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100 Jahre Acht-Stunden-Arbeitstag: Sechs Stunden pro Tag reichen völlig aus
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Seit hundert Jahren arbeiten wir acht Stunden täglich: Das ist längst nicht mehr zeitgemäß. Warum der Sechs-Stunden-Tag die Lösung vieler Probleme wäre.

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alter Schwede 1965 15.11.2018, 16:34
50. Ja genau. Das ist der Beweis.

Aber nicht für die krude Theorie, dass eine Verkürzung der Arbeitszeit zu mehr Wohlstand führen würde. Nein, dafür dass es manchmal hilft, sich mit dem Teilgebiet der Volkswirtschaftslehre zu beschäftigen, nämlich der Makroökonomik. Jeder Arbeitnehmer muss im Durchschnitt mehr Arbeitsleistung erbringen, als er dem Unternehmen auf einen längeren Zeitraum gesehen kostet. Wenn er diese Arbeitsleistung in 6 h erbringt, statt in 8h, dann ok. Wenn er jedoch nur 6/8 der Leistung erbringt, dann ist er mittelfristig seinen Job los. Extrapoliert man diese Annahme auf alle Beschäftigten, dann ist eher davon auszugehen, dass im Schnitt eher etwas mehr Stunde geleistet wird, dieser positive Effekt jedoch von den 2h weniger überkompensiert wird. Somit nimmt die Gesamtleistung eher ab. Somit müsste jeder sich mit etwas weniger Geld anfreunden. Das sagt die Autorin nicht, sondern suggeriert einen vollen Lohnausgleich ohne die Herkunft dieser Mittel zu erläutern. Aus der Arbeitsleistung stammt er jedenfalls nicht, denn diese hat abgenommen. Richtig krude wird ihre Argumentation spätestens dann, wenn es um das Abwerben von Mitarbeitern durch punktuelles Anbieten des 6h Tages. Möglicherweise haben einzelne Unternehmen einen besseren Erfolg beim Gewinnen von neuen Mitarbeitern, gesamtwirtschaftlich ist das Ergebnis siehe oben. Daher lieber VWL als Germanistik studieren....

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haifasuper 15.11.2018, 16:36
51.

Zitat von fountainebleau
Wie wär‘s mit 2 Arbeitsstunden am Tag bei voller Bezahlung? Es ist unglaublich, was sich die heutigen Arbeitnehmer vorstellen! Schon mal was von Soll und Haben gelesen? Oder davon, daß das Geld für solche Wohltaten erstmal verdient werden muß? Schon mal was davon gelesen, daß wir unter Fachkräftemangel leiden? Auch ist es doch bekannt, daß der Mensch die Arbeit braucht, damit ihn nicht die Langeweile ereilt und er wohl möglich auf krumme Gedanken kommt. Ohne Fleiß kein Preis, sagten meine Altvorderen, wodurch wir unseren Wohlstand erreichten. Ohne Input kein Output, gelle?
In der Tat, selten so einen BS gelesen. Der Fachkräftemangel...an dieser Sache ist etwas faul, das riecht man auch ohne BWL. Langeweile würde vielen mal gut tun, so verzahnt wie diese Kollegen mit dieser Wirtschaft-First Ideologie sind. Etliche Studien dazu, dass Langeweile ab und zu gar nicht so schlecht ist(Stichwort: Kreativität). Aber auch wenn man nicht kreativ arbeitet, es ist einfach vollkommener BS die wertvollste Ressource, Zeit, im Büro/Betrieb verbringen zu müssen, und oft nichts sinnvolles tun zu können. Und dieses BS machen beispielsweise viele junge Leute nicht mehr mit. Zurecht. YOLO, und das ist ganz sicher.

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Lasse123 15.11.2018, 16:46
52.

Zitat von neurobi
Eine Verringerung der täglichen aber auch der Lebensarbeitszeit ist mit fortschreitenden technologischen Fortschritt unausweichlich. Es sind immer weniger Menschen notwendig um die Wirtschaftsprozesse aufrecht zu erhalten. Also muss die noch zur Verfügung stehender Arbeitspakete stärker aufgeteilt werden. Das ist auch nichts neues, das war schon bei der letzten in industriellen Revolution so. Nur muss es diesmal viel schneller gehen.
Aha, das heißt, der Maurer, der Maler, der Heizungsbauer, der Elektriker und viele andere Handwerker, sowie Polizeibeamte, Krankenschwester, Rettungssanitäter, Feuerwehrleute und viele andere 3-Schicht-Berufe arbeiten nur noch 6 Stunden = 5 mal die Woche? In den meisten dieser Berufe fehlen heute schon Fachkräfte, wo her nehmen?

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vicbrother 15.11.2018, 16:48
53.

Die Frage ist doch, warum Menschen heute nicht mehr acht Stunden konzentriert arbeiten können. Früher war das kein Problem, heute sind viele mit den Gedanken woanders, haben falsche Schlafrythmen, statt Entspannung wollen sie ein actionreiches Wochenende, sehen viele Filme in Folge und das Hirn findet keine Zeit zur Verarbeitung usw.

Dann zum Argument um 14.46Uhr auf die Uhr schauen und noch mal motiviert sein: Warum soll das um 16 Uhr nicht möglich sein?

Das Argument mit der Kita ist sicherlich nicht ernsthaft gemeint, denn die Kitas machen deswegen nicht länger Dienst. Die würden dann auch nur sechs Stunden arbeiten und dann schon um 14 Uhr schliessen. Wo ist da jetzt der Gewinn? Oder sollen die sechs Stunden nur für bestimmte Arbeitnehmer gelten?

Unternehmen die aus der Not heraus sechs Stunden-Dienste einfahren sind in der absoluten Minderzahl, aber natürlich sind heute flexible Arbeitszeitmodelle in manchen Branchen normal. Projektorientiertes Arbeiten gibt es schon lange. Sehe also da keine große Bewegung...

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im_ernst_56 15.11.2018, 16:49
54. Toll

Der Vorschlag ist Unsinn. Die Reduzierung der Arbeitszeit mag in manchen Branchen funktionieren, in anderen nicht. Man denke z.B. an das Gesundheitswesen, wo es jetzt schon schwierig ist, qualifiziertes Personal zu bekommen. Wenn Ärzte, Arzthelferinnen, Schwestern und Pflege nur noch 6 Stunden arbeiten, da freut sich dann der Patient. Auch in Anwaltskanzleien funktioniert das nicht und nicht mal bei den Behörden, wo man hier in Berlin wochenlang auf einen Termin warten muss und Staatsanwälte und Polizisten einen Berg von Überstunden vor sich her schieben. Bei SPON, wo demnächst modernste Rechner mittels künstlicher Intelligenz die Artikel aus Meldungen der Nachrichtenagenturen zusammenschreiben, mag das funktionieren und Frau Haug sei deshalb ihr 6-Stunden-Tag von Herzen gegönnt.

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bammbamm 15.11.2018, 16:49
55. nicht das ich was gegen einen

Nicht das ich was gegen einen 6 Stunden Tag hätte, die Realität ist allerdings das abseits von Bürojobs es immernoch genug Jobs gibt wo auch die vollen 8 Stunden gearbeitet wird bzw. gearbeitet werden muss und keine Zeit ist um mit Kollegen zu quatschen oder im Internet zu surfen. Ich hatte das Glück in meinem Leben von Büro bis zum Bau, vom Verkäufer bis zum Fahrer schon viele Erfahrungen sammeln zu können und es ist erschreckend welch begrenzten Horizont Menschen haben die so etwas allgemein fordern.

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Bernd Paysan 15.11.2018, 16:50
56. Es kommt auf den Job an

Ein Wachmann wird für das Herumsitzen bezahlt — nicht für das konzentriert arbeiten. Es geht hier primär um Jobs, bei denen konzentriert gearbeitet werden muss. Die 8 Stunden sind für die Fließbandarbeit bei Ford optimiert; vor 100 Jahren. Sie sind nicht für Programmierer oder andere Ingenieursberufe gedacht. Jede Arbeit hat ihr Optimum, lässt man die Leute länger arbeiten, bekommt man am Ende weniger 'raus. Das Optimum hängt von der Arbeit ab, aber da gibt es natürlich gesellschaftliche Probleme: Wenn der Wachmann, der sowieso nur einen geringen Lohn bekommt, dann auch noch länger arbeiten muss wie die studierten Ingenieure, dann ist der Hals noch dicker. Deshalb wird man, um die Ingenieure besser auslasten zu können (was halt eine kürzere Arbeitszeit bedeutet, mehr Freizeit und bessere Motivation), auch anderen Leuten eine kürzere Arbeitszeit gönnen müssen.

Viele Betriebe wie Supermärkte stellen schon jetzt bewusst praktisch nur Teilzeitkräfte ein, weil auch an der Kasse Konzentration gefordert ist. Diese Optimierung dann „Teilzeit“ zu nennen, ist aber eine Lebenslüge. Die Arbeitszeiten sind so berechnet, dass das Optimum aus dem Mitarbeiter herausgeholt wird.

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Sonia 15.11.2018, 16:57
57. Ja, der Deutsche liebt es immer mehr gemütlich

und glaubt ernsthaft, damit wird Deutschland konkurrenzfähig bleiben? Die Automatisierung wird sich hier noch hinziehen, aber, wer diesen gigantischen Sozialstaat am Leben erhalten will, der kann doch nicht ernsthaft glauben, das geht, indem bei gleichen Lohn weniger gearbeitet wird. Empfehle mal zu lesen, Website der britischen PwC, Studie "The World in 2050". Russland hat bereits 2030 Deutschland als größte Wirtschaft abgelöst, China liegt 2050 auf Platz 1 und vom Platz 2 werden die USA von Indien verdrängt. Es wäre natürlich eine gute Vorbereitung auf diese Aussichten: Weniger arbeiten, mehr erholen - dösen, mit Kindern spielen - natürlich dreht sich die Welt auch weiter ohne uns. PwC könnte irren - vielleicht geht's auch noch schneller. Die aktuellen Beschlüsse zur weitern Aufblähung des Sozialstaates mit weit geöffneten Toren könnten es natürlich beschleunigen.

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widower+2 15.11.2018, 17:00
58. Kommt auf den Beruf an

Zitat von vicbrother
Die Frage ist doch, warum Menschen heute nicht mehr acht Stunden konzentriert arbeiten können. Früher war das kein Problem, heute sind viele mit den Gedanken woanders, haben falsche Schlafrythmen, statt Entspannung wollen sie ein actionreiches Wochenende, sehen viele Filme in Folge und das Hirn findet keine Zeit zur Verarbeitung usw.
In Berufen mit hohen Anforderungen an Konzentration und geistige Leistung war es noch nie möglich, acht Stunden bei gleichbleibender Leistung durchzuarbeiten.

Völlig unabhängig von der Freizeitgestaltung.

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ingofischer 15.11.2018, 17:01
59. Maschinen und Automatisierung verringert nicht den Arbeitskräftebedarf

Ich kann es wirklich nicht mehr hören, wenn hier wieder davon geträumt wird, dass Maschinen nach und nach die menschliche Arbeitskraft ersetzen. Die Industrialisierung und Automatisierung hat ja nicht erst gestern begonnen. Wenn man bedenkt, dass dank der Maschinen die Produktivität einer Arbeitskraft heute ein Vielfaches derjenigen vor 100 Jahren beträgt, müsste nach dieser Logik heutzutage der größte Teil der Menschheit Vollzeiturlauber sein. Aber nein wir haben Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel und das obwohl inzwischen mit den Frauen viel mehr Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Durch Maschinen und Automatisierung steigt sicherlich die Produkttivität und damit der durchschnittliche Wohlstand, aber sicher muss man keine Angst haben, uns würde die Arbeit ausgehen und man müsse die immer weniger "verbleibende" Arbeit unter den Arbeitskräften aufteilen.

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