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200 Bewerbungen, fast nur Absagen: "Bin ich ein aussichtsloser Fall?"
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53 Jahre alt und auf Jobsuche: Was tun, wenn es monatelang einfach nicht klappen will? Der Karriere Coach Matthias Martens rät, sich die richtigen Fragen zu stellen - und selbstkritisch zu sein.

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wauz 17.06.2019, 20:15
120. Man sieht wer übrig bleibt

Zitat von spon_7302413
Ich gratuliere zu ihrem ausgewogenen Welt- und Menschenbild. ;-) Alleine Ihre Diktion lässt mich allerdings bereits an einer profunden Basis zweifeln. Das scheint mir doch eher die Essenz einer eher begrenzten 'Erfahrungswelt' zu sein, oder eben das, was Sie schreiben: Einblick nur auf einen kleinen Teil im Rahmen einer Tätigkeit, die genau nur diesen Teil abdeckt. Im Übrigen ist es realitätsfern einer arbeitslos gewordenen Fachkraft über 50 vorzuhalten, sich nicht nach einem Arbeitsplatz umgesehen zu haben, so lange noch die ehemals bestehende Arbeitsstelle besetzt wurde. Wer sich einen neuen Job sucht, sitzt ja im Gegenzug auch auf dem Schleudersessel, das sollte man wissen. Es ist ja nicht so, dass es keine Alternativen für die AG gäbe - preiswertere, versteht sich... ;-) In diesem Thema scheinen Sie also nicht allzu tief verwurzelt zu sein, wie es aussieht. Und dass nach einer gewissen Zeit des vergeblichen Bemühens un der wachsenden Sammlung von Ablehnung bei der Stellensuche eine gewisse Resignation einsetzt, halte ich für nachvollziehbar - gewissermaßen für einen Erwartungswert. Dass an der Stelle eine entsprechend proaktive professionelle therapeutische Hilfestellung, an Stelle mehrfacher Wiederholung von rein statistisch wirksamen Bewerbungsschulungen, zielführender wäre, ist im Grunde selbsterklärend. Doch wie sieht es in der Realität denn aus? Ist es vor dem Hintergrund der auf der Hand liegenden Erkenntnis nicht erstaunlich, dass das nicht statt findet, sondern die Betroffenen weiter in Bewerbungsschulungen zwangesverpflichtet werden und eine vorgegebene monatliche Bewerbungsquote vorweisen müssen, anderenfalls sie sanktioniert würden?
Da unser System ja alle über ein Jahr Arbeitslosen gnadenlos in die Armutsfalle jagt, sieht man aus der perspektive diejenigen, die es nicht geschafft haben, einen neuen Job zu bekommen, ja deutlich.
Klar, es gibt welche, die haben genug auf der kante und die Ehefrau hat noch einen (vielleicht sogar gut bezahlten) Job, dann trifft man die nicht in den diversen Unterschicht-Klübchen.
Diejenigen, die aussortiert werden, sind in erster Linie die Geschwächten. Denn die Sortierung erfolgt ja nach einer Logik.
Gute Kräfte sind oft genug auch gut genug vernetzt, um über diese Schiene schnell wieder unterzukommen.
Es sind ja eben diese peer groups, die heute einen Großteil des Recruitments ausmachen.
Die Leute, die auf das verschicken von Bewerbungen, egal Mappe oder E-Mail, angewiesen sind, sind schon von vornherein auf der Verliererstrecke.
Wie schon gesagt: wem Arbeitslosigkeit auch nur andeutungsweise droht, der sollte sofort aktiv werden. Und vor allem auch die von mir angesprochenen, scheinbaren Nebenaspekte prüfen.

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auf_ein_wort 17.06.2019, 20:57
121. 350 Bewerbungen und fast nur Absagen!

Ich bin 28 gewesen! War dumm genug das falsche zu studieren. Im Osten benötigt man keine Kommunikationswissenschaftler! Wie auch sonst nirgends. Über 350 Bewerbungen habe ich mittlerweile geschrieben.
Bei so vielen Absagen/ Niederlagen benötigt man Durchhaltevermögen!
Du musst variieren: Text, Form des Lebenslaufes, ggf. neue Fotos! Auch wenn das schwer wird! Du darfst nie an dir selbst zweifeln und verkaufe dich niemals unter Wert!

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spon_7302413 17.06.2019, 21:42
122. Man sieht, wer übrig bleibt? Geht es darum?

Zitat von wauz
Da unser System ja alle über ein Jahr Arbeitslosen gnadenlos in die Armutsfalle jagt, sieht man aus der perspektive diejenigen, die es nicht geschafft haben, einen neuen Job zu bekommen ... Diejenigen, die aussortiert werden, sind in erster Linie die Geschwächten. ... Die Leute, die auf das verschicken von Bewerbungen, egal Mappe oder E-Mail, angewiesen sind, sind schon von vornherein auf der Verliererstrecke. Wie schon gesagt: wem Arbeitslosigkeit auch nur andeutungsweise droht, der sollte sofort aktiv werden. Und vor allem auch die von mir angesprochenen, scheinbaren Nebenaspekte prüfen.
Ich verstehe, was Sie aussagen möchten, doch teile ich bereits die Grundlagen der Logik im Kontext der Diskussion nicht. Wenn es für 1000 Fachkräfte, die die 50 überschritten haben, 100 der Kompetenz angemessene Stellen gibt, die es zu besetzen gilt, bleiben 900 übrig, die leer ausgehen. Dabei ist es für diese Arithmetik völlig unbedeutend, welche Methoden, oder welchen Zeitpunkt der Einzelne wählt. Es mag ja richtig sein, dass es für die Einzelnen Optimierungspotenzial hinsichtlich der eigenen Performance gibt, aber das erweitert nicht die Grundlagen der Verteilungsdynamik, sondern verlagert nur die Ergebnisse und geht zu Lasten anderer, da es sich letztlich um ein Nullsummenspiel für den begrenzten Arbeitsmarkt handelt.
Das Problem bleibt in toto bestehen. Und am Gesamtbild ändert sich nichts. Wer sich in dieses Rattenrennen begibt, begeben muss, konkurriert auf dem Weg nach unten um die Position des (relativ) geringsten Anspruchs. Das ist für 95% der Betroffenen die Realität. Das ist das Ergebnis der politischen Entscheidungen und der Umsetzung der Durchführungsverordnungen in den Ämtern. Es wurde faktisches ein Zweiklassenrecht etabliert, dem ab einem bestimmten Alter - im Fall des Verlustes des Arbeitsplatzes - kaum noch zu entkommen ist. Einzelfälle, die von der Regel abweichen, bestätigen ja bekanntlich nur deren Existenz. Lesen sie sich die monatlichen Statistiken gründlich und im Detail durch, mit denen die Rekordzahlen verlautbart werden. Würde man diese Statistiken auf der Sachebene korrekt bewerten, wären sie das, was man in einem entsprechend unordentlich geführten Betrieb als "frisiert" bezeichnen würde und ggf zu rechtlichen Konsequenzen führen kann. Statistische Trucks dienen der gezielten Täuschung über die tatsächlichen Sachverhalte, es werden damit "Ergebnisse" und Zustände "belegt", die es in der Realität gar nicht gibt, die aber politisch opportun sind und daher von allen Beteiligten durch gewunken werden.

Letztlich bleibt die Tatsache, dass Bewerber, die jenseits der 50 sind, mit berechenbar geringer Wahrscheinlichkeit Erfolg bei der Arbeitssuche haben werden und sich in eine Abwärtsspirale begeben müssen, die vorhersehbar in bekannten entsprechenden gesundheitlichen Konsequenzen münden. Und das wird billigend und ohne aktive Gegenmaßnahmen betrieben und hingenommen. Das sollte uns allen zu denken geben, denn das ist die Art, wie hier aus rein wirtschaftlichen Erwägungen mit Menschen, bei gleichzeitig absehbar schwindender Versorgung mit auskömmlichen Arbeitsplätzen, umgegangen wird.

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jim_beam 17.06.2019, 23:03
123.

Der offenkundigste Schwachpunkt ist doch aus der Selbstbeschreibung herauslesbar: Mittleres Management, Bereich beliebig, typische administrative Tätigkeiten. Es sollte sich rumgesprochen haben, dass diese Art von Tätigkeit immer weniger gebraucht wird, ganz unabhängig vom Alter.

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hansriedl 17.06.2019, 23:12
124. Reguläre Jobs

werden immer weniger. Reguläre Jobs reichen immer seltener zum Leben.
Eine ARD Reportage über "Hungerlöhner" in den Werkshallen von Daimler. "Immer mehr Menschen", berichtete der Sender, "können von ihrem Lohn nicht leben, auch wenn sie Vollzeit arbeiten."
Aufstocker gibt es immer mehr. Aufstocken gilt nämlich als doppelter Skandal: Menschen werden mit unwürdigen Löhnen abgespeist, und der Steuerzahler unterstützt das mit seinen Hilfszahlungen. Ein krasserer Verstoß gegen soziale Gerechtigkeit ist kaum denkbar. Der Fall scheint klar. Die Regierung macht dies möglich.

Wem wunderts, wenn man vergeblich Bewerbungen schreibt und nicht mal eine Antwort kriegt.
Dan gibt es noch, die Hochschulabsolventen und Dauerpraktikanten, die mangels Berufserfahrung oder jahrelanger Verblödung in "Integrationsmaßnahmen" nur auf dem 2. Arbeitsmarkt Chancen haben. Die schon gern eine Vollzeitstelle hätten und faktisch auch haben, nur auf dem Papier ist es eben ein TZ-Job.

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pracz 17.06.2019, 23:50
125. 10 Jahre beim einem Arbeitgeber

Sehr geehrter Hr. Martens!

Man muss Ihren Satz mehrmals durch den Kopf gehen lassen:
"Wenn jemand mehr als zehn Jahre bei demselben Arbeitgeber in derselben Position ausharrt, wirkt das wenig überzeugend."
Hr. Martens, die guten, die besten und die allerbesten Ingenieure dieses Landes tun genau das! Sie Arbeiten jahrzehntelang bei demselben Arbeitgeber und sind Urheber des deutschen Exportwunders und des deutschen Wohlstandes. Die Berufserfahrung und das technisches Wissen dieser Menschen ist beinahe unschlagbar. Sie bilden den Rückgrad einer Industrie, deren Gewinne erst überhaupt ermöglichen, dass Sie solche Berufe wie "Outplacementberater" erfinden und damit auch nur ein Cent verdienen können.
Seien Sie mir nicht böse. Das was Sie hier schreiben ist hanebüchener Unsinn, gepaart mit Binsenweisheiten. Dass Sie überhaupt von Ihrer "Outplacementberatung" (was ist das für ein Wort?) leben können, dürfen Sie diesen Menschen danken, die jahrzehntelang in dem selben Job beim selben Arbeitgeber arbeiten.
Das sagt Ihnen ein Unternehmer, der gerne noch viel mehr von diesen Leuten beschäftigen würde.

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pirx64 18.06.2019, 01:58
126.

An die, die den Fachkräfte Mangel in frage stellen : Wir, Softwarehaus mit rund 200 Mitarbeiter, kennen das. Mangels kompetenter Bewerber haben wir schon per Skype Bewerbungsgespräche z.B. mit Leuten aus Argentinien geführt und eingestellt.
Der Mangel war übrigens nicht durch niedriges Lohnangebot gekommen, 60.000 als Einstiegsgehalt und iPhone, Laptop und Firmenwagen.

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gartenkram 18.06.2019, 07:32
127. Diese

sog Tipps sind sowas von flüssig ... meiner Erfahrung nach haben Ü50-Jährige, v.a. wenn sie lange in einem Unternehmen waren, einen engeren Blick und teilweise zu hohe Erwartungen - einen habe ich eingestellt, der musste auch erst einmal verstehen, dass wir ein anderer Betrieb in einer anderen Branche sind und dass er sowohl beim Gehalt Abstriche machen muss als auch bei den Möglichkeiten, Chef zu werden, dazu sind wir zu klein. Dessen ungeachtet finde ich gerade Ü50 Jährige einen Gewinn für die Firma, weil sie viel mehr Erfahrung haben, viel besser wissen, worauf es ankommt als Jungabsolventen und durchaus auch mal deutlich werden. War aber auch mit diesem Mitarbeiter mit zahlreichen Diskussionen verbunden, v.a. wenn wieder kam "damals (alte Firma) haben wir das so und so gemacht" - ja, sicher, aber hier nicht, da brauchen wir andere Lösungen. Dieser Karrierecoach hat bestimmt mal ein Buch geschrieben, das er jetzt als Ratschläge durch die Gegend schickt - nicht hilfreich. Und für den Fragenden: auch bisschen spät, nach Hilfe zu suchen, wenn ein Jahr arbeitlos schon fast rum sind ... ich drück die Daumen, dass sich bald was tut.

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BrigitteMatthews 18.06.2019, 07:57
128. Senioren sind nicht gefragt

Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie stark sich der Markt der Personaler entwickelt hat... Die Situation ist doch klar: Arbeitgeber wollen das Risiko, einen MA über 50 einzustellen, einfach nicht eingehen. Junge Leute sind doch viel günstiger und formbarer. Ratschläge wie, seinen Lebenslauf umzuschreiben nützen allemal dem Umsatz von externen Personalberatern. Solange Firmen von der wichtigen Erfahrung der Senioren nur reden und sie nicht umsetzen, bleibt als einzige Lösung, in seinem privaten Netzwerk fündig zu werden.
Warum gibt es keine Einstellungsauflagen?

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fatherted98 18.06.2019, 08:06
129. naja....

Zitat von pirx64
An die, die den Fachkräfte Mangel in frage stellen : Wir, Softwarehaus mit rund 200 Mitarbeiter, kennen das. Mangels kompetenter Bewerber haben wir schon per Skype Bewerbungsgespräche z.B. mit Leuten aus Argentinien geführt und eingestellt. Der Mangel war übrigens nicht durch niedriges Lohnangebot gekommen, 60.000 als Einstiegsgehalt und iPhone, Laptop und Firmenwagen.
.....also da bekommt ein Programmiere in den USA mehr....60.000 sind nicht so üppig in dieser Branche....sondern eher der absolut untere Level. Fähige Software Absolventen fangen in den USA ab 100.000 an....Dollar in dem Fall....und I-Phone, Laptop, Firmenwagen....das ist doch jetzt nicht Ihr Ernst das so hervorzuheben....das bekommt jeder Handelsvertreter automatisch....da braucht man kein Software-Ing. zu sein. Ich glaube erkannt zu haben warum Sie keine Leute finden.

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