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Zwangsstörungen: "Das Entscheidende ist, ob jemand darunter leidet"
DPA

Manche Leute kontrollieren fünfmal die Herdplatten, bevor sie aus dem Haus gehen. Oder waschen sich alle halbe Stunde die Hände. Rituale hat jeder, aber wo beginnt der Zwang? Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, klärt auf.

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bohrendeworte 27.11.2013, 12:17
1. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer

Ja, ja. Das ist ein bequemes Mittelchen für den Psychiater, der ja für die Untersuchung nur ein paar Euro bekommt. Für die Patienten ist es häufig nicht so bequem, weil sie von den Serotonin-Wiederaufnahmerhemmern - auch SSRI genannt - nicht wiederloskommen. Ich habe Patienten, 30-40-jährige, die das Zeug seit Jahren schlucken und vergeblich versucht hatten, die SSRI abzusetzen. Vor 15-20 Jahren hatten die Antidepressiva teilweise unangenehme Nebenwirkungen ("trockener Mund" etc.), aber die Menschen kamen schnell wieder ohne Medikamente aus. Tolles amerikanisches Produktdesign! Ich würde so ein Zeugs niemals freiwillig schlucken und Herr Holsboer wohl auch nicht, oder?

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moritz1989 27.11.2013, 13:32
2.

Das Thema ist doch arg unsensibel aufgearbeitet. Es hört sich relativ simpel und erklärbar an. Doch gerade das ist es eben nicht und macht es auch so schwer für die Betroffenen. Die Krankheit kann soweit führen das Menschen nicht mehr das Haus verlassen können und am sozialen Leben nicht mehr teilnehmen. Blinkende Herzen an der Tür wirken da wir blanker Zynismus. Es ist wichtig diesen Menschen nicht das Gefühl zu geben das sie nicht verstanden werden. Und ich weiß ja nicht worauf heutzutage die Wissenschaft beruht aber "ich glaube" oder "ich schätze" wird es wohl nicht sein....

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meinemeinung: 27.11.2013, 14:09
3. optional

Wieder einmal mehr wird die oberflächliche Sichtweise vertreten das Zwangshandlungen eine anlagebedingte Ursache haben könnten. Völlig unbeachtet bleibt dabei das es sich um ein Symptom handelt, dem normalerweise eine lange Entwicklungsgeschichte vorausgeht. Zwanghaftigkeit entsteht meiner Meinung nach als Folge von rigiden und angstmachenden Erziehungsstrukturen, die in unserer Gesellschaft weit verbreitet sind. Erlebt es ein Mensch das er ständig gemaßregelt wird, sich nicht in seinem sein entfalten kann, er sich ständig anpassen und elterlicher Autorität unterwerfen muß, entsteht daraus ein zwanghafter unsicherer Mensch, der glaubt nur durch Kontrolle sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.
Sicher ist auch dies nur ein Beispiel und eher vereinfachend dargestellt. Dennoch: solange es bei der oberflächlichen Betrachtung der Symptome bleibt, bleiben die darunter liegenden Probleme und Konflikte ungelöst. Ich bezweifle das Medikamente mit schweren Nebenwirkungen dabei eine Hilfe sein können, genausowenig wie eine Psychotherapie die sich nur auf die Symptome beschränkt.

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armundhaesslich 28.11.2013, 12:50
4. dazu

gäbe es wirklich viel zu sagen, was aber leider politisch korrekt nicht ausdrückbar ist. aber egal, damit ist eigentlich eh alles gesagt ;)

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nichtnotwendig 28.11.2013, 13:52
5. @ bohrendeworte

Eine Abhängigkeit von SSRI ist mir neu. Ich bin selbst von Zwängen betroffen, habe mehrmals Phasen gehabt in denen ich SSRI über Jahre in sehr hohen Dosen genommen habe und das Absetzen bzw. Ausschleichen war nie ein Problem. Auch von anderen mir bekannten Patienten habe ich noch nicht von derlei Problemen gehört. Von der Angst der Abhängigkeit allerdings schon.

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psychologiestudent 28.11.2013, 14:00
6.

Zitat von meinemeinung:
Wieder einmal mehr wird die oberflächliche Sichtweise vertreten das Zwangshandlungen eine anlagebedingte Ursache haben könnten. Völlig unbeachtet bleibt dabei das es sich um ein Symptom handelt, dem normalerweise eine lange Entwicklungsgeschichte vorausgeht. Zwanghaftigkeit entsteht meiner Meinung nach als Folge von rigiden und angstmachenden Erziehungsstrukturen, die in unserer Gesellschaft weit verbreitet sind. Erlebt es ein Mensch das er ständig gemaßregelt wird, sich nicht in seinem sein entfalten kann, er sich ständig anpassen und elterlicher Autorität unterwerfen muß, entsteht daraus ein zwanghafter unsicherer Mensch, der glaubt nur durch Kontrolle sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Sicher ist auch dies nur ein Beispiel und eher vereinfachend dargestellt. Dennoch: solange es bei der oberflächlichen Betrachtung der Symptome bleibt, bleiben die darunter liegenden Probleme und Konflikte ungelöst. Ich bezweifle das Medikamente mit schweren Nebenwirkungen dabei eine Hilfe sein können, genausowenig wie eine Psychotherapie die sich nur auf die Symptome beschränkt.
darauf sind andere auch schon gekommen, leider sind Familien von Zwangspatienten nicht unbedingt rigider und maßregelnder als andere, als einziger Erklärungsmechanismus also eher unwahrscheinlich.

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chefrationalist 28.11.2013, 14:01
7. So ein Blödsinn!

Zitat von bohrendeworte
Ja, ja. Das ist ein bequemes Mittelchen für den Psychiater, der ja für die Untersuchung nur ein paar Euro bekommt. Für die Patienten ist es häufig nicht so bequem, weil sie von den Serotonin-Wiederaufnahmerhemmern - auch SSRI genannt - nicht wiederloskommen. Ich habe Patienten, 30-40-jährige, die das Zeug seit Jahren schlucken und vergeblich versucht hatten, die SSRI abzusetzen. Vor 15-20 Jahren hatten die Antidepressiva teilweise unangenehme Nebenwirkungen ("trockener Mund" etc.), aber die Menschen kamen schnell wieder ohne Medikamente aus. Tolles amerikanisches Produktdesign! Ich würde so ein Zeugs niemals freiwillig schlucken und Herr Holsboer wohl auch nicht, oder?
Die modernen Antidepressiva (wie SSRIs) sind zunächst einmal eine wirksame Medikation für Menschen, die an Depression oder Angsterkrankungen leiden. Gegenüber früheren Medikationen besitzen diese ein günstigeres Nebenwirkungsprofil, was gerade bei langfristiger Einnahme von Nutzen ist. Viele Erkrankte werden durch die Einnahme von SSRIs überhaupt erst in die Lage versetzt, eine ergänzende Psychotherapie zu beginnen. Und was das Absetzen angeht, wird ein erfahrener Arzt hier mit dem Patienten ein schleichendes Absetzschema über mehrere Wochen vereinbaren, das die Absetzerscheinungen minimiert. Leichtfertig sollten SSRIs (so wie alle Medikamente) selbstverständlich nicht verschrieben werden. Das kann man aus dem Interview aber auch nicht herausdeuten.

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psychologiestudent 28.11.2013, 14:08
8.

Zitat von bohrendeworte
Ja, ja. Das ist ein bequemes Mittelchen für den Psychiater, der ja für die Untersuchung nur ein paar Euro bekommt. Für die Patienten ist es häufig nicht so bequem, weil sie von den Serotonin-Wiederaufnahmerhemmern - auch SSRI genannt - nicht wiederloskommen. Ich habe Patienten, 30-40-jährige, die das Zeug seit Jahren schlucken und vergeblich versucht hatten, die SSRI abzusetzen. Vor 15-20 Jahren hatten die Antidepressiva teilweise unangenehme Nebenwirkungen ("trockener Mund" etc.), aber die Menschen kamen schnell wieder ohne Medikamente aus. Tolles amerikanisches Produktdesign! Ich würde so ein Zeugs niemals freiwillig schlucken und Herr Holsboer wohl auch nicht, oder?
DIe alten Antidepressiva hatten nicht nur NW wie trockener Mund, gerade bei den MAO-Hemmern gab es eine Menge Todesfälle und Trizyklika haben auch eine ganze Menge ziemlich crasse Nebenwirkungen. Da sind die SSRI sehr viel verträglicher. Und mW sagen alle Studien, dass es keine Suchtgefahr gibt... Was sind Sie denn von Beruf, dass SIe so viele Patienten mit SSRI sehen, aber keine Ahnung von den NW haben, Heilpraktiker, oder Psychotherapeut der alten antimedizinischen Schule?

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ariovist1966 28.11.2013, 14:20
9. Danke Herr Experte

Zwangsstörungen können auch physische Ursachen haben. So treten diese z. B. infolge von Gehirnverletzungen auf. Oder bei einer Lyme-Borreliose. Letzteres selbst gesehen: Zwangsstörung (Waschzwang extrem ausgeprägt). Behandlung Antidepressiva und Psychotherapie: Erfolg: mäßig, Leidensdruck sehr hoch. Antibiotikatherapie: Erfolg: innerhalb weniger Tage besser als die ganze Psychobehandlung! Psychiater, Psychotherapeut u. Hausarzt hatten in diesem Fall ihr Geld überhaupt nicht verdient.

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