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100 Jahre Acht-Stunden-Arbeitstag: Sechs Stunden pro Tag reichen völlig aus
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Seit hundert Jahren arbeiten wir acht Stunden täglich: Das ist längst nicht mehr zeitgemäß. Warum der Sechs-Stunden-Tag die Lösung vieler Probleme wäre.

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ulisses 17.11.2018, 08:06
150. Beruf

Selbstverständlich bin ich sowohl für effektives Arbeiten als auch für eine humane Arbeitswelt. Zwei Begriffe, die sich gegenseitig bedingen.
Wenn die Arbeit in weniger Zeit erledigt sein kann, mit Hilfe von Maschinen, besserer Organisation und eben auch ausreichend Personal, dann sollte man das auch so organisieren.
Jetzt kommt das große Aber: es gibt Menschen bzw. Branchen, wo Menschen freiwillig mehr als acht Stunden täglich arbeiten wollen oder müssen. Nicht alle Menschen arbeiten in einem modernen, vernetzten, gewerkschaftlich organisierten Betrieb mit wohlwollendem Boss.
Ein erheblicher Prozentsatz arbeitet selbstständig in Familienbetrieben: Gastronomie, Landwirtschaft (meine Herkunftsfamilie), kleinere Handwerksbetriebe...etc. Und auch ich als Angestellter Lehrer mit soooo viel Urlaub habe normalerweise mehr als acht Stunden am Tag plus Wochenende zur Vorbereitung und Korrektur. Ärzte und Pflege und Feuerwehr sind Bereitschaftsdienste.
Und dann gibt es noch all,die Branchen an der Front der Innovation, Kreativität und Forschung, wo jede Minute zählt. Wer da nicht bereit ist, 100% zu geben, wird halt von der Konkurrenz abgehängt.
Elon Musk ist da wohl ein Extrembeispiel, was man an seinen Augenringen sieht.
Er sagt: Gewöhnliche Menschen können außergewöhnlich viel erreichen, wenn sie einfach doppelt so viel arbeiten. Bei Tesla wird rund um die Uhr gearbeitet, angeblich mit weit über 70 Stunden pro Woche. Vor 140 Jahren war es bei Werner Siemens sicher kaum anders.
Niemand sollte dazu gezwungen werden, aber es ist klar, warum die Innovationen, die uns erst überhaupt unser Technik-Luxusleben mit Robotern, chemischen Produkten, Medizin, Internet und Waschmaschinen beschert haben, wahrscheinlich nicht so sehr von 6-Stunden-Menschen sondern von „Schatzi, lass mich arbeiten, ich bin soooo kurz davor...“-Menschen gemacht werden. Mir ist klar, dass das eine Mimderheit ist.
Aber nochmals: diese Diskussion ist nur durch Fortschritt überhaupt möglich geworden.

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kanuto 17.11.2018, 08:14
151. Prima!

Ich kann schon sehen, daß das geht. Zuerst war ja auch der 8-Stunden Tag arbiträr festgelegt, nach dem die Menschen in der Regel vor dieser Einigung ja 10 Stunden am Tag und auch eine 6-Tage Woche hatten. Und was die extra Arbeitskräfte anbelangt, die für die Jobs in Schichtarbeit nötig sind: Soweit haben wir drei Schichten und mit einem 6-Stunden Tag wären es dann eben vier. Also lediglich eine Steigerung von 33% (stimmt das?).
Unternehmen haben ja auch bisher enorm von Automation profitiert (mehr Produktivität mit weniger Arbeitskräften). jetzt ist es halt an der Zeit, auch die Arbeitnehmer ein bißchen davon was haben.

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Steini 17.11.2018, 09:13
152.

Ich bin total dafür.
Wer nur 6 h arbeitet, hat dann locker 2-3 h Zeit eherenamtlich etwas für die Gemeinschaft zu tun.

Seihen wir doch mal ehrlich, viele Menschen arbeiten viel mehr als 8 h am Tag.
Fast 10 h im Job ist nicht ungewöhnlich, dann kommen Nebenjobs und Ehrenamt und na ja Private Verpflichtungen und Ziele und Ausgleichstätigkeiten wie Sport, Treffen mit Freunden oder Suche der Natur.
Es gibt aber auch einige die mehr Ruhe brauchen.

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Koana 17.11.2018, 09:42
153. Systemfrage

Solange arbeitende Menschen einer dünnen Oberschicht das materielle Irrsinnssuperangebot bereitstellen müssen, solange die Klassengesellschaft akzeptiert und die Mehrheit die Aufstiegschance in dieser als Ihre Lebenschance und Ihr vorrangiges Ziel begreift, solange werden viele, sehr Menschen 20 Stunden am Tag für wenige Cent pro Stunde um Ihre Überlebenschance schuften müssen, werden sehr viele Menschen als marginalisierte Überflussmasse kümmerlich am Leben gehalten, entweder kurz vor dem Hungertod stehend, oder als Kleinkonsumenten, werden vielleicht ein viertel der Menschen halbwegs glücklich sein, indem sie einen als subjektiv sinnvoll, objektiv jedoch pervers destruktiv wirkenden Job ausüben und die oben erwähnten Halbgötter dürfen von ewiger Jugend und unbegrenzter Konsumkraft träumen, dürfen sich die Kraft von Milliarden Sklaven aneignen und werden dafür sogar noch bewundert.

In einer utilitaristischen Spielsystematik, die konsequent auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit setzt, wären etwa zwei Stunden "Systemarbeit" notwendig, von etwa 50% der in der Gesellschaft lebenden Menschen. Den Rest der Lebenszeit könnte jeder ganz nach seinen Vorlieben, unter Einhaltung des Prinzips, anderen Menschen damit nicht zu schaden, die Biosphäre zu respektieren, gestalten.
Das erkannten schon die meisten Naturvölker, leider jedoch, hat sich die Klassengesellschaft durchgesetzt und wird uns wohl bis zum Ende begleiten.

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diestimmevomdach 17.11.2018, 09:46
154.

Achtung! Augenwischerei! Das klingt vielleicht wunderschön. Aber ich warne vor einem weiteren Neoliberalisierungsschub. Geht es hier vielleicht im Hintergrund um eine weitere Optimierung der menschlichen Arbeitskraft, die letztlich nur noch mehr Stress hervorruft? Man müsste das zumindest untersuchen!

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Mancomb 17.11.2018, 10:16
155. Ich arbeite

als Assistenzarzt in der Notaufnahme. Meine Kollegen und ich arbeiten 8, 9, teilweise 10 bis 11 h ohne Pause durch (gleichzeitig müssen wir uns von allen Seiten anmaulen lassen, warum das alles so lang dauert, man wartet ja schon über eine Stunde mit seinem Kreuzweh seit zwei Wochen, was ist das denn für ein Saftladen hier).

Um einen 6-h-Tag für Ärzteschaft und Pflege durchzudrücken, bräuchten wir zwei- bis dreimal soviel Personal wie jetzt. Wäre ich voll dafür, aber wer zahlt das dann?

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smsderfflinger 17.11.2018, 10:26
156.

Zitat von TS_Alien
Die Arbeitszeit von acht Stunden hat nichts mit eventuell fehlendem Personal zu tun. Das Eine darf man daher mit dem Anderen in der Diskussion nicht vermischen. Wer Personal benötigt, sollte es anständig bezahlen. Dann kommen auch mehr Bewerber. Und wenn nicht, sind eben bestimmte Dienste nicht zu leisten. Wer etwas weniger arbeitet, wird vielleicht seltener krank. Und schon brauchen wir weniger Ärzte, ... .
Aber fehlendes Personal hat etwas mit Umsetzbarkeit zu tun. Ist aber wohl egal... Erst werordnen, dann nachdenken, super Programm.
Wer bestimmt, was "anständige" Bezahlung ist? Sie?
Und wenn man nicht ausreichend Altenpfleger, Krankenschwestern, Verwaltungsangestellte, Polizisten, Müllwerker, etc. bekommt, dann sind eben diese Dienste nicht zu leisten???
Und Hartz IV - Bezieher sind super gesund und benötigen keine KV mehr?
D

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smsderfflinger 17.11.2018, 10:38
157.

Zitat von Mancomb
als Assistenzarzt in der Notaufnahme. Meine Kollegen und ich arbeiten 8, 9, teilweise 10 bis 11 h ohne Pause durch (gleichzeitig müssen wir uns von allen Seiten anmaulen lassen, warum das alles so lang dauert, man wartet ja schon über eine Stunde mit seinem Kreuzweh seit zwei Wochen, was ist das denn für ein Saftladen hier). Um einen 6-h-Tag für Ärzteschaft und Pflege durchzudrücken, bräuchten wir zwei- bis dreimal soviel Personal wie jetzt. Wäre ich voll dafür, aber wer zahlt das dann?
Da brauch man es nur mit dem Foristen @TS_Alien zu halten:
"Wer Personal benötigt, sollte es anständig bezahlen. Dann kommen auch mehr Bewerber. Und wenn nicht, sind eben bestimmte Dienste nicht zu leisten."
(http://www.spiegel.de/forum/karriere/100-jahre-acht-stunden-arbeitstag-sechs-stunden-pro-tag-reichen-voellig-aus-thread-827667-15.html#postbit_70142437)
Schon ist das Problem gelöst...
D

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bockmist 17.11.2018, 12:00
158. Lebenszeit ist wichtig

Wieder mal so ein Artikel ins Blaue hinein. Wir haben in Deutschland viele Probleme, die es zu lösen gilt. Staus auf der Autobahn klauen einem auch Lebenszeit. Die Kitas werden auch früher schliessen müssen. Na dann träumen wir eben ein bisschen

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saaman 17.11.2018, 13:01
159. So nicht! Sondern ganz anders.

6 Stunden Arbeit am Tag? Wozu? Wenn ich mir ansehen, was die von der Arbeit geplagten in ihrer Freizeit einschließlich Urlaub schuften, dann weiß ich, wo der Kern des Problems liegt. Nicht darin, dass wir zu viel arbeiten, sondern darin, dass es mit der menschengerechten Lebensqualität am Arbeitsplatz nicht stimmt. Es ist einerseits eine Frage der Einstellung zur Arbeit. Es ist aber in weit größerem Maße eine Frage der Bedingungen am Arbeitsplatz, die dem arbeitenden Menschen Stress machen und die Laune verderben. Warum sehe ich im Urlaub kaum faulenzende Menschen? Weil das, was sie tun Ihnen Freude bereitet und zur Selbstverwirklichung beiträgt. Wir brauchen eine radikal andere Arbeitswelt. Eine, in der sich Menschen so fühlen wie in ihrem Hobby. Da geben die meisten ihr Bestes und sind obendrein noch glücklich. Stress im Hobby? Ist reichlich da. Aber keiner spürt‘s.

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