Forum: Karriere
200 Bewerbungen, fast nur Absagen: "Bin ich ein aussichtsloser Fall?"
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53 Jahre alt und auf Jobsuche: Was tun, wenn es monatelang einfach nicht klappen will? Der Karriere Coach Matthias Martens rät, sich die richtigen Fragen zu stellen - und selbstkritisch zu sein.

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sandmann888 17.06.2019, 17:50
110.

Zitat von mrotz
Haha. Es werden keine Naturwissenschaftler gesucht. Praktisch kein Unternehmen benötigt Naturwissenschaftler. Wer hat denn überhaupt noch eine R&D - Abteilung? Und INformatiker sind so begehrt, daß man Einstiegern zu versthen gibt, daß 30k Einstiegsgehalt schon zu viel sind. So wird das nichts mehr. Dieses Land ist ziemlich am Ende. mfg
Ich bin Naturwissenschaftler und bewege mich hauptsächlich in diesen Kreisen. Der Bedarf ist enorm und wenn Sie das anders sehen, dann machen Sie was falsch. Vielleicht mal über den Tellerrand schauen. Und wie gesagt, als 68jähriger bin ich gefragt wie nie und nicht nur ich!

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sandmann888 17.06.2019, 17:59
111.

Zitat von mrotz
Das behalten die natürlich für sich. Ich wäre nicht überrascht, wenn die die Hälfte einstecken. mfg
Wieso die Hälfte einstecken? Die stecken nicht die Hälfte ein sondern schlagen auf meinen Stundensatz etwas drauf und das ist deutlich weniger als 50 %. Aber solange ich das bekomme, was ich möchte, bin ich zufrieden und gönne es der Agentur - habe deswegen auch keinen Aufwand, bekomme die Projekte auf einem silbernen Tablett präsentiert. Und mein Std.-Satz ist 3-stellig.

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wauz 17.06.2019, 18:00
112. Der blinde Fleck

Zitat von cinci
Wenn ich so reflektiere, was ältere Bewerber (auch mit Führungserfahrung) teilweise für Bewerbungsunterlagen einreichen...da wundert es nicht, dass nicht alle erfolgreich sind. Da werden Lebensläufe chronologisch über 4 Seiten erzählt, angefangen von der Einschulung in der Volksschule, die aber keinerlei Hinweise auf die tatsächlichen Erfolge und Erfahrungen geben. Das Ganze dann noch im Word-Format ohne Blattschutz und mit 10 Zeugnissen als einzelne Anhänge. Sowas fällt leider direkt raus. Natürlich gibt es auch andere Beispiele, viele Fachkräfte und Führungspositionen werden bei uns durchaus auch mit älteren Bewerbern (extern) besetzt. Das Beispiel hier gibt einfach zu wenig Hintergrundinformation über diese konkreten Fall.
Viele Arebitslose übersehen beim Blick in den Spiegel etwas: dass sie ziemlich derangiert daher kommen. Und nein, ich meine keine knittrigen Hemden oder schlechte Krawattenknoten. ich meine die Psyche.
In einem Verein, der sich mit der Situation so genannter höher Qualifizierter befasste, musste ich einfach sehen, dass da ganz viele mit deutlichen Anzeichen psychischer Erkrankung auftauchten. Und das tun sich Unternehmen einfach nicht an, egal, wie viel Fachwissen und Routine ein Bewerber mitbringt. Oder man sieht schon dem Foto das eine oder andere "Feierabendbierchen" an.
Dazu kommt: jeder personaler geht davon aus, dass wirklich gute Kräfte nicht bis zur betriebsbedingten Kündigung im Unternehmen ausharren, sondern weit vorher die Kurve kratzen.
Und dazu noch, egal, ob berechtigt oder nicht, "gekündigt" erzeugt ein Stigma. Das schon ausreicht, aus einem großen Stapel Bewerbungen frühzeitig in die Ablehnung zu kommen.
Jeder, der in diese Situation kommt, sich aus der Kündigung heraus bewerben zu müssen, sollte sich aufrichtiges Feedback von unabhängiger Seite einholen. Und auch den Gang zum Arzt/Therapeuten nicht scheuen.

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sandmann888 17.06.2019, 18:06
113.

Zitat von krautrockfreak
und die bösen Arbeitgeber zu schieben. Man kann auch mit Mitte 50 durchaus noch die Stelle wechseln oder einen Job finden, wenn man die 20 Jahre vorher dafür gesorgt hat, dass man seine Qualifikationen up to date hält und somit auch seinen Stellenwert. Man muss sich heute permanent weiter qualifizieren und da reden wir primär über Sprach- und Softwarekenntnisse. Wer aber einfach seinen Job macht und denkt, er hat ausgesorgt, der erlebt dann halt genau das, was hier im Artikel beschrieben wird. Ich selbst habe es mit Mitte 50 auch gewagt, nach unendlicher Zeit beim alten Arbeitgeber eine neue Chance zu ergreifen, mit allen Risiken. Man muss halt flexibel sein und was riskieren. Im Moment sind die Möglichkeiten so gut wie nie zuvor.
Sehe ich genauso - der Markt schreit förmlich nach gut ausgebildeten Spezialisten, egal welchen Alters. Nur nicht immer unbedingt vor der Haustüre.

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PRAN1974 17.06.2019, 18:07
114.

Ich arbeite in einer anderen Branche und kenne dort viele Leute, die sich mit über 50 erfolgreich etwas Neues gesucht haben oder in der Firma eingestellt wurden. Auch wenn ich die Situation für Diplom-Kaufmänner nicht einschätzen kann, glaube ich nicht, dass allein das Alter das Problem ist. Meiner Meinung nach ist es eher die Tatsache, als Führungskraft entlassen worden zu sein und sich aus der Arbeitslosigkeit heraus auf Führungspositionen zu bewerben. Bei Arbeitslosen, denen gekündigt wurde, sind Arbeitgeber grundsätzlich misstrauischer. In ein paar harmlose Ungereimtheiten im Lebenslauf kann dann viel hineininterpretiert werden. Eine Lösung habe ich nicht. Es hört sich so an, als sei der Mann 2 Jahre zu Hause gesessen. Da wird es höchste Zeit, relevante Fortbildungen zu machen und damit meine ich nicht das Arbeitsamt-Bewerbungstraining.

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sandmann888 17.06.2019, 18:12
115.

Zitat von sandmann888
"Und diese Agenturen greifen wieviel des tagessatzes ab? 50% oder mehr? mfg" Mit der Agentur verhandele ich einen Stundensatz. Was die Agentur vom Unternehmen bekommt, weiß ich nicht. Aber meinen Satz bekomme ich zu 100 % netto ausgezahlt, kommen dann noch 19 % UStr. darauf, die ich an das Finanzamt abführe - also bekomme ich 119 %. Bei einer Stundenquote von ca. 8-11 Stunden täglich, je nach Bedarf, bleibt da ganz schön was hängen im Monat.
Aus Ihren diversen Äußerungen auf meine Kommentare schließ ich, dass Sie nicht die geringste Ahnung von diesem Markt haben und einfach nur irgendein Vorurteil gedankenlos nachplappern. Die Agenturen machen einen guten Job, den man selber überhaupt nicht hinbekäme. Wie soll ich wissen, ob im äußersten Norden, Osten oder Süden irgendwo ein Spezialist gesucht wird. Die werden nämlich nicht öffentlich gesucht, es geht alles nur über Kontakte, die die diversen Agenturen haben und so lernt man dann eben auch schnell mal die verschiedenen Regionen in unserem Land kennen .

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klichti 17.06.2019, 18:23
116.

Zitat von Hanz Gruber
"Im Laufe einer längeren Karriere entwickeln viele Menschen ein gewisses Anspruchsdenken, das - realistisch betrachtet - oft etwas überzogen ist." Mehr als dies hätte es nicht benötigt um die Situation zu beschreiben. Eine alternde Führungsposition, die die letzten Jahre nur Gehaltserhöhungen statt Dämpfer erfahren hat, findet sich nun mit überzogenen Ansprüchen in der Realität der öffentlichen Ausschreibungen wieder. Der Werdegang der Führungsperson kann man wohl grob so beschreiben: Durch interne Ausschreibungen oder als nächst ältester in der Rangfolge in eine Führungsposition Befördert worden, dort durch persönliche Kontakte 1-2 mal die Firma/Posten gewechselt, immer mit üppigen Gehaltserhöhungen und anderen Vorzügen. Heraus kommt da eine Person, die allein durch die Jahre in einem solchen Posten verweilte (ich vermeide hier absichtlich das Wort Erfahrung), ein Gehalt von 25%-50% über denen der Mitte 30 Jährigen Konkurrenz für gerechtfertigt findet. Schließlich ist man es gewohnt das es immer nur Bergauf ging und das Vorstadt Haus + 3 Autos vor der Tür müssen ja auch finanziert werden. Diese Person erfährt nun auf die Harte Tour das der Jobmarkt für Führungspositionen wesentlich härter ist als für den normalen Mitarbeiter in der Abteilung. Hier gibt es eben nur viel weniger offene Stellen, die zwar fast immer öffentlich Ausgeschrieben werden aber auch gerne intern besetzt werden, und haufenweise Arbeitnehmer ab 35+ die aus ihrem Abteilungsmitarbeiter Posten den nächsten Sprung in der Karriere Leiter sehen. Wer nach 12 Monaten immer noch keine folge Stelle hat, sollte eben auch mal seinen bisherigen Werdegang Revü passieren lassen. Sein meine Gehaltsvorstellungen wirklich realistisch? Bin ich wirklich eine Führungspersönlichkeit (allein der Fakt das man nach Bewerbungsghilfe fragt, sagt klar: NEIN)? Hatte ich bei vorherigen Job Wechseln durch ein persönliches Netzwerk evtl. einfach nur Glück? Kann ich den Job als normaler Abteilungs Mitarbeiter überhaupt noch, oder bin ich schon zu lange raus?
Das ist nun wirklich die billige Masche. "Du bist schon lange da, also hast Du auch schon vor langem aufgehört, dazuzulernen. Sei nicht so anspruchsvoll, Deine Erfahrung ist nichts wert, gib lieber gleich klein bei, Du bist sowieso die ganze Zeit schon viel zu gut behandelt worden." Kindchen, ich gehe mit großen Schritten auf die 60 zu, und in meinem Bereich habe ich nur eine jüngere Person getroffen, die auf meinem Level ist, was Fähigkeiten, Kenntnisse, Belastbarkeit und Flexibilität angeht. Trotzdem habe ich ca. 3 Jahre gesucht, ehe ich meine jetzige Stelle gefunden hatte, und die hätte ich auch nicht bekommen, wenn nicht der Mit-Dreißiger, den sich das Unternehmen eigentlich ausgegucht hatte, noch vor Stellenantritt einen Rückzieher gemacht hätte. Klugscheißen über die alten Faulpelze ist einfach, wichtigste Voraussetzung dafür: nicht zuviel Einblick in die tatsächlichen Umstände. Gut gebrüllt, Löwe, weiter so, Du wirst Deinen Weg schon machen.

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ford_mustang 17.06.2019, 18:30
117. wie immer bei den Ratschlägen der Fachleute, ...

im Karrierespiegel. Weltfremd und Tipps auf die ein Fünfzehnjähriger kommt. Das eigentliche Problem sind die HRler in den Firmen, ich sehe das bei uns. Der Älteste ist knapp dreißig. Lebenserwartung und Menschenkenntnis gleich Null. Was bringt es denn, sowohl für die Firma wie auch dem MA, wenn man sich nach der Probezeit wieder trennt? 10 Jahre in einer Firma ein Malus? Schon mal nachgedacht, ob das Betriebsklima und das Arbeitsfeld vielleicht gestimmt hat? Der beschriebene Fall hat ja nicht freiwillig gekündigt. Mir sind gute Zeugnisse nur zweitrangig wichtig. Wissen kann man schulen, Sozialkompetenzen nicht. Die Leute mit tollen Abschlüssen haben in der Praxis immer versagt. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.

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ArnoNyhm1984 17.06.2019, 18:37
118. soviel zum Thema "Fachkräftemangel" !

Würden wir über einen 53jährigen Möbelpacker sprechen, dann könnte man ja noch argumentieren "nicht mehr leistungsfähig genug". Bei einem Kaufmann sollte dagegen umgekehrt die Erfahrung eher noch aufwerten.
Ist aber nicht -womit sich das übliche Wehklagegeschrei der Arbeitgeber von wegen "Fachkräftemangel" ad absurdum führt.

Und wenn man die Ratschläge des "Experten" liest, dann weiß man auch, warum das so ist: Schuld ist ja der Abeitslose, weil er seine Ansprüche noch nicht genügend heruntergeschraubt hat. Toll.

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spon_7302413 17.06.2019, 19:14
119. Manifeste Vorurteile

Zitat von wauz
Viele Arebitslose übersehen beim Blick in den Spiegel etwas: dass sie ziemlich derangiert daher kommen. Und nein, ich meine keine knittrigen Hemden oder schlechte Krawattenknoten. ich meine die Psyche. In einem Verein, der sich mit der Situation so genannter höher Qualifizierter befasste, musste ich einfach sehen, dass da ganz viele mit deutlichen Anzeichen psychischer Erkrankung auftauchten. Und das tun sich Unternehmen einfach nicht an, egal, wie viel Fachwissen und Routine ein Bewerber mitbringt. Oder man sieht schon dem Foto das eine oder andere "Feierabendbierchen" an. Dazu kommt: jeder personaler geht davon aus, dass wirklich gute Kräfte nicht bis zur betriebsbedingten Kündigung im Unternehmen ausharren, sondern weit vorher die Kurve kratzen. Und dazu noch, egal, ob berechtigt oder nicht, "gekündigt" erzeugt ein Stigma. Das schon ausreicht, aus einem großen Stapel Bewerbungen frühzeitig in die Ablehnung zu kommen. Jeder, der in diese Situation kommt, sich aus der Kündigung heraus bewerben zu müssen, sollte sich aufrichtiges Feedback von unabhängiger Seite einholen. Und auch den Gang zum Arzt/Therapeuten nicht scheuen.
Ich gratuliere zu ihrem ausgewogenen Welt- und Menschenbild. ;-) Alleine Ihre Diktion lässt mich allerdings bereits an einer profunden Basis zweifeln. Das scheint mir doch eher die Essenz einer eher begrenzten 'Erfahrungswelt' zu sein, oder eben das, was Sie schreiben: Einblick nur auf einen kleinen Teil im Rahmen einer Tätigkeit, die genau nur diesen Teil abdeckt.

Im Übrigen ist es realitätsfern einer arbeitslos gewordenen Fachkraft über 50 vorzuhalten, sich nicht nach einem Arbeitsplatz umgesehen zu haben, so lange noch die ehemals bestehende Arbeitsstelle besetzt wurde. Wer sich einen neuen Job sucht, sitzt ja im Gegenzug auch auf dem Schleudersessel, das sollte man wissen. Es ist ja nicht so, dass es keine Alternativen für die AG gäbe - preiswertere, versteht sich... ;-)
In diesem Thema scheinen Sie also nicht allzu tief verwurzelt zu sein, wie es aussieht. Und dass nach einer gewissen Zeit des vergeblichen Bemühens un der wachsenden Sammlung von Ablehnung bei der Stellensuche eine gewisse Resignation einsetzt, halte ich für nachvollziehbar - gewissermaßen für einen Erwartungswert. Dass an der Stelle eine entsprechend proaktive professionelle therapeutische Hilfestellung, an Stelle mehrfacher Wiederholung von rein statistisch wirksamen Bewerbungsschulungen, zielführender wäre, ist im Grunde selbsterklärend. Doch wie sieht es in der Realität denn aus? Ist es vor dem Hintergrund der auf der Hand liegenden Erkenntnis nicht erstaunlich, dass das nicht statt findet, sondern die Betroffenen weiter in Bewerbungsschulungen zwangesverpflichtet werden und eine vorgegebene monatliche Bewerbungsquote vorweisen müssen, anderenfalls sie sanktioniert würden?

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