsaugungen?
ich habe hier eine Meinung, kann es aber durchaus abwarten, wie das Gericht, dem mehr Fakten vorliegen werden als uns Lesern von SPON gegeben sind, urteilt. Ihre Argumentation aber hinkt gewaltig. Wenn wir über "Leben" sprechen, dann geht es nicht nur um Leben und Tod, schwarz/weiß. Leben kann vieles bedeuten, vor allem aber Lebensqualität. Wie in einem anderen Beitrag geschrieben hat es nichts romantisches, wenn man mit einer Behinderung aufwachsen muss. Irgendwie wird es für mich zynisch wenn wir im Umkehrschluss über das Recht oder im Falle des Kindeswohls möglicherweise auf das Recht zur Behinderung diskutieren. Jeder Erwachsene kann für sich selbstbestimmend Entscheidungen treffen, auch solche die ich für mich selbst anders getroffen hätte. Aber die Frage ob ein Kind Gehörlos aufwachsen sollte mit der Frage gleichzusetzen, ob ihm bei Übergewichtigkeit Fett abgesaugt werden solle ist für mich vollkommen abstrus. Das Elternrecht wiegt hoch, höher aber das Kindeswohl. Und weil dies beides hohe Rechtsgüter sind, die man im Zweifelsfall abwägen muss entscheiden nicht wir Leser einer Kolummne, auch nicht der Staat (vertreten durch das Jugendamt) sondern ein Richter.

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ingo.adlung 30.11.2017, 05:44
121. Ernsthaft?!

Zitat von Frietjoff
[...] Dazu kommt noch, dass manche Gehörlose (m.E. berechtigte) Angst davor haben, dass ihre einzigartige Sprache und Kultur ausgelöscht würde, wenn alle Kinder zwangsweise CIs bekämen.
Das Kind soll gehörlos bleiben, damit es die einzigartige Kultur der Gehörlosen nicht stört oder gar zerstört! Ernsthaft? Das Kind wird "zweisprachig" aufwachsen und mit seinen Eltern gebärden und ihre Welt bereichern, allein durch sein Dasein. Und es wird für das Kind eine weitere Welt geben, die es mit seinem Dasein gleichermaßen bereichern wird, auch wenn auch diese "einzigartige" Welt mit Sprache nicht im Ansatz perfekt ist. Kultur ist übrigens nichts statisches, sondern ist Veränderungen unterworfen. Und Gesellschaften entwickeln sich weiter ...

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ingo.adlung 30.11.2017, 05:59
122. Was wäre wenn ...

Zitat von at@at
Ich finde es auch sehr anmaßend von all den Schreibern hier, die über die Eltern den Stab brechen, ohne sich wirklich mit der Materie auseinander gesetzt zu haben. Ich kenne ein Kind mit CI persönlich und auch seine (hörenden) Eltern, die sich sehr schwer getan haben, das Kind operieren zu lassen. Schon, weil die Entwicklung natürlich auch bei den CIs weitergeht und ein einmal eingesetztes CI nicht einfach so durch ein neues ersetzt werden kann. Auch, weil das Kind trotzdem hörbehindert sein wird und mitnichten einfach am Leben als Hörender teilnehmen kann. Was ist, wenn das Kind erwachsen wird und dann mit einem neuen CI oder gar einer anderen Technik viel besser hören würde als mit den in der Kindheit eingesetzten CIs, es aber nicht mehr angewendet werden kann, weil durch die damalige OP Chancen verbaut wurden? Was ist, wenn es bei dem Eingriff, der nicht lebensnotwendig ist, zu Komplikationen kommt und das Kind stirbt? Welcher Richter will dafür die Verantwortung übernehmen?
... hilft weder den Eltern noch dem Kind. Was wäre wenn der Junge noch im Kindesalter stirbt, weil er ein nahendes Auto nicht hörte? Was wäre wenn bringt niemanden weiter, wir können "was wäre wenn" in jede nur vorstellbare Richtung anwenden. Die Frage um die es geht ist auch gar nicht ausschließlich auf das Hören beschränkt, sondern es geht auch um das Erwerben von Sprache, um Kommunikation mit Mitmenschen. Leider kann niemand in die Zukunft schauen, somit ist dem Gericht die Möglichkeit über "was wäre wenn" zu entscheiden genommen und das Gericht kann nur basierend auf heutigen Fakten entscheiden, immer mit dem Risiko des Irrtums verbunden, egal wie es entscheidet. Und auch Eltern unterliegen dem Risiko des Irrtums ...

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112211 30.11.2017, 06:15
123. Befangen

Das Problem der Eltern ist, dass sie als Betroffene befangen sind. Das Problem mit der Technik ist, wenn ich es in diesem Artikel richtig verstanden habe, dass diese nicht das Hörvermögen eines normal Hörenden erreicht, zumindest mit der derzeitigen Technik. Trotzdem kann es nicht sein, dass dem Kind technische Möglichkeiten vorenthalten werden. Weniger befangen dürfte daher sein, sich mit der Ansicht von Personen, die ein CI bereits haben, und von ihren Erfahrungen berichten. Diese Sicht auf die Technik dürfte weit fundierter sein. Man sollte die Eltern jedenfalls mit ins Boot holen, damit wäre dem Kind ebenfalls geholfen, ansonsten werden die Eltern nach einer Implantation alles erdenkliche tun, um die Nutzung der mit dem Implantat verbundenen Chancen zu sabotieren.

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flexier 30.11.2017, 06:57
124. Vorschlag...

... Um ein Interessen Konflikt bei den Medizinern zu vermeiden (wie ja auch den Eltern quasi unterstellt), sollten diese auf Kosten Basis arbeiten, der Rest wird einer Gehörlosen-Schule gespendet.

Interessant ist das die Technik ja wohl noch nicht wirklich ausgereift ist. Meine mittlerweile verstorbene Tante hat so ein Gerät bekommen (allerdings als Erwachsene) und ist damit nie so richtig zurecht gekommen,weil sie nie klar Geräusche wahrgenommen hat, sondern mehr eine "verschwommene" Geräusch-Kulisse (ihre Beschreibung, sie konnte ein wenig sprechen da sie ihr Gehör mit 6 Jahren verloren hat). Also mehr als den Zustand eines sehr Schwerhoerigen scheint dabei ja nicht raus zu kommen.

Kann die Eltern durchaus verstehen.

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keksguru 30.11.2017, 07:15
125. da liegen Welten auseinander...

es ist immer wieder erstaunlich, wie es kleinere Gruppen an Leuten schaffen, sich ihre eigene Welt zu schaffen und versuchen mit allen Kräften, unter sich zu bleiben. Das ist nicht nur bei Gehörlosen so, aber ganz besonders dort - schließlich entsteht durch die Gebärdensprache eine Kommunikaiton, die den Normalsterblichen nicht zugänglich ist, und damit grenzen sich meiner Meinung nach die CI-Verweigerer aus der Gesellschaft aus. Und niemand würde einem Kind mit grauem STar eine Staroperation verweigern, oder auch nur eine Brille, oder einem gehbehinderten Kind Krücken oder den Rollstuhl. Ich denke, daß das Kindeswohl hier eine OP rechtfertigt. Ich kenne selber Leute mit CI, und weiß daß dem Kind ein normales Leben verwehrt werden würde - ohne Implantat.

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Roter_Radler 30.11.2017, 07:50
126. Das überzeugt mich nicht.

Zitat von KlausKoe2
Allein da normale Risiken der Operation bestehen und die Operation nicht notwendig im Sinne von lebensrettend ist, sollten die Eltern entscheiden. Das Hören und Sprechen lernen ist dem nachrangig.
Ich weiß von einem Elternpaar, das sich bei seinem neugeborenen Sohn gegen eine Operation wegen Hodenhochstands entschieden hat. Der Zustand war nicht lebensbedrohlich, aber der Mann (inzwischen über 50) ist Zeit seines Lebens impotent und zeugungsunfähig gewesen.

Mit welchem Recht dürfen Eltern entscheiden, dass Hören und Sprechen (oder Sexualität) "nachrangig" ist?

Ich kann den konkreten Fall nicht beurteilen, aber grundsätzlich sollte das Kindeswohl vor dem Elternwillen gehen.

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hruprecht 30.11.2017, 07:54
127. Entsetzt

Natürlich muß man dem Kind das Implatat einsetzen. Der Artikel fragt, wie man gewährleisten kann, daß das Kind bei solchen "Rabeleltern" sprechen lernt. Ganz einfach indem man das Kind den Eltern wegnimmt und in eine Pflegefamilie gibt. Wer so rücksichtslos mit seinem Kind umgeht, ist kein gutes Elternteil und kann nicht für das Kind sorgen.

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pebcak 30.11.2017, 08:12
128. CI im Kleinkindalter

ist vorallem wichtig für die Entwicklung der korrespondierenden Bereiche im Gehirn. Deswegen ist auch ein "lasst ihn später selbst entscheiden" nicht verantowrtungsvoll. Es ist besser, wenn er das CI bekommt und sich dann dagegen entscheidet.

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Bret 30.11.2017, 08:22
129. Diese Implantate können sehr gut sein...

Als Musiklehrer hatte ich eine taube Schülerin. Sie konnte erstaunlich gut damit hören und sogar erfolgreich ein Instrument lernen. Mit der Sprache hatte sie überhaupt keine Probleme. Soviel zur Qualität dieser Implantate.

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