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200 Bewerbungen, fast nur Absagen: "Bin ich ein aussichtsloser Fall?"
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53 Jahre alt und auf Jobsuche: Was tun, wenn es monatelang einfach nicht klappen will? Der Karriere Coach Matthias Martens rät, sich die richtigen Fragen zu stellen - und selbstkritisch zu sein.

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spon_7302413 17.06.2019, 13:27
90.

Zitat von bo73
Ein Punkt, der mich hier stutzig macht, ist der nur kurze Hinweis auf eine "betriebsbedingten Kündigung". Da kann natürlich alles mögliche hinterstecken, ...
"Betriebsbedingte Kündigung" ist ein Allgemeinposten und es scheint nicht klug, diesen Platzhalter ohne nähere Auskunft als Formulierung zu verwenden. Es stellen sich automatisch, wie auch hier, Fragen und somit ist dies ein unnötiger Stolperstein.
Doch ist das dahinter stehende Grundprinzip, gerade in Leitungs-/Führungspositionen, durchaus der gelebte Alltag in den Verwaltungen großer Unternehmen. Denken Sie nur an Fusionen und Übernahmen. Woher kommen die viel besungenen "Synergieeffekte"? Natürlich in erster Linie aus den "Verschlankungen". Vereinfacht ausgedrückt: aus zwei Administrationen wird eine. Zwei Personalabteilungen sind unnötig, zwei Buchhaltungen auch, usw. Also werden Positionen überflüssig und eine Entscheidung muss getroffen werden. Das zugrunde liegende Prinzip wird sich weiter fortsetzen. Das ist einer der Begleiteffekte der"Digitalisierung". Was wird erst möglich sein, wenn eine KI sämtliche administrative Funktionen per Algorithmen vorbereiten und einer dafür vorgesehenen , entsprechend reduzierten Stelle zur Entscheidung vorlegen kann? Effizienzsteigerung bedeutet, dass die Arbeit von immer weniger (teuren) biologischen Mitarbeitern getan werden kann, und dass bei bestimmten Strukturen heute noch selbstverständliche Bestand-Abteilungen womöglich dabei wegfallen, oder aus vielen Bereichen die Heads & Hands erst zusammen geschmolzen und dann entsprechend reduziert zusammen gelegt werden. Flache Hierarchien bedeuten wiederum den Wegfall üblicher (traditioneller) Teile des Mittelbaus, was nichts anderes bedeutet, als dass es in den nächsten Jahren einen erheblichen Schwund im Bereich der Positionen des mittleren Managements und der unteren Führungsebenen geben wird. Was aber machen all die Filialleiter der Banken und deren Mitarbeiter, wenn aufrund der Entwicklung zum Direkbanking und digitalen Bezahlsystemen die Filialen weiter ausgedünnt werden? Was machen die Sachbearbeiter im Versicherungswesen, wenn eine neue Maschinegeneration die Fallbearbeitungen mit objektivierter Gleichmäßigkeit abarbeiten kann, der Aussendienst durch Onlineportale ersetzt wird und nur noch Sonderfälle einer Einzelbeurteilung durch Human Resources bedürfen...? Schulen die frei gewordenen, ehemals hoch qualifizierten Mitarbeiter dann alle auf Krankenpfleger um, um nachfragekonform performen zu können?

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odapiel 17.06.2019, 13:30
91.

Zitat von outofthebox39
Ihre Bewerbungsunterlagen kenne ich nicht. Ich kenne jedoch den häufigen Fehler von Bewerber*innen, Bewerbungen nach dem Gießkannenprinzip zu versenden
Das Problem ist doch, daß die Jobcenter erwarten, daß der ALGII-Empfänger "kalte Bewerbungen" schreibt, und zwar die gelben Seiten hoch und runter. In der Regel müssen wenigstens 2-3 pro Woche abgeliefert (= nachgewiesen) werden, das macht 8-12 Bewerbungen pro Monat aus - wenn es ein gnädiger Sachbearbeiter ist.

Bei wem er sich bewirbt ist vollkommen egal. Ob die entsprechenden Qualifikationen vorhanden sind, ist auch wurscht. Hauptsache es werden diese 12 Bewerbungen gemacht. Wenn er Pech hat, sind es 16 oder 20, je nach dem wie der "Betreuer" drauf ist.

Ich kenne ausgebildete KFZ-Mechanikermeister, die sich als Koch, Arzt oder Krankenpfleger bewerben mußten. Gehbehinderte zierliche Frauen, die Stellen auf dem Schrottplatz, als Sporttrainer oder Installateur anschreiben mußten.

Jeder Personaler haut diese Bewerbungen umgehend in die Tonne, ist aber mit Sicherheit supergenervt davon. Und der Spaß erhöht das weiße Rauschen ganz enorm.

Ansonsten ist den anderen hier, die auf das Märchen vom Fachkräftemangel hinweisen, nur beizupflichten.

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markus_wienken 17.06.2019, 13:35
92.

Zitat von großwolke
Der Mann ist schlicht keine begehrte Fachkraft. Nicht von seiner Ausbildung her, nicht von seinem Werdegang. Was in Deutschland gesucht wird, sind Leute, die was können, das man nicht jedem dahergelaufenen BWL-Bachelor in einem halben Jahr beigebogen bekommt. Informatiker, Naturwissenschaftler, Handwerker. Man schaue sich diese Statistik hier an: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/2140/umfrage/anzahl-der-deutschen-studenten-nach-studienfach/ Dann ist auch klar, wieso er mit 53 keine Chance bekommt. Der Druck von unten in Richtung Führungspositionen ist dem Bereich riesig, und es gibt sicher Leute, 10-15 Jahre jünger, die es für viel weniger Geld ausreichend gut machen können. Vielleicht nicht so gut wie Jens, 53, aber der Anspruch besteht seitens der Firmen vielleicht auch gar nicht. Im übrigen ist das Kaufmännische auch einer der Bereiche, die durch die Digitalisierung personalmäßig massiv unter die Räder geraten. Da wird es in Zukunft nicht einfacher.
Genau so ist es.
Hinzu kommt noch: "Generalist", wird oft verwendet für: Kann vieles/alles aber nichts richtig.
Gerade in seiner Sparte ist das, was er aufführt kein Hexenwerk und das kann man sich in relativ kurzer Zeit für die meisten Firmen in ausreichender Qualität aneignen.
Besser wären ein, zwei Spezialkenntnisse zu haben und Firmen zu suchen die genau so etwas benötigen.

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limacharlie8o8 17.06.2019, 13:45
93. Die Kritik ans solchen selbsternannten "Beratern"...

...ist absolut gerechtfertigt!
Regisseure von Schmierentheatern wäre die am beste zutreffende Bezeichnung.
Aufzählung von Binsenweisheiten und Kalenderblatt-Ratschlägen zu perversen Honoraren!
Zur "Unterhaltung" der Personaler muss man die Nötigung zum Lügen, Vertuschen, Beschönigen in Kauf nehmen, da dies essentieller Bestandteil bei Bewerbungsvorgängen ist. Ich bekam den Rat, meine Bewerbung nicht so berichtsmässig, und faktenlastig zu formulieren, da der Personaler einen erheiternden, erfrischenden, kreativen Schreibstil erwartet. Der soll gefälligst ins Kino gehen, oder einen Roman lesen, wenn er "entertained" werden will - oder sich noch besser einen anderen Job suchen, wenn es ihm/ihr zu langweilig ist!

Aber man wird von diesen "Sparten-Realisten", die in ihrer künstlich konstruierten Iealwelt leben, denken, handeln auch noch dazu aufgefordert, sich seine Verzweiflung, oder Unsicherheit ja nicht anmerken zu lassen.
Was ausser unsicher bis verzweifelt ist denn ein (noch) gesunder Mensch ab einem gewissen Punkt, wenn zig ernstgemeinte, seriöse Bewerbungen aufgrund des Alters, oder noch abartiger, des Aussehens wegen abgeschmettert werden?
Ja was ist ein solcher Mensch denn, der vorm privat-wirtschaftlichem Crash und vor Wohnungsnot steht, in Existenzängste gerät oder bedroht ist, und einer derartigen permanenten psychischen Belastung ausgesetzt ist?

Ein unzureichend belastbares Weichei - richtig!?
Man soll stark, souverän bleiben - gute Mine zum traurigen Spiel machen, sich nichts anmerken lassen, um sich gut "verkaufen" zu können!
Nein, nicht richtig!
Ihr "Berater" seid für mich nichts weiter als Soziopathen, Lügner und Betrüger - Scharlatan sagte man zu früheren Zeiten zutreffend für solch Gesindel!

Ich schlieses mit Worten von Gerhard Polt (sinngemäss ins Hochdeutsche): "...ihr gehört mit der Klobürste hinaus getrieben!"
Originalwortlaut:"es g´hörts mit der Scheisshausbürschtn n`aus g`haut!"

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thequickeningishappening 17.06.2019, 14:16
94. # 91 odapiel

Wenn jeder erwerbsfähige Hartz IV Bezieher durchschnittlich 200 Bewerbungen/Jahr abliefern muss dann kommt ne runde Milliarde zusammen. Kein Wunder dass Die nicht alle durchgelesen werden können ?!

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Crom 17.06.2019, 14:22
95.

Zitat von Schartin Mulz
dass der Berater hier ohne genaue Kenntnis der Umstände "Kluge" Ratschläge gibt. Was sind denn Ratschläge wert, die sich nicht auf die konkrete Situation beziehen? Vor allem, wenn da so Sätze stehen wie " Sie strahlen Unsicherheit aus und setzen durch unüberlegte Aktivitäten die falschen Signale." Woher will Martens das wissen? Er kennt ihn doch gar nicht, bis auf die paar Zeilen da oben. Und Sie machen da weiter, spekulieren über die Karriere des Betroffenen, den SIe auch nicht kennen.
Der Berater kann nur so weit Ratschläge geben, wie man ihm auch Informationen liefert und das hat er am Anfang auch gleich deutlich gemacht.

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grmblfix 17.06.2019, 14:27
96.

"Wenn jemand mehr als zehn Jahre bei demselben Arbeitgeber in derselben Position ausharrt, wirkt das wenig überzeugend." sagte der Personaler, weil Personaler halt sowas sagen. Die sonstigen Weisheiten kann man so auch 1:1 beim Arbeitsamt-"Berater" hören.

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Sensør 17.06.2019, 14:41
97. Überqualifikation und Alter

Ü50 und qualifiziert will keine Firma mehr haben, es sei denn man ist bereit, sich täglich aufs neue dumm zu stellen und so zu tun, als sei man mit dem Mindestklohn zufrieden. Wie soll ein 35 jähriger Vorgestetzer mit begrenztem Fachwissen aber gutem Einkommen einem berufserfahrenen Senior auch erklären, das ihm die Anwesenheit dessen einfach nur auf die Nerven geht.
Es mangelt nur an Fachkräften, die sie jung sind und kein Geld kosten.

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akm13 17.06.2019, 14:43
98. Billigwahn in Deutschland....

...mit voller Unterstützung der Politik. Der Ratschlag ist nicht nur schlecht, sondern schlicht weg unverschämt.
"Im Laufe einer längeren Karriere entwickeln viele Menschen ein gewisses Anspruchsdenken, das - realistisch betrachtet - oft etwas überzogen ist. Überprüfen Sie ganz nüchtern, ob Ihre Erwartungen in der aktuellen Situation am Arbeitsmarkt noch erfüllt werden." Ähhm - die aktuelle Arbeitsmarktsituation ist, dass alle Firmen händeringend suchen!!! Warum sollte man da seine Erwartungen runterschrauben??? Vielleicht sollten die Firmen mal ihre Ansprüche etwas runter schrauben. Wenn ich so manche Stellenbeschreibung sehe, frage ich mich, wovon so ein Personaler nachts träumt??!!! - Top ausgebildet, möglichst promoviert mit 10 Jahren Erfahrung, aber bitte nicht über 30 Jahre alt - und alles bitte für unter €50k brutto. Geht's noch???? Bei der Generation Z bahnt sich jetzt schon ein ganz anderer Anspruch an - da werden die Firmen sich noch umgucken. Mein bester Ratschlag - die Bewerbung und besonders das Schreiben mal ganz anders aufsetzten und vom klassischen Stil weg und sich die Frage stellen - wo bringe ich einen Mehrwert, den Jemand anderes vielleicht nicht hat und der meinen Preis rechtfertigt. Viel Erfolg! :-)

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Krokodilstreichler 17.06.2019, 14:44
99. Geht in die Schweiz

Ich war als Wirtschaftswissenschaftler unter Vierzig weit mehr als ein Jahr arbeitslos, obwohl ich mich deutschlandweit beworben hatte. Ich erwarb dann parallel zum Bewerbungsprozess Programmierkenntnisse im Eigenstudium und bewarb mich in Deutschland und dann auch in der Schweiz. In der Schweiz erhielt ich dann sechs Vorstellungsgespräche und schießlich vier Jobangebote, von denen ich eins annahm. Da ich einigermaßen gut Französisch spreche, bin ich jetzt in einem Job eingesetzt, den normalerweise Wirtschaftsinformatiker machen und in dem ich auch Französisch sprechen muss. In Deutschland erhielt ich leider keine einzige Einladung.

Daher sollte sich jeder mit Probleme beim Finden einer neuen Stelle Deutschland vergessen wenn möglich.

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