Forum: Gesundheit
Zwangsmaßnahmen: Gurte und Gitter gehören oft zum Klinikalltag
Corbis

Fixierungen und Zwangsmaßnahmen gibt es nicht nur in der Psychiatrie. Auch auf anderen Klinikstationen sind sie nicht unüblich: Fast bei jedem achten Patienten werden laut einer Studie solche Methoden angewandt. Manchmal mit verheerenden Folgen.

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rattentier@gmx.de 18.03.2014, 13:26
50. Bild

Stört sich eigentlich sonst niemand am Bild zum Artikel? Im ernst, wo in Deutschland wird denn so Fixiert?! Also entweder sind sämtliche Kliniken in die ich Einblick hätte total modern ausgestattet oder der Autor hat sich ein Bild zurechtgebastelt, das seinen eigenen mittelalterlichen Vorstellungen entspricht und hat noch nie fixiergurte gesehen... Im großen und ganzen tut es einem oft leid wenn man jemanden fixieren muss. Das ist keine schöne Sache und wird meist vorher gründlich abgewägt, selbst wenn es nur eng Handgelenk ist (bei hemiparese ist das ziemlich wirksam aber auch extrem gemein) aber wie schon viele geschrieben haben ist es eben oft nich zu umgehen. Denn keine Pflegekraft kann 24h am Bett stehen und immer und immer wider die Hand wegziehen. Davon abgesehen, dass ich mich nicht schlagen lassen will, wenn ich den Patienten davon abhalte sich den arteriellen Zugang oder die Schleuse aus der Leiste zu ziehen. Die Alternative ist Fixierung, so unschön das ist, oder eben ein Blutbad mit ungewissem Ausgang. Falls ich mich mal in solcher Verwirrung befinden sollte will ich bitte unbedingt fixiert Weden, besser mit Gurt zu mir kommen als mit gezogenem geblocktem Katheter. Aua.

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dementiapraecox 18.03.2014, 23:54
51. Fakt ist

dass noch vor 10 Jahren wesentlich mehr Patienten oder Heimbewohner fixiert wurden. Es hat, gerade für demenzkranke Menschen, gravierende Nachteile bis hin zur Traumatisierung und völligen Resignation. Es ist gut und richtig, dass hier geforscht wird. Wie das allerdings mit der miserablen niedrigen Personaldecke in der Pflege geleistet werden soll, steht auf einem ganz anderen Blatt. Was nützen Sensormatten, wenn eine Pflegekraft für 20 bis 50 Patienten sämtliche Tätigkeiten übernehmen soll? Wo ist der Aufschrei der Bevölkerung?

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littlebig 19.03.2014, 10:01
52.

Wie soll denn so eine 1:1 Betreuung aussehen? Muss dann eine Schwester ihren Dienst damit verbringen, den deliranten Patienten niederzuringen?? Zureden hilft ja nicht. Das würde vom Verletzungsrisiko keinen Unterschied machen. Nur, dass dann natürlich auch die Pflegekraft in Gefahr ist. Es scheint bis jetzt leider keine Alternativen zu geben...

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meinung2013 19.03.2014, 10:01
53.

Die Würde des Menschen ist antastbar wenn er krank, alt oder behindert ist.

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spon-facebook-10000100023 19.03.2014, 18:09
54. Schrecklich

Ich glaube, das ist das absolut schrecklichste, was man jemandem antun kann. Sich nicht umdrehen können, bei einem Muskelkrampf stundenlang stärkste Schmerzen erdulden, unter sich machen müssen, gefangen sein wie ein Schwein in seiner Gitterbox. Entwürdigt am Ende des Lebens, wegen buntem Papier namens "Geld".

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gcm13rbe 20.03.2014, 00:02
55.

Als meine demenzkranke und sehr verwirrte Großmutter für längere Zeit im Krankenhaus lag wurde sie auch fixiert, was spätere Auswirkungen auf ihr Laufen hatte. Ein ganz großes Lob gilt aber den Mitarbeitern, die sich für mehr Personal in solch einem Extremfall eingesetzt haben, leider erfolglos. Eine genaue Begründung vom Krankenhaus gab es dazu nie. Mit familiärer Unterstützung konnten wir wenigstens gewährleisten dass tagsüber immer jemand da war und keine Fixierung nötig war, aber nachts war nur eine Krankenschwester für 30 Patienten zuständig, zwei davon sehr verwirrt ohne geregelten Schlarhythmus. Man sollte einfach wieder weg von der Privatisierung und Gewinnorientierung der Krankenhäuser hin zu ihrem eigentlichen Zweck, alles für das Wohl der Patienten zu tun. Wir glaubten dass es in diesem Fall einfach zu teuer war eine Person mehr für die Schicht einzuteilen und demnach nach dem Minimalprinzip gearbeitet wurde.

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gcm13rbe 20.03.2014, 00:04
56. Es geht um Profit

Als meine demenzkranke und sehr verwirrte Großmutter für längere Zeit im Krankenhaus lag wurde sie auch fixiert, was spätere Auswirkungen auf ihr Laufen hatte. Ein ganz großes Lob gilt aber den Mitarbeitern, die sich für mehr Personal in solch einem Extremfall eingesetzt haben, leider erfolglos. Eine genaue Begründung vom Krankenhaus gab es dazu nie. Mit familiärer Unterstützung konnten wir wenigstens gewährleisten dass tagsüber immer jemand da war und keine Fixierung nötig war, aber nachts war nur eine Krankenschwester für 30 Patienten zuständig, zwei davon sehr verwirrt ohne geregelten Schlarhythmus. Man sollte einfach wieder weg von der Privatisierung und Gewinnorientierung der Krankenhäuser hin zu ihrem eigentlichen Zweck, alles für das Wohl der Patienten zu tun. Wir glaubten dass es in diesem Fall einfach zu teuer war eine Person mehr für die Schicht einzuteilen und demnach nach dem Minimalprinzip gearbeitet wurde.

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mr.feelgood 20.03.2014, 01:34
57.

Zitat von Forums-Geschwurbel
Es werden nichtmal genug "normale" Pflegekräfte eingestellt und Sie träumen von Bachelor ... in Norwegen betreut eine Pflegekraft im Durchschnitt fünf Patienten. In Deutschland sind es fünfzehn ! Und weil das ach-so-motivierend ist (so läuft's hier seit Jahrzehnten) und der Job dadurch furchtbar "attraktiv" wird, finden Sie an deutschen Krankenbetten zunehmend Pflegekräfte, die nichtmal die deutsche Sprache beherrschen, weil sie im hau-ruck-Verfahren aus Rumänien "eingekauft" wurden. DAS ist die Realität. Und mit Vorsatz beibehaltener Personalmangel zaubert niemand mit 'nem Bachelor weg.
Seit "Jahrzehnten" ist dieser Zustand in deutschland aber nicht so wie heute.
Als ich in "der Pflege" begann, betreute ich Mitte/ Ende der 80er Jahre auch 5-6 Patienten oder Bewohner im Pflegeheim zum Beispiel bei der morgendlichen körperpflege, Anziehen, Bettenmachen, lüften, Zimmer aufräumen.

Inzwischen muss ein Pfleger mehr als doppelt soviel "leisten" und ich kann mir partout nicht vorstellen, wie das möglich sein soll.

Die Zustände haben sich mit den Jahren immer mehr verschärft, denn schon damals, vor 30 Jahren , wurde von einem Pflegenotstand geredet, der aber noch keiner war. Was heutzutage aber praktiziert wird ist ein Skandal und dürfte eigentlich nicht erlaubt sein, WIE gearbeitet werden muss. Wenn nicht einmal Zeit für ein paar freundliche Worte ist, hat sich die Menschlichkeit längst verabschiedet.

Und wieder einmal will niemand dafür verantwortlich sein, alle reden von "kein Geld" und unbezahlbar, und dabei zählt Deutschland zu den reichsten Ländern.

Schämen müssen wir uns dafür, solche Zustände mitzutragen.
Wäre da nicht eine Unterschriftenaktion angebracht, die eingereicht wird irgendwo, wo sie nicht nur Beachtung findet, sondern als Politikum betrachtet und die Forderung auch umgesetzt wird?

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malanda 20.03.2014, 18:52
58. Seltsame Sichtweise ...

Zitat von egal
Beim rausfallen aus niedrigem Bett ist aber auch die Kanuele raus und wenn die Krankenschwester alle 5 min gucken muss, weil die Sensormatte klingelt und der Demenzkranke mit 5 kg Equpiment im Schlepptau auf Wanderschaft geht, macht die nix anderes mehr. Dann gibts halt kein Essen und keine Verbanswechsel mehr. Dümmliche, realitaetsferne Scheindiskussion
... so so ... dümmliche, realitätsferne Scheindiskussion.

Sie wissen sehr wohl, dass in einem richterlichen Beschluss zu einer unterbringungsähnlichen Maßnahme drinsteht, dass eine ständige Kontrolle des Betroffenen erforderlich ist.

Es braucht wohl eher hartnäckige Betreuer und Bevollmächtigte, die ggfs. drauf bestehen, dass auf diese Kontrollvoraussetzungen bestehen. Das kann man natürlich nicht an den PflegerInnen auslassen, sondern das ist ggfs. an die Klinikleitung zu kommunizieren.

Die Pflegenden geben ihr Bestes. Die Klinikleitung nicht - die guckt auf die Wirtschaftlichkeitszahlen. Aber: Solange wir genug Geld haben, um zu gierige Banken aus der Pfanne hauen, kann ich nicht einsehen, dass die Vorgaben des Richters nicht eingehalten werden.

Es sind Unterschiede zu machen, klar: Die Hand so fixieren, dass sie nicht ganz bis zu einer Kanüle kommt, ist im Zweifelsfall lebenserhaltend. Eine ältere Frau in einem Rollstuhl mit Brett auf den Gang zu schieben, das ist etwas, das nicht sein darf - da brauchen wir mehr Menschlichkeit, die freilich auch mehr Geld kostet.

Aber dieses ... "dümmlich" und "realitätsfern" kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein - stellen Sie sich einfach vor, Sie sind irgendwann derjenige, der als "Dementer mit 5 kg Equipement" seinem Bewegungsdrang nachgeben will, aber es nicht darf.

Stellen Sie sich einfach vor, Sie sind derjenige, der nicht aus seinem Bett rausdarf ... fühlen Sie im Inneren nach, wie Sie im Inneren erst aufbrausen, wütend werden, vielleicht toben ("agitieren"), Sie merken, alle Anstrengungen sind fruchtlos, keiner hört auf Sie. Irgendwann kommt Verzweiflung. Und danach die Resignation.

Nein danke, Ihre Sicht der Dinge finde ich nicht akzeptabel.

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